AS-17 Krypton

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AS-17 Krypton

Ch-31A
Ch-31A

Allgemeine Angaben
Typ: Luft-Boden-Rakete
Heimische Bezeichnung: Ch-31
NATO-Bezeichnung: AS-17 Krypton
Herkunftsland: Sowjetunion 1955Sowjetunion Sowjetunion / RusslandRussland Russland
Hersteller: Konstruktionsbüro Swesda
Entwicklung: 1977
Indienststellung: 1988
Einsatzzeit: im Dienst
Technische Daten
Länge: Ch-31P: 4,74 m
Ch-31PD: 5,34 m
Durchmesser: 360 mm
Gefechtsgewicht: Ch-31P: 610 kg
Ch-31PD: 715 kg
Spannweite: Ch-31P: 915 mm
Ch-31PD: 1.15 mm
Antrieb:
Erste Stufe:
Zweite Stufe:

Feststoffbooster
Ramjet
Geschwindigkeit: Ch-31P: Mach 3,0
Ch-31PD: 2,7–4,5
Reichweite: Ch-31P: 70 km
Ch-31PD: 160 km
Ausstattung
Lenkung: INS
Zielortung: passiver Radarsuchkopf
Gefechtskopf: Ch-31P: 91 kg Splittergefechtskopf
Ch-31PD: 110 kg Splittergefechtskopf
Zünder: Näherungs- und Aufschlagzünder
Waffenplattformen: Flugzeuge
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Die AS-17 Krypton ist eine Luft-Boden-Rakete aus sowjetischer Produktion. Sie dient zur Bekämpfung von bodengebundenen Radaranlagen und Schiffen. Im GRAU-Index der russischen Streitkräfte lautet ihre Bezeichnung Ch-31.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die AS-17 wurde als Nachfolgemodell der AS-11 Kilter entwickelt. Gegenüber dem Vorgängermodell sollte die neue Lenkwaffe über eine höhere Marschgeschwindigkeit und über eine grössere Reichweite verfügen. Mit der neuen Lenkwaffe sollten bodengebundene und schiffsbasierte Radaranlagen bekämpft werden können. Die Entwicklung begann 1977 im Konstruktionsbüro Swesta. Die ersten Flugversuche wurden 1982 durchgeführt. Parallel zu der Anti-Radar-Rakete Ch-31P wurde auch der Seezielflugkörper Ch-31A entwickelt. Die Ch-31P wurde im Jahre 1988 in Kleinserie bei den sowjetischen Luftstreitkräften eingeführt. Erstmals wurde die Ch-31 im Jahr 1991 der Öffentlichkeit präsentiert. Danach wurde sie primär für den Export produziert.[1]

Technik[Bearbeiten]

Nachdem die Ziele vom Flugzeug identifiziert wurden, finden die Lenkwaffen nach dem Abwurf ihre Ziele von selbst (Fire-and-Forget). Nach dem Abwurf folgte eine kurze antriebslose Phase. Erst in sicherem Abstand zum Flugzeug zündet das Raketentriebwerk. Beim Start wird die Lenkwaffe zuerst durch den Feststoffbooster auf Mach 1,8 beschleunigt. Ist der Booster ausgebrannt, werden die Abdeckungen der vier Lufteinlässe abgesprengt und das Turayev-Ramjet-Marschtriebwerk wird gestartet. Die AS-17 kann in einem Höhenbereich von 100 bis 15.000 m, bei Geschwindigkeiten von 600 bis 1.500 km/h gestartet werden.[2]

