Alexandre Dumas der Ältere

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Alexandre Dumas der Ältere,
Fotografie von Nadar, 1855

Alexandre Dumas der Ältere (auch Alexandre Dumas Davy de la Pailleterie oder Alexandre Dumas père; * 24. Juli 1802 in Villers-Cotterêts, Département Aisne; † 5. Dezember 1870 in Puys bei Dieppe, Seine-Maritime) war ein französischer Schriftsteller. Heute ist er vor allem durch seine zu Klassikern gewordenen Historienromane bekannt, etwa Die drei Musketiere und Der Graf von Monte Christo.

Leben und Schaffen[Bearbeiten]

General Thomas Alexandre Dumas (1762-1806), Vater von Alexandre Dumas

Herkunft[Bearbeiten]

Dumas war Enkel des Marquis Alexandre Davy de la Pailleterie, der sich um 1760 längere Zeit bei einem jüngeren Bruder, Plantagenbesitzer auf Saint-Domingue (heute Haiti), aufgehalten und dabei mit der schwarzen Sklavin Marie-Césette Dumas nacheinander vier Kinder gezeugt hatte. Gegen 1775 wurden Mutter und Kinder als Sklaven verpfändet. Davy de la Pailleterie kehrte nach Frankreich zurück, wenig später löste er das jüngste Kind, Thomas Alexandre (* 1762) aus, holte den Jungen nach Frankreich und nahm ihn als legitimen Sohn an. Kurz vor seinem Tod 1786 überwarf sich der Marquis mit seinem Sohn, so dass dieser unter dem Namen Thomas Alexandre Dumas als einfacher Dragoner in die Armee eintrat. Während eines längeren Aufenthaltes seines Regiments in Villers-Cotterêts lernte er die Gastwirtstochter Marie Labouret kennen, die er 1792 heiratete. In den zahllosen Kriegen der nachfolgenden Jahre stieg er zum General auf. Während des Ägyptenfeldzugs fiel er bei Napoleon in Ungnade und geriet bei dem Versuch, vorzeitig nach Frankreich zurückzukehren, im feindlichen Königreich Neapel in Gefangenschaft. Nach seiner Freilassung wurde er bald Vater eines Jungen, Alexandre Dumas. 1812 gelang es der Mutter, das Adelsprädikat ihres zehnjährigen Sohnes bestätigen zu lassen, das er selbst aber kaum verwendet zu haben scheint.

Leben[Bearbeiten]

Dumas-Denkmal in Paris

Eine gute Schulbildung erhielt Dumas nicht, vielmehr musste er mit 14 Jahren die Stelle eines Schreibers bei einem Notar annehmen. Er entdeckte jedoch früh sein schriftstellerisches Talent und versuchte sich zusammen mit einem Freund als Stückeschreiber. 1822 ging er nach Paris, wo ihm seine schöne Handschrift (was damals ein Kapital war) und die Vermittlung eines Generalskollegen seines Vaters einen Posten im Büro des Duc d’Orléans verschaffte, des späteren „Bürgerkönigs“ Louis-Philippe. 1824 wurde er Vater eines unehelichen Sohnes: des späteren Autors Alexandre Dumas der Jüngere. 1825 verdiente er sein erstes Honorar als Co-Autor eines Stücks, 1826 beteiligte er sich an der Abfassung eines ebenfalls aufgeführten Vaudevilles. Daneben betätigte er sich als Lyriker sowie als Journalist. Spätestens seit 1828 hatte er Zugang zum Salon des Autors Charles Nodier, wo er die erste Generation der Romantiker kennenlernte, darunter Victor Hugo. Ein erstes historisches Stück um Königin Christine von Schweden wurde 1828 zwar angenommen, aber nicht aufgeführt.

