Arnold Wesker

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Arnold Wesker (* 24. Mai 1932 in Stepney, im proletarischen Londoner East End) ist ein britischer Dramatiker.

Arnold Wesker am 24. Oktober 2008

Wesker wurde als Sohn eines eingewanderten russisch-jüdischen Schneiders und einer ungarischen Mutter, einer aktiven Kommunistin geboren.[1] Das spätere sozialistische Engagement Weskers liegt aus literaturwissenschaftlicher Sicht vermutlich bereits in seinem Elternhaus begründet;[2] ebenso ist das autobiografische Element in allen seinen Dramen deutlich erkennbar. Das Thema des wandering Jew ist gleichermaßen in seinem gesamten dramatischen Werk ausgeprägt.[3]

Nach der Schulzeit in Hackney leistete Wesker bei der Royal Air Force von 1950 bis 1952 seinen Wehrdienst ab - in Chips with Everything verwendete er später genau diesen Schauplatz. Bevor er nach seiner Entlassung seine schriftstellerische Tätigkeit begann, arbeitete er in den 1950er Jahren in Gelegenheitsjobs u. a. als Schreiner, Zimmermannsgehilfe, Erntearbeiter, Klempnergehilfe und Küchenhilfe, schließlich als Pastetenbäcker zwei Jahre in London und neun Monate in Paris. Diese Tätigkeiten in verschiedenen Berufsfeldern verschaffte Arnold Wesker Oppel zufolge einen reichhaltigen Erfahrungsschatz, der es ihm ermöglichte, „in seinen Dramen den Anspruch auf Wirklichkeitsnähe und Lebensunmittelbarkeit zu stellen.“[4]

Sein Interesse an der dramatischen Kunst zeigte Wesker bereits frühzeitig durch seine Teilnahme an verschiedenen Bühnenaufführungen. So spielte er beispielsweise als Gelegenheitsschauspieler die Rolle des jungen Poeten Marchbanks in Shaws Candida.[5]

1956 nahm er allerdings wenig erfolgreich mit seinem ersten Drama The Kitchen (dt. Die Küche) an einen Dramenwettbewerb des Observer teil; das Stück wurde als „nicht abendfüllend“ abgelehnt.[6]

Junge Dramatiker wie John Osborne motivierten ihn zu seinen ersten Theaterstücken, die ihm schnell zum Durchbruch und erstmals breiterer Anerkennung verhalfen. So entstand 1958, gefördert durch die London School of Film Technique, an die Wesker sich mit der Bitte um Unterstützung gewandt hatte, Chicken Soup with Barley (dt. Hühnersuppe mit Graupen) z. T. unter dem Einfluss von Osbornes Look Back in Anger (dt. Blick zurück im Zorn).[7] In demselben Jahr heiratete Wesker die Kellnerin Doreen Cecile Bicker.

Zusammen mit Osborne und anderen kritischen Dramatikern dieser Zeit wird er als Vertreter des so genannten Kitchen Sink Realism und der Angry Young Men-Bewegung betrachtet.[8]

Die Küche, Hühnersuppe mit Graupen, Nächstes Jahr in Jerusalem und Tag für Tag waren seine wichtigsten Werke aus dieser Zeit. Viele seiner Stücke sind von der Thematik her gesellschaftskritisch und nehmen die Perspektive der „kleinen Leute“ aus der Arbeiterklasse ein.

Auf Betreiben Weskers beschloss ein Gewerkschaftskongress 1960, sich stärker den Künsten zu widmen. Dieser Beschluss nahm kurz darauf konkrete Gestalt an mit der Gründung des Centre 42, dessen Leitung Wesker zehn Jahre lang von 1961 bis 1971 übernahm. Das Round House, ein alter Straßenbahnschuppen bei Chalk Farm im London Borough of Camden wurde erworben und ausgebaut, vor allem um Künstlern Experimentiermöglichkeiten zu bieten und zugleich im Sinne der sozialistischen Einstellung Weskers das kulturelle Niveau der Arbeiterklasse zu heben.[9]

Weskers eigene Entwicklung als Dramatiker vollzog sich mit einigen wenigen zentralen Themen, nicht selten autobiografisch geprägt. Dabei sind im Wesentlichen drei unterschiedliche Entwicklungslinien zu erkennen: eine „Veränderung des sozialen Milieus, in der seine Gestalten angesiedelt sind; eine Verschiebung der weltanschaulichen Grundlagen, auf denen sein Denken beruht und schließlich damit einhergehend eine Wandlung seiner dichterischen und dramatischen Mittel.“[10]

Geht es in The Kitchen vor allem um eine breit ausgemalte Schilderung des Arbeitermilieus und der Arbeitswelt, so thematisieren die späteren Dramen Weskers - wahrscheinlich in Analogie zu seiner eigenen Entwicklung - in wachsendem Maße die Probleme des engagierten Intellektuellen und seiner Identitätsschwierigkeiten.

