Pößneck

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Pößneck
Pößneck
Deutschlandkarte, Position der Stadt Pößneck hervorgehoben
50.69388888888911.594444444444220Koordinaten: 50° 42′ N, 11° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Orla-Kreis
Höhe: 220 m ü. NHN
Fläche: 24,45 km²
Einwohner: 12.214 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 500 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07381
Vorwahl: 03647
Kfz-Kennzeichen: SOK, LBS, PN, SCZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 75 085
Stadtgliederung: Kernstadt; 5 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Neustädter Straße 1
07381 Pößneck
Webpräsenz: www.poessneck.de
Bürgermeister: Michael Modde
Lage der Stadt Pößneck im Saale-Orla-Kreis
Bad Lobenstein Birkenhügel Blankenberg Blankenstein Bodelwitz Bucha Burgk Dittersdorf Crispendorf Dittersdorf Dittersdorf Döbritz Dreba Dreitzsch Eßbach Gefell Geroda Keila Görkwitz Göschitz Gössitz Grobengereuth Harra Hirschberg (Saale) Gertewitz Kirschkau Knau Kospoda Krölpa Langenorla Lausnitz Lemnitz Linda bei Neustadt an der Orla Löhma Miesitz Mittelpöllnitz Moßbach Moxa Neundorf (bei Lobenstein) Neundorf (bei Schleiz) Neustadt an der Orla Neustadt an der Orla Nimritz Oberoppurg Oettersdorf Oppurg Paska Peuschen Plothen Pörmitz Pößneck Pottiga Quaschwitz Ranis Remptendorf Rosendorf Saalburg-Ebersdorf Schlegel Schleiz Schmieritz Schmorda Schöndorf Seisla Solkwitz Stanau Tanna Tegau Tömmelsdorf Triptis Volkmannsdorf Weira Wernburg Wilhelmsdorf (Saale) Wurzbach Ziegenrück ThüringenKarte
Über dieses Bild
Ehemalige Industriebauten auf dem Gelände der Landesgartenschau
Ehemalige Fabrik, 2006 abgerissen
Gründerzeithaus im Stadtzentrum

Pößneck ist eine Kleinstadt im Saale-Orla-Kreis im östlichen Thüringen.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Pößneck befindet sich in der Orlasenke, einem Tal zwischen dem Thüringer Holzland im Norden und dem Oberland mit den Saalestauseen in Süden. Im Osten berührt die Orla von Neustadt kommend das Stadtgebiet, um von dort nach Norden zu fließen und in Orlamünde in die Saale zu münden. Die Stadt liegt an der B 281 zwischen Neustadt an der Orla im Osten und Saalfeld im Westen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Ortsteile sind Jüdewein (urkundliche Ersterwähnung: Dezember 1074), Köstitz (1350), Schlettwein (Dezember 1074), Öpitz (30. September 1381) und Schweinitz (Dezember 1074).[2]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Direkt angrenzende Gemeinden sind Bodelwitz, Döbritz, Krölpa, Langenorla, Oppurg, Ranis und Wernburg.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Erwähnung fand Pößneck 1252 in einer Saalfelder Klosterurkunde. Als Stadt wurde es zum ersten Mal 1324 bezeichnet. In diesem Jahr wurde Pößneck von Friedrich, dem wettinischen Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen dem Grafen von Schwarzburg als Lehen übergeben. Vor 1348 wurde ein Karmeliterkloster gegründet. 1424 fiel Pößneck wieder an das Haus Wettin zurück. Durch Stadtschreiber wurde 1474 eine umfangreiche Sammlung von Schöffensprüchen angelegt, sie gestattet Einblicke in die Gerichtspraxis und Rechtsprechung der Wettiner im 15. Jahrhundert. 1485 wurde Pößneck durch die Leipziger Teilung der wettinischen Lande der ernestinischen Linie zugeschlagen. 1525 beteiligten sich die Bürger am Bauernkrieg. Seit 1572 gehörte die Stadt zu Sachsen-Coburg, seit 1640 zu Sachsen-Altenburg, seit 1672 zu Sachsen-Gotha und seit 1682 zu Sachsen-Saalfeld. 1826 kam Pößneck zum Herzogtum Sachsen-Meiningen, bei dem es bis zur Gründung des Landes Thüringen am 1. Mai 1920 verblieb.

