Zuzwil SG

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SG ist das Kürzel für den Kanton St. Gallen in der Schweiz und wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Zuzwilf zu vermeiden.
Zuzwil
Wappen von Zuzwil
Staat: Schweiz Schweiz
Kanton: Kanton St. Gallen Kanton St. Gallen (SG)
Wahlkreis: Wilw
BFS-Nr.: 3426i1f3f4
Postleitzahl: 9524
Koordinaten: 726222 / 259038Koordinaten: 47° 28′ 12″ N, 9° 6′ 47″ O; CH1903: 726222 / 259038
Höhe: 550 m ü. M.
Höhenbereich: 499–715 m ü. M.[1]
Fläche: 8,97 km²[2]
Einwohner: 4786 (31. Dezember 2020)[3]
Einwohnerdichte: 534 Einw. pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne
Schweizer Bürgerrecht)
13,0 % (31. Dezember 2020)[4]
Gemeindepräsident: Roland Hardegger (parteilos)
Website: www.zuzwil.ch
Zuzwil von Süden

Zuzwil von Süden

Lage der Gemeinde
Bettenauer WeiherStadtweier (SG)Hauptwiler WeierRüüti WeierHoorbacher WeierHorber WeierBildweierGübsenseeKanton Appenzell AusserrhodenKanton ThurgauWahlkreis St. GallenWahlkreis ToggenburgKanton ZürichDegersheim SGDegersheim SGFlawilJonschwilNiederbürenNiederhelfenschwilOberbürenOberuzwilUzwilWil SGZuzwil SGKarte von Zuzwil
Über dieses Bild
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Zuzwil ist eine politische Gemeinde und eine Ortschaft im Wahlkreis Wil des Kantons St. Gallen in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die im Fürstenland zwischen Wil SG und Uzwil, an der Grenze zum Kanton Thurgau liegende Gemeinde umfasst die Pfarrdörfer Zuzwil und Züberwangen, das Dorf Weieren sowie die Weiler Langensteig, Hüseren, Lindenhof, Grüenegg und Mettlen.[5] Zuzwil liegt nördlich der Thur an der Hauptstrasse 7 zwischen Wil und Gossau.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild von Walter Mittelholzer aus dem Jahr 1920

Zuzwil (761 Zozinvilare) wurde zusammen mit den alemannischen Siedlungen Züberwangen und Weieren wurden zwischen 754 und 981 in 13 Schenkungsurkunden des Klosters St. Gallen erwähnt. Noch vor der Jahrtausendwende entstand daraus das äbtische Gericht Zuzwil (947 bezeugt). Die mittelalterliche Burg Leuberg nordöstlich von Zuzwil wurde mit dem Dorf in den Appenzellerkriegen 1403 und im Alten Zürichkrieg 1445 zerstört. Vor 1301 verpfändete der Abt von St. Gallen die Vogtei Zuzwil an die Herren von Griesenberg. Später gelangte sie über die Toggenburger an die Herren von Hewen, von Löwenberg, von Breitenlandenberg und schliesslich an Andreas Kornfail (1488 Offnung), der sie 1495 dem Kloster St. Gallen verkaufte (1495 äbtische Offnung). Dieses ordnete sie als Gericht Zuzwil dem Wileramt in der Alten Landschaft zu.[5]

Rotes Haus

1529 bis 1531 schloss sich die Mehrheit der nach Wil pfarrgenössigen Bevölkerung vorübergehend der Reformation an. 1677 wurde die Pfarrei Zuzwil mit dem Patrozinium St. Josef errichtet. Das im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts erbaute Rote Haus (Nordteil), das 1732 erweitert wurde (Südseite), war das Zehntenhaus des äbtischen Verwalters. 1793 bis 1798 nahm Zuzwil an der revolutionären Bewegung des Fürstenlands gegen die fürstäbtische Herrschaft teil. 1803 wurde es eine politische Gemeinde des Kantons St. Gallen, 1837 folgte die Zusammenlegung der Ortsgemeinden.[5]