Schlagartig bekannt wurde Dumas dann 1829 durch sein romantisches Drama Henri III et sa cour (Heinrich III. und sein Hof). Diesem ließ er zahlreiche weitere Stücke folgen, die er mehr und mehr wieder in Zusammenarbeit mit anderen verfasste, zum Beispiel 1837 und 1839 mit Gérard de Nerval. Eher autobiografisch waren die Stücke Antony (1831), das um das ihm vertraute Skandalthema Ehebruch kreist, und das erfolgreiche Kean, ou Désordre et génie (Kean oder Unordnung und Genie, 1836), wo sich Dumas in die Figur des berühmten englischen Schauspielers Edmund Kean projiziert (von Jean-Paul Sartre 1953 neu bearbeitet). Sein größter Bühnenerfolg wurde 1839 Mademoiselle de Belle-Isle, das bis 1844 über 400 mal aufgeführt wurde.

1830 war Dumas aktiv an der Julirevolution beteiligt. Schon 1832 jedoch ging er auf Distanz zu seinem Ex-Protektor König Louis-Philippe. Dies hinderte ihn nicht, 1833 seinen neuen Status als Erfolgsautor mit einem Fest für die Pariser Literatenkollegen zu demonstrieren. 1835 hatte er begonnen, sich im modischen Genre der Novelle als Erzähler zu versuchen. 1838 begegnete er dem jungen, heute weniger bekannten Autor Auguste Maquet (1813–1888), mit dem zusammen er sich auf Romane verlegte. Wirklich populär wurde er nach 1840, als er zunächst mit Maquet sowie mehr und mehr in Serienproduktion mit zusätzlichen Angestellten begann, spannende Abenteuerromane zu verfertigen (insgesamt ca. 600 Bände), die in der Regel zuerst als Feuilletonromane erschienen, bevor sie als Bücher gedruckt und zum Teil anschließend für die Bühne adaptiert (und im 20. Jahrhundert verfilmt) wurden.

Daneben verfolgte Dumas vielfältige politische, unternehmerische und private Aktivitäten, so dass er trotz seiner beachtlichen Einkünfte oftmals in Schulden geriet, denen er sich zum Teil durch längere Auslandsaufenthalte zu entziehen versuchte, darunter 1851–53 in Belgien, 1858/59 in Russland oder 1860–64 in Italien, wo er sich im Umkreis von Giuseppe Garibaldi bewegte. Seine Reisen wiederum pflegte er in damals bei Presse und Verlagen begehrten Reisereportagen zu verarbeiten, die er anschließend zusätzlich in Buchform herausgab. Sein bewegtes Leben vermarktete er ebenfalls, nämlich in den vielbändigen Mémoires (1852–54 in Brüssel publiziert).

2002, zur zweihundertsten Wiederkehr seines Geburtsjahres, wurden seine Gebeine ins Pariser Pantheon überführt. Die Ehrung wurde als politisches Signal gegen Rassismus verstanden, denn zu Lebzeiten wurde Dumas wegen seiner dunklen Hautfarbe und seiner Abstammung häufig geschmäht.

Werke[Bearbeiten]

Alexandre Dumas der Ältere,
Fotografie von Étienne Carjat

Ein Markenzeichen von Dumas’ Romanen sind fiktive oder pseudohistorische Protagonisten (zum Beispiel der Musketier d’Artagnan), deren Abenteuer in einen Kontext historischer Ereignisse (zum Beispiel die Belagerung von La Rochelle 1627/28) und historischer Persönlichkeiten (zum Beispiel Kardinal-Minister Richelieu) gestellt werden. Die bekanntesten, immer wieder aufgelegten und nicht nur von Jugendlichen gelesenen Romane sind: Les trois mousquétaires (Die drei Musketiere, 1844), Vingt ans après (Zwanzig Jahre danach, 1845), La reine Margot (Königin Margot, 1845), Le comte de Monte-Christo (Der Graf von Monte Christo, 1845–46) und Le collier de la reine (Das Halsband der Königin, 1848–50). Viele wesentliche Episoden und Persönlichkeiten in seinen Werken sind durch das Leben und die militärische Laufbahn seines Vaters inspiriert worden[1].

