Agios Efstratios

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Gemeinde Agios Efstratios
Δήμος Αγίου Ευστρατίου
Agios Efstratios (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Nördliche Ägäis
Regionalbezirk: Limnos
Geographische Koordinaten: 39° 31′ N, 25° 0′ O39.51397525.003852777778Koordinaten: 39° 31′ N, 25° 0′ O
Fläche: 43,325 km²
Einwohner: 270 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 6,2 Ew./km²
Sitz: Agios Efstratios
LAU-1-Code-Nr.: 836100
Gemeindebezirke: keinef7
Lokale Selbstverwaltung: keinef7f12f12
Website: www.agios-efstratios.gov.gr
Lage in der Region Nördliche Ägäis
Datei:2011 Dimos Agiou Efstratiou.png

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Die griechische Insel Agios Efstratios (griechisch Άγιος Ευστράτιος (m. sg.)), von den Bewohnern Ai Stratis (Άη Στράτης) genannt, bildet zusammen mit einigen Felseninseln eine Gemeinde und gemeinsam mit Limnos den Regionalbezirk Limnos in der Region Nördliche Ägäis. Nach der Volkszählung von 2011 zählt die Insel 270 Bewohner.

Der heutige Name ist auf den Heiligen Eustratios zurückzuführen, der in der Zeit des Byzantinischen Bilderstreits Zuflucht vor Leo III. auf der Insel suchte.

Lage[Bearbeiten]

Blick auf die Ortschaft Agios Efstratios

Agios Efstratios liegt in der nördlichen Ägäis etwa 30 km südlich von Limnos, 60 km nordöstlich von Skyros und 76 km nordwestlich von Lesbos. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, die größtenteils steilen Küstenabschnitte sind mit Klippen und Grotten durchsetzt. Im Nordosten befindet sich in der Gegend Alonitsi das größte Tal der Insel. Bei einer Länge von 11 km und einer max. Breite von 6 km ist die Insel 42,08 km²[2] groß. Da mehrere Berge eine Höhe um 300 m haben, variieren die Angaben über Höhe und Berg je nach Quellenlage. Der Simadi (Σημάδι) wird mit 298 m[3] (288 m[4]) angegeben. Der Lemoni Rachi ebenfalls mit 298 m[4]

In der näheren Umgebung von Agios Efstratios liegen zahlreiche Felseninselchen von denen Daskalio, Velia und die Agii Apostoli die größten sind.

Geschichte[Bearbeiten]

Siedlungsüberreste aus unterschiedlichen Epochen an verschiedenen Stellen lassen darauf schließen, dass die Insel seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. bis in byzantinische Zeit bewohnt war. So konnten bronzezeitliche Siedlungsüberreste aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., eine mykenische Siedlung, eine antike Stadt und ein antiker Friedhof nachgewiesen werden.

Wegen der bis zum späten 14. Jahrhundert anhaltenden Piratenüberfälle wurde die Insel vermutlich während des 15. Jahrhunderts verlassen. Der osmanische Kartograph Piri Reis beschrieb sie 1520 als unbewohnt. Mitte des 16. Jahrhunderts wurde die Insel an der heutigen Hafenbucht wiederbesiedelt.

Das Erdbeben am 19. Februar 1968 der Stärke 7,2 nach der Richterskala mit Epizentrum südwestlich der Insel[5][6] zerstörte den Hafen und den gleichnamigen Hauptort der Insel fast vollständig. Die 1727 erbaute Basilika Agios Vasilios (Άγιος Βασίλειος) war eines der wenigen Bauwerke, das dem Erdbeben standhielt. Wegen der starken Zerstörung wurde der Ort an höher gelegener Stelle wiedererrichtet.

Die Landgemeinde Agios Efstratios (Kinotita Agiou Efstratiou Κοινότητα Αγίου Ευστρατίου) wurde 1918 gegründet. Mit der Umsetzung der Verwaltungsreform 2010 erhielt Agios Efstratios den Status einer Gemeinde (Dimos Agiou Efstratiou Δήμος Αγίου Ευστρατίου).

Einwohnerentwicklung von Agios Efstratios[7]
Jahr 1920 1928 1940 1951 1961 1971 1981 1991 2001 2011
Einwohner 894 786 1131 3849 1061 422 269 286 371 270

Verbannungsort[Bearbeiten]

Zwischen 1928 und 1963 wurden zahlreiche politische Gefangene auf die abgelegene Insel verbannt. Von 1936 bis 1948 gab es 300 Gefangene. Insgesamt sollen 6.000[8] Oppositionelle interniert gewesen sein, die ihr Leben selbst zu organisieren hatten. Die Gefangenen lebten überwiegend in Zelten und selbsterrichteten Hütten. Durch Unterernährung und Krankheiten gab es zahlreiche Todesfälle. Unter den Gefangenen befanden sich die Dichter und Schriftsteller Giannis Ritsos, Tasos Livaditis, Kostas Varnalis und Nikos Karouzos, der Komponist Mikis Theodorakis und der Schauspieler Manos Katrakis.