Pößneck mit Ortsteil Schweinitz war 1543-1629 von Hexenverfolgung betroffen. Zwei Frauen und ein Mann gerieten in Hexenprozesse. Obwohl Elisabeth Mader 1629 kein Geständnis ablegte, wurde sie mit Landesverweis bestraft.[3]

Zwischen 1795 und 1823 machte Goethe auf seinen Reisen in die böhmischen Bäder Karlsbad und Marienbad 18-mal in Pößneck Station.

Als wirtschaftliche Grundlage der Stadt galt nach dem bereits im Mittelalter bedeutenden Gerberhandwerk die Textilfabrikation. Im Pestjahr 1625 verstarben alle 60 Tuchmachermeister, ein enormer wirtschaftlichen Schaden, neben den Zerstörungen und Bedrückungen des Krieges. Die nachfolgenden Tuchmachermeister hielten bis zur französischen Besatzungszeit an den althergebrachten Handwerksbestimungen und Webtechniken fest. Zur Förderung der Textilproduktion wurde von der Regierung 1818 ein Wollmarkt in Pößneck genehmigt. Zwei junge Pößnecker Webermeister Zoeth und Elsholz hatten während ihrer Wanderjahre im sächsischen Großenhain modernste Webstühle und Verfahren kennengelernt und begannen 1825 verbesserte Webstühle in ihren Werkstätten zu verwenden. Die Entrüstung der anderen Weber war enorm und endete in einem Gewaltakt mit Maschinenstürmerei, man befürchtete den Ausbruch eines Weberaufstandes. Ein Hauptproblem des Pößnecker Webergewerbes bildete der durch die Kleinstaaterei bedingte lokale Absatz ihrer Waren, durch Schutzzölle wurden Absatzmärkte in Norddeutschland und Übersee verhindert. Die Pößnecker Textilkaufleute Mittelhäuser und Schmidt übernahmen mit der Gründung des Deutschen Zollvereins den Export der Pößnecker Textilwaren, Hauptabsatzgebiete wurden nun die Schweiz, Österreich-Ungarn und die skandinavischen Länder. Die Pößnecker Weber spezialisierten sich auf die Fertigung von hochwertigem Flanelltuch, vom Produktionsvolumen folgten gefärbte und bedruckte Stoffe. Der Textildruck war 1734 durch eine landesherrliche Genehmigung für eine private Tuchfärberei den Färberzünften der Stadt faktisch entrissen worden, die Zunftmeister protestierten und klagten vergeblich. Ab 1862 begann in Pößneck durch die Einführung der Gewerbefreiheit der industrielle Aufschwung. Die einst mächtige Tuchmacherinnung wurde 1863 aufgelöst. Tuchmacher und Gerber gründeten Fabriken und führten meist auf Kredit finanzierte Dampfmaschinen als moderne Antriebskraft ein. Pößneck entwickelte sich bald zur bedeutendsten Industriestadt im Herzogtum Sachsen-Meiningen. Im Kriegsjahr 1871 wurden in Pößneck 14 große Textilfabriken gezählt, die Arbeitsangebote hatte die Verdopplung der Stadtbevölkerung und einen Bauboom in den Vorstädten zur Folge. Diese Entwicklung wurde durch den Bau der Eisenbahnstrecken durch die Stadt 1871 (Strecke GeraSaalfeld) und 1889 (Strecke Pößneck–Jena) zusätzlich gefördert.

