Ikaria

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Dieser Artikel behandelt die griechische Insel, zum attischen Demos, siehe Ikaria (Demos)
Gemeinde Ikaria
Δήμος Ικαρίας
Ikaria (Griechenland)
Bluedot.svg
Basisdaten
Staat: Griechenland
Region: Nördliche Ägäis
Regionalbezirk: Ikaria
Geographische Koordinaten: 37° 36′ N, 26° 10′ O37.59926.166341666667Koordinaten: 37° 36′ N, 26° 10′ O
Fläche: 255,303 km²
Einwohner: 8.423 (2011[1])
Bevölkerungsdichte: 33 Ew./km²
Sitz: Agios Kirykos
LAU-1-Code-Nr.: f11
Gemeindebezirke: 3 Gemeindebezirke
Ortschaften: 12 Ortschaften
Lage in der Region Nördliche Ägäis
Datei:2011 Dimos Ikarias.png

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Die griechische Insel Ikaria (griechisch Ικαρία oder Ικαριά (f. sg)) bildet seit 2011 gleichzeitig die Gemeinde Ikaria (Δήμος Ικαρίας) und zusammen mit der Gemeinde Fourni Korseon den Regionalbezirk Ikaria in der Region Nördliche Ägäis. Die Insel zählt 8.354 Einwohner, Verwaltungssitz ist Agios Kirykos.

Das Ikarische Meer und die Insel verdanken ihren heutigen Namen der Ikarus-Sage. Im lokalen Sprachgebrauch wird die Insel auch als Nikaria bezeichnet (Zusammenziehung von Νησί Ικαρία, ‚Insel Ikaria‘).

Geographie[Bearbeiten]

Ikaria liegt in der Ostägäis und stellt gemeinsam mit Samos den nördlichen Abschluss der Südlichen Sporaden dar. Die 255,320 km²[2] große Insel liegt etwa 19 km westlich von Samos und 46 km östlich von Mykonos. Die Fourni-Inselgruppe sind die nächstgelegenen Inseln.

Die größte Länge von nahezu 40 km erreicht Ikaria von Westsüdwest nach Ostnordost. Die Inselbreite liegt zwischen 5,5 und etwa 8 km, die schmalste Stelle im Nordosten in der Nähe des Flughafens beträgt 1,5 km. Ikaria hat überwiegend einen gebirgigen Charakter mit zahlreichen Schluchten aber auch einer Hochebene im Südwesten. Auf ihrer Länge wird die Insel fast vollständig vom Atheras durchzogen, und erreicht bis zu 1.037 m Höhe.[3][4] Dieser Bergzug teilt Ikaria in eine steilabfallende, unzugänglichere Südhälfte während der Abfall zur Nordseite hin sanfter ist und bei Kambos und Faros in kleine, fruchtbare Küstenebenen übergeht. Der Küstenverlauf ist kaum gegliedert, er bietet sehr wenige Buchten, Ankerplätze oder natürliche Häfen.

Klima[Bearbeiten]

Ikaria hat überwiegend ein typisch mediterranes Klima mit gelegentlichen winterlichen Niederschlägen und einer etwa fünfeinhalb Monate anhaltenden Trockenperiode von Ende April bis Anfang Oktober. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt 579,8 mm mit einem Maximum im Januar und ein Minimum im August. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 18,9 °C. Die mittlere monatliche Minimaltemperatur liegt bei 9 °C im Februar und die mittlere monatliche Maximaltemperatur im Juli bei 29,3 °C. Besonders im Sommer herrschen Winde aus Nord bis Nordost vor, während die Hauptwindrichtung im Winter auf Süd bis Südwest wechselt.[5]

Mythologie[Bearbeiten]

Auf Ikaria beerdigte Dädalus seinen Sohn Ikarus, der bei der Flucht von Kreta hier ins Meer gestürzt war. Dädalus und Ikarus hatten ihr Gefängnis, das Labyrinth des Minotauros, mit selbstgefertigten Flügeln verlassen. Im Hafen von Agios Kirykos steht eine neuzeitliche Bronzeplastik, die dieses Ereignis verbildlicht.

Dionysos, der Gott des Weines, hatte bei Ikaria eine legendäre Begegnung mit Piraten. Außerdem soll er den Wein von Oinoe (gr. Οίνος, Wein) besonders geschätzt haben. Der ursprüngliche Name der Insel war Doliche (übersetzt etwa die Lange), bis sie schließlich nach Ikarus benannt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Altertum[Bearbeiten]

Die Geschichte Ikarias begann im 8. Jahrhundert v. Chr., als die Insel von Milet aus besiedelt wurde. Im 5. Jahrhundert v. Chr. waren dann die Städte Oinoe und Thermai Mitglieder des Attischen Seebundes. Etwa ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. gehörte Ikaria zu Samos.

