Bad Aibling Station

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Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Bad Aibling Station (BAS)
Radome der Bad Aibling Station

Radome der Bad Aibling Station

Land Deutschland
Alternativbezeichnungen 18th United States Army Security Agency Field Station,
Field Station 81,
Hortensie III,
Sigad US-987LA[1]
Gemeinde Bad Aibling
Koordinaten: 47° 53′ N, 11° 59′ O47.87944444444411.984444444444Koordinaten: 47° 52′ 46″ N, 11° 59′ 4″ O
Erbaut 1936/1952 (Geschlossen 2004)
Ehemals stationierte Einheiten
National Security Agency (NSA)
United States Army Security Agency (ASA)
Bundesnachrichtendienst (BND)
US Army Intelligence and Security Command (INSCOM)
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
DeutschlandDeutschland
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten
Bad Aibling Station (BAS) (Bayern)
Bad Aibling Station (BAS)

Lage der Bad Aibling Station (BAS) in Bayern

Radome der Bad Aibling Station

Bad Aibling Station (Abkürzung BAS, offizielle US-Bezeichnung 18th United States Army Security Agency Field Station, BND-Deckname Hortensie III)[2] war eine große Abhörbasis des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA in Bad Aibling bei Rosenheim. Günther Beckstein bestätigte gegenüber dem Deutschen Bundestag am 18. Oktober 2001, dass es sich um eine „Echelon-Abhöranlage“ in Bad Aibling handele.[3]

In unmittelbarer Nachbarschaft wurde spätestens ab 1988 auf dem Gelände der Mangfall-Kaserne ein Stützpunkt des Bundesnachrichtendienstes errichtet (Objekt Orion), der als Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr getarnt wurde. Laut dem Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom habe der BND Teile der aufgelassenen Lauschstation und 188 Mitarbeiter übernommen.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten US-Truppen den Fliegerhorst Bad Aibling, eine Schulflugbasis, der im Zuge der Aufrüstung der Wehrmacht ab 1936 als Militärflugplatz für die Luftwaffe auf dem Gelände eines Sportflugplatzes in Bad Aibling-Mietraching errichtet worden war.[5] Airfield R.86, so seine alliierte Code-Bezeichnung, wurde von der US-Militärregierung zunächst als Lager für Kriegsgefangene, Displaced Persons und Waisenhaus eingerichtet und unter die Betreuung der UNRRA gestellt. Dort sollen sich Günter Grass und Joseph Ratzinger als Gefangene begegnet sein.[6][7][8]

Das Areal wurde 1952 von der US Army übernommen. Nach und nach wurde es während des Kalten Krieges durch die United States Army Security Agency (ASA) zu einer Abhörstation der amerikanischen Auslandsgeheimdienste ausgebaut.

Im Jahre 1971 übernahm die National Security Agency (NSA) gemeinsam mit dem US-Verteidigungsministerium das Kommando. Die Aktivitäten der ASA wurden gleichzeitig von allen drei deutschen Field Stations (Rothwesten, Bad Aibling und Herzogenaurach) nach Augsburg verlagert.

Laut dem Geheimdienstexperten Erich Schmidt-Eenboom wurde die Bad Aibling Station ab 1988 auch vom Bundesnachrichtendienst (BND) mitgenutzt.[2]

1994 übergab die NSA die Kontrolle über die Einrichtung an die INSCOM, die militärische Geheimdienstbehörde der US Army.[9]

Am 30. Mai 2000 besuchte das Parlamentarische Kontrollgremium die Station.[10]

Nach dem Ende des Kalten Krieges, dem Regierungswechsel in der Bundesrepublik Deutschland und einem Verfahren der EU, die unter anderem in einem Sonderausschuss des Europäischen Parlaments der Anlage eine Aufgabe in der Wirtschaftsspionage zuschrieb,[11] war zunächst vorgesehen, die Bad Aibling Station 2002 zu schließen.[12] Die Anschläge des 11. September 2001 boten jedoch Anlass, von diesen Plänen Abstand zu nehmen. Unmittelbar nach den Terroranschlägen wurden die Sicherheitsmaßnahmen an der Anlage, u. a. durch Installation von Panzersperren, stark ausgebaut.

Auf Grundlage eines Abkommens (Memorandum of Agreement) vom 28. April 2002 wurde eine gemeinsame Fernmeldeaufklärung von NSA und BND am bayerischen Standort vereinbart. Dieser Beschluss der rot-grünen Bundesregierung aus dem Jahr 2002 wurde 2013 öffentlich bekannt.[13]

Im Rahmen von Umstrukturierungen der amerikanischen Geheimdienste zu Beginn des 21. Jahrhunderts wurde die Bad Aibling Station schließlich am 30. September 2004 endgültig geschlossen, das ausgedehnte Gelände wurde an die Bundesrepublik Deutschland übergeben. Soweit bekannt ist, wurden die Einheiten nach Menwith Hill in Großbritannien, Darmstadt (Dagger Complex) und in die Türkei verlegt. Auf dem ehemaligen August-Euler-Flugplatz in Darmstadt bei Griesheim entstand im Frühjahr 2004 ein Abhörstützpunkt mit fünf Radomen.

