Bernward von Hildesheim

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Bernward von Hildesheim (Denkmal am Dom, 19. Jahrhundert)

Bernward von Hildesheim (* um 950[1]/ 960[2]; † 20. November 1022 in Hildesheim) war Bischof von Hildesheim 993–1022 und ist ein Heiliger der katholischen Kirche. Auch in der Evangelischen Kirche in Deutschland gilt er als denkwürdiger Glaubenszeuge. Bernward bedeutet Althochdeutsch Schützer vor dem Bären[3].

Leben und Werk[Bearbeiten]

Bernward stammte aus dem sächsischen Adel. Wer sein Vater war, ist unsicher; möglicherweise war es Markgraf Dietrich von der Nordmark († 985) oder Pfalzgraf Dietrich I. von Sachsen († 995)[4]. Er verbrachte seine Kindheit bei seinem Großvater mütterlicherseits, dem Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen, bis zu dessen Tod.

In der Hildesheimer Domschule hatte er eine umfassende Ausbildung erhalten. Im Jahr 977 führte ihn höchstwahrscheinlich sein Onkel Folcmar – früher Kanzler Kaiser Ottos II., seit 976 Bischof von Utrecht – am Hof ein und ließ ihn zum Notar ausbilden. Seit 987 war er am Hof der Kaiserin Theophanu, die nach dem Tode Ottos II. die Regentschaft innehatte, Verfasser und Schreiber von Herrscherurkunden. Von 987/988–993 war er als Erzieher König Ottos III. tätig. Wichtig ist schon seine Teilnahme als Priester Bernward im Jahre 983 beim Treffen der Größen Sachsens in der Hesleburg (ad civitatum Hesleburg, laut Thietmar von Merseburg) bei Burgdorf (Landkreis Wolfenbüttel).

Widmungsbild des Kostbaren Evangeliars Bischof Bernwards; links Bernward im Messgewand mit dem Evangeliar, rechts Maria, Patronin des Doms, als Siegbringende Gottesmutter

Am 15. Januar 993 wurde Bernward durch Willigis, den zuständigen Mainzer Erzbischof zum Bischof geweiht[5]. Seine Amtszeit fällt in die Epoche der Sachsenkaiser, die im Umland Hildesheims ihre familiären Wurzeln hatten und mit Bernward persönlich verbunden waren. In dieser Zeit war Hildesheim eines der Machtzentren des Reiches, und Bernward war entschlossen, seiner Stadt nach dem Vorbild Roms ein dieser Bedeutung angemessenes Gesicht zu geben. Berühmteste Zeugnisse dieses Bestrebens sind die Bernwardstüren des Hildesheimer Doms (Bronzegüsse mit Szenen der Heilsgeschichte nach dem Vorbild der Holztüren von Santa Sabina in Rom), die Christussäule (Bronzeguss mit Bilderfries der Taten Christi nach dem Vorbild der steinernen Kaisersäulen in Rom) sowie der gewaltige Bau der frühromanischen Michaeliskirche (vollendet nach Bernwards Tod), die der Bischof als Abbild des himmlischen Jerusalem und zugleich als seine Grabeskirche errichten ließ. Diese bernwardinischen Kunstschätze stehen heute auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes.

Für seine Schwester, die Äbtissin Judith von Ringelheim, stiftete Bernward das Ringelheimer Kreuz, eine monumentale Holzplastik des Gekreuzigten, die mit nur wenigen vergleichbaren Werken den Wiederbeginn der Skulpturenkunst im Abendland markiert.

Bernward baute den Dombezirk mit einer starken zwölftürmigen Mauer (in Teilen erhalten) zur Domburg aus und errichtete im Land weitere Burgen zur Verteidigung gegen die angrenzenden Slawenstämme. Aber auch das innere geistliche Leben seiner Diözese und die Armenfürsorge lagen ihm am Herzen. In seinem Testament, das in das Jahr 996 datiert wird, vermachte Bernward eine Eigenkirche in Burgstemmen der Kreuzkapelle des Michaelisklosters in Hildesheim[6].

Sarg Bernwards in der Michaeliskirche

Am Michaelistag (29. September) des Jahres 1022 weihte Bernward die noch unvollendete Abteikirche St. Michael. Am Martinstag (11. November) desselben Jahres wurde er Mönch dieses Benediktinerklosters, wo er am 20. November 1022 verstarb. Nach seinem Tod wurde er in der Krypta der Michaeliskirche beigesetzt. Sein Leben wurde von seinem Lehrer Thangmar in der Vita Bernwardi niedergeschrieben. Zumindest für Teile ist die Urheberschaft gesichert – andere Teile wurden wahrscheinlich im hohen Mittelalter hinzugefügt. Bernward starb wenige Wochen nach der Weihe von St. Michael. Sein Sarkophag in der von ihm erbauten Michaeliskirche in Hildesheim ist leer, die Reliquien ruhen in der Magdalenenkirche. Ein erster Anlauf einer bischöflichen Kanonisation um 1150 misslang, schließlich konnte Kardinal Cinthius um 1192 Bernwards Heiligsprechung erwirken.[3]

Wirkung[Bearbeiten]

Sonderbriefmarke von 1960 zum 1000. Geburtstag

Bernward wurde durch Papst Coelestin III. (Papst von 1191 bis 1198) heiliggesprochen. Dabei ist eine frühere Verehrung als Heiliger im Michaeliskloster bereits durch das Ratmann-Sakramentar (1159) und das Stammheimer Missale liturgisch belegt. Sein evangelischer und römisch-katholischer Gedenktag ist der 20. November[3], seine Attribute sind Bischofsornat, Kirchenmodell und insbesondere das Bernwardskreuz. In der Walhalla in Donaustauf ist zu seiner Erinnerung schon vor 1847 eine Gedenktafel errichtet worden. Auf dem Hildesheimer Domhof steht seit 1893 das Bernwardsdenkmal. Im Bistum Hildesheim tragen viele Kirchen vor allem aus dem 18. und 20. Jahrhundert seinen Namen (siehe Bernwardkirche).