Im Jahr 1891 fand in Pößneck der Gründungskongress der Deutschen Textilarbeitergewerkschaft statt. Die Blütezeit der Pößnecker Textilfabriken ging erst mit der massenhaften Verbreitung der Baumwolltextilien, die preiswerter angeboten wurden, zu Ende. 1924 streikten die Pößnecker Textilarbeiter um den Achtstundentag.

Die Entstehung der Pößnecker Porzellanmanufaktur geht auf einen vermögenden Hofbeamten Conta zurück, er ließ Tafel und figürliches Zierporzellan als Luxuswaren produzierten und setzte hohe Ansprüche an die Qualität der Ware. Contas Fabrik wuchs rasch und hatte in der Blütezeit 400 Mitarbeiter, man belieferte Mitte des 19. Jahrhunderts auch die sachsen-meiningischen Spielwarenhersteller mit Miniaturporzellan und Puppenköpfen. 1853 trat die Eberleinsche Porzellanmanufaktur erstmals in Erscheinung, die aus einer Werkstatt hervorgegangene Manufaktur war auf Vasen und Puppenköpfe spezialisiert. Beide Porzellanmanufakturen benötigten Kartonagen und hölzerne Verpackungskisten sowie Holzwolle, daher entstanden entsprechende Zulieferbetriebe.

Der namhafte Süßwarenhersteller Berggold geht auf ein vom Pößnecker Süßwarenhändler Robert Berger gegründetes Unternehmen zurück, das zunächst Zuckerwaren und Bonbons herstellte. Der Hauptumsatz des Unternehmens wurde mit Kakao und Schokolade erzeugt, auch mit der Herstellung von Zitronat und Orangeat konnte das Unternehmen schon im 19. Jahrhundert eine weitere Produktionslinie eröffnen. 1888 erfolgte die Berufung zum Hoflieferanten des Herzogshauses Sachsen-Meiningen.

Während des Zweiten Weltkriegs waren ausländische Arbeitskräfte aus den besetzten Ländern im Zwangsarbeitslager L bei der Ortschaft Schweinitz am Orlatalhang der REIMAHG untergebracht, die in Kahla und auf dem Kamsdorf-Könitzer Erzfeld für die Rüstungsproduktion Zwangsarbeit verrichten mussten. Außerdem arbeiteten 127 Zwangsarbeitskräfte bei den Firmen Bergner & Weißer, Maihak und Schroth. Auf dem Ehrenfriedhof an der Rudolf-Diesel-Straße (ein NS-Opfer unter den Zeugen Jehovas) wird an 33 Opfer der Zwangsarbeit aus der Sowjetunion sowie an elf KZ-Häftlinge erinnert, die beim Todesmarsch im April 1945 von SS-Mannschaften ermordet wurden. An der Einmündung der Jenaer Straße in die Neustädter Straße erinnert ein 1985 errichteter Todesmarsch-Gedenkstein an alle 67 Opfer aus dem Pößnecker Raum. Ein weiterer Gedenkstein auf dem oberen Friedhof wurde für fünf umgekommene Militärinternierte aus Italien errichtet.[4]

Vom 8. bis 10. April 1945 war Pößneck das Ziel von US-amerikanischen Luftangriffen (USAAF), bei denen 58 Menschen starben.[5]

Der 1891 in Pößneck gegründete Vogel Verlag mit seiner Großdruckerei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht und wurde Parteibetrieb der SED. Als VOB Grafischer Großbetrieb Karl-Marx-Werk wurde der Betrieb zum größten Buchhersteller der DDR. Einen Hauptanteil am Produktionsspektrum hatte der Druck von Schul- und Lehrbüchern, aber auch politische Propagandaliteratur.

1952 wurde Pößneck Kreisstadt des neu gegründeten Kreises Pößneck und blieb es bis zur Eingliederung in den neu gebildeten Saale-Orla-Kreis im Jahre 1994.

