Bettina Böttinger

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Bettina Böttinger
Bettina Böttinger (2010)

Bettina Böttinger (* 4. Juli 1956 in Düsseldorf) ist eine deutsche Fernsehmoderatorin und Produzentin.

Leben[Bearbeiten]

Bettina Böttinger ist die Tochter einer Sekretärin und eines Filmkaufmannes. Sie wuchs als Einzelkind bei ihrer Mutter auf, besuchte die Grundschule an der Gerresheimer Straße in Düsseldorf, eine Zwergschule im Bergischen, und das Düsseldorfer Goethe-Gymnasium. Nach dem Abitur 1975 studierte sie Germanistik und Geschichte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn mit dem Berufsziel, Lehrerin zu werden. Während des Studiums arbeitete sie für die Bonner Rundschau (Lokales und Feuilleton). Nach ihrem ersten Staatsexamen war sie ein Jahr lang für diese Regionalzeitung tätig, da sie Journalistin werden wollte.

Im Frühjahr 1985 kam Bettina Böttinger zum WDR. Sie arbeitete für die „Aktuelle Stunde“ und das Regionalbüro Bonn, von dem sie im November 1985 als Redakteurin übernommen wurde. Ihre erste Radioreportage beschäftigte sich mit einer 72-jährigen Kanufahrerin aus Erpel und ihr erster Fernsehbeitrag mit einem kleinen Wildschwein aus der Eifel. Ab 1986 moderierte sie das Hörfunk-Magazin „Zwischen Rhein und Weser“ und von 1986 bis 1991 das WDR-Folk-Festival. 1987 wechselte sie als Redakteurin der Hörfunksendung „Echo West“ ins Landesstudio Dortmund. Ab 1988 führte sie regelmäßig durch die Fernsehsendung „Hier und Heute“, die sich mit Themen aus Nordrhein-Westfalen befasst. 1989 stieg sie zur Leiterin des WDR-Regionalbüros Bonn und im Juli 1991 zur Redaktionsgruppenleiterin „Hier und Heute“ auf (bis Mai 1993).

Ab Dezember 1991 präsentierte Bettina Böttinger die Medienshow „Parlazzo“. Mit dieser monatlichen WDR-Live-Sendung, die prominente Gäste, Streitgespräche und Musik bot, kam die Rundfunk-Journalistin zur Fernsehunterhaltung. Im Dezember 1995 übergab sie ihre Gastgeberrolle in Parlazzo an die Journalistin Sabine Brandi. Am 17. September 1993 moderierte Böttinger erstmals B. trifft …, die etwas andere Talkshow, bei der zu jeder Sendung zwei Gäste eingeladen wurden, die vorab nicht wussten, wen sie zu einem gemeinsamen Gesprächsthema treffen würden. Im November 1994 und im Januar 1996 wurde sie mit ihrer erfolgreichen Freitagabend-Show für den Adolf-Grimme-Preis nominiert. 1994 gründete Bettina Böttinger die Produktionsfirma Encanto GmbH[1], mit der sie nicht nur „B. trifft …“ herausbringt, sondern auch die Tier-Doku-Soaps „Ein Heim für alle Felle“ (2000), „Ein Doc für alle Felle“ (2001) und „Pinguin, Löwe & Co.“ (seit 2006) sowie zusammen mit dem Tierpsychologen Martin Rütter[2][3] die Hundesendungen „Eine Couch für alle Felle“ (2003) und „Ein Team für alle Felle“ (seit 2005). Aufmerksamkeit erregte ihr kurzer Auftritt am 1. Februar 1996 in der Harald Schmidt Show, die sie nach wenigen Minuten verließ, damit Harald Schmidt sie während ihrer Abwesenheit weiter diffamieren könne. 2001 produzierte und moderierte sie für das WDR-Sommerprogramm die vierteilige Talk-Reihe „Das schwarze Schaf“. Am 11. Juni 2004 wurde die letzte Folge von „B. trifft …“ ausgestrahlt. Vom 9. Oktober 2004 bis zum 30. Dezember 2005 moderierte sie das von ihr selbst produzierte Talkshow-Format „Böttinger“ und seit dem 3. März 2006 (zunächst zusammen mit Achim Winter) den „Kölner Treff[4] aus der Vulkanhalle im Kölner Stadtteil Ehrenfeld. Die Traditions-Talkshow des WDR wurde am 25. Januar 1976 erstmals gesendet und bis 1980 von Alfred Biolek geleitet. Seit dem 14. Januar 2007 führt sie im Wechsel mit Holger Noltze durch die Gesprächssendung West ART Talk[5]. Im Sommer 2013 führte sie im WDR Fernsehen durch die fünfteilige Reportagereihe B.sucht.[6]

