Bytom Odrzański

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Dieser Artikel beschreibt die niederschlesische Stadt Bytom Odrzański (Beuthen an der Oder). Für die oberschlesische Großstadt Bytom (Beuthen in Oberschlesien) siehe Bytom.
Bytom Odrzański
Wappen von Bytom Odrzański
Bytom Odrzański (Polen)
Bytom Odrzański
Bytom Odrzański
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Landkreis: Nowa Sól
Fläche: 10,00 km²
Geographische Lage: 51° 44′ N, 15° 49′ O51.73333333333315.816666666667Koordinaten: 51° 44′ 0″ N, 15° 49′ 0″ O
Einwohner: 4443
(31. Dez. 2013)[1]
Postleitzahl: 67-115
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FNW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Droga wojewódzka 292: Nowa SólLubin
DW 293: Borów Wielki ↔ Bytom Odrzański
Schienenweg: PKP-Linie 273: Breslau–Stettin
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 9 Schulzenämter
Fläche: 52,41 km²
Einwohner: 5524
(31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 105 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0804023
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jacek Sauter
Adresse: Rynek 1
67-115 Bytom Odrzański
Webpräsenz: www.bytomodrzanski.pl
Die Stephanskirche in Bytom Odrzański

Bytom Odrzański [ˈbɨtɔm ɔˈʤaɲsci] (deutsch Beuthen an der Oder) ist eine Stadt im Powiat Nowosolski der Woiwodschaft Lebus im Westen Polens in der historischen Landschaft Niederschlesien rund 90 Kilometer östlich von Cottbus und etwa 120 km nordwestlich der niederschlesischen Hauptstadt Breslau.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet am Rande der Dalkauer Berge war schon in der Steinzeit besiedelt. An einer Furt durch die Oder entstand eine Landesfeste der schlesischen Piastenherzöge, deren Kastellane seit 1203 nachweisbar sind. Sie wurde im Jahre 1109 belagert, aber König Heinrich V. 1109 gelang es nicht sie einzunehmen. 1157 wurde die Feste durch Herzog Bolesław IV. niedergebrannt, als das Heer Friedrich Barbarossas nach Polen eindrang.

Beuthen an der Oder (um 1815)

Die erste Kirche in dem Burgort Bythom, ab Mitte des 15. Jahrhunderts Beuthen genannt, war die Stephanskirche, die 1175 dem Zisterzienserkloster Leubus überlassen wurde. Um 1263 erhielt Bythom deutsches Stadtrecht. Noch vor 1300 wurde vom Herzog Heinrich III. von Glogau in Beuthen ein Magdalenerinnen-Kloster gegründet, das allerdings bereits 1314 nach Sprottau verlegt wurde.[2] In den Jahren 1395 und 1464 brachen Pestepidemien in Beuthen aus. 1475 war der Kaufmann Andreas Neumann Besitzer von drei Vierteln der Stadt, der Rest gehörte Georg von Glaubitz. Johann von Rechenberg war ab 1524 der alleinige Besitzer Beuthens. Der deutsche Hans, wie er von Martin Luther genannt wurde, führte 1540 die Reformation in Beuthen ein. Franz von Rechenberg verkaufte 1561 die Herrschaften Beuthen mit Polnisch Tarnau und Carolath an den Ritter Fabian von Schoenaich, der zu einem der größten Grundbesitzer Schlesiens wurde. Sein Vetter und Nachfolger Georg Freiherr von Schoenaich ließ das Oderufer zwischen Beuthen und Schlawa urbar machen, förderte den Obst- und Weinbau. Unter seiner Herrschaftszeit entstand zwischen 1602 und 1609 ein neues Rathaus, der Turm der Stephanskirche wurde erhöht, das Georgenhospital errichtet sowie eine Brücke über die Oder und der erste Oderdamm, der Schoenaichdamm, entstanden. 1601 begründete Freiherr von Schoenaich eine Hochschule. Die Universität, das Gymnasium academicum, umfasste 12 Lehrstühle, unter anderem für Theologie, Recht und Astronomie. 1616 wurde eine Stadtbefestigungsanlage mit drei Stadttoren nach Plänen des Festungsbaumeisters Andreas Hindenberger errichtet. Mit Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges und dem Tod des schlesischen Kanzlers Georg von Schoenaich im Jahre 1619 war es mit der Blüte der Stadt vorbei.