Die Stadt Hildesheim prägte im 15. und 16. Jahrhundert den Bernwardsgroschen mit seinem Namen und Brustbild.

Bernwardinische Kunstwerke[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Thangmar: Vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis. In: Georg Heinrich Pertz u. a. (Hrsg.): Scriptores (in Folio) 4: Annales, chronica et historiae aevi Carolini et Saxonici. Hannover 1841, S. 754–782 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat).
  • Leben des heiligen Bernward, Bischof von Hildesheim, verfasst von Thangmar (?), in: Lebensbeschreibungen einiger Bischöfe des 10.-12. Jahrhunderts, übersetzt von Hatto Kallfelz. (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters 22), Darmstadt 1973, S. 263-361.
  • Thietmar von Merseburg: Chronik. Übersetzt von Werner Trillmich. (Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 9), Darmstadt 1957. Lateinischer Text in Robert Holtzmann (Hrsg.): Scriptores rerum Germanicarum, Nova series 9: Die Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg und ihre Korveier Überarbeitung (Thietmari Merseburgensis episcopi Chronicon) Berlin 1935 (Monumenta Germaniae Historica, Digitalisat)

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Wilhelm Bautz: Bernward, Bischof von Hildesheim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 545–546.
  • Wilhelm Berges: Bernward, Bischof von Hildesheim. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 143 f. (Digitalisat).
  • Michael Brandt, Arne Eggebrecht (Hrsg.): Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen. Katalog der Ausstellung 1993. 2 Bände. Bernward Verlag, Hildesheim 1993, ISBN 3-87065-736-7.
  • Bernhard Bruns: Die zwei-eine Kirche aus Juden und Heiden. Die Ekklesiologie des hl. Bernward im Licht der lateinischen Patristik, in: Augustiniana 53 (2003), S. 159–264.
  • Bernhard Gallistl: Die Bronzetüren Bischof Bernwards im Dom Zu Hildesheim. Herder Verlag. Freiburg im Breisgau 1990, ISBN 3-451-21983-2.
  • Martina Giese: Die Textfassungen der Lebensbeschreibung Bischof Bernwards von Hildesheim (Monumenta Germaniae Historica. Studien und Texte, Bd. 40) Hahnsche Buchhandlung, Hannover 2006, ISBN 978-3-7752-5700-8 (Rezension).
  • Friedrich Lotter, Victor H. Elbern: Bernward. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1, Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 2012–2014.
  • Wolfgang Christian Schneider: Bernward von Hildesheim - Bischof-Politiker-Künstler-Theologe, Georg-Olms-Verlag AG, Hildesheim 2010, ISBN 978-3-487-14268-5.
  • Francis J. Tschan: Saint Bernward of Hildesheim. 1. His Life and Times. (Publications in Mediaeval Studies, 6). Notre Dame, Ind.: University of Notre Dame, 1942.
  • Francis J. Tschan: Saint Bernward of Hildesheim. 2. His Works of Art. (Publications in Mediaeval Studies, 12). Notre Dame, Ind.: University of Notre Dame, 1951.
  • Francis J. Tschan: Saint Bernward of Hildesheim. 3. Album. (Publications in Mediaeval Studies, 13). Notre Dame, Ind.: University of Notre Dame, 1952.
  • Wilhelm WattenbachBernward, Bischof von Hildesheim. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 505 f.
  • Christine Wulf: Bernward von Hildesheim, ein Bischof auf dem Weg zur Heiligkeit. In: Concilium Medii Aevi. 11 (2008). S. 1–19. PDF

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernward von Hildesheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Friedrich Wilhelm Bautz: Bernward, Bischof von Hildesheim. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Bautz, Hamm 1975. 2., unveränderte Auflage Hamm 1990, ISBN 3-88309-013-1, Sp. 545–546.
  2. Wilhelm Berges: Bernward, Bischof von Hildesheim. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 2, Duncker & Humblot, Berlin 1955, ISBN 3-428-00183-4, S. 143 f. (Digitalisat).
  3. a b c Ökumenisches Heiligenlexikon: Bernward von Hildesheim, http://www.heiligenlexikon.de/BiographienB/Bernward_von_Hildesheim.html, aufgerufen am 20. November 2012.
  4. Dieter Riemer, Pater semper incertus, St. Bernward väterlicherseits, Hildesheimer Kalender, Jahrbuch für Geschichte und Kultur 2006, S. 188–191.
  5. Hans Jakob Schuffels in Brandt/Eggebrecht (Hrsg.): Bernward von Hildesheim und das Zeitalter der Ottonen, Katalog der Ausstellung 1993 Band 1 S. 31; Abbildung der Urkunde in Band 2, S. 453.
  6. Geschichte Burgstemmen http://www.findcity.de/31171b/?p=00000002 am 17. Juli 2006.
Vorgänger Amt Nachfolger
Gerdag Bischof von Hildesheim
993–1022
Godehard