Ludwig von Friedeburg

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Ludwig-Ferdinand von Friedeburg (* 21. Mai 1924 in Wilhelmshaven; † 17. Mai 2010 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Soziologe am Institut für Sozialforschung und Politiker (SPD). In den 1970er-Jahren setzte er sich als hessischer Kultusminister für mehr Chancengleichheit durch Bildung ein, seine Bemühungen zur Auflösung des dreigliedrigen Schulsystems in Gesamtschulen stießen auf großen Widerstand.[1]

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater Hans-Georg von Friedeburg war Generaladmiral, ab 1943 Kommandierender Admiral der Unterseeboote und 1945 Mitunterzeichner der Gesamtkapitulation der deutschen Wehrmacht.

Der Sohn Ludwig-Ferdinand wurde Marineoffizier. Er beendete seine Offiziersausbildung im Juni 1943 und wurde anschließend Zweiter Wachoffizier (II WO) und später Erster Wachoffizier (I WO) auf dem Typ IXC/40 Boot U 548 von Oberleutnant zur See Eberhard Zimmermann. Als Leutnant zur See wurde ihm die Überführung von U 155, ebenfalls einem großen Boot vom Typ IX von Lorient nach Flensburg aufgetragen. Die kommenden 43 Seetage vom 9. September bis 21. Oktober 1944 machten ihn zum jüngsten deutschen U-Boot Kommandanten des Zweiten Weltkrieges. Zu diesem Zeitpunkt war von Friedeburg erst 20 Jahre und 111 Tage alt. In der Zeit zwischen November 1944 und Februar 1945 besuchte er den Kommandanten-Lehrgang und erhielt die Baubelehrung für die neue U-Boot-Klasse XXIII. Am 1. Mai 1945 stellte er sein neues Boot, U 4710 in Kiel im Dienst, jedoch kam es zu keinem weiteren Kriegseinsatz. Anschließend geriet er in alliierte Gefangenschaft, aus welcher er am 12. September 1947 entlassen wurde.

Von 1947 bis 1951 studierte Ludwig von Friedeburg in Kiel und Freiburg im Breisgau, wo er 1951 als Diplom-Psychologe abschloss. 1952 promovierte er ebenfalls in Freiburg über Die Umfrage als Instrument der Sozialwissenschaften. Von 1951 bis 1954 war er Mitarbeiter am Institut für Demoskopie Allensbach. 1955 wechselte er als Abteilungsleiter an das Frankfurter Institut für Sozialforschung. 1960 habilitierte er sich bei Theodor W. Adorno mit einer Arbeit zur Soziologie des Betriebsklimas. Von 1962 bis 1966 war Friedeburg Professor für Soziologie und Direktor des Instituts für Soziologie an der Freien Universität Berlin. 1966 wurde er an die Universität Frankfurt und erneut zum Direktor des Instituts für Sozialforschung berufen. Als dessen geschäftsführender Direktor amtierte er von 1975 bis 2001.

Familie[Bearbeiten]

Am 8. April 1960 heiratete Ludwig von Friedeburg die 1936 geborene Ellen Schölch, Tochter von Heinrich Schölch, Fabrikant, und Hulda Landgraf. Sie hatte bei Adorno studiert und das Studium als Dipl.-Soziologin abgeschlossen.[2]

Bildungspolitik[Bearbeiten]

Von 1969 bis 1974 war er hessischer Kultusminister unter Ministerpräsident Albert Osswald. Die von ihm angestrebten Bildungsreformen waren außerordentlich umstritten. Von Friedeburgs Schulpolitik polarisierte derartig, dass der spätere Ministerpräsident Roland Koch (CDU) meinte: „Ludwig von Friedeburg hat der CDU in Hessen wahrscheinlich mehr neue Mitglieder zugeführt als jeder andere.“ [3]

Kernpunkte seiner Schulpolitik waren:

Gefordert, aber nicht intensiv betrieben wurde auch die Einführung der Ganztagsschule.

1972/73 legte von Friedeburg die Hessischen Rahmenrichtlinien für die Grund- und Mittelstufe und die Gymnasien vor und löste damit einen Sturm der Entrüstung, aber bei einem Teil seiner Anhänger auch Begeisterung aus. Sie galten damals als die tiefgreifendsten Veränderungen in Bezug auf alle Bundesländer.

Diskussionspunkte waren vor allem:

Im Mathematikunterricht wurde gleichzeitig die Einführung der Mengenlehre im Unterricht der Grundschulen diskutiert.

Die geführten Diskussionen entspannen sich auch an der Person von Friedeburgs und verebbten erst, nachdem Friedeburgs Nachfolger Hans Krollmann (SPD) Veränderungen vornahm.

Von Friedeburg forcierte die Einrichtung neuer Förderstufen und Gesamtschulen, oft gegen den erbitterten Widerstand der betroffenen Schulen und Eltern. Erklärtes Ziel war, das gegliederte Schulsystem abzuschaffen. Diese Politik wurde von seinen sozialdemokratischen Nachfolgern weitergeführt und endete erst 1987, als die CDU mit dem Wahlversprechen der „freien Schulwahl“ die Landtagswahl gewann.

Ehrungen[Bearbeiten]

Ludwig von Friedeburg erhielt das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland. Geehrt hat ihn die Stadt Frankfurt 1994 mit der Goetheplakette für herausragende wissenschaftliche und bildungspolitische Leistungen. Am 23. Juni 2006 verlieh ihm die Fakultät Human- und Gesellschaftswissenschaften der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg die Ehrendoktorwürde als einem der entscheidenden Köpfe der Bildungsreform der 60er und 70er Jahre.

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • (Mit Jürgen Habermas, Christoph Oehler und Friedrich Weltz) Student und Politik. Eine soziologische Untersuchung zum politischen Bewußtsein Frankfurter Studenten. Luchterhand, Neuwied 1961.
  • Soziologie des Betriebsklimas. Studien zur Deutung empirischer Untersuchungen in industriellen Großbetrieben. Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1963, 2. Aufl. 1966.
  • Jugend in der modernen Gesellschaft. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1965.
  • (Hrsg. mit Jürgen Habermas): Adorno-Konferenz 1983. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1983. ISBN 3518280600
  • Bildungsreform in Deutschland. Geschichte und gesellschaftlicher Widerspruch, Suhrkamp, Frankfurt am Main 1989 (Taschenbuchausgabe 2002). ISBN 3518286153

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „Vater der Gesamtschule“. Ludwig von Friedeburg gestorben (Version vom 28. Mai 2010 im Internet Archive), hr, 20. Mai 2010
  2. Friedeburg, Ludwig-Ferdinand von
  3. zitiert in: Hugo Müller-Vogg, Beim Wort genommen, (Roland Koch im Gespräch mit Hugo Müller-Vogg), Societäts-Verlag Frankfurt, 2002, ISBN 3-7973-0829-9, Seite 132