Bettina Böttinger wird seit Ende der 1990er Jahre gerne für die Moderation größerer Medien-Veranstaltungen verpflichtet. Im März 1997, am 18. März 2005, am 31. März 2006 und am 18. März 2007 präsentierte sie die Verleihung des Adolf-Grimme-Preises in Marl sowie die Verleihung des Deutschen Kamerapreises am 21. Juni 2002, 25. Juni 2003, am 23. Juni 2004 und am 5. Juli 2005 in Köln. Sie moderierte sowohl die Christopher-Street-Day-Gala am 4. Juli 2003 im Kölner Maritim Hotel, als auch am 18. März 2004 im Rahmen der lit.COLOGNE eine Lesung mit Gespräch mit Peter Härtling, Uwe Timm und Günter Lamprecht, am 22. März 2004 eine Hildegard-Knef-Gala im Berliner Theater BKA-Luftschloss[7] und am 13. Januar 2006 leitete sie für ihren Heimatsender die zentrale Jubiläumsveranstaltung „50 Jahre WDR – die Show“.[8] Am 21. März 2007 präsentierte Böttinger die Verleihung des 5. Deutschen Hörfilmpreises, mit dem der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) seit 2002 besonderes Engagement im Bereich der Audiodeskription auszeichnet, im Atrium der Deutschen Bank in Berlin.[9] Am 16. Juni 2013 moderierte Böttinger auf dem SPD-Parteikonvent im Berliner Tempodrom ein Gespräch mit SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück und seiner Ehefrau Gertrud.[10]

Privates Engagement[Bearbeiten]

Bettina Böttinger lebt in der Eifel. Sie engagiert sich u. a. für die AIDS-Hilfe, seit 1996 für die Lobby für Mädchen in Köln und seit 1994 für die Frauenrechtsorganisation „medica mondiale“. Seit 2002 reiste sie für diesen Verein, der sich um traumatisierte Frauen und Mädchen in Kriegsgebieten kümmert, mehrfach nach Afghanistan.[11][12] Böttinger läuft Marathon, machte 1999 die C-Lizenz für die Formel 3 und war Botschafterin der Gay Games 2010 in Köln.[13]