Mittelalter[Bearbeiten]

Oberhalb von Oinoe lag die mittelalterliche Siedlung mit der zum Teil erhaltenen Kirche Hagia Irini (11. Jahrhundert). In die byzantinische Zeit gehören ebenfalls die Reste der Festung Koskinas (Paliokastro, heute Kosikia). Ikaria (Nikaria) diente damals auch als Verbannungsort. Nach 1204 wurde die Insel fränkische Baronie, gelangte nach 1304 an die Genuesen von Chios, 1481 an die Johanniter von Rhodos und 1523 an die Türken. [6]

Neuzeit[Bearbeiten]

Von 1523 bis 1912 gehörte die Insel zum Osmanischen Reich. Während des Italienisch-Türkischen Krieges 1912 erkämpften die griechischen Einwohner ihre Unabhängigkeit und bildeten den Freistaat Ikaria, der am 17. Juli 1912 an Griechenland angegliedert wurde. Im Zweiten Weltkrieg stand Ikaria erst unter italienischer, später unter deutscher Besatzung. Durch Kampfhandlungen und Repressionen erlitt die Inselbevölkerung sehr hohe Verluste, sowohl an Menschenleben als auch an Wirtschaftsgut. Allein im Dorf Karavostomos sollen über 100 Menschen verhungert sein. Den Entbehrungen des Weltkriegs folgten unmittelbar die des griechischen Bürgerkrieges zwischen Nationalisten und Kommunisten (1946–1948). Die neue griechische Regierung, gebildet aus den siegreichen Nationalisten, benutzte die ausgezehrte Insel als Exil-Ort zur Unterbringung von bis zu 13.000 Kommunisten in Verbannungslagern.

Diese Exilanten wurden von den Bewohnern Ikarias aufgenommen und übten auf diese einen beachtlichen ideologischen Einfluss aus. Die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE), die gegen Ende des 20. Jahrhunderts im restlichen Land ihre dominante Stellung im linken Spektrum verlor, stellte 2010 alle drei Bürgermeister. Deshalb wird die Insel scherzhaft oder provokativ auch „Rote Insel“ genannt. Da sich die Kommunisten Zugang zu Privilegien verschaffen sollen, wurde auch Kritik an „einer bizarren Form des Kommunismus“ laut.[7]

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Verwaltungsgliederung von Ikaria

Mit der Umsetzung der Gemeindereform nach dem Kapodistrias-Programm im Jahr 1997 war die Insel Ikaria in drei Gemeinden mit insgesamt 12 Gemeindebezirken untergliedert. Zum 1. Januar 2011 führte das Kallikratis-Programm die ehemaligen Gemeinden der Insel zur neu geschaffenen Gemeinde Ikaria (Dimos Ikarias Δήμος Ικαρίας) zusammen, Verwaltungssitz ist Agios Kirykos. Die bisherigen Gemeinden bilden Gemeindebezirke.

Gemeindebezirke griechischer Name Code Sitz Fläche (km²) Einwohner 2001 Einwohner 2011 Stadtbezirke / Ortsgemeinschaften
(Δημοτική /Τοπική Κοινότητα)
Agios Kirykos Δημοτική Ενότητα Αγίου Κηρύκου 540101 Agios Kirykos 074,745 03243 03511 Agios Kirykos, Perdiki, Chrysostomos
Evdilos Δημοτική Ενότητα Ευδήλου 540102 Evdilos 078,790 02831 02749 Evdilos, Arethousa, Dafni, Karavastamo, Manganitis, Frandato
Raches Δημοτική Ενότητα Ραχών 540103 Christos Raches 101,768 02238 02163 Raches, Agios Polykarpos, Karkinagri
Gesamt 5401 Agios Kirykos 255,303 8312 8423

Ortschaften und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Schildkröten am Strand von Livadi
Kloster im Inselinneren

Der Hauptort der Insel ist die Hafenstadt Agios Kirykos (Άγιος Κήρυκος). Etwas östlich davon, in der Ortschaft Therma (Θέρμα), sprudeln die seit der Antike bekannten Thermalquellen. Das 50 °C heiße Wasser enthält Schwefel, Radium und Radon. In der Nähe sind die Ruinen der antiken Stadt Drakanos zu besichtigen. Weitere Quellen liegen westlich von Agios Kirykos bei Therma Lefkados am Meer. Hier sprudelt das Wasser in unmittelbarer Ufernähe mit fast 60 °C aus dem Boden.

