Üsenberger

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Das Wappen der Üsenberger aus der "Zürcher Wappenrolle" von 1340
Rudolf II. von Üsenberg auf dem Üsenberger-Brunnen in Kenzingen

Die Üsenberger werden auch als die Herren von Üsenberg bezeichnet. Sie waren ein im Breisgau und Markgräflerland bedeutendes Adelsgeschlecht im Zeitraum des 11. bis 14. Jahrhunderts; sie gründeten einige Städte wie Kenzingen und Sulzburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Als Vorfahren oder als ein Zweig der Üsenberger gelten die Herren von Rimsingen. Wegen des häufigen Vorkommens des Namens „Hesso“, ist das auch für das Geschlecht der Hessonen denkbar. [1] Als Stammvater der Üsenberger sowie der Grafen von Nimburg gilt Dietrich von Rimsingen, der im letzten Viertel des 10. Jahrhunderts lebte.[2] Ein Spross der beiden Geschlechter war vermutlich der im 12. Jahrhundert tätige Abt Hesso von Üsenberg.

Das Geschlecht der Üsenberger gehörte zum freien Adel, sie waren Vasallen des Bischofs von Basel.[3] Sie amteten bereits seit 1052 als Oberschenken des Hochstifts Basel.[4]

Der erste Stammsitz des Geschlechts war die nördlich von Breisach auf dem Üsenberg gelegene Üsenburg, die im 11. Jahrhundert erbaut und 1291 zerstört wurde. Von der Burg und dem Berg, auf dem sie stand, sind heute keine Spuren mehr vorhanden. Das Gebiet entspricht dem heutigen Flurnamen Isenberg, auf dem seit 1997 nach dem Abzug der Französischen Truppen aus der Vauban-Kaserne ein Gewerbegebiet entstand.

Nach der Zerstörung dieser Burg übten die Üsenburger ihre Herrschaft von der Burg Höhingen auf dem Schlossberg bei Achkarren im Kaiserstuhl aus. Die Burg wurde 1259 zum ersten Male urkundlich erwähnt. Zu den Besitzungen des Adelsgeschlechts gehörten die Kirnburg, Riegeler Burg und die Burg Weisweil.[5]

Die Stadt Kenzingen wurde im Jahre 1249 durch Rudolf II. von Üsenberg neben dem Dorf Kenzingen auf dem freien Feld gegründet. In der Stadt wird durch einen Brunnen in der Ortsmitte seit 1824 an den Stadtgründer erinnert. Diesen Zeitraum kann man als den Höhepunkt der Macht des Geschlechts betrachten. Auffällig ist auch, dass sie nicht eine Burg bauten, sondern eine befestigte Stadt[6] gründeten, die durch die größere Bevölkerung sowohl einen höheren Verteidigungswert hatte als auch höhere Steuereinnahmen brachte.

Im Zusammenhang mit der Stadtgründung ist auch die Gründung des Frauenklosters Wonnental durch Rudolf von Üsenberg zu sehen. Es wird im Jahre 1242 erstmals urkundlich erwähnt. Es ist das Hauskloster und die Grablege der Familie. Ursprünglich ein Dominikanerkloster war es ab 1262 ein Zisterzienserinnenkloster. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde es 1806 säkularisiert und fiel an Baden. Die Gebäude wurden dann von einer Rüben- und Zichorienfabrik genutzt, womit dann auch die Industrialisierung in Kenzingen begann. Als das dritte Element des Zentrums der Macht der Herren von Üsenberg ist die Kirnburg zu sehen.

Am Ende des 13. Jahrhunderts, 1291/92, teilte sich die Herrschaft Üsenberg in eine niedere und eine obere Herrschaft auf, die man unabhängig voneinander betrachten muss, nachdem zuvor Hesso IV. und Rudolf III. gemeinsam geherrscht hatten. Eine der Voraussetzungen für die Teilung waren die Stadterhebungen von Sulzburg ca. 1283 und Endingen am Kaiserstuhl ca. 1285/86.

Nach der Auftrennung in die Obere Herrschaft – die Endinger Linie, beginnend mit Burkhart II. – und die Niedere Herrschaft – die Kenzinger Linie, begründet von Rudolf II. – begann relativ bald der Niedergang des Geschlechts. Die Kenzinger Linie erholte sich nicht mehr von den Folgen der Schlacht bei Göllheim. 1352 verkaufte der letzte männliche Spross der Kenzinger Linie die Stadt Kenzingen an seinen Schwager Heinrich IV. von Baden-Hachberg - ein schlechtes Geschäft für Heinrich, da Friedrich die Stadt von den Habsburgern als Lehen hatte und diese 1365 ihre Ansprüche auf Kenzingen gerichtlich durchsetzten. Die Linie endet mit dem Tode Friedrichs von Üsenberg 1354.