Auszeichnung[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

  • „Ich bin ein Lokalpatriot und liebe Köln sehr – meine Mutter möge mir verzeihen, denn eigentlich komme ich ja aus Düsseldorf. Im Holtmanns, dem Café im Museum Ludwig, sitzt man einfach an einem der schönsten Plätze der Stadt. Wenn ich aus dem Fenster gucke, dann sehe ich die Rheinbrücke, ich mag diese alten Eisenbahnbrücken aus Stahl.“ (Bettina Böttinger beschrieb das Café im Museum Ludwig für die Zeit-Serie „Das Katerfrühstück“, 31. Dezember 2004[16])
  • „Von der ersten Sendung an hatte sich die deutsche Fernsehkritik offensichtlich verschworen, diese Frau als Nachfolgerin von Harald Schmidt nicht hochkommen zu lassen. Sie hätte die Gags des Jahrhunderts bringen können, die meisten Kritiker hätten sie wohl gar nicht wahrgenommen. Es stand was auf dem Spiel. Nichts Geringeres als die letzte Männerbastion in der Fernsehlandschaft. Klar können Frauen talken und durch Volksmusiksendungen führen. Auch auf der Showtreppe machen sie eine gute Figur und haben sich im Bereich Comedy als Konkurrentinnen bewiesen. Aber in der Königsdisziplin?“ (Bettina Böttinger untersuchte in einem Welt-Artikel das Scheitern von Anke Engelkes Fernsehshow Anke Late Night, 6. Oktober 2004[17])
  • „Bettina Böttinger und Wolfgang Clement waren die Auserwählten, die als Ehrenobristen zu ‚allerlei ehrenamtlichem Nichtstun verpflichtet sind‘. Henrichs, Ehrenobrist des vergangenen Jahres, fand gleich Gemeinsamkeiten. Die Böttinger wurde in Düsseldorf geboren, als er dort gerade ein halbes Jahr Kaplan war. Jetzt sitzt er in Köln und kann dem WDR in die Fenster gucken. Nur kurz musste der Dompropst auf seinen Spickzettel gucken. Beim neuen Buch von Bettina Böttinger, ‚Der Weg zum Himmel‘, verkündete Henrichs den Titel. ‚Na, dat hät ich doch behalten müssen.‘“ (In der Prunksitzung des Bonner Stadtsoldaten Corps von 1872 vom 27. Januar 2002 wurden Wolfgang Clement und Bettina Böttinger zu Ehrenobristen ernannt. Die launige Laudatio hielt Bernard Henrichs, Kölner Dompropst bis 2004.[18])
  • „Doch Harald Schmidts Ironie wird nicht von jedem so verstanden, wie er sich verstanden wissen will. […] So zog er sich den Unmut vieler zu, nachdem er WDR-Moderatorin Bettina Böttinger in seiner Sendung mit einer Toilettenschüssel, einem Eierlikör und der Frauenzeitschrift Emma verglich (‚Kein Mann würde sie freiwillig anfassen‘).“ (Im Dezember 1995 hatte der Moderator in seiner Harald Schmidt Show auf Sat.1 dieses „Fotoquiz“ gebracht.[19])

Werke[Bearbeiten]

