Brendan der Reisende

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Dieser Artikel behandelt St. Brendan, den Autor der Navigatio Sancti Brendani. Die Überlieferung wurde oft vermischt mit der des Brendan von Birr (um 500–573).

Brendan (* etwa 484 eventuell in Annagh oder in Fenit auf der Dingle-Halbinsel im County Kerry unweit von Tralee; † 577 im Kloster Annaghdown, County Galway; lateinisch: Brendanus) war ein irischer Heiliger.

Brendan auf See (um 1460)

Leben[Bearbeiten]

Brendan wurde wahrscheinlich im Jahre 512 Priester und gründete zahlreiche Klöster. Die verschiedenen Berichte über sein Leben sind fast alle legendär. Einziges gesichertes Datum ist die Gründung des Klosters Clonfert (in der Grafschaft Galway) um 560. Er soll vom Bischof von Ardfert „Erth of Cornwall“ (auch Erc genannt) in der Widderquelle (Tobar na Molt) getauft worden sein.

Bekannt ist er durch die Navigatio Sancti Brendani, einem im Mittelalter sehr beliebten und verbreiteten Bericht über eine Seereise, die er zwischen 565 und 573 mit zwölf Gefährten unternommen haben soll. Das Ziel dieser Reise, die mit einem Curragh unternommen wurde, war die „Terra Repromissionis sanctorum“, eine verheißene Insel im Westen. Auf dem Weg zu dieser Brendaninsel, die in mehreren mittelalterlichen Karten verzeichnet ist, erlebte er allerhand Abenteuer, von denen das bekannteste die Verwechslung des Fisches Jasconius mit einer Insel ist.

Die Beschreibung seiner Reise veranlasste bis ins 18. Jahrhundert Expeditionen zur Suche nach Brendans Insel. Seit dem 19. Jahrhundert wurde zudem versucht, die Beschreibungen der verschiedenen Inseln auf reale Inseln im Atlantik anzupassen. Die Vermutungen reichen von den Kanarischen Inseln über Island bis nach Amerika, können aber in keinem der Fälle schlüssig belegt werden, was angesichts des mythisch-religiösen Charakters der Reisebeschreibung wahrscheinlich auch nie möglich sein wird: Die Navigatio Sancti Brendani ist ein christianisiertes Immram, ein festgesetzter inselkeltischer Erzähltyp, der die Reise in die Anderswelt beschreibt.

1976 konnte Timothy Severin allerdings tatsächlich mit einem Curragh nach Amerika segeln, was vermuten lässt, dass eine Entdeckung Amerikas zu dieser Zeit zumindest möglich war.

Brandan ist der Schutzpatron der Schiffer.[1]

Moderne Statue von St. Brendan auf Samphire Island

Literatur[Bearbeiten]

  • Josef Semmler: Navigatio Brendani. In: Peter Wunderli (Hrsg.): Reisen in reale und mythische Ferne. Reiseliteratur in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1993. (Studia Humanora Band 22). S. 103–123.
  • Anna-Dorothee von den Brincken: Das Weltbild des irischen Seefahrer-Heiligen Brendan in der Sicht des 12. Jahrhunderts. In: Cartographica Helvetica Heft 21 (2000) S. 17–21 Volltext
  • Brigitte Englisch: Ordo Orbis Terrae. Die Weltsicht in den Mappae mundi des frühen und hohen Mittelalters. Habilitationsschrift Universität Hamburg. München: Oldenbourg-Verlag, 655 S., ISBN 978-3-05-003635-9 (Orbis mediaevalis. Vorstellungswelten des Mittelalters, Bd. 3).
  • Lutz Mohr: Neue Überlegungen und Ergänzungen zur frühen Geschichte der Färöer. Teil 1: Griechen, Römer und der irische Mönch Brendan (um 488–um 578) als erster namentlich bekannter Entdecker der Inselgruppe. In: Tjaldur („Austernfischer“), Vereinszeitschrift des Deutsch-Färöischen-Freundeskreises (DFF) e. V., Düsseldorf/Kiel, Jg. 6, Heft 10/1993, S. 46–55.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Brendan der Reisende – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ökumenisches Heiligenlexikon Eintrag zu „Brendan ‚der Reisende‘“. Aufgerufen am 4. Februar 2013.