Abolhassan Banisadr

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Abolhassan Banisadr im Dezember 2010.
Unterschrift von Abolhassan Banisadr
Banisadr im Jahr 1958

Abolhassan Banisadr (persisch ‏ابوالحسن بنی‌صدر‎, DMG Abū l-Hasan Banīṣadr [æbolhæˈsæn bæniːˈsædr]; * 22. März 1933 in Hamadan) war der erste gewählte Präsident des Iran nach der Islamischen Revolution 1979. Seine Amtszeit dauerte vom 25. Januar 1980 bis zum 21. Juni 1981.

Leben[Bearbeiten]

Banisadr studierte in Paris, war aber zuvor in den frühen 1960er Jahren in Iran an Demonstrationen gegen den Schah Mohammad Reza Pahlavi beteiligt. Er wurde mehrfach verhaftet und musste ins Gefängnis. Am 5. Juni 1963 beteiligte er sich an den Demonstrationen gegen das Reformprogramm der weißen Revolution und wurde während einer Protestaktion verwundet. Aufgrund der Verschärfung des staatlichen Vorgehens gegen oppositionelle Bewegungen durch den Geheimdienst SAVAK floh Banisadr nach Frankreich.

Dort schloss er sich der islamischen Exilopposition um Ajatollah Ruhollah Chomeini an, der 1978 selbst aus dem Irak nach Paris kam, um den 1979 folgenden Umsturz vorzubereiten. Als Chomeini schließlich im Februar 1979 als Revolutionsführer und Hoffnungsträger in den Iran aufbrach, begleitete ihn Banisadr und wurde sofort in die politische Führungsriege integriert.

Nach dem am 6. Oktober 1979 nach der Besetzung der amerikanischen Botschaft erfolgten Rücktritt des von Chomeini ernannten Premierminister des Übergangs Mehdī Bāzargān war Banisadr zunächst Außen-, Wirtschafts- und Finanzminister in einem „Kabinett ohne Premierminister“.

Nachdem am 3. Dezember 1979 die Volksabstimmung über die neue Verfassung der Islamischen Republik Iran mit nach offiziellen Angaben nahezu 100 %, andere Quellen sprechen jedoch nur von etwa 60 %, angenommen worden war, wurde Banisadr am 25. Januar 1980 vom Parlament mit 75,7 % der Stimmen zum ersten Präsidenten der Islamischen Republik Iran gewählt[1] und am 4. Februar 1980 formell von Chomeini zum Präsidenten ernannt.[2]

Chomeini hatte darauf bestanden, dass Geistliche keine Regierungsämter bekleiden sollten, was Banisadr entgegenkam. Eine iranische Zeitung beschrieb Banisadr als Stalin plus Abraham Lincoln plus Don Quichotte.[3]

Sturz und Exil[Bearbeiten]

Während seiner Amtszeit wurde er beschuldigt, im Ersten Golfkrieg die Streitkräfte des Iran mangelhaft geführt zu haben und damit für militärische Niederlagen verantwortlich zu sein. Das iranische Parlament erklärte am 21. Juni 1981 Banisadr als politisch inkompetent und setzte ihn von seinem Posten als Präsident der Republik ab. Sein Versuch, die Macht der Mullahs im Staat zu beschneiden, konnte nach Ausarbeitung der iranischen Verfassung durch die Expertenversammlung nur mittels Konterrevolution erfolgen. Er floh unter abenteuerlichen Bedingungen, nach unbestätigten Berichten als Frau verkleidet[4] mit Hilfe der Volksmodschahedin am 29. Juni 1981 nach Frankreich, wo er bis heute lebt.

Sein letztes vielbeachtetes öffentliches Auftreten hatte er als Zeuge im Mykonos-Prozess.[5]

Im April 2007 war er in einem Interview mit Bahman Nirumand der Überzeugung:

„dass Iran nicht die Fähigkeit besitzt, die Bombe zu bauen, zumindest nicht in absehbarer Zukunft. Natürlich würden die Radikalen gerne Nuklearwaffen besitzen. Aber auch sie wissen, dass sie weit davon entfernt sind. Warum insistieren sie aber darauf, Uran anzureichern, warum setzen sie das Land Gefahren aus, die schwere Folgen haben können? Weil sie ohne Krisen nicht existieren können.“

– Iran Report 05/2007 der Heinrich Böll Stiftung[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abolhassan Banisadr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christopher de Bellaigue: Im Rosengarten der Märtyrer, München 2006, S. 99.
  2. Die Islamische Republik Iran. Hans Georg Ebert, Henner Fürtig, Hans-Georg Müller. Akademie-Verlag Berlin. 1987, S. 459. ISBN 3-05-000079-1.
  3. Irans Präsident: Der Mann der Stunde? | Politik | ZEIT ONLINE. Zeit.de, 1. Februar 1980, abgerufen am 17. Mai 2010 (deutsch).
  4.  Der Vater hat seinen Sohn verloren. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1981, S. 90–93 (online)..
  5. Unter Zugzwang | Politik | ZEIT ONLINE. Zeit.de, abgerufen am 17. Mai 2010 (deutsch).
  6. Iran Report 05/2007 der Heinrich Böll Stiftung (PDF-Datei; 91 kB)