  • Bettina Böttinger: Als Frau erst recht: zwölf Porträts. Econ, München 1998, 187 S., ISBN 3-430-11448-9.
  • Doppelportraits: Portraits prominenter Gäste der WDR-Sendung „B.trifft“ / Fotografien von Michael Jaeger. In Zusammenarbeit mit Bettina Böttinger. [Red.: Peter Graf; Holger Möllenberg], 1. Aufl., M7-Verl., Köln 1999, 127 S., ISBN 3-934511-12-0.
  • Martin Rütter, Bettina Böttinger (Hrsg.): Eine Couch für alle Felle: Probleme im Hundealltag? Analysen und Lösungen. vgs, Köln 2004, 125 S., ISBN 3-8025-1606-0.
  • Martin Rütter, Ingrid Backes; Bettina Böttinger (Hrsg.): Eine Couch für alle Felle 2: tierische Probleme – leicht gelöst. Vgs, Köln 2004, 142 S., ISBN 3-8025-1639-7.
  • Oscar Wilde: Der selbstsüchtige Riese: ein Märchen mit Musik für Klavier zu vier Händen und Sprecher; op. 20 a / Oscar Wilde. Von Stefan Heucke. Zeichnungen von Dominique Rebourgeon. Andreas Grau & Götz Schumacher, Klavier. Bettina Böttinger, Sprecherin. 1 CD, Omega e. V., Hann. Münden 2003, ISBN 3-7957-0498-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bettina Böttinger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „So auch Bettina Böttinger. Acht Jahre durchlief sie den WDR, ließ sich als ‚angehende Hierarchin‘ aufbauen – dann kündigte die Moderatorin. Seither betreut ihre Firma Encanto die wöchentliche Talk-Show ‚B. trifft …‘; aufgezeichnet wird nach wie vor im Studio des WDR. ‚Die TV-Frauen‘, sagt Böttinger, seit kurzem mit einer zweiten Show im Ersten, ‚nutzen die Chance zur Selbständigkeit mehr als Männer. Zumindest, solange sie jünger sind.‘“ (Frauke Döhring: Frauen erobern das Fernsehen – nur nicht die Spitze. In: Die Zeit, Nr. 43/1996.)
  2. Studiogast: Rütter, Martin (Version vom 30. Juni 2007 im Internet Archive), MDR, hier ab vier, 4. Januar 2005.
  3. Interviews mit Martin Rütter beim WDR (Version vom 3. Juli 2006 im Internet Archive).
  4. Website des WDR zur Sendung Kölner Treff.
  5. Westart
  6. B.sucht
  7. Das Vermächtnis der Knef. In: Tagesspiegel, 21. März 2004.
  8. 50 Jahre WDR – Die Show (Version vom 11. Februar 2006 im Internet Archive), Presse-Info des WDR.
  9. Deutscher Hörfilmpreis 2007 (Version vom 23. April 2007 im Internet Archive), Pressemitteilung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes.
  10. Bericht auf Handelsblatt.de, 16. Juni 2013.
  11. Bettina Böttinger: Wo kein Kläger, da keine Klage (Version vom 7. Juli 2007 im Internet Archive), 2003.
  12. Abgeschoben und vergessen – Frauen in afghanischen Gefängnissen (Version vom 19. April 2003 im Internet Archive), Bettina Böttinger und Monika Hauser berichten von gemeinsamer Kabul-Reise, 3. April 2003.
  13. gay games cologne 2010: Bettina Böttinger (Version vom 27. Oktober 2010 im Internet Archive).
  14. Bettina Böttinger erhält Bundesverdienstorden, WDR, Pressemitteilung vom 15. Juni 2006.
  15. Bettina Böttinger erhält Verdienstorden.
  16. Bettina Böttinger: Café Holtmanns, Köln, Die Zeit, 31. Dezember 2004.
  17. Bettina Böttinger: Der Spaß hat ein Ende, Die Welt, 6. Oktober 2004.
  18. Narrenexpress der Stadtsoldaten kam mächtig in Fahrt (Version vom 15. Dezember 2004 im Internet Archive), General-Anzeiger, 29. Januar 2002. Es bleibt dunkel, welches Buch Bernard Henrichs meinte. Eine Neuerscheinung namens „Der Weg zum Himmel“ ist im Zusammenhang mit Bettina Böttinger nicht recherchierbar. Im September 2002 brachte der Berliner Audio Verlag eine Literatur-CD mit demselben Titel heraus (ISBN 3-89813-216-1). Es handelte sich um drei Kriminalhörspiele von Roald Dahl, die von Hansjörg Felmy gesprochen wurden. An der WDR-Produktion kann Böttinger jedoch schwerlich beteiligt gewesen sein. Sie stammte von 1964/65.
  19. Hermann Strasser, Achim Graf: Schmidteinander ins 21. Jahrhundert, (Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 12/2000 vom 17. März 2000). Am 2. Februar 1996 ließ sich Bettina Böttinger in die Harald Schmidt Show einladen. Sie warf Schmidt vor, Zwangsouting einer bisexuellen Konkurrentin' betrieben zu haben, und verließ vorzeitig das Studio (Eklat bei der Schmidt-Show, Rhein-Zeitung, 3. Februar 1996). Im März 1997 kam es zu einem unfreiwilligen Zusammentreffen, als Böttinger Schmidt in Marl den Adolf-Grimme-Preis überreichen musste, und am 20. November 1998 kam es zu einer freiwilligen Zusammenkunft, als Schmidt zum Thema „Engagement für die Kirche“ (Version vom 29. September 2007 im Internet Archive) Gast in Böttingers Talkshow B.trifft war: „So ließ sich der gläubige Katholik Harald Schmidt leider überhaupt nicht irritieren, als Böttinger ihm eine transsexuelle Pastorin als Gesprächspartnerin präsentierte. Der Berufsprovokateur unterlief clever die Provokation: Nonchalant erkundigte er sich nach dem Wohlergehen seines Gegenübers und schmetterte schließlich versöhnlich den Christenschlager ‚Danke für diesen guten Morgen‘ auf der bereitgestellten Kirchenorgel.“ (Klaudia Brunst: Ein Halleluja der Intimität, taz, 9. März 2002.)