Nach den Unterlagen von Edward Snowden „unterhalten NSA-Abhörspezialisten auf dem Gelände der Mangfall-Kaserne in Bad Aibling eine eigene Kommunikationszentrale und eine direkte elektronische Verbindung zum Datennetz der NSA.“[14] Vermutlich werden die Radome der Bad Aibling Station auch nach deren Auflassung weitergenutzt, u. a. durch den Bundesnachrichtendienst.

Einrichtungen (soweit bekannt)[Bearbeiten]

Siegel der NSA
  • Verschiedene Abteilungen der NSA (Einzelheiten unbekannt)
  • HOC 718th Military Intelligence Brigade (auch als „operations company“ bezeichnet)
  • C COMPANY 66th Military Intelligence Group
  • Air Force-402ND Intelligence Squadron
  • 108th Military Intelligence Group (frühere Bezeichnung: 718th MI Group)
  • Navy-NSGA (Naval Security Group Activity, „Lightning Fast Chicken Pluckers“)
  • 18th USASAFS Field Station
  • 312th ASA Battalion
  • 320th ASA Battalion
    • Headquarters Company
    • 180th ASA Company
    • 181st ASA Company
    • 186st ASA Company
  • 402nd Intelligence Squadron[15]
  • British Royal Signals Detachment (UK)

Geheimdienstliche Bedeutung[Bearbeiten]

Die Bad Aibling Station war eine wichtige Abhöreinrichtung des Echelon-Systems (RSOC, Regional SIGINT Operation Center), in der zeitweise bis zu 1000 Mitarbeiter beschäftigt waren. Ihre Aufgaben bestanden in der Beschaffung von Informationen für amerikanische Bundesbehörden und andere, darunter auch britische Geheimdienste. Weltbekannt wurde die Lopez-Affäre, die durch Abhörmaßnahmen der BAS aufgeklärt wurde. Auch im Rahmen des Moskauer Augustputschs gegen Michail Gorbatschow im Jahre 1991 soll die Bad Aibling Station wichtige Informationen geliefert haben.[4]

Nach offiziellen Angaben lagen die Aufgaben der BAS bei "Rapid Radio Relay and Secure Common, Support to DoD and Unified Commands, Medium and Longhand Common HF & Satellite, Communication Physics Research, Test and Evaluate Common Equipment".[16]

Einzelheiten sind nur bruchstückhaft bekannt. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass von der BAS aus vielfältige Telekommunikationskanäle einschließlich des Funk-, Fernsprech- und Internetverkehrs überwacht wurden. Insbesondere scheint die Kommunikation mit Satelliten, auch außerhalb des Intelsat-Systems, abgehört worden zu sein.[17]

Derzeitige und zukünftige Nutzung[Bearbeiten]

Nach einer Abschiedsparade mit ca. 25.000 Besuchern im April wurde der Stützpunkt am 30. September 2004 von Oberst Susan Huggler, die zuletzt das Kommando innehatte, wieder an die Bundesrepublik Deutschland übergeben.[18] Danach lag das Areal für einige Zeit brach, verwaltet von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). Für die zukünftige Nutzung waren unterschiedliche Konzepte im Gespräch – angefangen von Wohnanlagen über ein Freizeitgelände bis hin zum Regionalflughafen.[19]

Etwa die Hälfte des 134 Hektar großen Areals wird derzeit durch die B&O Parkgelände GmbH & Co. KG. zur „Nullenergiestadt Mietraching“ umgestaltet. Vorgesehen ist eine Mischnutzung aus Gewerbeeinheiten, Wellness, Freizeit, Wohnbebauung und sozialen Dienstleistungen.

Bereits im Laufe des Jahres 2008 wurden im Bereich „Technologiepark“ einige Firmen angesiedelt,[20] im „Wohlfühlpark“ der Nullenergiestadt wurde im Oktober 2008 das B&O Parkhotel mit 42 Zimmern und 4 Tagungsräumen eröffnet.[21]

Bereits seit 1989 betrieb der als "Chicken Joe" bekannte Josef Ecker einen Gastronomiebetrieb auf dem Gelände der Geheimdienstbasis, seit 1999 war dieser die "Biker Base" des Motorradclubs BAB Bavarian American Brotherhood e. V.[22][23] Auf Betreiben des Stadtrats von Bad Aibling musste der Betrieb im Jahre 2011 geschlossen werden.

