Briefumschlag

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Handelsüblicher Briefumschlag (Rückseite)
Handelsüblicher Briefumschlag der Größe „DIN-lang“ (DL) mit Sichtfenster

Ein Briefumschlag (auch: Kuvert, Couvert oder Enveloppe - veraltet -) ist die Versandverpackung eines Briefes.

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünglich wurden Briefe nicht in separaten Briefhüllen verpackt, sondern lediglich durch Umfalten oder Aufrollen und Versiegeln vor unberechtigtem Zugriff geschützt, da Papier ein kostbarer Rohstoff war. Später wurde dieser Vorgang aus betriebswirtschaftlicher Sicht immer kostenintensiver und aufwändiger als ein fertig konfektionierter Umschlag zum Einstecken und Verschließen des Schreibens. Im heutigen Schriftverkehr werden fast ausschließlich Briefumschläge zum Schutz der Inhalte verwendet, mit Ausnahme von Postwurfsendungen.

Briefumschläge wurden erstmals 1820 von dem Buch- und Papierwarenhändler S. K. Brewer in Brighton verkauft.[1][2] Er schnitt die Umschläge mit Hilfe von Blechschablonen zurecht.[3] Infolge des rasch wachsenden Bedarfs vergab Brewer 1835 an die Londoner Firma Dobbs & Comp. den Auftrag zur Herstellung von Briefumschlägen als Massenartikel.[3] Die erste Maschine zur Herstellung von Briefumschlägen stammt von E. Hill und W. De La Rue, London, aus dem Jahr 1844.[2]

Material[Bearbeiten]

Briefumschlagpapier muss undurchsichtig, beschreibbar, bedruckbar und faltfest sein. Es wird holzfrei und holzhaltig, einseitig glatt oder satiniert, weiß und farbig hergestellt, aber auch Recyclingpapier mit Blauem Engel findet Verwendung. Neuerdings werden für Briefumschläge verstärkt FSC- oder PEFC-Papiere eingesetzt, deren Zellstoff aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. FSC-Umschläge tragen teilweise das Logo des WWF-Pandabären. Es gibt auch Umschläge aus Kunststofffasern, aus transparenter oder transluzenter Folie sowie Umschläge aus Papyrolin, einem fadenverstärkten Material.

Produktion[Bearbeiten]

Zunächst wird ausgehend von der Papierrolle der Innen- und Außendruck des Umschlages im Flexodruckverfahren aufgebracht. Danach wird die Umschlagssilhouette ausgestanzt, dann erfolgt die Fensterung inkl. des Einklebens der Fensterfolie, danach die Seitenklappengummierung und anschließend das Aufbringen der Verschlussklappengummierung. Nach dem Trocknen der Verschlussklappe werden die Umschläge verpackt und anschließend die fertigen Kartons mittels Robotern auf Paletten verpackt. Moderne Briefumschlagmaschinen erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 1.600 Umschlägen/Minute und können somit fast 100.000 Umschläge/Stunde produzieren. Derartige Anlagen erfordern einen Investitionsaufwand von mehr als 2 Mio. €. Wichtigste Hersteller der Maschinen sind die Firmen Winkler+Dünnebier in Neuwied sowie die Firma Smith in den Vereinigten Staaten.

Recycling[Bearbeiten]

Briefumschläge können problemlos recycelt werden. Das verwendete Altpapier dient als Rohstoff für neues Recyclingpapier. Die eingesetzten Fensterfolien bestehen in der Regel aus Polystyrol. Sie werden beim Deinking (Entfärben) des Altpapiers ausgesondert und anschließend ebenfalls recycelt oder aber in den Kraftwerken der Papierfabriken verbrannt.

Größen[Bearbeiten]

Briefumschläge gibt es in verschiedenen Standardgrößen, definiert in ISO 269 und DIN 678 weitgehend anhand bestehender Papierformate:

Format B (mm) L (mm) L:B Passender Inhalt
C6 114 162 √2 A6, A5 einmal gefaltet, A4 über Kreuz gefaltet
B6 125 176 √2 C6
C5/6 (DL) 110 220 2 13 A4, A4 zweimal gefaltet nach DIN 676 / 5008
C6/5 * 114 229 2 C5/6, 13 A4, A4 zweimal gefaltet nach DIN 676 / 5008
C5 162 229 √2 A5, d.h. A4 einmal gefaltet
B5 176 250 √2 C5
C4 229 324 √2 A4
B4 250 353 √2 C4
E4 280 400 √2 B4
C3 324 458 √2 A3
 * so breit wie die Breite von C6 und so lang wie die Länge von C5
Briefgrößen der Deutschen Post
Format B (mm) L (mm) H (mm) Gewicht Porto (€) passende DIN-Formate
Standardbrief 90–125 140–235 ≤ 5 ≤ 20 g 0,60 C6, B6, C5/6 (DL), C6/5
Kompaktbrief 70–125 100–235 ≤ 10 ≤ 50 g 0,90 C6, B6, C5/6 (DL), C6/5
Großbrief 70–250 100–353 ≤ 20 ≤ 500 g 1,45 C6, B6, C5/6 (DL), C6/5, C5, B5, C4, B4
Maxibrief 70–250 100–353 ≤ 50 ≤ 1000 g 2,40 C6, B6, C5/6 (DL), C6/5, C5, B5, C4, B4
Postkarte 90–125 140–235 150–500 g/m² 0,45 A6