Der Politiker und Widerstandskämpfer Evripidis Bakirtzis wurde zweimal nach Agios Efstratios verbannt.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Flora[Bearbeiten]

Agios Efstratios ist zu über 60 % mit den typischen Vertretern der Phrygana und Macchia bewachsen. Hier gedeiht auch die Dornige Flockenblume (Centaurea spinosa). Im Nordosten befindet sich ein zerstreuter Bestand der Valonea-Eiche (Quercus macrolepis). In der Nähe des Dorfes kommen zudem Silber-Weide (Salix alba), Weißpappel (Populus alba) und Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) vor. Weinbau wurde bis 1968 betrieben, nach dem Erdbeben kam es zu Veränderungen im Untergrund wodurch die Reben vertrockneten und abstarben.

Fauna[Bearbeiten]

Die Klippen und Grotten der Steilküste bieten der Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) Lebensraum und Schutz. Die Art ist in der nationalen[9] und internationalen[10] Roten Liste als vom Aussterben bedrohten (CR – Critically Endangered) eingestuft.

Die gesamte Insel und das angrenzende Meeresgebiet sind als Europäisches Vogelschutzgebiet GR 4110014 Agios Efstratios (Νήσος Άγιος Ευστράτιος και θαλάσσια ζώνη) in den europaweiten Biotopverbund Natura 2000 aufgenommen, weil schützenswerte Vogelarten hier brüten. Auf den Inseln der nördlichen Ägäis befinden sich die bedeutendsten Kolonien der Krähenscharben. Die Brutgebiete auf Agios Efstratios liegen an unzugänglichen Standorten der schroffen Felsküste sowie auf den kleinen vorgelagerten Felseninseln. Von den in Griechenland geschätzten 1.000 bis 1.200 Paaren brüten bis zu 60 auf der Insel. Schätzung gehen davon aus dass bis zu 50 Vögel auf der Insel überwintern. Daneben ist die Insel Brutgebiet von bis zu 300 Paaren von Eleonorenfalken und von Schwarzschnabel-Sturmtaucher (Puffinus puffinus). [11]

Die Herpetofauna von Agios Efstratios umfasst die vier Arten Mediodactylus kotschyi, Ophisops elegans, Ophisaurus apodus und Coluber caspius. [12]

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die meisten der etwa 200 ständigen Einwohner leben im gleichnamigen Hafenort überwiegend vom Fischfang. Zur Eigenversorgung werden Hühner- und Ziegenhaltung und von wenigen größeren Bauern Landwirtschaft mit Viehhaltung (Schafe und auch Kühe) betrieben. Bis in die 1960er Jahre wurden die Eicheln der der Valonea-Eiche gesammelt.

Der Tourismus spielt auf der mit regelmäßigen Fähren von Limnos aus zu erreichenden Insel bisher kaum eine Rolle. Sie verfügt über schöne Strände, die allerdings häufig mit Plastikabfällen oder Schafskadavern verschmutzt sind.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2.  Ελληνική Στατιστική Αρχή (EΛΣΤΑΤ) (Hrsg.): Στατιστική Επετηρίδα της Eλλάδος (Statistical Yearbook of Greece) 2009 & 2010. Piräus 2011, S. 47.
  3. Ιστορία – Γεωγραφία. agios-efstratios.gov.gr. Abgerufen am 21. Januar 2014.
  4. a b  213 Limnos / Agios Efstratios, 1:50.000 (Karte). Road Editions, ISBN 960-8481-93-7.
  5. Informationen des USGS über das Erdbeben von Agios Efstratios am 19. Februar 1968, englisch http://earthquake.usgs.gov/learning/today/his_02_19.php (Link nicht abrufbar)
  6. Stress coupling in the Aegean Region, S. 15, englisch (PDF) Abgerufen am 20. August 2010.
  7. Einwohnerzahlen von Agios Efstratios 1920–2001, Griechisches Statistisches Amt ELSTAT, Digitale Bibliothek (griechisch)
  8. Agios Efstratios und die Magie des Einfachen, TV Sendung auf arte
  9.  Α. Λεγάκις, Π. Μαραγκού, Ελληνική Ζωολογική Εταιρεία - (Griechische Zoologische gesellschaft), Υπουργείο Περιβάλλοντος, Ενέργειας και Κλιματικής Αλλαγής (Υ.Π.Ε.Κ.Α.) - (Ministerium für Umwelt, Energie und Klimawandel) (Hrsg.): Το Κόκκινο Βιβλίο των Απειλούμενων Ζώων της Ελλάδας (Rote Liste gefährdeter Tiere in Griechenland). Athen 2009, ISBN 978-960-85298-8-5, θηλαστικά (Säugetiere), S. 528.
  10. Monachus monachus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2010. Abgerufen am 3. November 2010
  11. (PDF) GR4110014 Νήσος Άγιος Ευστράτιος και θαλάσσια ζώνη Ministerin für Umwelt, Energie und Klimawandel (griechisch)
  12.  P. Kasapidis, S. Provatidou, P. Maragou, E. D. Valakos: Neue Daten über die Herpetofauna von Lesbos (Ägäische Inseln, Griechenland) und einige biogeographische Bemerkungen über die Inseln des nordöstlichen ägäischen Archipels. In: Salamandra. Rheinbach 1996, S. 171–180.