Die Ausführung Ch-31P kommt bei der Niederhaltung der feindlichen Luftabwehr (engl. SEAD) zum Einsatz. Ihr Suchkopf schaltete auf die Frequenz des gegnerischen Radars auf und nutzt diese, um die Radarstellung zu treffen. Dazu verwendete die Ch-31P einen passiven Radarsuchkopf. Dieser verfügt über austauschbare Module welche u.a. auf die Frequenzbänder der Flugabwehrraketen Hawk und Patriot abgestimmt sind.[3] Der Suchkopf hat an der Front eine kardanisch aufgehängte Platte, auf der sieben kegelförmige Interferometer angebracht sind. In Abhängigkeit zur Radaranlage stehen die auswechselbaren Suchköpfe L-111, L-112, L-113 und L-122 zur Verfügung. Bei den neueren Modellen kommt der Breitbandsuchkopf L-130 zum Einsatz. Dieser deckt ein Frequenzspektrum von 1–11 GHz ab.[4] Die Ch-31P fliegt mit Hilfe des Suchkopfes und des Autopiloten auf die Radaranlage zu. Stellt während dieser Zeit die Radaranlage den Sendebetrieb ein, so behält die Ch-31P den eingeschlagenen Kurs bei und fliegt mit Hilfe der Trägheitsnavigationsplattform zum Ziel. Sollte die Radaranlage den Sendebetrieb wieder aufnehmen, so schaltet der passive Radarsuchkopf sofort wieder darauf auf. Daneben kann auch ein sogenannter lock-on after launch durchgeführt werden. In diesem Fall wird die Ch-31P in ein Gebiet gestartet, ohne dass eine Zielposition bekannt ist. Im Zielgebiet angekommen sucht die Lenkwaffe mit dem passiven Suchkopf nach Zielen. Wird die Radarstrahlung von einem Radargerät erfasst, so erfolgt ein Angriff auf diese Anlage. Der Gefechtskopf wird mittels eines Näherungszünders zur Detonation gebracht. Im optimalen Fall erfolgt diese rund 5 m über der Radaranlage. Die Treffererwartung liegt gemäss Hersteller bei rund 80 % und der Streukreisradius (CEP) beträgt 5–20 m.[5]

Die Ausführung Ch-31A kommt bei der Bekämpfung von Seezielen zum Einsatz. Dafür ist sie mit einem aktiven Radarsuchkopf ausgerüstet. Der Flug ins Zielgebiet erfolgt autonom mit Hilfe der Trägheitsnavigationsplattform. Für den Zielanflug kommt der aktive RGS-31-Radarsuchkopf zum Einsatz. Es existieren zwei vorprogrammierte Flugprofile: Beim Standard-Flugprofil erfolgt der Marschflug in einer Höhe von 15.244 m bei einer Geschwindigkeit von Mach 3,0. Der Zielanflug erfolgt in einem Sturzflug von 60°. Daneben kann der Flug ins Ziel im Tiefflug mit Mach 2,5 in einer Höhe von 20–30 m erfolgen. Der Zielanflug erfolgt in einer Höhe von rund 7 m und der Einschlag im Ziel erfolgt auf Wellenhöhe im Schiffsrumpf.[6] Der Penetrations-Gefechtskopf zündet zeitverzögert, so dass er im Schiffsinneren explodiert. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit hat die Ch-31A eine hohe kinetische Energie, was ein großes Schadenspotential mit sich bringt.

Varianten[Bearbeiten]

  • Ch-31A: Initialversion zur Schiffsbekämpfung mit aktiver Radarzielsuche. Reichweite 50 km.
  • Ch-31P: Initialversion zur Bekämpfung von Radaranlagen mit passiver Radarzielsuche. Reichweite 70 km.
  • Ch-31U: Modifizierte Ch-31P mit verbesserter Elektronik.
  • Ch-31AD: Serienversion der Ch-31A mit längerem Rumpf. Reichweite 150 km.
  • Ch-31PD: Serienversion Ch-31P mit längerem Rumpf. Reichweite 160 km.
  • Ch-31AM: Modernisierte Version der Ch-31AD mit neuer Elektronik.
  • Ch-31PM: Modernisierte Version Ch-31PD mit neuer Elektronik.
  • KR-1: Abgeänderte Ausführung der Ch-31P für China.
  • MJ-91: Abgeänderte Ausführung der Ch-31PD für China.
  • MJ-93: Abgeänderte Ausführung der Ch-31AD für China.
  • YJ-12: Weiterentwicklung der KR-1.
  • MA-31: Zieldarstellungsdrohne zum Test von Flugabwehrsystemen.

Trägerflugzeuge[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horizon House, Journal of Electronic Defense Staff Horizon House: International Electronic Countermeasures Handbook, 2004 Edition, S. 150
  2. Das Luft-Boden Lenkwaffensystem AS-17 Krypton DTIG – Defense Threat Informations Group, Februar 2000
  3. Michal Fiszer: Crimson SEAD. Journal of Electronic Defense (JED), Januar 2003.
  4. ausairpower.net, Zugriff: 16. Mai 2014
  5. rbase.new-factoria.ru, Zugriff: 16. Mai 2014
  6. airwar.ru, Zugriff: 16. Mai 2014