Briefumschläge im Format C4 werden nicht nur im Querformat, sondern auch im Hochformat hergestellt.[4]

Für Geschäftsbriefe auf dem Papierformat A4 sind in Deutschland die Umschlagformate DIN lang (C5/6, DL) bei manueller Befüllung, C6/5 bei maschineller Befüllung und C4 am weitesten verbreitet. Das Format C6/5 ist das in Deutschland mit Abstand am häufigsten verwendete Format und wird als Kuvertierhüllen für die automatische Kuvertierung eingesetzt.

Privatpost wird auch häufig in Umschlägen vom Format C6 verschickt, in das Postkarten vom Format A6 passen. Großes und schweres Füllgut wird häufig in Faltentaschen mit Seitenfalten und Klotzboden in den Formaten B5 bis E4 verschickt.

Fensterstellung[Bearbeiten]

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Für Abmessungen von Fensterbriefhüllen gibt es mehrere unterschiedliche Standards.[5]

BS 4264 definiert für das Format DL ein 39 mm hohes und 93 mm breites Sichtfenster, das 53 mm vom oberen Rand und 20 mm vom linken Rand entfernt ist.[5]

Aus DIN 680 ergeben sich je nach Format unterschiedliche Abstände des Sichtfensters vom oberen Rand, sodass ein Briefbogen nach DIN 5008 exakt gefaltet werden muss, um das Adressfeld im Sichtfenster zu platzieren:


Bei C6, C6/C5 und DL liegt das Sichtfenster 20 mm vom linken und 15 mm vom unteren Rand entfernt und ist 45 × 90 mm groß.


Bei größeren Versandtaschen gibt es zwei Formen A und B entsprechend der Briefköpfe für Geschäftsbriefe Form A und B nach DIN 5008, da die Lage des Adressfeldes sich hier nicht mehr über die Faltung des Briefes anpassen lässt. Bei C5-Briefhüllen ist das Fenster ebenfalls 45 mm x 90 mm groß und 20 mm vom linken Rand entfernt, vom unteren bei Form A 77 mm und bei Form B 60 mm. Bei C4-Briefhüllen ist das Spiel des Briefes im Umschlag besonders in Richtung der längeren Kante wesentlich größer, so dass das Fenster größer sein muss. Es ist 55 mm x 90 mm groß und 20 mm vom linken Rand entfernt, vom oberen bei Form A 40 mm und bei Form B 57 mm.

Aufschrift[Bearbeiten]

Die Deutsche Post erwartet die Aufschrift parallel zur längeren Seite des Sichtfensters beziehungsweise des Umschlags, die Frankierung in einem 40 mm hohen und 74 mm breiten Feld rechts oben, die Anschrift des Absenders im 40 mm hohen Streifen links daneben sowie die Anschrift des Adressaten im restlichen Bereich mit mindestens 15 mm Abstand zum Außenrand. Im Bereich unterhalb der Anschrift wird der Zielcode aufgedruckt.[6]

Die Österreichische Post erwartet darüber hinaus, dass beim Format C5 der Bereich unterhalb der 74 mm breiten Frankierzone und bei größeren Formaten ein 74 mm hoher Bereich am unteren Rand freigehalten wird.[7]

Royal Mail erwartet, dass in einem 70 mm hohen und 140 mm breiten Bereich rechts unten zwei Felder freigehalten werden und die Anschrift des Absenders auf der rückseitigen Verschlusslasche platziert wird.[8][9]

Die Schweizerische Post sieht eine Vielzahl von Varianten vor.[10]

Verwendung[Bearbeiten]

Briefumschläge werden verschlossen, indem die ein wenig überlappende, übergeklappte offene Seite (kurz Lasche) mit dem Umschlag zusammengeklebt wird. Entweder kommt dabei trockener, wasserlöslicher Klebstoff zum Einsatz, der beim Verschließen befeuchtet wird, oder sie sind selbstklebend. Das blaue Leuchten beim Öffnen eines selbstklebenden Verschlusses nennt man Tribolumineszenz. Bei hochwertigen Umschlägen kommt häufig eine Haftklebung mit Abdeckstreifen zum Einsatz. Letztere werden vor allem für hochwertige geschäftliche Post verwendet. Name und Anschrift des Adressaten werden auf die Vorderseite des Kuverts geschrieben, die Angaben über den Absender herkömmlich auf die Rückseite oder links oben auf die Vorderseite.