Die Endinger Linie unterlag im „Kaiserstühler Krieg“ von 1320 bis 1322 den Herren von Falkenstein beim Kampf um die Vogtei Bickensohl und den damit verbundenen Schadenersatzforderungen. Hinzu kam, dass 1336 Burg Höhingen, Burg und Dorf Riegel und Eichstetten vom Markgrafen von Hachberg, Heinrich IV., verpfändet wurden. Nach dem Freiburger Krieg fiel Endingen an die Habsburger. Hesso V. von Üsenberg war der letzte des Geschlechts; er starb im Jahre 1379.

Wappen[Bearbeiten]

In blau zwei querliegende ineinander geschobene und mit den Schwingen abwärts gekehrte silberne Flügel. Später kam noch ein goldener Kleestengel hinzu.[7] In dieser Form wurde das Üsenberger Wappen auch in das Wappen des Großherzogtums Baden aufgenommen, wo es im fünften Feld des Wappenschildes erscheint und die Herrschaft Üsenberg als Teil Badens symbolisiert.[8]

Auch in einer Anzahl Ortswappen wird der Üsenberger Flügel geführt.

Linien des Geschlechts[Bearbeiten]

  • Dietrich von Rimsingen
    • Berchthold
    • Rudolf
    • Hesso
      • Hesso I. von Üsenberg (ca. 1052)
      • Hesso II. (ca. 1111)
      • Hesso III. „der Alte“ (1139–1160)
      • Burkhart I. (1161–1203)
      • Rudolf I. (1207–1231)
        • Burkhart II. († 1248)
          • Gebhart
          • Burkhart III. († 1336)
            • Anna
            • Johann († 1376)
              • Burkhart
            • Hesso V. († 1379)
              • Anna († 1424; verheiratet mit Konrad II. von Tübingen-Lichteneck † 1449)
              • Agatha († 1434)
        • Rudolf II. (†1259; Stadtgründer von Kenzingen) ∞ Elisabeth von Lichtenberg,[9] vgl.: Stammliste der Herren von Lichtenberg

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Christian Sachs: Einleitung in die Geschichte der Marggravschaft und des marggrävlichen altfürstlichen Hauses Baden, Frankfurt und Leipzig 1764, Erster Theil, S. 607–640, Volltext in der Google-Buchsuche
  • Heinrich Schreiber, Urkundenbuch der Stadt Freiburg im Breisgau, Band 1, 1828
  • Heinrich Maurer: Die Freiherren von Üsenberg und ihre Kirchenlehen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 67, 1913, S. 370
  • Ansel-Mareike Andrae-Rau: Beobachtungen zur Burgen- und Städtepolitik der Herren von Üsenberg im 13. Jahrhundert, In: Das Markgräflerland, Band 2/2003, S. 130-140
  • Karl Hartfelder: Weisthum des üsenbergischen Dinghofes zu Bischoffingen 1279, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Band 34, 1882, S. 234-230
  • Fridrich Pfaff: Zinsrodel des Burkhard von Üsenberg zu Achkarren am Kaiserstuhl. In: Alemannia, Bd. 19 (1892), S. 183–188
  • Rainer Kiewat: Die Burgen der Üsenberger: Kirnburg, Burg Üsenberg, Burg Riegel, Burg Höhingen. Kenzingen 2006.
  • Lorenz Werkmann: Die Grafen von Nimburg im Breisgau. In: Freiburger Diözesan-Archiv Band 10 (1876), S. 71-83 mit einem Nachtrag von Josef Bader, S. 84-96 online

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oberrimsingen %5BTeilort%5D, leo-bw.de, abgerufen am 19. Mai 2013
  2. Werkmann/Bader, S. 82
  3. Protokoll des Historischen Seminars der Universität Freiburg
  4. s. Michael Raith: Gemeindekunde Riehen, Riehen 1980, S. 42
  5. Diese Burg wird nachgewiesen über die im Jahre 1349 erteilte Erlaubnis des Bischofs Berthold von Straßburg für Friedrich von Üsenberg, Burg und Dorf Weisweil an seine Gemahlin als Heiratsausstattung weiterzugeben.
  6. 1283 urkundlich als befestigte Stadt erwähnt
  7. Franz Zell: Geschichte und Beschreibung des Badischen Wappens, Karlsruhe 1858
  8. Üsenberger im Stadtwiki Karlsruhe
  9. Walther Möller: Stammtafeln Westdeutscher Adels-Geschlechter im Mittelalter. Bd. 3 = Manfred Dreiss (Hrsg.): Bibliothek Klassischer Werke der Genealogie Bd. 2.3. Darmstadt 1936. ND: Neustadt an der Aisch 1996, Taf. 95.
  10. Kenzingen – Der kurze Weg durch die lange Geschichte,S. 123, Herausgegeben durch den Heimat- und Verkehrsverein e.V. Kenzingen, 1989

Weblinks[Bearbeiten]