Berlin-Wedding

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wedding
Ortsteil von Berlin
Mitte Hansaviertel Tiergarten Moabit Wedding Gesundbrunnen BerlinWedding auf der Karte von Mitte
Über dieses Bild
Koordinaten 52° 33′ 0″ N, 13° 22′ 0″ O52.5513.36666666666752Koordinaten: 52° 33′ 0″ N, 13° 22′ 0″ O
Höhe 52 m ü. NN
Fläche 9,23 km²
Einwohner 82.379 (30. Jun. 2014)
Bevölkerungsdichte 8925 Einwohner/km²
Eingemeindung 1861
Postleitzahlen 13347, 13349, 13351, 13353, 13357, 13359, 13407
Ortsteilnummer 0105
Verwaltungsbezirk Mitte

Der Wedding ist ein Berliner Ortsteil im Bezirk Mitte.

Geschichte[Bearbeiten]

Typisches Wohn- und Geschäftshaus im Wedding, um 1900

Der Wedding wird bereits in zwei Urkunden aus dem 13. Jahrhundert erwähnt: 1251 handelte es sich um „eine Mühle im Gebiet des Dorfes, welches Weddinge hieß, am Flusse Namens Pankow erbaut“ und im Jahr 1289 um „das wirkliche Lehensgut und den mit dem Gehöfte Wedding verbundenen Titel eines Lehensgutes“.[1]

Im 13. Jahrhundert wurde das Dorf Wedding als Wüstung, also als verlassene Siedlung, erwähnt. Die Mühle des Ortes wurde an das Benediktinerinnenkloster in Spandau verkauft, das auf der Gemarkung des Dorfes liegende Lehngut wurde Besitz der Stadt Berlin. Im 14. Jahrhundert wurden die Flächen von Berliner Bürgern noch zum Ackerbau genutzt, danach überwuchs es vollständig mit Kiefern und Eichen und wurde als „Berliner Stadtheide“ bezeichnet. Im 17. Jahrhundert wurde auf dem Gebiet des heutigen Nettelbeckplatzes ein Gutshof angelegt, der bereits 1603 an den brandenburgischen Kurfürsten übergeben wurde. Dieser ließ daraus ein Vorwerk errichten. Damit war der Gutshof kurfürstliche Domäne und rechtlich nicht mehr zur Stadt Berlin gehörig.

Im Zusammenhang mit dem Ausbau Berlins und dem dafür benötigten Holz wurde die Stadtheide fast vollständig gerodet, sodass das Land um den Wedding verödete. Im 18. Jahrhundert begann die umfangreiche Besiedlung des Gebiets nördlich Berlins und damit auch des Weddings. 1778 wurden die ersten Kolonistenhäuser im Bereich des heutigen Weddingplatzes errichtet. 1782 ließ Friedrich II. eine Kolonie gründen, die auf Grund ihrer Nähe zum Gutshof den Namen Wedding oder Neu-Wedding erhielt.

Im Jahr 1861 erfolgte die Eingemeindung nach Berlin. Der Wedding war namensgebend für den 1920 gegründeten und bis 2000 bestehenden Bezirk Wedding, der das Gebiet der heutigen Ortsteile Wedding und Gesundbrunnen umfasste.

Nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1945 bis zur deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 gehörte der Bezirk Wedding zum französischen Sektor Berlins.

Seit den 1970er Jahren siedelten sich im traditionellen Arbeiterviertel zahlreiche – vielfach auch türkischeGastarbeiter und andere Einwanderer an, da dort preiswerter Wohnraum vorhanden war, was dem Viertel einen multikulturellen Charakter verlieh.

Nachdem der Bezirk Wedding 2001 im neuen, größeren Bezirk Mitte aufging, erhielten Wedding und Gesundbrunnen den Status von Berliner Ortsteilen.

Ortsname[Bearbeiten]

Ick steh uff Wedding, dit is meen Ding

Bewohner und oftmals auch die Berliner Medien beziehen sich mit dem Begriff „Wedding“ weiterhin auf das Gebiet des ehemaligen Bezirks Wedding.

