Borinage

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Das Borinage ist eine Industrielandschaft rund um die Stadt Mons in der belgischen Provinz Hennegau.

Es war seit dem 18. Jahrhundert eines der bedeutendsten Steinkohlereviere Europas. Der Name der Region leitet sich von borin oder borain, einem französischen Wort für Kumpel, ab. Das Suffix -age bezeichnet hier zum einen ein Kollektivum, hat aber auch eine durchaus pejorative Konnotation.

Im 19. Jahrhundert wuchs die Gegend zum neben Charleroi bedeutendsten Industriezentrum Walloniens an. Ende der 1820er Jahre produzierte das Borinage knapp 1,3 Millionen Tonnen Kohle und damit mehr als Deutschland und Frankreich zusammen.[1] Die harten Lebensbedingungen der Bergarbeiter beeinflussten Vincent van Gogh, der nach seiner kurzen Zeit als Hilfsprediger im Borinage (um 1879) beschloss, Maler zu werden.

Ab 1959[Bearbeiten]

Am 9. Februar 1959 empfahl der Nationale Kohlenrat (darin Regierung, Unternehmer, Gewerkschaften und Verbraucher) die Stilllegung von zehn Zechen des Reviers Borinage; diese solle sich über zwei Jahre hinziehen. Man plante zu dieser Zeit, die Belegschaften (zusammen 6500 Mann) in andere Zechen oder geeignete Arbeitsplätze zu überführen. Schnell bildete sich in der Borinage eine "Action Commune" (Gemeinsame Aktion), die alle Bergleute zum wilden Streik aufrief. Zwei Tage später erfasste der Streik das benachbarte Revier 'La Louvière'; Ende Februar ruhte fast der gesamte belgische Bergbau.[2]

Damals konnte nur eines der fünf belgischen Kohlenreviere (Gebiet Kempenland) mit den deutschen und französischen Abbaugebieten konkurrieren; die anderen vier hatten schlechte Abbauverhältnisse und förderten vorwiegend die wenig gefragte Magerkohle.[2]

Damals gab es die 1951 von sechs Ländern (darunter Belgien) gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl ("Montan-Union"), eine Keimzelle der späteren EU. 1959 wurden die 58 fördernden Zechen von 52 verschiedenen Gesellschaften betrieben. Anlagen zur Kohleverarbeitung - etwa Brikettfabriken oder Verkokungsöfen - fehlten fast völlig; sie hätten die Konkurrenzfähigkeit der schwer verkäuflichen belgischen Kohle gesteigert.[2]

Seit in den 1960er Jahren die letzten Zechen schlossen, weist die Region (Stand 20xx) die höchste Arbeitslosigkeit in Belgien aus.

Bekannt wurde das Borinage durch eine gleichnamige Reportage von Egon Erwin Kisch.

Literatur[Bearbeiten]

  • Egon Erwin Kisch: Borinage, vierfach klassisches Land (1934), in: ders., Der rasende Reporter, Aufbau Verlag, Berlin 1953, S. 9 bis 29

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Borinage – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Adriaan Linters, Architecture industrielle en Belgique, Pierre Mardaga, Liège, 1986, ISBN 2-87009-284-9
  2. a b c Der Spiegel 9/1959: Das Ende der Schonzeit