Rebecca (Roman)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Rebecca ist ein 1938 erschienener Roman der englischen Schriftstellerin Daphne du Maurier. Direkt nach seinem Erscheinen 1938 wurde er, zu du Mauriers eigener Überraschung, zu einem sehr großen Erfolg und kurz darauf ebenso erfolgreich von Alfred Hitchcock verfilmt. Rebecca zählt zu du Mauriers besten und ihrem beim Publikum beliebtesten Werken. Der Roman enthält Elemente der Romanze, des Krimis und der Gothic Novel.

Das Buch handelt von einer jungen Frau, die als Gesellschafterin einer reichen Amerikanerin an der Côte d’Azur den wohlhabenden, verwitweten Aristokraten Maxim de Winter kennenlernt. Sie heiraten, und er nimmt sie mit sich auf seinen Landsitz Manderley. Dort muss sich die junge Frau mit dem Rätsel um Maxims erste Frau Rebecca auseinandersetzen, die beim Segeln ums Leben kam.

Inhalt[Bearbeiten]

Zu Beginn des Romans schildert die namenlose Ich-Erzählerin einen Traum, der sie zu dem zerstörten Landsitz Manderley zurückführt. Der Leser erfährt, dass die de Winters sich derzeit in einem Hotel in einem südlichen Land aufhalten. Dann erzählt sie die Geschichte ihrer Ehe.

In einem Hotel in Monte Carlo lernt die als Gesellschafterin angestellte Erzählerin den wesentlich älteren Maxim de Winter kennen, der zunächst distanziert ist, sich aber zunehmend für die junge Frau interessiert. Die beiden treffen sich ohne das Wissen ihrer Dienstherrin. Im Hotel gehen Gerüchte vom frühen Tod von Maxims Frau Rebecca um. Nach ein paar Wochen möchte die amerikanische Dame zurück nach New York. Maxim macht der Erzählerin einen Heiratsantrag, den sie annimmt. Nach den Flitterwochen fährt das junge Paar nach Manderley, den Besitz Maxim de Winters. Dort erwartet sie die eigenartige Haushälterin Mrs. Danvers. Die Erzählerin versucht sich in Manderley einzuleben, fühlt sich aber zunehmend innerlich unruhig. Sie vergleicht sich bei jeder Gelegenheit mit Rebecca. Maxims Verwalter Frank Crawley klärt sie über Rebeccas Tod auf, über den niemand in Manderley offen sprechen möchte. Rebecca war an einem stürmischen Abend mit ihrem Segelboot „Je reviens“ aufs Meer hinausgefahren und nicht wieder zurückgekehrt. Einige Zeit später wurde eine Wasserleiche an die Küste gespült, die Maxim als Rebecca identifizierte. In dem Gutsverwalter Frank Crawley findet die Erzählerin einen Freund. Auch Maxims Schwester Beatrice tritt ihr wohlwollend gegenüber. Mrs. Danvers jedoch zeigt sich zunehmend feindlich.

Einen Höhepunkt der Erzählung bildet der alljährliche Maskenball, der auf Drängen der Nachbarn auch nach dem Tod Rebeccas stattfinden soll. Die Erzählerin beschließt, ihren Mann zu überraschen und sich eine besondere Verkleidung auszudenken. Mrs. Danvers rät ihr, das Kleid einer Vorfahrin Maxims zu imitieren, deren Porträt in der Galerie hängt. Heimlich lässt sich die Erzählerin das Kleid und die passende Perücke aus London liefern. Als sie die Treppe hinuntersteigt, sind alle über das Kostüm entsetzt, und Maxim fordert sie auf, sich sofort umzuziehen. Beatrice erklärt ihr, dass auf dem letzten Maskenball Rebecca das gleiche Kleid trug. Während des Balls redet Maxim kein Wort mit seiner Frau. Auch in der Nacht und am nächsten Tag lässt er sich nicht bei ihr blicken. Sie nimmt an, dass ihn das Kostüm schmerzlich an Rebecca erinnert hat. In ihrer Verzweiflung sucht sie Mrs. Danvers auf, um sie zur Rede zu stellen. In einem Anflug von Wahnsinn will Mrs. Danvers die Protagonistin dazu bringen, sich in Rebeccas Schlafzimmer aus dem Fenster zu stürzen. Die Nachricht über ein Schiff in Seenot in der Bucht von Manderley unterbricht Mrs. Danvers und rettet der Erzählerin das Leben.

