Volkspark Friedrichshain

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Volkspark Friedrichshain
Coat of arms of Berlin.svg
Park in Berlin
Volkspark Friedrichshain
Großer Teich im Volkspark Friedrichshain
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Friedrichshain
Angelegt 1846–1848
Umgebende Straßen Am Friedrichshain, Danziger Straße, Landsberger Allee, Friedenstraße
Nutzung
Nutzergruppen Fußverkehr; Freizeit, Events
Parkgestaltung Gustav Meyer
Technische Daten
Parkfläche 49 Hektar

Der Volkspark Friedrichshain ist ein Erholungsgebiet im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Er entstand 1846 als erste kommunale Grünanlage Berlins. Er grenzt im Norden an das Bötzowviertel im Ortsteil Prenzlauer Berg.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Friedrichshain ist die erste kommunale Parkanlage Berlins. Nach einer Idee von Peter Joseph Lenné beschloss die Berliner Stadtverordnetenversammlung 1840 anlässlich des Thronjubiläums Friedrich II., für den dicht besiedelten Berliner Osten einen Erholungspark zu errichten.

Mitte 19. Jahrhundert bis 1945[Bearbeiten]

Die Gestaltung des ältesten Teils erfolgte 1846–48 nach Plänen von Johann Heinrich Gustav Meyer. 1848 wurde der Friedhof der Märzgefallenen im Park angelegt. Das Krankenhaus im Friedrichshain entstand 1868–74 nach Plänen von Martin Gropius und Heino Schmieden. Als Ausgleich für den damit verbundenen Flächenverlust wurde 1874/75 der Park von Meyer, inzwischen Gartenbaudirektor von Berlin, um den Neuen Hain erweitert.

Märchenbrunnen (1913)

Nach zwölfjähriger Bauzeit wurde 1913 mit dem Märchenbrunnen eine der schönsten Brunnenanlagen der Stadt fertiggestellt. Architekt war der langjährige Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. Die zehn Figurengruppen nach Märchen der Brüder Grimm hat der Bildhauer Ignatius Taschner geschaffen, zahlreiche weitere Skulpturen stammen von Josef Rauch und Georg Wrba.

Der Bau der Flaktürme 1941 sowie die folgenden Luftangriffe vernichteten den alten Baumbestand fast vollständig. 1946 wurden die beiden Bunker gesprengt und die Ruinen 1946–50 mit Bauschutt verfüllt und überdeckt. Die dadurch entstandenen Trümmerberge („Mont Klamott“) wurden im Verlauf der Parkerneuerung nach einem Entwurf von Reinhold Lingner begrünt.[1]

Ab 1945: Freilichtbühne und Schwimmstadion[Bearbeiten]

Trümmereinschüttung des gesprengten Gefechtsbunkers des Flak-Doppelbunkers (August 1949)
Das mittlerweile abgerissene Schwimmstadion vor der Saisoneröffnung 1954

Im Jahr 1950 wurde die Freilichtbühne im südlichen Bereich des Parks errichtet. Außerdem baute man 1949–1951 in Vorbereitung der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten an der Stelle eines früher vorhandenen Sportplatzes im Neuen Hain das Schwimmstadion im Friedrichshain, das 1952 den Namen des Sportlers Karl Friedrich Friesen erhielt. Es war eine Freiluftanlage mit zwei Becken: einem 5 Meter tiefen Becken für die Sprungtürme und einem 50 Meter langen Schwimmbecken mit acht Wettkampfbahnen. An den Längsseiten wurden unter Zuhilfenahme von Kriegstrümmern Zuschauertribünen für 8000 Besucher eingebaut. Um 1963 wurde das Schwimmbecken mit einer zusammenschiebbaren fahrbaren Überdachung für den Winterbetrieb versehen, die jedoch unsachgemäß ausgeführt wurde und zu niedrig lag. In diesem Stadion fanden Schulschwimmveranstaltungen, Training und Wettbewerbe statt, es diente aber auch für andere Massenveranstaltungen wie beispielsweise einen Auftritt von Hauff und Henkler 1973 anlässlich der X. Weltfestspiele der Jugend und Studenten. Sowohl der unsanierte Zustand der Wasserbecken als auch die ungepflegten Zuschauertribünen führten ab 1999 zum Abriss der gesamten Anlage.[2] Im Park noch erhalten sind die zwei Pfeiler des westlichen Eingangs mit ihren Laternen. Sie wurden in der Werkstatt von Karl Souradny im Jahr 1951 angefertigt.[3]

