Ann Radcliffe

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Ann Radcliffe (* 9. Juli 1764 als Ann Ward in London, England; † 7. Februar 1823 ebenda) war eine englische Schriftstellerin, eine der populärsten Vertreterinnen des Schauerromans (Gothic Novel) ihrer Zeit.

Inhaltsverzeichnis

Leben[Bearbeiten]

Ann Ward wurde im Londoner Stadtteil Holborn als Tochter des Kurzwarenhändlers William Ward geboren und verbrachte ihre Kindheit und Jugend bei gesellschaftlich höher gestellten Verwandten. Im Jahr 1772 zog sie mit dieser Familie nach Bath, wo sie zur Schule ging. Im Alter von 23 Jahren heiratete sie William Radcliffe, einen Oxford-Absolventen und politischen Berichterstatter, der später Besitzer und Herausgeber des English Chronicle wurde. Er ermutigte seine Frau, zum Zeitvertreib zu schreiben.

Ihre ersten Versuche waren die Liebesromane The Castle of Athlin and Dunbayne (1789) und A Sicilian Romance (1790), die beide anonym veröffentlicht wurden. Der große Durchbruch gelang ihr mit The Romance of the Forest (1791). Die erste Ausgabe wurde noch anonym publiziert, alle weiteren jedoch trugen den Namen der Autorin. Dieser Roman etablierte sie als erstklassige Vertreterin der Gothic Novel, die innerhalb des Genres ihren eigenen Stil vertrat, der sich deutlich von dem der bisherigen Schauerromane abhob. Der Schwerpunkt ihrer Bücher lag auf der romantischen reinen und empfindsamen Heldin, die im Laufe der Geschichten durch beängstigende Ereignisse lernen muss, ihre Gefühle auch von ihrem Verstand leiten zu lassen. Als besonders eindrücklich wurde von vielen Kritikern auch Radcliffes Begabung für detaillierte stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen empfunden. Ihre Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Zu Lebzeiten veröffentlichte sie noch zwei weitere Romane – The Mysteries of Udolpho (1794) und The Italian (1797). Sie reiste gern. Im Jahr 1795 veröffentlichte sie A Journey Made in the Summer of 1794 through Holland and the Western Frontier of Germany.

Radcliffes Romane inspirierten in unterschiedlicher Weise die Werke zahlreicher Kollegen wie beispielsweise den Roman Northanger Abbey von Jane Austen, Little Dorrit von Charles Dickens, Das ovale Porträt von Edgar Allan Poe, Rebecca von Daphne du Maurier und viele andere. Sir Walter Scott beschrieb sie als „erste Poetin der Liebesromane“. Sie war mit den Schwestern Sophia und Harriet Lee bekannt, deren Canterbury Tales eine ähnliche Popularität genossen wie Radcliffes Romane.

Trotz ihrer großen Popularität lebte sie sehr zurückgezogen. Es gab zahlreiche abenteuerliche Gerüchte um ihr Leben, die sie unter anderem noch zu Lebzeiten öfter totsagten oder sie dem Wahnsinn verfallen glaubten. Hinweise dazu lasen Zeitgenossen aus der anonym veröffentlichten Ode to Terror (1810) heraus. In ihren späten Jahren litt sie unter Asthma und starb 1823 an einem Anfall. Nach ihrem Tod wurden ein letzter Roman Gaston de Blondeville und Teile eines Reisetagebuchs mit dem Titel St. Alban's Abbey veröffentlicht.

Ihre vier bekanntesten Romane, Sicilian Romance, Romance of the Forest, The Mysteries of Udolpho und The Italian wurden alle sofort nach Erscheinen von Sophia Margarete Dorothea Liebeskind ins Deutsche übersetzt. In moderner deutscher Übersetzung erschienen bislang nur The Italian und A Sicilian Romance.

Werke[Bearbeiten]

  • The Castles of Athlin and Dunbayne (anonym, 1789)
  • A Sicilian Romance (anonym, 1790; deutsch: Eine sizilianische Romanze. Freie Übersetzung von Andrea Tepper. BoD, Norderstedt 2010, ISBN 978-3-8391-8577-3)
  • The Romance of the Forest (erste Ausgabe anonym, London 1791)
  • The Mysteries of Udolpho (London, G. G. and J. Robinson, 1794)
  • A Journey Made in the Summer of 1794, through Holland and the Western Frontier of Germany, with a Return Down the Rhine: To Which Are Added Obersavtions During a Tour to the Lakes of Lancashire and Westmorland, and Cumberland (London 1795)
  • The Italian, or the Confessional of the Black Penitents, (London 1797; deutsch: Der Italiäner oder der Beichtstuhl der schwarzen Büssermönche. Übersetzung von Friedrich Polakovics. Hanser, München 1973)
  • Ode to Terror (1810)
  • The Poems of Ann Radcliffe (1810)
  • Gaston de Blondeville, London (1826)

Literatur[Bearbeiten]

  • Deborah D. Rogers: Ann Radcliffe. A Bio-Bibliography. Greenwood Press, Westport 1996, ISBN 0-313-28379-6.
  • Robert Donald Spector: The English Gothic. A Bibliographic Guide to Writers from Horace Walpole to Mary Shelley. Greenwood Press, Westport 1984, ISBN 0-313-22536-2.
  • Jürgen Klein/Gunda Kuttler: Mathematik des Begehrens. Shoebox House Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-941120-04-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ann Radcliffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Ann Radcliffe – Quellen und Volltexte