Der Wedding gehört zu den wenigen Ortsnamen, die im Deutschen mit Artikel benutzt werden; der Wedding erinnert an den Ursprung als vom Adligen Rudolf de Weddinghe errichteten Gutshof und Vorwerk und folglich sagte man „er wohnt auf dem Wedding“ (im Stadtdialekt „er wohnt uff’m Wedding“) oder „am Wedding“. Heute wird jedoch „im Wedding“ bevorzugt oder zunehmend von den Zugezogenen die Formulierung „in Wedding“ gebraucht.[2]

„Wo ick wohne? Wie alle feine Leite, Berlin W. hinten mit en ‚Ding‘! –?? – Na Mensch, vastehste nich, Berlin Wedding!“

Hans Ostwald: Der Urberliner[3]

Kieze und Viertel[Bearbeiten]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Der Wedding ist mit 82.379 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2014) der an Bevölkerung drittreichste Ortsteil (von sechs) des Bezirks Mitte. Er hat ein Durchschnittsalter von 38 bis 40 Jahren.

Der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Wedding liegt bei 30 %. Im gesamten Bezirk Mitte liegt der Ausländeranteil bei 29,1 %, im Berliner Durchschnitt bei 15,3 %. Einen Migrationshintergrund haben 48,3 % der Bewohner im Wedding.[4] 2011 stammten die größten ethnischen Gruppen aus folgenden Herkunftsgebieten:[5]

Herkunft Anzahl Prozent
Deutschland 40.476 51,7
Türkei 13.998 17,8
Schwarzafrika 5011 6,4
arabische Staaten 4670 5,9
Polen 4665 5,9
ehemaliges Jugoslawien 4207 5,3
ehemalige Sowjetunion 1927 2,4
Ostasien (u. a. China, Südkorea usw.) 1342 1,7
Südostasien (u. a. Vietnam, Thailand usw.) 1130 1,4
Südasien (Indien, Pakistan usw.) 1022 1,3

Bebauung[Bearbeiten]

Historische Alte Nazarethkirche und Neue Nazarethkirche im Hintergrund auf dem Leopoldplatz

Der Wedding wird größtenteils durch Altbauten mit Hinterhäusern aus der Gründerzeit und mehrgeschossige Gebäude des sozialen Wohnungsbaus der 1970er und 1980er Jahre geprägt. Eine Ausnahme bildet das Afrikanische Viertel zwischen dem Volkspark Rehberge und dem Schillerpark. Hier sind die mit den typischen Grünflächen umgebenen Siedlungsbauten der 1920er und 1930er Jahre bestimmend. Erwähnenswert sind insbesondere die zum UNESCO-Welterbe gehörende Siedlung Schillerpark, sowie die Friedrich-Ebert-Siedlung.

Nahe dem U-Bahnhof Reinickendorfer Straße und dem Bahnhof Wedding steht das Erika Hess Eisstadion. Es ist im Winter die Heimat des Berliner Eishockeyvereins FASS Berlin. Durch die wenigen Berliner Eisflächen, ist das Eisstadion auch zweite Heimat der ECC Preussen Juniors Berlin.

Wichtige Plätze im Wedding[Bearbeiten]

Grünanlagen im Wedding[Bearbeiten]

Freibad Plötzensee

Infrastruktur und Verkehr[Bearbeiten]

Der Wedding besitzt mehrere überregional bekannte Einrichtungen, die zu den größten Arbeitgebern der Stadt gehören.

Schering-Hauptgebäude in der Müllerstraße

Industrie[Bearbeiten]

  • Bis zur Übernahme durch die Bayer AG hatte mit der Schering AG der einzige Berliner DAX-Konzern seinen Sitz in der Müllerstraße. Das Firmengelände erstreckt sich zu beiden Seiten der Fennstraße von der Müllerstraße bis zum Nordhafen.
  • Die Gebäude des ehemals größten Glühlampenwerks Europa, dem Osram-Werk B, liegen zwischen Seestraße und Groninger Straße. Nachdem Osram 1988 hier die Glühlampenproduktion einstellte, werden die heutigen OsramHöfe als Gewerbezentrum von Kleinbetrieben aus Einzelhandel, Dienstleistung und Handwerk sowie von wissenschaftlichen Institutionen und Forschungseinrichtungen genutzt.[7]

BVG[Bearbeiten]

