Kanadische Streitkräfte

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Flag of Canada.svg Kanadische Streitkräfte
Canadian Forces
Forces canadiennes
Canadian Forces emblem.svg
Führung
Oberbefehlshaber
de jure:
Elisabeth II., Königin von Kanada
Oberbefehlshaber de facto: Vertretung durch Generalgouverneur David Johnston
Verteidigungsminister: Peter MacKay
Militärischer Befehlshaber: General Thomas J. Lawson
Sitz des Hauptquartiers: Department of National Defence (DND),
Ottawa
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 68.212(2011) [1]. (Rang 56 )
Reservisten: 26.873 (2011)[1].
Wehrpflicht: Nein
Wehrtaugliche Bevölkerung: (Männer im Alter von 15–49): 16.251.449 (2006; Schätzung)[2]
Wehrtauglichkeitsalter: 16 Jahre[2]
Haushalt
Militärbudget: 20,422 Milliarden. C $ (2011)[3] (Rang 13)
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,4 % (2011)[3]
Geschichte
Gründung: 1812
Faktische Gründung: 1. Februar 1968 (Neustrukturierung)

Die kanadischen Streitkräfte (engl. Canadian Forces (CF), frz. Forces canadiennes) sind die verbundenen Streitkräfte Kanadas und die ihnen angeschlossenen Organisationen und Strukturen. Diese sind die Canadian Army (Heer), Royal Canadian Navy (Marine) und die Royal Canadian Air Force (Luftwaffe).[4] Die kanadischen Streitkräfte bestehen aus Freiwilligen.

Geschichte[Bearbeiten]

Wurzeln und Aufstellung[Bearbeiten]

In der Kolonialzeit dienten Kanadier in den britischen Streitkräften oder in örtlichen Milizen. Trotz der Gründung des kanadischen Dominions im Jahre 1867 unterstanden die kanadischen Truppen bis um die Jahrhundertwende des 20. Jahrhunderts der britischen Krone. Kanadische Milizen verteidigten ihre Heimat im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, im Britisch-Amerikanischen Krieg und während der Fenier-Überfälle. Ein kanadisches Expeditionskorps unterstützte die britische Krone im Burenkrieg.

Die Gründung der kanadischen Streitkräfte selbst geht auf das Jahr 1812 zurück, als eine solche Organisation als Unterstützung zur Abwehr der amerikanischen Invasoren benötigt wurde. Die Royal Canadian Navy wurde 1910, die Royal Canadian Air Force im Jahre 1924 gegründet.

Ihre Identität beziehen kanadische Soldaten, Seeleute und Piloten durch ihre nicht unwesentlichen Beiträge zu den beiden Weltkriegen und dem Koreakrieg.

Einsätze[Bearbeiten]

Kanadische Soldaten im Einsatz bei Vaucelles, Frankreich (Juni 1944)
Gedenken an die gefallenen Kanadischen Soldaten der Schlacht um Ortona
Gräber der Gefallenen bei der Gustav-Linie, der größten Schlacht mit kanadischer Beteiligung im Zweiten Weltkrieg mit 1400 Toten

Kanadische Einheiten haben im Britisch-Amerikanischen Krieg, im Burenkrieg, im Ersten und im Zweiten Weltkrieg, im Koreakrieg und im Zweiten Golfkrieg (1990/1991) gedient, und Beiträge zu Friedensmissionen, schwelenden Konflikten und nichterklärten Kriegen wie zum Beispiel der Sueskrise, dem Zypernkonflikt, im jugoslawischen Bürgerkrieg oder im Kampf gegen den internationalen Terrorismus (Afghanistan-Krieg) geleistet. Kanada ist Mitglied der NATO und Vertragsnehmer von NORAD, dem nordamerikanischen Luftraumverteidigungsbündnis.

Als besonders traditionsstiftend werden aus Sicht des kanadischen Militärs vor allem die Schlacht von Vimy (Erster Weltkrieg) und im Zweiten Weltkrieg die Operation Jubilee, die Schlacht von Ortona, die Landung in der Normandie (Juni 1944), die Schlacht an der Scheldemündung (2. Oktober – 8. November 1944), die Luftschlacht um England und die Atlantikschlacht gesehen.

Daneben gab es beim Vormarsch 1944 und 1945 viele weitere Schlachten. Aufgrund der hohen Verluste (Verletzte, Gefallene, Vermisste, Kriegsgefangene) führte Kanada Ende 1944 die Wehrpflicht wieder ein. Das führte zur Wehrpflichtkrise von 1944; letztlich gelangten nur einige hundert wehrpflichtige Soldaten an die Front. Kanadier waren auch beteiligt u.a. an der Schlacht am Kapelsche Veer, bei der Operation Blackcock und der Schlacht im Reichswald bei Kleve.