Im Dezember 1620 war Beuthen Station des „Winterkönigs“ Friedrich V. auf seiner Flucht aus Böhmen. Mit der Besetzung der Stadt durch die Liechtensteiner erfolgte 1628 die Rekatholisierung, und die als calvinistisch geltende Universität wurde durch Kaiser Ferdinand II. geschlossen. 1639 errichtete der schwedische General Stalhansch sein Hauptquartier in der Stadt. 1653 verfügte Kaiser Ferdinand III. die Übergabe der evangelischen Hospitalkapelle, der Stephanskirche und des Hospitals an die Katholiken.

Dem Stadtbrand von 1694 fielen unter anderem das Universitätsgebäude, das Rathaus und das Hospital zum Opfer. Nach der Besetzung Schlesiens durch Preußen entstanden Evangelische Schule und Bethaus neu. Beuthen wurde von 1766–1884 zur Garnisonsstadt. 1871 erfolgte der Anschluss an die Eisenbahn zwischen Breslau und Stettin bzw. Berlin. Ab 1884 entstand um Beuthen Braunkohlentagebau. Haupterwerb der Einwohner waren Ackerbau, Handel und Schifffahrt. 1907 wurde eine neue Brücke über die Oder errichtet.

1932 erfolgte eine Gebietsreform, die zur Folge hatte, dass Beuthen nicht mehr zum Landkreis Freystadt, sondern fortan zum Landkreis Glogau gehörte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt fast zur Hälfte zerstört; seine deutschen Bewohner wurden nach 1945 vertrieben. 1967 zerstörte ein Brand die Bürgerhäuser am Markt (Rynek), die nach 1970 wieder aufgebaut wurden. Vom großen Oderhochwasser im Jahre 1997 war Bytom Odrzański stark betroffen.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Barockes Rathaus mit Turm von 1602–1609, nach dem Brand von 1694 wieder aufgebaut
  • Katholische Stephanskirche von 1584–1586
  • Ehemaliges evangelisches Bethaus mit Turmanbau von 1861 (heute als Speicher genutzt)
  • Markt mit klassizistischen und barocken Bürgerhäusern

Einwohnerzahlen[Bearbeiten]

  • 1787: 2261 | 1825: 2557 | 1905: 3033 | 1939: 3176 | 1961: 2457 | 1970: 3049 | 2003: 4400

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Martin Opitz, verfasste 1617 während des Studiums hier seine berühmte Schrift Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae
  • Jochen Klepper (1903–1942), deutscher Dichter, geboren in Beuthen

Gemeinde[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde umfasst eine Fläche von 53 km² mit 5.450 Einwohnern. Zu ihr gehören neben der Stadt Bytom Odrzański folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945)[3] mit Schulzenamt (sołectwo):

  • Bodzów (Bösau, 1937–1945 Friedrichslager)
  • Bonów (Baunau)
  • Bycz (Beitsch, 1937–1945 Hangwalde)
  • Bytom Odrzański (Beuthen an der Oder) - Stadt
  • Drogomil (Nenkersdorf)
  • Królikowice (Krolkwitz, 1937–1945 Weißfurt)
  • Małaszowice (Malschwitz, 1937–1945 Wiesenberge)
  • Popowo (Poppe)
  • Tarnów Bycki (Deutsch Tarnau)
  • Wierzbnice (Dreidorf)

Weiterhin gibt es folgende Ortschaften ohne Schulzenamt: Kropiwnik, Sobolice (Zöbelwitz, 1937–1945 Zöbeln)

Verweise[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bytom Odrzański – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 3. Juli 2014.
  2. vgl. Codex Diplomaticus Silesiae, Bd. 7, 1886, Nr. 2543; Bd. 16, 1892, Nr. 2700, 3437, 3446.
  3. Das Genealogische Orts-Verzeichnis