Der Ackerbau wurde ab dem 19. Jahrhundert zunehmend durch Vieh- und Milchwirtschaft sowie bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts vom Obstbau verdrängt. Der ab dem Frühmittelalter gepflegte Rebbau verschwand nach 1900. Die dörfliche Entwicklung wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die aufkommende, vor allem in Heimarbeit betriebene Stickerei gefördert, bis diese nach der Jahrhundertwende stagnierte.[5] Zuzwil hat sich seit 1960 zu einem Wohnort mit entsprechender Infrastruktur entwickelt. Die Bevölkerungszahl in der steuergünstigen Gemeinde hat sich in dieser Zeit fast vervierfacht.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dorfzentrum vom Zuzwil
Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1837 1850 1900 1950 1970 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Einwohner 1059 1127 1075 1110 1485 2076 2483 3005 3417 3798 4264 4586 4628 4693 4711 4729 4790 4773 4745 4750 4766 4760 4819
Quelle [5] [5] [6] [7] [8] [9] [10]

Ortschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis zur Gründung des Kantons St. Gallen im Jahre 1803 waren Züberwaren und Weieren eigenständige Gemeinden.

Züberwangen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Züberwangen wurde erstmals in der Henauer Urkunde erwähnt. Die Ortschaft hatte am 31. Dezember 2008 1373 Einwohner.

Weieren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Thurbrücke verbindet Zuzwil mit Henau.

Weiern ist ein Dorf in der Ortschaft Züberwangen. Die älteste bekannte Urkunde aus Weieren stammt von einer Schenkung aus dem Jahre 762.

Bildung und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zuzwil und Züberwangen führen Kindergärten und je eine Primarschule. Im zentralen Schulhaus Sproochbrugg werden gemeinsam mit der Nachbargemeinde Niederhelfenschwil die Oberstufenschüler unterrichtet.

Im öffentlichen Verkehr ist Zuzwil mit einem viermal stündlich verkehrenden Postauto mit Wil verbunden. Diese Kurse verkehren weiter nach Uzwil,[11] OberbürenNiederbüren[12] und Niederhelfenschwil.[13] Eine weitere Postautolinie verkehrt von Zuzwil über Oberbüren und nach Gossau.[14]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige Bäckerei Zünd aus dem 17. Jahrhundert
Pfarrkirche

Die 1661 im Barockstil eingeweihte St.-Josefs-Kirche ist von der 1933 erfolgten Erneuerung des Kirchenschiffes geprägt, wobei der Chor und der Turmunterbau belassen wurden. Seither beinhaltet die Pfarrkirche eine Symbiose von Barock, Klassizismus und historisierenden Elementen bis zum Neubarock.[15]

Ehemalige Torfbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Material Wert 
3.205 m lose Schienen mit Laschen und Laschenbolzen von 42.050 kg a 0,65 SFR 27.332,50 SFR
9.000 Schienennägel von 1.085 kg a 1,50 SFR 1.552,50 SFR
Verpackung (schweizerisch Emballage), Fracht, Transport und Regiestunden für Gleisverlegung etc. 4.719,05 SFR
638 Stück Holzschwellen a 120,00 SFR und 670 Stück = 22,19 m³ a 77,00 SFR oder 78.00 SFR per m³ inkl. Fracht und Transport 2.803,90 SFR
Zwischensumme Transportgleise 36.407.95 SFR
1944,4 m Decauvillegeleise 600 mm Spurweite inkl. Laschen und Laschenbolzen, 33.557 kg a 0,95 SFR oder 0,85 SFR per kg 30.601,15 SFR
503,9 m Decauvillegeleise 600 mm Spur komplett a 24,00 SFR per Laufmeter 12.093,00 SFR
Fracht & Regiestunden für Transport & Verlegung 1,368.90 SFR
Zwischensumme für 2.448,3 m Auslegegeleise 44.063,05 SFR
8 Weichen 5 m lang 600 mm Spur a 1.60 SFR per kg resp. a 335,00 SFR per Stück inkl. Fracht etc. 2.458,40 SFR
19 Drehscheiben 600 mm Spur komplett a 255,00 SFR oder 280,00 SFR per Stück inkl. Fracht etc. 5.346,15 SFR
Zwischensumme für Weichen und Drehscheiben 7.804,55 SFR
29 Torfetagenwagen 600 mm Spur a 247,00 SFR oder 280,00 SFR per Stück inkl. Fracht 8.348,30 SFR
15 Kipploren 600 mm Spur a 250,00 SFR, 320,00 SFR oder 350,00 SFR inkl. Umänderungen etc. 5.050,00 SFR
Zwischensumme für Rollmaterial 13.398,30 SFR
Total für Gleis- und Rollmaterial 101.673,85 SFR
Abladen der Sodenbretter und Auslegen des Torfes im Torffeld