Bis zur deutschen Kapitulation am 8. Mai 1945 hatten kanadischen Truppen ganz Norwegen sowie das gesamte niederländische Territorium nördlich des Rhein und des Flusses Lek befreit. Sie verließen diese Gebiete nach Wiederherstellung der öffentlichen Ordnung innerhalb weniger Monate.

Seit 1947 waren die kanadischen Streitkräfte an 73 Operationen weltweit beteiligt. 2002 waren insgesamt 3000 kanadische Soldaten für elf Auslandseinsätze abgestellt, wie zum Beispiel die SFOR in Bosnien und Herzegovina. Die Kanadische Beteiligung am Krieg in Afghanistan ab 2001 bis heute war eine der teuersten und verlustreichsten Operationen.

Auch in der Heimat sind kanadische reguläre und Reserveeinheiten aktiv: Allein im Jahre 2001 gingen sie 8000 Suchmeldungen nach, bei denen sie mehr als 4500 Leben retteten. Auch auf diese Art von Einsätzen gründet sich die große Beliebtheit des kanadischen Militärs. Von den Canadian Rangers werden regelmäßig sogenannte Souveränitäts-Patrouillen durchgeführt, um Kanadas Hoheitsansprüche auf seine arktischen Gebiete zu untermauern.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Kanada hat im Zweiten Weltkrieg die größte Berufsarmee seiner Geschichte eingesetzt – die Wehrpflicht wurde erst kurz vor Kriegsende eingeführt, somit konnten nur 2400 Wehrpflichtige noch bis zum Kriegsende eingesetzt werden. Auch nach dieser Zeit blieben die Verteidigungsausgaben und die Streitkräftegröße Kanadas auf annähernd gleichem Niveau, wurden jedoch ab Anfang der 1960er zurückgefahren, als die Bedrohung Kanadas durch die Nationen des Warschauer Pakts stetig schwand. Während der 1990er wurde dieser Trend aufgrund des Falls der Berliner Mauer und dem damit verbundene Verschwinden des Eisernen Vorhanges fortgesetzt, was zu Budget- und Personalkürzungen, Standortschließungen, aber auch zu einer Reduktion der kanadischen Kampfkraft führte (anders als zum Beispiel in den USA, bei denen ähnliche Umschichtungen nicht automatisch zu einer geschwächten Kampfkraft führten).

Kanada unterhielt ab Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die 1990er hinein zahlenmäßig einige Luft- und Landstreitkräfte in Deutschland. Diese beiden letzten großen Stützpunkte befanden sich in Lahr/Schwarzwald im Ortenaukreis (CFB Lahr; geschlossen am 31. August 1994, heute Black Forest Airport) und in Rheinmünster-Söllingen im Landkreis Rastatt (CFB Baden-Soellingen; geschlossen am 31. Dezember 1993, heute Baden-Airpark). Beide Standorte befanden sich in Baden-Württemberg, in der Nähe der französischen Grenze. Verblieben sind auf deutschem Boden diverse kleinere Einheiten, welche u. a. in der multinationalen NATO-Einheit in Geilenkirchen-Teveren bei Aachen, dem NATO Airborne Early Warning & Control Force E-3A Component im Dienst stehen, bzw. dieser fliegenden Gruppe Unterstützung leisten.

Umstrukturierung[Bearbeiten]

Anders als die Streitkräfte der engsten Verbündeten, wie z. B. Großbritannien, die USA, Australien oder Neuseeland, sind die kanadischen Streitkräfte eine verbundene Organisation mit einer einheitlichen Kommandostruktur. Das Weißpapier zur Verteidigungspolitik im März 1964 sah eine Restrukturierung der Streitkräfte als weiterhin getrennte Organisationen nicht vor und präferierte sie eher als „Vereinigung von Einsätzen, Personal, Versorgung und Logistik sowie der Verwaltung“.

Am 1. Februar 1968 trat das Gesetz Bill C-243, The Canadian Forces Reorganization Act in Kraft, und es wurden zunächst die Royal Canadian Navy und die Royal Canadian Air Force in den Canadian Forces vereinigt. Während vorgegeben wurde, vor allem Kosten sparen zu wollen, kam der Vorwurf an den Premierminister Lester Pearson und an seinen Verteidigungsminister auf, sie würden dem kanadischen Postmodernismus der Nachkriegszeit hinterherrennen und monarchistische Traditionen abschütteln wollen. Aber auch rein fachlich wurde die Reorganisation kritisiert, wie zum Beispiel von J. L. Granatstein, einem bekannten kanadischen Militärhistoriker, in Who Killed The Canadian Military? (zu deutsch ungefähr: Wer hat das kanadische Militär unfähig gemacht?).