Theaterstücke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Henri III et sa cour
  • La Tour de Nesle (Der Nesle-Turm [in der alten Pariser Stadtmauer])
  • La Reine Margot
  • Napoléon Bonaparte
  • Antony
  • Kean, ou désordre et génie (1953 von Jean-Paul Sartre bearbeitet)
  • Caligula (mit Gérard de Nerval)
  • L’Alchimiste (mit Gérard de Nerval)
  • La Tulipe noire (Die schwarze Tulpe)
  • Histoire d’un casse-noisette (Die Geschichte eines Nussknackers)
  • La Belle Isabeau (Die schöne I.)
  • Les Quarante-Cinq (Die 45)
  • Les demoiselles de Saint Cyr (von Engelbert Humperdinck unter dem Titel Die Heirat wider Willen als Oper bearbeitet; Uraufführung 1905 in Berlin unter der musikalischen Leitung von Richard Strauss)

Abenteuerromane (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Les trois mousquetaires. (1843/44); dt. Die drei Musketiere. (1849).
  • Vingt ans après. (1845); dt. Zwanzig Jahre später.
  • Le Vicomte de Bragelonne. (1845/46); dt. unter den Titeln Der Vicomte von Bragelonne, Zehn Jahre später und Der Mann mit der eisernen Maske.
  • La reine Margot. (1845); Vorlage für den gleichnamigen franz. Film, deutsch synchronisiert als Die Bartholomäusnacht.
  • Le comte de Monte-Cristo. (1845/46); Der Graf von Monte Christo. (Erste Deutsche Gesamtausgabe 1847 Übersetzt von A. Moshamer Verlag: Hartleben`s Verlags-Expedition).
  • Mémoires d’un médecin. (1846/55); Memoiren eines Arztes. (sofort ins Deutsche übersetzt).
  • La Tulipe noire. (1850); Die schwarze Tulpe. ISBN 3-404-14156-3.
  • Histoire d’un casse-noisette.
  • La Belle Isabeau.
  • Les Quarante-Cinq. ISBN 2-221-06456-9.
  • Le chevalier de Sainte-Hermine. als Feuilletonroman im Moniteur universel. erschienen und lange als verschollen angesehen, wobei man sogar an der Existenz des Werkes zweifeln konnte; auf Französisch zum ersten Mal 2005 veröffentlicht, seit April 2009 auch in Deutsch erhältlich als Der Graf von Sainte-Hermine, ISBN 3-7645-0227-4.
  • La terreur prussienne. (1867); als Feuilletonroman im La Situation erschienen; dt. Nacherzählung Der Schleier im Main (2004) ISBN 3-453-47028-1.
  • Le Capitaine Pamphile. (1839); ursprünglich (1834) als Sammlung von Kurzgeschichten begonnen, später als lose komponierter Roman (Nachwort) veröffentlicht; nach fast 150 Jahren (Kollmann Leipzig 1847) wieder 2007 in deutscher Übersetzung unter dem Titel Kapitän Pamphile. im Manesse-Verlag erhältlich; ISBN 978-3-7175-2112-9.
  • La Dame de Monsoreau. (1846); dt. Die Dame von Monsoreau. Aus dem Französischen von August Zoller, 4 Bde. Stuttgart: Verlag der Franckh'schen Buchhandlung 1846
  • Les Compagnons de Jéhu. (1856); Verfilmung in Deutschland als Das Geheimnis der weißen Masken.
  • Horror in Fontenay. (Deutsche Erstausgabe 1977 Diogenes-Verlag).

