Saint-Ghislain

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Saint-Ghislain
Blason ville be Saint-Ghislain.svg Flag of Saint-Ghislain.svg
Saint-Ghislain (Hennegau)
Saint-Ghislain
Saint-Ghislain
Staat Belgien
Region Wallonien
Provinz Hennegau
Bezirk Mons
Koordinaten 50° 27′ N, 3° 49′ O50.4477777777783.8202777777778Koordinaten: 50° 27′ N, 3° 49′ O
Fläche 70,18 km²
Einwohner (Stand) 23.039 Einw. (1. Jan. 2013)
Bevölkerungsdichte 328 Einw./km²
Postleitzahl 7330–7334
Vorwahl 065
Bürgermeister Daniel Olivier
Adresse der
Kommunalverwaltung
Rue de Chièvres, 17
7333 Tertre
Webseite www.saint-ghislain.be

lblelslh

Saint-Ghislain ist eine Gemeinde in der belgischen Provinz Hennegau. Sie gilt als die inoffizielle Hauptstadt der Borinage, einer vom Steinkohleabbau geprägten Industrielandschaft am Ufer des Flusses Haine. Die Stadt setzt sich aus den Stadtteilen Saint-Ghislain, Baudour, Neufmaison, Sirault, Tertre, Hautrage und Villerot zusammen.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort geht der Legende nach auf den heiligen Ghislain (auch Gislenus) zurück, der sich um 680 an dieser Stelle niedergelassen haben soll. Seine Wohnstatt nannte er Ursidongus. Gemäß einer Übereinkunft mit der später ebenfalls heiliggesprochenen Aldegundis gründete er sodann ein Kloster an selbiger Stelle, wo er um 690 auch verstarb. Seine Gebeine wurden 929 ausgegraben und zunächst nach Grandlieu, später nach Le Cateau-Cambrésis überführt. 1647 wurden sie wieder an den Ort seines Wirkens überführt, die nunmehr bereits seinen Namen trug.

Zentrum von Saint-Ghislain –
von links: Rathaus, neue Stadtkirche und Turm der alten Kirche

Das Kloster ging an den Benediktinerorden über und entwickelte sich zu einem der wohlhabendsten der Region. 881 Jahrhundert wurde es jedoch von den Normannen geplündert und in Brand gesteckt. Der Ort, der um das Kloster herangewachsen war, trug zunächst den Namen Cella. Einen Aufschwung nahm er nach 1286, als der Markt des benachbarten Ortes Hornu hierher verlegt wurde. Wegen seiner Nähe zur hennegauischen Hauptstadt Mons erlangte der Ort auch bald strategische Bedeutung. Unter der Herrschaft von Albrecht von Bayern wurde er 1366 befestigt und blieb in den folgenden Jahrhunderten Sitz einer Garnison. 1589 erhielt Saint-Ghislain das Stadtrecht.

In den folgenden Jahrhunderten wurden Ort und Kloster wiederholt geplündert und teils zerstört: 1581 von den Hugenotten, 1655 von den Truppen Turennes, 1657 von den Spaniern unter Juan José de Austria. 1677 kehrten die Franzosen zurück, verloren die Stadt aber nach der Schlacht von Malplaquet und dem darauf folgenden Frieden von Nimwegen wieder an die Spanier. 1796 wurde das Kloster aufgehoben und die Gebäude wurden verkauft und abgebrochen.

Am 1. und 2. Mai 1944 wurde die Stadt zu zwei Dritteln durch Bombenangriffe der Alliierten zerstört.

Seit September 2010 betreibt das Unternehmen Google Inc. ein Rechenzentrum mit etwa 120 Beschäftigten in Saint-Ghislain.[1]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1962 ist Saint-Ghislain verschwistert mit der französischen Stadt Saint-Lô in der Normandie und seit 2005 mit der polnischen Stadt Sierakowice in der Woiwodschaft Pommern. Weitere Beziehungen bestehen zu Aalen (Deutschland), Tatabánya (Ungarn) und Christchurch (Großbritannien).

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Johannes Ockeghem (* zwischen 1410 und 1430; † 1497), flämischer Komponist, Sänger und Kleriker
  • Isabelle Blume (1892–1975), belgische sozialistische Politikerin, Widerstandskämpferin und Präsidentin des Weltfriedensrates
  • Jacques Pohl (1909–1993), belgischer Romanist und Sprachwissenschaftler
  • Michel Daerden (1949–2012), belgischer Politiker

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Saint-Ghislain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Nachweise[Bearbeiten]

  1. Auskunft von Google