  • Mit der Hauptwerkstatt Seestraße betreibt die BVG eine Werkstatt zur Wartung von Klein- und Großprofilwagen. Die um 1923 eröffnete Anlage ist ein gelistetes Bauwerk.[8]
  • Der 1927 eröffnete Betriebshof Müllerstraße ist für den gesamten Busverkehr in Berliner Norden zuständig. Nach Angaben der Berliner Verkehrsbetriebe sind gegenwärtig 239 Busse auf dem Hof beheimatet, 437 Mitarbeiter des Fahrdienstes haben auf dem Hof ihren Arbeitsplatz. Zusätzlich sind vor Ort die als Verkehrsakademie Omnibus bezeichnete Fahrschule der BVG als auch deren Kleiderkammer untergebracht. Die Anlage ist ein gelistetes Bauwerk.[9]

Gesundheitseinrichtungen[Bearbeiten]

Eingang zum Rudolf-Virchow-Krankenhaus am Augustenburger Platz
  • Das am Augustenburger Platz gelegene Rudolf-Virchow-Krankenhaus ist eines der größten Krankenhäuser Berlins. Es entstand 1899–1906 als städtisches Krankenhaus. Während der Teilung Berlins diente das Rudolf-Virchow-Krankenhaus ab den 1980er Jahren als Universitätsklinikum der Freien Universität Berlin. Seit 1995 gehört das Rudolf-Virchow-Krankenhaus zur Humboldt-Universität und bildet seit 1998 den Campus Virchow-Klinikum (CVK) der Charité.[10]
  • Auf dem Campus befindet sich ebenfalls das Deutsche Herzzentrum Berlin, in dem jährlich etwa 6.500 Patienten stationär und 14.000 Patienten ambulant behandelt werden.
  • Das Robert Koch-Institut am Nordufer ist eine zentrale Überwachungs- und Forschungseinrichtung der Bundesrepublik Deutschland. Es ist dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) direkt unterstellt. Hier befindet sich auch ein Mausoleum für Robert Koch, dessen Namen das Institut trägt. Das Hauptgebäude ist ebenfalls ein gelistetes Baudenkmal.[11]
  • Das Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus in der Reinickendorfer Straße entstand 1890 durch Rudolf Virchow und Adolf Baginsky um die Kindersterblichkeit zu verringern. Heute beherbergen die Gebäude das Evangelische Geriatriezentrum. Das Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus hat einen wesentlichen Beitrag zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit geleistet. Die Anlage ist ebenfalls ein gelistetes Baudenkmal.[12]
  • Das Paul-Gerhardt-Stift in der Müllerstraße ist eine am 7. Juni 1876 durch den evangelischen Pfarrer Carl Schlegel gegründete private Stiftung zur Pflege von Kranken, Kindern und Alten in christlicher Tradition der Nächstenliebe. Es diente bis 1987 als Krankenhaus. In den Hofgebäuden ist heute ein Ärztezentrum untergebracht.[13]
Haus Beuth in der Ostender Straße

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

  • Die Beuth Hochschule für Technik Berlin bildet an ihrem Sitz seit 1913 in der Lütticher Straße Ingenieure und Techniker aus. Heute befindet sich auf dem Gelände zwischen Luxemburger- und Limburger Straße und hat über mehrere Standorte verteilt ca. 11.000 Studenten. Das Gebäude in der Lütticher Straße ist ein gelistetes Baudenkmal.[14]
  • Das Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie an der Seestraße besteht seit 1890. Das Institut für Gärungsgewerbe lieferte bedeutende Beiträge für das wissenschaftliche Brauerei- und Brennereiwesen. Auf dem Gelände befindet sich im 21. Jahrhundert die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei (VLB) des Deutschen Brauer-Bundes. Von 1891 bis 1982 betrieb die VLB Berlin an der Seestraße 13 ihre Hochschul-Brauerei, die in den 1920er Jahren fast 45.000 hl Jahresausstoß verzeichnete. Der Braubetrieb wurde 1981 eingestellt. Das Gebäude ist ein gelistetes Baudenkmal.[15]
  • Die Akademie für Kardiotechnik am Deutschen Herzzentrum bildet seit 1988 Kardiotechniker aus.
ATZE Musiktheater im Max-Beckmann-Saal an der Luxemburger Straße

Kultureinrichtungen[Bearbeiten]