Bei der Bergung des Schiffes finden Taucher ein zweites Wrack mit einer Leiche an Bord. Die Tote wird diesmal eindeutig als die ertrunkene Rebecca identifiziert. Im Bootshaus erzählt Maxim die wahre Geschichte seiner ersten Ehe. Er gesteht, dass er Rebecca hasste. Sie wirkte charmant und zog die Menschen in ihren Bann, im Inneren war sie aber grausam, gefühllos und verdorben. Aus Rücksicht auf die Familienehre ging Maxim gleich nach der Hochzeit auf eine Abmachung ein. Rebecca würde Manderley zu Glanz verhelfen und den Schein einer perfekten Ehefrau wahren. Dafür würde er sich nicht in ihren Lebenswandel einmischen, solange sie diskret bliebe. Sie reiste oft nach London, um sich ihren Lastern hinzugeben, und hatte unter anderem eine intime Beziehung mit ihrem Cousin Jack Favell. Mit der Zeit wurde sie aber maßlos und brachte ihre Liebhaber auch nach Manderley in das Bootshaus mit. Am Abend ihres Todes folgte ihr Maxim zum Bootshaus und stellte sie zur Rede. Rebecca deutete dabei an, sie könne von einem anderen Mann schwanger sein und das Kind würde Manderleys Erbe werden. Maxim erschoss seine Frau, verfrachtete ihre Leiche in ihr Boot und ließ es in der Bucht sinken.

Nach dem Fund der Leiche soll eine gerichtliche Untersuchung den Hergang von Rebeccas Tod klären. Der Bootsbauer stellt fest, das Boot sei absichtlich zum Sinken gebracht worden. Das Gericht geht daraufhin von einem Selbstmord aus. Jack Favell bezichtigt Maxim des Mordes und versucht, ihn zu erpressen. Es stellt sich heraus, dass Rebecca am Tage vor ihrem Tod in London bei einem Arzt war. Sie litt an Krebs in einem fortgeschrittenen Stadium und hätte bald sterben müssen. Zudem konnte sie keine Kinder bekommen. Das Gericht sieht die Selbstmord-Theorie bestätigt und stellt die Untersuchung ein. Maxim und die Erzählerin wollen nach Manderley zurückkehren. Sie glauben sich endlich frei von der Erinnerung an Rebecca und wollen ein neues gemeinsames Leben auf Manderley beginnen. Von Frank erfahren sie, dass Mrs. Danvers verschwunden sei. Daraufhin beschleicht Maxim eine Vorahnung und sie brechen sofort auf. Kurz vor dem Landsitz sehen sie, dass der Himmel sich rot gefärbt hat. Die Erzählerin glaubt zunächst, es sei die Morgenröte, doch beide müssen erkennen, dass Manderley brennt.

Erwähnenswertes[Bearbeiten]

  • Im Alter von 30 Jahren unterzeichnete du Maurier 1937 nach dem Erfolg von Gasthaus Jamaika einen Vertrag über drei Bücher und bekam dafür 1.000 £.[1]
  • Die Erstausgabe hatte eine Auflage von 20.000 Exemplaren und war eins der drei meist verkauften Bücher von 1938. Die Kritiker konnten die Begeisterung des Publikums nicht teilen.[2]
  • Das Buch wird kontinuierlich seit über 80 Jahren publiziert.
  • Du Maurier charakterisiert das Buch als Studie der Eifersucht und nennt Parallelen zu ihrem eigenen Leben. Du Mauriers Intention war es, die Geschichte einer jungen Frau, ihres älteren Ehemannes, in ihrem schönen Haus, das schon seit Generationen in dessen Familienbesitz ist, zu erzählen.[3]
  • Du Maurier schrieb große Teile des Romans in Alexandria, wo ihr Mann stationiert war.[4]
  • Der Name der Protagonistin wird nicht genannt. Sie wird nur „meine Frau“, „(zweite) Mrs. de Winter“ oder „meine Liebe“ genannt. Ihr Nachname wird nur an einer Stelle als „hübsch“ und „außergewöhnlich“ bezeichnet.
  • Nach du Mauriers Angaben verarbeitete sie in dem Buch ihre Erinnerungen an den Landsitz Menabilly, ihre Zeit in Cornwall und die Beziehung mit ihrem Vater.[5]
  • In der Psychosoziologie ist das Rebecca-Syndrom bekannt, dessen Name sich aus dem Roman herleitet. Es bezeichnet die rückblickende Überhöhung eines ehemaligen Mitglieds einer Gruppe und die damit verbundene Abwertung dessen Nachfolgers[6].