Historische Romane (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Cäsar. Deutsche Erstausgabe Bastei Lübbe 2000.
  • Napoleon Bonaparte. Übersetzt v. Heinrich Elsner, Verlag von Th. Knaur Nachf.; dass. bearbeitet v. Max Pannwitz, Berlin 1910, Nachdruck, Bremen 2010.
  • Lady Hamilton. Schreitersche Verlagsbuchhandlung.
  • Burg Eppstein. 1. Auflage. Frankfurt 2010, Historischer Roman. ISBN 978-3-7973-1227-3.
  • Les Drames de la mer.(1852); dt. Schiffbrüche. Wahre Geschichten. Aus dem Französischen von Nicola Denis, Matthes & Seitz Berlin 2012.

Reiseliteratur (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Eine Reise an die Ufer des Rheins im Jahre 1838. (Deutsche Erstausgabe 1999 Diana Verlag).
  • Reiseerinnerungen aus der Schweiz. (Gutenberg Verlag Hamburg 1928).
  • Reise in den Kaukasus. (Gutenberg Verlag Hamburg 1928).
  • Nach Spanien und Nordafrika. (Hoffmann & Campe Verlag Hamburg 1969).
  • Reise durch Rußland. (Rütten & Loenig Berlin 1968).

Novellen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Gabriel Lambert. (autobiografische Anlage).
  • Die Geschichte vom Kirchenräuber Artifaille. Aus dem Französischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Ulrich Klappstein. JMB Verlag. ISBN 978-3-940970-23-7

Zur französischen Küche[Bearbeiten]

  • Gourmandises / Leckerbissen aus der Enzyklopädie der Küche. dtv, München 1969 / 1982, ISBN 3-423-09070-7.
  • 2002 erschien bei dtv eine Auswahl: Aus dem Wörterbuch der Kochkünste (Originaltitel: Le Grand dictionnaire de cuisine 1871, übersetzt von Joachim Schultz) dtv, München 2002, ISBN 978-3-423-20535-1.
  • Das große Wörterbuch der Kochkunst. (Originaltitel: Le Grand dictionnaire de cuisine, übersetzt von Veronika Baiculescu, herausgegeben von Veronika und Michael Baiculescu), Mandelbaum, Wien 2006, ISBN 978-3-85476-196-9 („Die unerhörtesten und sprühendsten Anekdoten zur Küche der Völker … sollten hier Eingang finden und doch die Praktiker nicht allzusehr abschrecken“).

Literatur[Bearbeiten]

  • Guy Endore: König von Paris. (Originaltitel: King of Paris, übersetzt von Hans Joachim Störig), J.G. Cotta’sche Buchhandlung, Stuttgart 1956.
  • André Maurois: Die drei Dumas. (Originaltitel: Les trois Dumas. übersetzt von Rodolfo Selke). Claassen, Hamburg 1959.
  • Michael Hohmann: Erkenntnis und Verführung: Erzählstrategien und erzählte Geschichte im Romanwerk Alexandre Dumas. Die Blaue Eule, Essen 1992, ISBN 3-89206-507-1 (= FORA, Band 4, zugleich Dissertation an der Universität Mannheim 1992).
  • Günter Berger: Alexandre Dumas. dtv 31061, München 2002, ISBN 978-3-423-31061-1.
  • Dominique Fernandez: Die zwölf Musen des Alexandre Dumas. Essay (Originaltitel: Les douze muses d’Alexandre Dumas. übersetzt von Manfred Flügge), Aufbau TB 8082, Berlin 2002, ISBN 978-3-7466-8082-8.
  • Ralf Nestmeyer: Französische Dichter und ihre Häuser. Insel-TB 3093, Frankfurt am Main 2005, ISBN 978-3-458-34793-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alexandre Dumas – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Alexandre Dumas – Quellen und Volltexte (französisch)
 Wikisource: Alexandre Dumas père – Quellen und Volltexte (deutsch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. dazu Tom Reiss: The Black Count: Glory, Revolution, Betrayal, and the Real Count of Monte Cristo, London 2012, z.B. S. 12 ff.