  • Das Centre Français de Berlin in der Müllerstraße entstand um 1960 im Auftrag der französischen Militärregierung als Centre Culturel Français als Begegnungsstätte zur Förderung der französischen Kultur in Berlin. Nach Abzug der Alliierten wurde es als Centre Français de Berlin neu eröffnet und dient der Förderung der deutsch-französischen Freundschaft und der europäischen Gedanken zur Völkerverständigung. Im Centre befindet sich das ‚City Kino Wedding‘. Das Gebäude ist ein gelistetes Baudenkmal.[16]
  • Seit 1984 befindet sich das Anti-Kriegs-Museum in der Brüsseler Straße 21, das die Schrecken der vergangenen Weltkriege, pazifistische Aktionen und die aktuelle Kriegssituation in der Welt dokumentiert.
  • Seit den Jahr 2000 findet das Deutsch-Französisches Volksfest auf dem Zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm als größtes Volksfest Berlins statt. Zuvor wurde es seit 1963 auf den gegenüberliegenden Gelände in Berlin-Tegel veranstaltet, das heute als Parkplatz genutzt wird.
  • Das Atze Musiktheater im Max-Beckmann-Saal[17] an der Luxemburger Straße hat als größtes Musiktheater für Kinder im Grundschulalter über 90.000 Zuschauer pro Jahr.
  • Das Prime Time Theater ist ein modernes Volkstheater, das neben dem Kurt-Schumacher-Haus an der Ecke Müllerstraße und Burgsdorfstraße residiert.
  • Das Kino Cineplex Alhambra ist neben dem Kino im Centre Français de Berlin das letzte verbliebene Kino im Ortsteil. Es entstand hier 1921 als ‚Apollo‘, wurde 1943 zerstört und 1953 wieder aufgebaut. 1999 wurde das alte Haus abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. 2004 kam das „Alhambra“ unter Zwangsverwaltung, das Haus wurde an die Betreiberfirma Kinocenter Neukölln GmbH (KNC) verpachtet.[18]
Kurt-Schumacher-Haus der SPD

Sonstiges[Bearbeiten]

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten]

Der U-Bahnsteig der Station Wedding (Linie U6)

Im Ortsteil Wedding bestehen folgende ÖPNV-Verkehrslinien:

S-Bahn

U-Bahn

Straßenbahn

Bus

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berlin-Wedding – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. G. Suchsdorf: Geschichte des Gesundbrunnens. Separat-Abdruck aus der Zeitung Die Quelle. Berlin 1891.
  2. Geschichte vom Wedding
  3. Hans Ostwald: Der Urberliner; Paul Francke Verlag, Berlin 1920.
  4. Melderechtlich registrierte Einwohner im Land Berlin am 31. Dezember 2013 (PDF; 2,7 MB)
  5. Statistik Berlin-Brandenburg
  6. Eiszeit im Wedding – Letzte innerstädtische eiszeitliche Düne Deutschlands wieder sichtbar. berlin.de, 16. Februar 2012, abgerufen am 25. Januar 2013.
  7. LDL Berlin: Siegmund Bergmann Glühlampen AG & Osram GmbH (ab 1935)
  8. LDL Berlin: U-Bahn-Hauptwerkstatt der Nord-Südbahn AG
  9. LDL Berlin: BVG-Autobus-Betriebshof mit Wohnanlage
  10. LDL Berlin: Rudolf-Virchow-Krankenhaus
  11. LDL Berlin: Königliche Preußisches Institut für Infektionskrankheiten & Mausoleum für Robert Koch & Robert-Koch-Institut
  12. LDL Berlin: Rudolf-Virchow-Kinderkrankenhaus & Geriatrisches Heim
  13. LDL Berlin: Paul-Gerhardt-Stift
  14. LDL Berlin: Beuth-Schule
  15. LDL Berlin: Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie
  16. LDL Berlin: Centre Culturel Français
  17. LDL Berlin: Staatliche Ingenieurschule Gauß
  18. Kino-Wiki Wedding Alhambra (Apollo) abgerufen am 12. Dezember 2014
  19. LDL Berlin: Kurt-Schumacher-Haus & SPD-Gebäude
  20. Berliner Bäderbetriebe Kombibad Seestraße