Während die kanadischen Streitkräfte eine Streitmacht sind, so werden ihre Angehörigen den drei „Umgebungen“ Land, Luft oder See zugerechnet. Diese Einteilung wird von der Laufbahn der dienenden Individuen bestimmt – ein Pilot wird den Luftstreitkräften zugeordnet. Nicht umgebungsspezifische Soldaten wie Militärpolizisten oder Sanitäter werden zufällig zugeteilt. In ihrer „Umgebung“ verbleiben sie allerdings bis zum Ende ihrer Laufbahn, unabhängig von Einheit oder Dienstgrad.

Auftrag[Bearbeiten]

Fahne der verbundenen kanadischen Streitkräfte

Primärer Auftrag der kanadischen Streitkräfte ist der Schutz der territorialen Integrität Kanadas und seiner Bürger. Die Streitkräfte haben ferner den Auftrag die politischen und militärischen Bündnisse des Landes zu unterstützen und zu schützen.

Kanada arbeitet eng mit den Vereinigten Staaten und ihren Streitkräften zusammen, um den nordamerikanischen Kontinent gegen alle Angriffe von außen zu schützen, z. B im Rahmen des gemeinsamen nordamerikanischen Luftraumverteidigungskommandos.

Des Weiteren soll das kanadische Militär durch die Teilnahme an multinationalen Friedensmissionen Frieden und Sicherheit auf dem gesamten Erdball herstellen und sichern[5].

Organisation[Bearbeiten]

Die kanadischen Streitkräfte in ihrer jetzigen Form entstanden am 1. Februar 1968, als die kanadische Regierung die bisherigen Teilstreitkräfte Canadian Army, die Royal Canadian Navy und die Royal Canadian Air Force organisatorisch zusammengeführt hat. Somit stellte Kanada eine der wenigen Nationen dar, die ihre Streitkräfte so eng zusammengefasst hatte. Der ursprüngliche Ansatz, sogar eine einheitliche Uniform einzuführen, hat sich jedoch nicht bewährt und wurde bereits vor längerem revidiert. Die historischen Bezeichnungen wurden 2011 wieder eingeführt.

Kanada ist Mitglied der NATO seit ihrer Gründung im Jahre 1949. Die kanadischen Streitkräfte sind eng in deren Strukturen integriert und ständige Teilnehmer an ihren Übungen, und auch in gemeinsamen Verbänden präsent. Ebenso unterstützt Kanada die UNO bei ihren humanitären Einsätzen und bei ihren Friedensmissionen.

Befehlskette[Bearbeiten]

Der Oberbefehlshaber der kanadischen Streitkräfte ist Königin Elisabeth II., Königin nach dem Recht Kanadas, vertreten durch den Generalgouverneur von Kanada. Der militärische Führer ist der Chief of the Defence Staff General Walter Natynczyk. Für die Verteidigungspolitik ist im Kabinett der Verteidigungsminister Peter MacKay zuständig. Das Hauptquartier der kanadischen Streitkräfte befindet sich in der Hauptstadt Kanadas, in Ottawa.

Oberbefehlskommandos[Bearbeiten]

Seit 2006 wurden vier Oberbefehlkommandos eingerichtet das ist zu einem das Canada Command (CANCOM), welches vorwiegend für die Sicherheit des Landes zuständig ist und die Einsatzplanungen für Einsätze innerhalb des Landes übernimmt. Das Canadian Special Operations Forces Command (CANSOFCOM) koordieniert die Spezialeinheiten der Streitkräfte bei In- und Auslandseinsätzen. Das Canadian Expeditionary Force Command (CEFCOM) koordiniert die internationalen Einsätze der Streitkräfte. Das Canadian Operational Support Command (CANOSCOM) hat eine unterstützende Funktion und sorgt für die Logistik und Infrastruktur in den Einsatzgebieten.