Die Fliegerhalle und andere Einrichtungen des Geländes werden darüber hinaus für verschiedene Veranstaltungen wie Flohmärkte, die Oablinger Rocknacht[24] oder das jährlich stattfindende Süd Ost Rock Festival SORF[25] genutzt. Seit dem Jahr 2009 findet hier außerdem jährlich das Echelon-Festival statt.

In der benachbarten Mangfall-Kaserne betreibt der Bundesnachrichtendienst eine Außenstelle (Objekt Orion), die lange als Einrichtung der Fernmeldeweitverkehrsstelle der Bundeswehr getarnt wurde. Hier bestehen auch ein Verbindungsbüro zur NSA (SUSLAG) und zwei Übergabepunkte, die Joint SIGINT Activity (JSA) und das Joint Analysis Center (JAC).[26]

Siehe auch[Bearbeiten]

 Commons: Field Station 81 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur und Verweise[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Willfährige Helfer - Provider unterstützen die Geheimdienste beim Datenschnüffeln c’t Nr.18, 12. August 2013, S. 24
  2. a b Res Strehle: Interview: „Russland wird Snowden wohl ausschleusen“. In: Basler Zeitung. 12. Juli 2013. Archiviert vom Original am 27. Juli 2013. Abgerufen am 27. Juli 2013.
  3. Florian Rötzer: Lauschposten in Bad Aibling bleibt bestehen. In: Telepolis. 26. Januar 2001, abgerufen am 18. September 2014.
  4. a b Noch kein Ende bei Lauschangriffen. OVB online. 7. März 2014. Abgerufen am 7. März 2014.
  5. Geschichte des Fliegerhorsts Mietraching auf www.mietraching.de
  6. Kölner Stadt-Anzeiger: Grass: Mit Ratzinger zusammen als Kriegsgefangener
  7. stern.de: Würfelte Grass mit dem Papst im Erdloch?
  8. open book: Ratzinger and Grass
  9. RAVEN: INSCOM in Bad Aibling
  10. Adrian Lobe: Was die Bundesregierung über die Spionageaktivitäten wusste - Tagesspiegel, 20. Juli 2013.
  11. Gerhard Schmid: On the existence of a global system for the interception of private and commercial communications (ECHELON interception system), (2001/2098(INI)) (pdf – 194 pages) European Parliament: Temporary Committee on the ECHELON Interception System. 11. Juli 2001. Abgerufen am 12. Dezember 2013.
  12. Yorkshire CND: Bad Aibling Station to close 31. Mai 2001, archivierte Version vom 12. August 2002
  13. Regierung: Steinmeier segnete Kooperation BND-NSA ab. tagesschau.de. 7. August 2013. Abgerufen am 10. Dezember 2013.
  14. Spiegel Online vom 3. August 2013: Überwachung: BND leitet massenhaft Metadaten an die NSA weiter
  15.  Gerhard Piper: Die strategische Bedeutung der US-Luftwaffenbasen in der BRD. In: antimilitarismus information. Nr. 3-4, 2003, S. 1–16 (online (PDF; 154 kB), abgerufen am 11. September 2011).
  16. Bericht an das Europäische Parlament über die Existenz eines globalen Abhörsystems für private und wirtschaftliche Kommunikation (Abhörsystem ECHELON)
  17. European Union and FBI launch global surveillance system. A Statewatch report. 27. Februar 1997, archiviert auf cryptome.org
  18. „Bad Aibling festival signals farewell“ in Stars And Stripes vom 26. April 2004 (engl., abgerufen am 24. März 2009)
  19. [ //de.wikipedia.org/w/index.php?title=Wikipedia:Defekte_Weblinks&dwl=http://www.bo-parkhotel.de/dokumente/Geschichte_Gelaende_Internet.pdf Seite nicht mehr abrufbar], Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.bo-parkhotel.dePDF über die Geschichte des Geländes der B&O Wohnungswirtschaft GmbH & Co. KG, S. 17 (abgerufen am 24. März 2009)
  20. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[3] [4] Vorlage:Toter Link/verlag.inndependent.de„Vom Keller in die Halle“ in Wasserburger Nachrichten Nr. 25/08 vom 19. Juni 2008, S. 15
  21. Webseite des B&O Parkhotels (abgerufen am 24. März 2009)
  22. Webseite Chicken Joe's Ranch (abgerufen am 24. März 2009)
  23. Webseite BAB Bavarian American Brotherhood e. V. (abgerufen am 24. März 2009)
  24. Webinformationen der Oablinger Rocknacht (gesehen am 19. März 2010)
  25. Webseite des SORF (abgerufen am 24. März 2009)
  26. Spiegel Online: NSA-Standorte in Deutschland: Bad Aibling, gesehen am 20. Juni 2014