Weskers zentrales Thema ist das „Spannungsverhältnis zwischen einem ins Utopische zielenden Glauben, daß [sic] sich weitgehende Veränderungen der Gesellschaft und eine Einheit des Lebens durch solidarisches Handeln erreichen lassen und einer pessimistischen Einschätzung der Realisierbarkeit solcher Veränderungen.“[11]

Nach Weskers eigenen Aussagen sind Einflüsse auf sein dramatisches Werk von Sean O'Casey, Arthur Miller und Samuel Beckett ausgegangen; John Osbornes Blick zurück im Zorn ermutigte ihn, mit den bestehenden Konventionen des englischen Theaters zu brechen und, wie Oppel schreibt, seine „love of living“ (dt. sinngemäß „Leidenschaft zu leben“) mit der gleichen „unashamedness“ (dt. sinngemäß „Unverhohlenheit“) auszusprechen, zu der sich vorher schon Dylan Thomas als Lyriker durchgerungen hatte.“[12]

Später kamen Prosawerke, Filmdrehbücher, Gedichte und Hörspiele hinzu.

Sein Hauptwerk bleibt jedoch dem Schauspiel verbunden; seine Stücke werden in 17 Sprachen übersetzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronald Hayman: Contemporary Playwrights · Arnold Wesker. Heinemann Verlag, London et al., 2. Aufl. 1974, ISBN 0-435-18415-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ronald Hayman: Contemporary Playwrights · Arnold Wesker. Heinemann Verlag, London et al., 2. Aufl. 1974, ISBN 0-435-18415-6, S. VIIf. Vgl. zur Biografie ebenso die Angaben bei Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299. Siehe auch Glenda Leeming und Simon Trussler, The Plays of Arnold Wesker, Gollancz Verlag London 1971, S. 205-207, sowie die biografischen Angaben bei Horst Oppel: Arnold Wesker: The Chicken Soup Trilogy. in: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama · Interpretationen. Schmidt Verlag, 2. rev. Auflage, Berlin 1966, S. 344-370, hier S. 344f.
  2. Vgl. Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299.
  3. Horst Oppel: Arnold Wesker: The Chicken Soup Trilogy. in: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama · Interpretationen. Schmidt Verlag, 2. rev. Auflage, Berlin 1966, S. 344-370, hier S.344f.
  4. Horst Oppel: Arnold Wesker: The Chicken Soup Trilogy. in: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama · Interpretationen. Schmidt Verlag, 2. rev. Auflage, Berlin 1966, S. 344-370, hier S. 344f.
  5. Horst Oppel: Arnold Wesker: The Chicken Soup Trilogy. in: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama · Interpretationen. Schmidt Verlag, 2. rev. Auflage, Berlin 1966, S. 344-370, hier S. 345.
  6. Vgl. Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299.
  7. Vgl. Horst Oppel: Arnold Wesker: The Chicken Soup Trilogy. in: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama · Interpretationen. Schmidt Verlag, 2. rev. Auflage, Berlin 1966, S. 344-370, hier S. 345, sowie Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299. Siehe auch die Angaben bei Ronald Hayman: Contemporary Playwrights · Arnold Wesker. Heinemann Verlag, London et al., 2. Aufl. 1974, ISBN 0-435-18415-6, S. VIIf.
  8. Vgl. Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299.
  9. Vgl. soweit die biografischen Angaben und Belege bei Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299.
  10. Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 299.
  11. Martin Seletzki: Arnold Wesker · The Old Ones in: Klaus-Dieter Fehse und Norbert H. Platz: Das zeitgenössische englische Drama. Athenäum Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt a. M. 1975, ISBN 3-8072-2096-8, S. 299-315, hier S. 300.
  12. Vgl. Horst Oppel: Arnold Wesker: The Chicken Soup Trilogy. in: Horst Oppel (Hrsg.): Das moderne englische Drama · Interpretationen. Schmidt Verlag, 2. rev. Auflage, Berlin 1966, S. 344-370, hier S. 345