Bildungssystem

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Bildungssystem (etwas allgemeiner und umfassender auch Bildungswesen genannt) bezeichnet das Gefüge aller Einrichtungen und Möglichkeiten des Erwerbs von Bildung innerhalb eines Staates. Es umfasst das Schulwesen bzw. -system als solches, seine angegliederten Bereiche, das Hochschulwesen bzw. -system und den Bereich der persönlichen Weiterbildung. Während das Schulsystem und das Hochschulsystem meist streng reguliert und organisiert sind, verfügt das Bildungssystem auch über weite, nicht reglementierte Bereiche. Üblicherweise dient ein Bildungssystem dazu, alle Teile der Gesellschaft eines Landes für die Dauer des gesamten Lebens ihrer Mitglieder mit Bildung zu versorgen.

Aufgaben[Bearbeiten]

Das Bildungssystem steht in einer idealtypischen Betrachtung mit drei gesellschaftlichen Funktionssystemen in einem funktionalen Beziehungsverhältnis:

Dem soziokulturellen System (Gesamtheit der Werte, Normen und Traditionen und der sie repräsentierenden Institutionen und Interessengruppen) gegenüber erfüllt das Bildungssystem eine Integrationsfunktion. Dies geschieht durch die Vermittlung von Kulturgütern und das Heranziehen neuer Kulturträger, die den Fortbestand des soziokulturellen Systems sichern. Hierzu wirkt das soziokulturelle System über seine Einflusskanäle, sowie die Definition des Bildungs- und Erziehungsauftrages, besonders der Schulen, auf das Bildungssystem ein.[1]

Das ökonomische System ist vom Bildungssystem dahingehend abhängig, dass es auf die Qualifikation jedes einzelnen angewiesen ist. Diese Qualifikation ist nicht nur für das richtige Handeln im Beruf (siehe auch Employability), sondern auch für das Verhalten als Kunde oder Verbraucher (siehe auch Ökonomische Bildung, Finanzielle Allgemeinbildung) von grundlegender Bedeutung. Umgekehrt sichern ökonomische Prozesse die materielle Versorgung des Bildungssystems.

Auch mit dem politisch-sozialen System (Gesamtheit der staatlichen Institutionen und meinungsbildenden Interessengruppen) bestehen Interaktionen. Dieses System ist auf die Loyalität der Gesellschaftsmitglieder angewiesen, wofür besonders die konsensfähige Regelung der sozialen Ungleichheit von großer Bedeutung ist. In nachfeudalen Gesellschaften wird diese Regelung durch den Bildungserfolg des Einzelnen gewährleistet und garantiert. Eine Aufgabe des Bildungssystems ist deshalb die Dokumentation von erbrachten Leistungen und Fähigkeiten durch formale Qualifikationen wie Schulabschlüsse. Hierdurch wird eine nicht immer leistungsbezogene Auslese vorgenommen. Im Gegenzug sichert das politisch-soziale System durch verbindliche Rahmen den Fortbestand des Bildungssystems.[2]

Schul- und Bildungssysteme nach Ländern[Bearbeiten]

Die einzelnen Schul- und Bildungssysteme finden sich in den folgenden Kategorien:

Siehe auch[Bearbeiten]

 Portal: Bildung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bildung

Literatur[Bearbeiten]

  • Autorengruppe Bildungsberichterstattung: Bildung in Deutschland 2010 (PDF; 4,5 MB), 2010
  • Martina Löw: Einführung in die Soziologie der Bildung und Erziehung. 2. durchges. Aufl., Budrich, Opladen 2006, ISBN 978-3-8252-8243-1
  • Wolfgang Böttcher: Ungleichheit im Bildungswesen: ein Plädoyer für eine schichtspezifisch und handlungstheoretisch orientierte Soziologie der Erziehung. Schallwig, Bochum 1985, ISBN 3-925222-00-6
  • Paul Kellermann: Zur Soziologie der Bildung: Bildung und gesellschaftliche Entwicklung. Aufsätze zur Bildungssoziologie. Jugend und Volk, Wien 1976, ISBN 3-7141-5377-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.bmbf.de/pub/bildungsreform_band_16.pdf
  2. Gisela Kubon-Gilke:Wi(e)der Elitebildung: Bildung aus ökonomischer Perspektive, Metropolis-Verlag GmbH, 2006, ISBN 3895185639, Seite 191ff