Teilstreitkräfte und Ausrüstung[Bearbeiten]

Heer[Bearbeiten]

Leopard 2 (der Bundeswehr), wie er auch im kanadischen Heer verwendet wird
Hauptartikel: Canadian Army
  • 66 Leopard C2 (werden seit 2008 durch 100 Leopard 2 ergänzt und bis 2015 komplett ersetzt)
  • 20 Leopard 2A6M CAN (Ex-Fahrzeuge der Bundeswehr)
  • 80 Leopard 2; davon 20 auf Rüststand 2A4M CAN. Die restlichen 60 dienen als Ausbildungsfahrzeuge und als Fahrgestell für Berge- und Pionierpanzer
  • 300 Schützenpanzer
  • über 1000 Truppentransporter:

Marine[Bearbeiten]

Hauptartikel: Royal Canadian Navy

Es gibt zwei große Marinestützpunkte: Die Canadian Forces Navy Base Halifax (CFB Halifax) an der Ostküste und die Canadian Forces Navy Base Esquimalt (CFB Esquimalt) an der Westküste.

Die Flotte umfasst derzeit:

Die kanadische Marine hat immer wieder mit Problemen ihrer Flotte zu kämpfen. So hinderten technische Probleme die U-Boote der Victoria-Klasse jahrelang daran volle Einsatzbereitschaft zu erreichen, während die Protecteur Versorgungsschiffe das Ende ihrer Lebensdauer eigentlich erreicht haben. Ein schneller Ersatz durch Neubauten war aufgrund von Einsparungen auf Kosten der Streitkräfte vorläufig in den vergangenen Jahren jedoch nicht in Sicht. Da die Flotte sich immer näher ihrer maximalen Lebensdauer nähert, gab die kanadische Regierung und das Department of National Defence (DND) am 19. Oktober 2011 die Vergabeergebnisse der 33 Milliarden Dollar teuren Ausschreibung der National Shipbuilding Procurement Strategy bekannt. Zwei Werften werden insgesamt über 21 neue Schiffe, für die kanadische Marine und die kanadische Küstenwache bauen. Die ersten Schiffe sollen 2015 ausgeliefert werden[6].

Luftstreitkräfte[Bearbeiten]

CF-18 Hornet über Hawaii, 2006
Hauptartikel: Royal Canadian Air Force

Ausrüstung[Bearbeiten]

(ohne Trainingsflugzeuge) Angaben auf der Hauptseite weichen von den obigen teilweise ab.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Desmond Morton: A military history of Canada. 4. Aufl. McClelland and Stewart, Toronto 1999. ISBN 0-7710-6514-0.
  • Jack L. Granatstein: Canada's army. Waging war and keeping the peace. University of Toronto Press, Toronto 2004. ISBN 0-8020-8696-9.
  • Daniel P. Barr: Unconquered. The Iroquois League at War in Colonial America. Greenwood Publishing Group, Westport, Conn. 2006. ISBN 0-275-98466-4.
  • René Chartrand, Ronald Volstad: Canadian Forces in World War II (Men at arms; Bd. 359). Osprey Publishing, Oxford 2001. ISBN 1-8417-6302-0.
  • Robert Broughton Bryce: Canada and the cost of World War II. The international operations of Canada's Department of Finance, 1939–1947. McGill-Queen's University Press, Montreal 2005ISBN 0-7735-2938-1.
  • Andrew Richter: Avoiding Armageddon. Canadian military strategy and nuclear weapons, 1950-63 (Studies in Canadien military history; Bd. 2). UBC Press, Vancouver 2002. ISBN 978-0-7748-0888-0.
  • Randall Wakelam: Cold War Fighters. Canadian Aircraft Procurement, 1945-54 (Studies in Canadian military history). UBC Press, Vancouver 2011. ISBN 978-0-7748-2148-3
  • Andrew B. Godefroy: Defence and Discovery. Canada's Military Space Program, 1945-74 (Studies in Canadian military history). UBC Press, Vancouver 2011. ISBN 978-0-7748-1959-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cimitero Canadese (Ortona) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Kanadische Streitkräfte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b - Department of National Defence (DND), Recruiting and Retention in the Canadian Forces, vom März 2011, abgerufen am 2. Februar 2012
  2. a b CIA World Factbook: Militärsektion 24. Februar 2007. (englisch)
  3. a b „Financial and Economic Data Relating to NATO Defence“, Press Release Communique PR/CP(2012)047, NATO Public Diplomacy Division, 12. April 2012 (PDF, 99kB)
  4. CBC News: Peter MacKay hails 'royal' renaming of military abgerufen am 5. März 2012
  5. Abschnitt What We Do im Einführungs-FAQ des kanadischen Verteidigungsministeriums. Eingesehen am 24. Februar 2007
  6. - Canadian Broadcasting Company (CBC), Slideshow über die neuen Schiffsbeschaffungen vom Oktober 2011, abgerufen am 4. Februar 2012