Der Inselflughafen liegt am äußersten Nordostende der Insel, zwölf Kilometer von Agios Kirykos entfernt. Mit dem Flugzeug ist er von Athen, Thessaloniki oder Samos aus erreichbar.

Die an der Nordküste liegende Hafenstadt Evdilos (Εύδηλος) ist die ehemalige Hauptstadt und heute der zweitgrößte Ort der Insel. Von beiden Häfen aus gehen Fährverbindungen Richtung Osten nach Samos (Karlovasi) und Fourni, Richtung Westen über Mykonos und Paros oder Syros nach Piräus.

Von touristischer Bedeutung sind ferner die ca. zehn Kilometer westlich von Evdilos gelegenen Fischerdörfer Armenistis (Αρμενιστής) und Gialiskari (Γιαλισκάρι). Zwischen beiden Dörfern liegen die zwei größten Sandstrände der Insel (Livadi und Mesachti).

In der Bucht Nas (gr. Ναός = Tempel) sind die Fundamente eines Artemis-Tempels zu sehen. Die malerische Bucht, in der auch im Sommer ein Bach, der Chalaris, ins Meer mündet, war früher inoffizieller Campingplatz. Heute steht das Gebiet unter Naturschutz, was seiner Beliebtheit als Badeort keinen Abbruch tut, besonders seit eine durchgehend asphaltierte Straße die westliche Nordküste der Insel erschließt.

Christos Raches dagegen, die Chora und der charismatischste Ort der Insel, liegt geschützt in den Bergen. In der Antike wurde er Histoi genannt. Das Bergdorf war der Verbannungsort von Mikis Theodorakis im Bürgerkrieg 1947 (laut anderen Quellen war er in Vrakadhes, einige Kilometer weiter westlich). Das Dorf – meist kurz Raches genannt – ist unter Einheimischen und Reisenden bekannt wegen seiner verschobenen Tageszeiten: Die Läden und Tavernen öffnen wesentlich später als gewöhnlich (manche erst um Mitternacht) und schließen auch dementsprechend spät, oft erst nachts um drei oder vier. Dieses Phänomen ist keine mit dem Tourismus gewachsene Entwicklung, es sollte bei Ausflügen berücksichtigt werden, denn nachmittags ist der Ort auch zur Saison wie ausgestorben.

Wirtschaft und Tourismus[Bearbeiten]

Armenistís - das touristische "Zentrum" der Insel

Seit den 60er Jahren wurde von der griechischen Regierung verstärkt in den Ausbau der Infrastruktur der Insel investiert, so dass Ikaria – wenn auch verspätet – noch etwas vom Tourismusboom profitieren konnte.

Trotzdem gibt es auf Ikaria immer noch keinen Massentourismus. Verhindert haben dies das Fehlen eines internationalen Flughafens, der Mangel an großen Sehenswürdigkeiten und die noch immer vielerorts nicht westeuropäischen Standards angeglichene Infrastruktur. Daraus erklärt sich aber auch die Beliebtheit der Insel bei Individualreisenden, die diese Einschränkungen nicht als Nachteil sehen und die deshalb noch anzutreffende Ursprünglichkeit von Landschaft und Leuten zu schätzen wissen. So erbringt der Agrarsektor neben dem Tourismus noch immer einen Großteil des Volkseinkommens.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ikaria – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ergebnisse der Volkszählung 2011, Griechisches Statistisches Amt (ΕΛ.ΣΤΑΤ) (Excel-Dokument, 2,6 MB)
  2.  Ελληνική Στατιστική Αρχή (EΛΣΤΑΤ) (Hrsg.): Στατιστική Επετηρίδα της Eλλάδος (Statistical Yearbook of Greece) 2009 & 2010. Piräus 2011, S. 47.
  3.  Karte 209 Ikaria / Fourni, 1:50.000. Road Editions, ISBN 960-8189-48-9.
  4.  Karte NA 6 Samos – Ikaria, 1:70.000. Z-Editions, ISBN 960-669312-0.
  5.  Olga Mavrokordopoulou, Maria Aslanidou, Pavlos Smiris, Department of Forestry and Management of the Environment and Natural Resources, Democritus University of Thrace (Hrsg.): The Island of Ikaria: Terrestrial ecosystems and restoration prospects. International Conference on Sustainable Management and Development of Mountainous and Island Areas. Vol.1, Iraklio 2006, ISBN 960-89345-1-6, S. 314–320.
  6. Hans Kaletsch in Siegfried Lauffer (Hrsg.): Griechenland - Lexikon der historischen Stätten, München 1989, S. 278.
  7. Georg Ismar: Rote Insel in blauem Meer. In: tagesspiegel.de. 27. September 2010, abgerufen am 21. April 2012.