Ebenfalls im geschäftlichen Bereich werden häufig Fensterkuverts eingesetzt, bei denen die Anschrift des Adressaten nicht auf den Umschlag geschrieben, sondern der Brief mit der Anschrift im Briefkopf so in den Umschlag gelegt wird, dass die Anschrift durch das Fenster sichtbar ist, beispielsweise nach DIN 5008. Für die unterschiedlichen Umschläge gibt es verschiedene Falzarten, damit die Adressen im Fenster sichtbar sind. Fensterkuverts tragen einen Aufdruck oder Stempel mit den Absenderangaben meistens entweder auf der Vorderseite oder über der Anschrift auf dem Briefbogen, sodass sie im Fenster sichtbar sind.

Markt[Bearbeiten]

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In Deutschland werden nach Angaben des Verbandes der Deutschen Briefumschlaghersteller (VDBF) derzeit pro Jahr ungefähr 20 Mrd. Briefumschläge, Versand- und Faltentaschen im Wert von etwa 375 Mio. € verkauft. Zusätzlich exportiert die Deutsche Briefumschlagindustrie weitere ca. 4 Mrd. Einheiten zumeist ins europäische Ausland. Der Markt ist in den letzten Jahren insgesamt leicht gesunken, da zunehmend elektronische Medien den Briefumschlag für den Rechnungsversand ersetzen. Auch Werbebriefumschläge haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung verloren. Großformatige Versand- und Faltentaschen konnten hingegen vom neuen Medium Internet eher profitieren.

In Europa werden jährlich insgesamt etwa 110 Mrd. Umschläge verwendet. Den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch in Europa hat weiterhin England. Mit weitem Abstand folgen Frankreich, Deutschland und die Niederlande.

In Deutschland sind die beiden bedeutendsten Hersteller die Firmengruppe Mayer-Kuvert und Bong. Auf europäischer Ebene kommen noch die Firmengruppen Tompla (F), GPV (F), die Groupe Hamelin (F, 2010 mit Bong fusioniert) und Goessler Kuverts (CH) hinzu, die zusammen insgesamt einen Marktanteil von ungefähr 90 % repräsentieren.

Mehrfachumschläge[Bearbeiten]

Eine Sonderform des Briefumschlages ist der im internen Briefverkehr zunehmend genutzte mehrfach verwendbare Hauspostumschlag.

Briefumschlag mit Aufrissschnur[Bearbeiten]

Der rote Pull-Tab-Streifen im Umschlag zum mittellosen Öffnen.
Das kleine Fenster auf dem rechten Umschlag zeigt den Aufdruck vor dem Öffnen.

Patentierte Umschläge [11] bieten ein sauberes Öffnen des Briefes ohne Hilfsmittel. Am Rand ist der Umschlag an der „Daumengrifffläche“ perforiert, durch Abreißen dieses kleinen Papierstückchens wird eine „Aufrißschnur“ („Zipp-o-let“/engl. Pull-Tab) an der Kante herausgetrennt, welche damit den Briefumschlag öffnet. Diese Technik ist z.B. bei Zigarettenverpackungen mit Klarsichtfolien schon lange üblich.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Maurice Rickards, Michael Twyman: The encyclopedia of ephemera: A Guide to the Fragmentary Documents of Everyday Life for the Collector, Curator and Historian, Verlag: Routledge Chapman & Hall; Auflage: illustrated edition (Dezember 2000), Seite 135 bis 137
  2. a b Briefumschlag. In: Wolfram Grallert: Lexikon der Philatelie. 2. Auflage. Phil*Creativ GmbH, Schwalmtal 2007, ISBN 978-3-932198-38-0, Seite 75.
  3. a b Brewer. In: Wolfram Grallert: Lexikon der Philatelie. 2. Auflage. Phil*Creativ GmbH, Schwalmtal 2007, ISBN 978-3-932198-38-0, Seite 66.
  4. DIN C4. Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Abgerufen am 8. April 2010.
  5. a b Markus Kuhn: International standard paper sizes. Abgerufen am 18. März 2010.
  6. Automationsfähige Briefsendungen (PDF; 1,72 MB) Deutsche Post. Abgerufen am 25. August 2010.
  7. Richtig Adressieren (PDF; 2,06 MB) Österreichische Post. Abgerufen am 8. April 2010.
  8. guidance for correct mail presentation (PDF; 601 KB) Royal Mail. Abgerufen am 8. März 2010.
  9. Large Letter mail (PDF; 492 KB) Royal Mail. Abgerufen am 8. März 2010.
  10. Briefe (PDF; 3,37 MB) Schweizerische Post. Abgerufen am 21. September 2011.
  11. EuropaPatent Nr. 0 683 748; USA Patent Nr. 5 984 170; Internationale Registrierung für "Zipp-o-let" Nr. 641 250; Deutsches Gebrauchsmuster Nr. 295 00 983.7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Briefumschläge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Briefumschlag – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen