Bund der Aufrechten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Bund der Aufrechten war eine nationalistische monarchistische Vereinigung, die am 9. November 1918 in Berlin durch den Schriftsteller Ernst Pfeiffer gegründet wurde. 1922 wurde sie aufgrund des Gesetzes zum Schutz der Republik als republikfeindliche Organisation verboten.

Hintergrund und Vorgeschichte[Bearbeiten]

Am 9. November 1918 dankte Wilhelm II. ab. Als Reaktion auf diese Ereignisse gründete daher am Abend desselben Tages der Schriftsteller Ernst Pfeiffer in Berlin den Bund der Aufrechten, dessen Zweck die Wiederherstellung der Monarchie war. Publikationsorgan des Bundes der Aufrechten war bis zuletzt die von Ernst Pfeiffer begründete zweimal im Monat erscheinende Zeitung „Der Aufrechte“. Pfeiffers politischer Hintergrund war die Bewegung um den antisemitischen Hofprediger Adolf Stoecker.

Entwicklung[Bearbeiten]

Bis zum Herbst 1919 wuchs die Mitgliederzahl des Bundes auf über 1.000. An der ersten Hauptversammlung nahmen etwa 140 Vertreter aus Preußen teil. Werbemaßnahmen wurden beschlossen und die ersten Versammlungen durchgeführt, die größer werdenden Zuspruch fanden.

Als Referenten traten im Bund der Aufrechten im Laufe der Zeit hervor: die Reichstagsabgeordneten Kuno Graf von Westarp, Reinhard Mumm, Friedrich Everling (alle DNVP), der evangelische Arbeitersekretär Paul Rüffer, Axel von Freytagh-Loringhoven und Ilse Neumann; ferner der Germanistikprofessor Gustav Roethe, die Generäle von Stein und Hans-Georg von Friedeburg und aus dem Kreis der evangelischen Geistlichkeit Oberkonsistorialrat Conrad und Otto Dibelius, sowie die Hofprediger Bruno Doehring, Johannes Vogel und Walter Richter-Reichhelm.

1922 versammelte der Bund der Aufrechten zu einer großen Preußenfeier im Friedrichshain in Berlin 3.000 Besucher.

In dieser Zeit zählte der Bund mehr als 60 Ortsgruppen mit etwa 25.000 Mitgliedern. In Bremen gelang die Gründung einer Arbeiter-Jugendgruppe mit 800 Mitgliedern.

Die Ermordung Reichsaußenministers Walther Rathenau durch Mitglieder der rechtsradikalen Organisation Consul am 24. Juni 1922 gaben einen hinreichenden Anlass zum Verbot von nationalistischen und republikfeindlichen Verbänden wie dem Bund der Aufrechten. Aufgrund des bereits am 26. Juni erlassenen „Gesetzes zum Schutz der Republik“ löst der preußische Innenminister Carl Severing den Bund mit allen Landesverbänden, Bezirks- und Ortsgruppen auf. Sachsen und Thüringen schlossen sich an. Nur in Baden und Bayern, wo die Landesregierungen kein Verbot erlassen hatten, blieb der Bund bestehen und arbeitete weiter.

Die Versuche des Bundes sich von der Ermordung Rathenaus zu distanzieren, blieben erfolglos. Daher nahmen die Berliner Ortsvorstände sowie der Hauptvorstand des Bundes am 30. Juni einstimmig die Entschließung an:

„Mit der christlichen Gesinnung, auf deren Betätigung unser Bund in allererster Linie beruht, ist es unvereinbar, daß ihm Mitglieder angehören, die politische Verbrechen gutheißen oder auch nur entschuldigen. So selbstverständlich dies ist, hält der Bund es angesichts der augenblicklich bestehenden geistigen Verfassung für angebracht, dies öffentlich zu erklären.“

Zwei Beschwerden gegen das Verbot wurden verworfen. Der Bund der Aufrechten musste seine Tätigkeit einstellen. Auch die Nr. 26 der Zeitschrift „Der Aufrechte“, die noch vor der Ermordung Rathenaus erschienen war, wurde infolge der neuen Verordnung zum Schutze der Republik vom Berliner Polizeipräsidenten beschlagnahmt. Gleichzeitig wurde außerdem das Erscheinen der Zeitschrift für die Dauer von vier Wochen untersagt.

Danach erschien sie wieder und die Mitglieder des Bundes konstituierten sich als ihr "Lesekreis". Unter dieser Bezeichnung arbeitete der Bund ungestört weiter. Unmittelbar nach dem Preußenschlag hob der Reichskanzler Papen das Verbot im Juli 1932 auf. Im Februar 1933 wählte der Bund Karl von Einem, zu seinem „1. Bundesführer“.[1]

Mit dem endgültigen Verbot aller monarchistischen Organisationen durch die Nationalsozialisten 1934 wurde der Bund der Aufrechten aufgelöst.

Prominente Mitglieder[Bearbeiten]

Dem Bund der Aufrechten gehörten unter anderem die Kaisersöhne Oskar und Eitel Friedrich, der ehemalige preußische Kriegsminister Karl von Einem und der Reichstagsabgeordnete der Deutschnationalen Volkspartei Otto Schmidt-Hannover an.

Nachgeschichte[Bearbeiten]

Nach 1945 sammelte der „Aufrechte“ Heinrich von Massenbach († 1962) einige noch lebende Mitglieder um sich und gründete schließlich zusammen mit diesen sowie neu hinzugekommen Leuten einen neuen Verein. Nachfolgeorganisation ist dadurch heute in der Bundesrepublik die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des monarchischen Gedankens Tradition und Leben e. V.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Dieter Fricke (Hrsg.): Lexikon zur Parteiengeschichte. Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände in Deutschland (1789 - 1945), Bd. 1: Alldeutscher Verband - Deutsche Liga für Menschenrechte, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1983, S. 196-201, hier: S. 198

Quellen[Bearbeiten]

  • Der Aufrechte. Zeitschrift (bis 1934)
  • Der Aufrechte: Volkstümliche Blätter für Geschichte, Tradition und Leben. Zeitschrift; nach Verbot des Bundes der Aufrechten 1934 durch das NS-Regime mit diesem Tarnnamen („Volkstümliche Blätter …“) 1938 verboten

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Otto Meissner: Als die Kronen fielen. 1. Auflage, Gießen 1956.
  • Arne Hofmann: „Wir sind das alte Deutschland, das Deutschland, wie es war …“ Der „Bund der Aufrechten“ und der Monarchismus in der Weimarer Republik., Frankfurt a. M. 1998.
  • Carsten Reuß: Der Bund der Aufrechten. Wesen, Wirkung, Widersprüche. Ein Beitrag zur Geschichte der monarchischen Bewegung in Deutschland. Münster 1993 (Magisterarbeit).