Zweite Deutsche Antarktisexpedition

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Die nach der Gauß-Expedition (1901–1903) Zweite Deutsche Antarktisexpedition von 1911 bis 1912 war eine Forschungsreise mit dem Ziel, den Kontinent Antarktika auf dem Landweg über den geographischen Südpol hinweg zu durchqueren. Geleitet wurde sie vom Geophysiker Wilhelm Filchner. Richard Vahsel (1868–1912), Kapitän des Expeditionsschiffs Deutschland, starb auf dieser Reise. Schirmherr der Expedition war der greise bayerische Prinzregent Luitpold. Ihre Finanzierung erfolgte durch private Spenden sowie durch die Einnahmen aus einer speziellen staatlichen Lotterie.[1]

Verlauf der Expedition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegelmarke Deutsche Südpolar Expedition

Am 4. Mai 1911 verließ die Deutschland Bremerhaven. Nach einem Zwischenstopp zur Ergänzung der Vorräte in Buenos Aires, wo auch der Expeditionsleiter an Bord ging,[1] nahm sie am 4. Oktober 1911 Kurs auf Südgeorgien, das sie am 18. Oktober 1911 erreichte. Nach einem Forschungsaufenthalt von 48 Tagen im dortigen Grytviken, wo bereits umfangreiche Untersuchungen zu verschiedenen wissenschaftlichen Themen durchgeführt wurden, brach sie am 1. Dezember 1911 ins Weddellmeer auf, wobei ihre Route sie an den Südsandwichinseln vorbeiführte.

Am 30. Januar 1912 entdeckte die Besatzung der Deutschland eine zuvor unbekannte Region im Süden von Coatsland, die Filchner – nach dem Schirmherrn der Forschungsreise – Prinzregent-Luitpold-Land taufte. Dann erreichte die Bark den südlichsten Punkt ihrer Fahrt. Am 31. Januar 1912 sichteten die Forscher auf 78° S die südliche Begrenzung des Weddellmeeres, eine Eisbarriere, die Filchner zunächst nach Kaiser Wilhelm II. benannte, welcher den Namen später in Filchner-Schelfeis (heute: Filchner-Ronne-Schelfeis) änderte. Am 9. Februar wurde dort, in der Vahselbucht, mit dem Bau eines Stationsgebäudes für die Überwinterung begonnen, doch kurz vor seiner Fertigstellung am 17. Februar brach plötzlich ein Teil des Schelfeises ab und stürzte ins Meer. Das Gebäude wurde schwer beschädigt, und die Deutschland musste auf sichere Distanz gehen. Die Ausrüstung aus der Station, die aufgegeben werden musste, konnte gerade noch geborgen und mit Hilfe der Beiboote auf das Schiff zurückgebracht werden. Weitere Versuche einer Landung, um doch noch die Voraussetzungen für eine Überwinterung auf dem Schelfeis zu schaffen blieben erfolglos und die Forscher mussten auf dem Schiff bleiben.

Die nachfolgende Überwinterung überstand die Deutschland unbeschadet im Packeis des Weddellmeeres, von dem sie, nach Westen und Norden driftend, vom 6. März 1912 bis zum 26. November 1912 eingeschlossen blieb, so dass an eine Realisierung der eigentlichen Ziele der Forschungsreise nicht mehr zu denken war. Immerhin konnten in der Nähe des Schiffes auf dem Eis Observatorien aufgebaut werden, Freiballon-, Fesselballon- und Drachen-Aufstiege waren möglich, und auch Tiefseelotungen konnten routinemäßig durchgeführt werden.

Im Dezember 1912 kehrte das Schiff nach Südgeorgien zurück, wo Filchner die Expedition für beendet erklärte.[2] Diese Auflösung der Expedition in Grytviken fand, wie es hieß, „unter meutereiähnlichen Begleiterscheinungen“ statt.[3][4] Während der neunmonatigen Driftfahrt war es zwischen den Expeditionsteilnehmern zu derart massiven Spannungen gekommen, dass eine ursprünglich geplante Fortsetzung der Expedition[5] illusorisch geworden war. Trotz dieses Eklats, und obwohl das eigentliche Expeditionsziel nicht erreicht werden konnte, gilt die Zweite Deutsche Antarktisexpedition keineswegs als Fiasko, sondern als Erfolg. Immerhin hatten Filchner und sein Team ungeheure Mengen wissenschaftlicher Daten gesammelt und mit der Entdeckung des Filchner-Ronne-Schelfeises und des Prinzregent-Luitpold-Landes wichtige neue Erkenntnisse zur Topografie der Antarktis gewonnen.

Wissenschaftliche Teilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Reinhard A. Krause: Zum hundertjährigen Jubiläum der Deutschen Antarktischen Expedition unter der Leitung von Wilhelm Filchner, 1911–1912 (PDF; 28,36 MB). In: Polarforschung 81 (2), 2011 (erschienen 2012), S. 103–126
  2. Die Vogelwelt der Antarktischen Halbinsel 23 Tage / 22 Nächte bei: birdingtours (Naturschutzbund Deutschland); abgerufen am 16. Juli 2013
  3. P. Bjørvik: Erlebnisse im Nord- und Südmeer.- Übersetzung des handschriftlichen norwegischen Titels: Oplevelser i Nord og Sydishavet av Paul Björvik.- NPOLAR Dagbøker, DAG-008, Norsk Polarinstitutt, Oslo 1913, S. 1–66 (S. 57)
  4. U. Rack: Sozialhistorische Studie zur Polarforschung anhand von deutschen und österreichisch-ungarischen Polarexpeditionen zwischen 1868–1939 (PDF; 28,7 MB). In: Berichte zur Polar- und Meeresforschung 618, 2010, S. 77
  5. Noch Mitte Juli 1912 hatte Wilhelm Filchner sich offenbar intensiv damit befasst, die Fortsetzung der Expedition zu planen. Siehe dazu: W. Filchner, Zum Sechsten Erdteil. Die zweite deutsche Südpolar-Expedition, Ullstein, Berlin 1922, S. 351
  6. Kling war später, während des Ersten Weltkriegs, Erster Offizier auf der SMS Seeadler des Grafen Luckner. In Fachkreisen gilt er als der eigentliche Kopf der legendären Aktionen des Hilfskreuzers (Quelle: Reinhard A. Krause, op. cit.)