Zu DDR-Zeiten entstand in Friedrichshain auch ein „Indianerdorf“, das zur Gestaltung von Ferienspielen diente.[4]

Gedenkstätten, das SEZ und eine Friedensglocke[Bearbeiten]

Spanienkämpfer-Denkmal, 1968 errichtet

Die ,Gedenkstätte der 3000 Interbrigadisten‘ des Spanischen Bürgerkriegs, die sich an der Friedenstraße befindet, entstand 1968. Die sechs Meter hohe Bronzefigur eines Spanienkämpfers entstand nach Entwürfen von Fritz Cremer, die Reliefs schuf Siegfried Krepp. In den Jahren 1969–1973 wurde der Park umgestaltet und Pavillons sowie Sport- und Spielplätze wurden gebaut. Im Jahr 1972 erhielt die nördliche Seite des Parks das Denkmal des gemeinsamen Kampfes polnischer Soldaten und deutscher Antifaschisten. 1981 entstand das Sport- und Erholungszentrum (SEZ). Dessen Abriss stand in den späten 1990er Jahren zur Debatte, es fand sich jedoch ein Privatbetreiber. Im Jahr 1989 wurde eine Weltfriedensglocke der japanischen ,World Peace Bell Association‘ eingeweiht und mit einem kleinen Pavillon überdacht.[5]

21. Jahrhundert: Erneute Rekonstruktion und ein neues Denkmal für Friedrich den Großen[Bearbeiten]

Das im Jahre 2000 wiedererrichtete Denkmal für Friedrich II.

Von 1995 bis 2004 erfolgte eine umfassende Rekonstruktion des Parks und seiner Anlagen. Ein Nachguss der 1848 entstandenen und nach dem 2. Weltkrieg vermutlich gestohlenen Bronzebüste Friedrichs II. wurde auf der ausgegrabenen Original-Rundsäule im Jahre 2000 am historischen Standort wieder aufgestellt.[6] Nach dem Abriss des Schwimmstadions war die Wiederherstellung des Neuen Hains möglich. Am Märchenbrunnen wurden grobe Vandalismusschäden beseitigt, die Anlage wurde weitestgehend in ihren Originalzustand zurückversetzt.

Freizeitangebote[Bearbeiten]

Restaurant und Café

Der Kleine (48 m hoch) und der Große Bunkerberg (Mont Klamott, 78 m hoch) haben je eine Aussichtsplattform. Am östlichen Hang des Kleinen Bunkerbergs wurde nach Abschluss der Trümmerauffahrung unter anderem eine gern und viel genutzte Rodelbahn angelegt.

Die Freilichtbühne wird in den Sommermonaten vom Radio Eins Freiluftkino Friedrichshain genutzt. Neben Spiel- und Liegewiesen stehen für sportliche Aktivitäten ein Beachvolleyballfeld, eine Halfpipe, Basketball- und Fußballplätze, ein Kletter- bzw. Boulderfelsen,[7] ein Rundkurs für Inline-Skater und eine separate Strecke für Jogger zur Verfügung. Für Kinder gibt es mehrere Spielplätze.

Im Neuen Hain gibt es einen alten Eichenbestand, einzelne Bäume sind als Naturdenkmal ausgewiesen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Clemens Alexander Wimmer: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam; ed. Senator für Stadtentwicklung und Umweltschutz, Abt. III – Gartendenkmalpflege; Nicolaische Verlagsbuchhandlung: Berlin 31989; ISBN 3-87584-267-7; S. 142-145.
  • Ralf Schmiedecke: Berlin-Friedrichshain - Die Reihe Archivbilder; Sutton Verlag, Erfurt; ISBN 3-86680-038X

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Volkspark Friedrichshain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berliner Unterwelten e.V.: Geschichte der Berliner Flaktürme und Einstieg in die Ruine des Flakturm Friedrichshain
  2. virtual museum of dead places: ehemaliges Karl-Friedrich-Friesen-Stadion
  3. Torpfosten mit Leuchten auf www.flickr.com; abgerufen am 25. Dezember 2013
  4. Facebookeintrag mit Foto
  5. Berliner Friedensglocke
  6. Helmut Caspar, 200 Berliner Köpfe, Denkmäler von Friedrich dem Großen bis Heinz Rühmann, Michael Imhof Verlag, 2008, Seite 29
  7. Infos zum Kletterfelsen

52.52666666666713.433888888889Koordinaten: 52° 31′ 36″ N, 13° 26′ 2″ O