Parallelen zu anderen Werken[Bearbeiten]

  • Jane Eyre, ein Roman der britischen Autorin Charlotte Brontë, ähnelt dem Motiv (Liebe zwischen zwei Klassen).
  • In Ken Folletts Roman Der Schlüssel zu Rebecca benutzt der deutsche Spion Alex Wolff eine Ausgabe von Rebecca als Code.
  • Kurz nach der Veröffentlichung von Rebecca in Brasilien wurden mehrere Gemeinsamkeiten mit dem Roman von Carolina Nabuco A Sucessora festgestellt und man mutmaßte, dass du Maurier den Roman gelesen haben musste. Du Maurier und ihr Verleger bestritten das.
  • 1944 versuchte Edwina L. MacDonald erfolglos zu beweisen, dass du Maurier ihren Roman Blind Windows kopiert habe.
  • In Danielle Steels Roman Vanished liest die Protagonistin Rebecca. Auch sonst finden sich Parallelen in dem Buch.
  • Rebecca war die Inspiration für Paige Harbisons Roman New Girl von 2012.
  • Stephen King bringt in seinem Roman Sara eine Hommage an die Traumszene aus Rebecca, der die Erzählerin nach Manderley zurückbringt
  • In Michael Ondaatjes Roman Der englische Patient benutzt ein deutscher Spion namens Eppler eine Kopie von Rebecca als Codebuch für Nachrichten an einen britischen Kommandanten.

Adaptionen[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Der Roman wurde mehrfach für Kino und Fernsehen verfilmt.

  • Unter der Regie Alfred Hitchcocks entstand 1940 mit dem Originaltitel Rebecca die bekannteste und erfolgreichste Adaption, die mit zwei Oscars ausgezeichnet wurde, darunter in der Kategorie Bester Film.
  • Indische Verfilmung 1964 mit dem Titel Kohra.
  • Britische Verfilmung 1980 für das Fernsehen durch die BBC mit Joanna David als zweite Mrs. de Winter, Jeremy Brett als Maxim de Winter und Anna Massey als Mrs. Danvers.
  • Britische Verfilmung 1997 für das Fernsehen mit Emilia Fox als zweite Mrs. de Winter und Charles Dance als Maxim de Winter.
  • Indische Verfilmung 2008 mit dem Titel Anamika mit Minissha Lamba.

Hörspiele[Bearbeiten]

In Deutschland wurden auch vier Hörspiele unter dem Originaltitel Rebecca produziert:

Theater und Musical[Bearbeiten]

  • 1939 schrieb du Maurier das gleichnamige Theaterstück, das in London über 350 Aufführungen hatte
  • 1983: Rebecca, Oper von Wilfred Josephs, uraufgeführt an der Opera North
  • 2006: Rebecca, Musical von Sylvester Levay (Text: Michael Kunze), Uraufführung durch die Vereinigten Bühnen Wien am 28. September 2006; deutsche Erstaufführung am 8. Dezember 2011 im Palladium Theater Stuttgart, weitere Aufführungen unter anderem in Korea, Ungarn, Schweiz

Fortsetzungen[Bearbeiten]

  • Einer von du Mauriers Erben autorisierten Fortsetzung des Romans - Rebeccas Vermächtnis - von Susan Hill war 1993 trotz großem Werbeaufwand kein erwähnenswerter Erfolg beschieden.
  • Trotzdem wurde 2001 eine weitere autorisierte Fortsetzung veröffentlicht. In Rebecca's Tale von Sally Beauman erzählen vier Charaktere, wie sie Rebecca aus ihrer Sicht erlebt haben.
  • The Other Rebecca von 1996 von Maureen Freely ist eine modernisierte Fassung der Geschichte.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 1938 gewann der Roman den National Book Award als populärste Veröffentlichung des Jahres.
  • Im Jahr 2000 erhielt Du Mauriers Roman im Rahmen der Millenniumsfeierlichkeiten den US-amerikanischen Anthony Award als bester Mystery-Roman und setzte sich gegen Raymond Chandlers Der große Schlaf (The Big Sleep, 1939), Agatha Christies Alibi (The Murder of Roger Ackroyd, 1926), Dashiell Hammetts Der Malteser Falke (The Maltese Falcon, 1930) und Dorothy L. Sayers Aufruhr in Oxford (Gaudy Night, 1935) durch.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Avril Horner, Sue Zlosnik: The secrets of Manderley: Rebecca In: Daphne du Maurier: writing, identity and the gothic imagination. Palgrave Macmillan, 1998, ISBN 0312211465, S. 99-127.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.telegraph.co.uk/culture/books/3672739/How-Daphne-du-Maurier-wrote-Rebecca.html
  2. http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,849789-2,00.html
  3. http://www.telegraph.co.uk/culture/books/3672739/How-Daphne-du-Maurier-wrote-Rebecca.html
  4. Afterword by Sally Beauman to "Rebecca", 2003 ed., Virago Press, 30 January 2003, ISBN 1-84408-038-2.
  5. http://www.time.com/time/magazine/article/0,9171,849789-2,00.html
  6.  Carmen Posadas: Was hatte sie, was ich nicht habe? Das Rebecca-Syndrom oder Wenn die Ex-Frau zum Alptraum wird.. Heyne, 1995, ISBN 9783453081475.