Im Torffeld Zuzwil wurde eine handbetriebene Decauvillebahn eingesetzt. Diese war für den Abtransport des Torfes sehr geeignet, weil das Torffeld ein ziemlich gleichmäßiges Gefälle von ca. 1 % zur Verladerampe hin aufwies, so dass die Loren von selbst bis zur Verladebühne rollten. Der Torfbetrieb wurde vom Unternehmer August Josef, einem Torffachmann, geleitet. Den Abtransport des Torfes mit einem LKW oder Fuhrwerk zur Bahn und an andere Abgabestellen leitete Unternehmer Joh. Josef. Die 6,5 km lange Transportstrecke wies längere Steigungen von 4 und 8 % auf. An der Bahnstation Wil wurde der Torf vom Motorlastwagen oder Fuhrwerk direkt in die Bahnwagen geschaufelt. Eine besondere Verladevorrichtung gab es dort nicht. Die gute Überwachung und rationelle Durchführung der ganzen Torfausbeutung, die Verwendung billiger Arbeitskräfte und die Leitung des Betriebes durch die Unternehmer selbst sind, neben anderen günstigen Bedingungen, die Hauptursache davon, dass der Gestehungspreis des Torfes auf Torffeld Zuzwil niedriger als auf den anderen Torffeldern der Schweizerischen Torfgenossenschaft ausfiel.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Zuzwil SG – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BFS Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Höhen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  2. Generalisierte Grenzen 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Flächen aufgrund Stand 1. Januar 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. Mai 2021
  3. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Einwohnerzahlen aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  4. Ständige Wohnbevölkerung nach Staatsangehörigkeitskategorie, Geschlecht und Gemeinde, definitive Jahresergebnisse, 2020. Bei späteren Gemeindefusionen Ausländeranteil aufgrund Stand 2020 zusammengefasst. Abruf am 17. November 2021
  5. a b c d e f Cornel Dora: Zuzwil (SG). In: Historisches Lexikon der Schweiz.
    Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
  6. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geburtsort und Staatsangehörigkeit. Auf der Webseite des Bundesamts für Statistik, abgerufen am 20. Oktober 2020
  7. Geschäftsbericht 2013. (PDF; 1,7MB) In: zuzwil.ch. Gemeinde Zuzwil, 10. Februar 2014, S. 10, abgerufen am 22. Mai 2022.
  8. Geschäftsbericht 2016. (PDF; 4,5MB) In: Zuzwil.ch. Gemeinde Zuzwil, 15. Februar 2017, S. 11, abgerufen am 22. Mai 2022.
  9. Geschäftsbericht 2019. (PDF; 10,5MB) In: zuzwil.ch. Gemeinde Zuzwil, 18. Februar 2020, S. 10, abgerufen am 22. Mai 2022.
  10. Geschäftsbericht 2021. (PDF; 9,6MB) In: zuzwil.ch. Gemeinde Zuzwil, 14. Februar 2022, S. 10, abgerufen am 22. Mai 2022.
  11. 80.726 Uzwil, Waldhof – Henau – Wil SG. In: Kursbuch (online). Fahrplanjahr 2020
  12. 80.724 Wil SG – Zuckenriet – Niederbüren. In: Kursbuch. (online). Fahrplanjahr 2020.
  13. 80.725 Wil SG – Zuzwil – Niederhelfenschwil. In: Kursbuch. (online). Fahrplanjahr 2020.
  14. 80.726 Uzwil, Waldhof – Henau – Wil SG. In: Kursbuch. (online). Fahrplanjahr 2020.
  15. Pfarrkirche „St. Josef“ Zuzwil. Auf der Webseite der Seelsorgeeinheit mittleres Fürstenland, abgerufen am 30. Oktober 2020.