1958 kam im Stadtteil Schlettwein ein jüngerbronzezeitlicher Depotfund mit drei Bronzetassen zutage, aber erst 1964 wurde der urgeschichtliche Fund von G. Möbius erkannt.[6]

Am Abend des 22. Oktober 1969 versammelten sich auf dem Pößnecker Marktplatz über 200 Jugendliche, um gegen die zuvor erfolgte, von der SED-Kreisleitung angeordnete Polizeiaktion zu demonstrieren, bei der in mehreren Orten des Kreises Pößneck langhaarige Jugendliche aufgegriffen und anschließend unter Zwang wegen zu langer Haare zu Frisören gebracht wurden. In der Folge kam es zu heftigen Diskussionen in der Bevölkerung mit SED-Funktionären, da man die im Artikel 19 der DDR-Verfassung ausgewiesenen Bürgerrechte verletzt sah.[7]

Am 16. September 1979 flogen die Familien Strelzyk und Wetzel aus Pößneck mit einem selbstgenähten Heißluftballon nachts über die innerdeutsche Grenze und landeten nach 28 Flugminuten und 22 Kilometern (Luftlinie) in einem Feld bei Naila. An Bord befanden sich vier Erwachsene und vier Kinder. Der Original-Ballon ist im Nailaer Museum ausgestellt. 1981 wurde die Flucht von der US-amerikanischen Produktionsfirma Disney verfilmt und kam unter dem Titel Night Crossing (deutsch: Mit dem Wind nach Westen) 1982 in die Kinos der Bundesrepublik Deutschland und anderer Länder.

1983 wurden in der Stadt Teile der Außenaufnahmen des bekannten DDR-Kinderfilms Moritz in der Litfaßsäule gedreht.

Im Jahr 2000 war Pößneck Veranstaltungsort der ersten Thüringer Landesgartenschau. In jenem Jahr fusionierten zudem die Stadtwerke Jena und Pößneck zu den Stadtwerken Energie Jena-Pößneck.

In der jüngeren Vergangenheit machte Pößneck immer wieder Schlagzeilen durch rechtsextremistische Aktivitäten in der Stadt. So kaufte der Rechtsextremist Jürgen Rieger 2003 das Schützenhaus in Pößneck für 360.000 Euro im Namen der Wilhelm Tietjen Stiftung, um dort eine Tagungsstätte einzurichten. Im April 2005 fand der Landesparteitag der NPD in Pößneck statt. Michael Regener, Sänger der Neonazi-Band Landser, gab dort sein Abschiedskonzert vor dem Verbüßen einer mehrjährigen Haftstrafe. Der Rechtsextremist Sascha Jörg Schüler wohnte 2005 einige Monate in Pößneck. Die rechtsextremen Umtriebe führten zu Protesten in der Bevölkerung. Auch durch den Widerstand und die Aufklärung eines Aktionsbündnisses entschied sich die Stadt schließlich, das Schützenhaus zurückzukaufen. Dieser Kauf wurde am 16. Juni 2011 durch den Stadtrat bestätigt.[8]

Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel Ort der Vielfalt.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die Eingemeindungen erfolgten 1892 (Jüdewein), 1919 (Köstitz), 1923 (Schlettwein), 1945 (Öpitz) und 1965 (Schweinitz).

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1960 31. Dezember):

1833 bis 1984

  • 1833: 3.424
  • 1946: 20.247 1
  • 1950: 20.196 2
  • 1960: 19.587
  • 1981: 18.442
  • 1984: 18.045

1994 bis 1999

  • 1994: 15.697
  • 1995: 15.381
  • 1996: 15.149
  • 1997: 14.854
  • 1998: 14.746
  • 1999: 14.565

2000 bis 2005

  • 2000: 14.341
  • 2001: 14.135
  • 2002: 13.954
  • 2003: 13.790
  • 2004: 13.673
  • 2005: 13.446

2006 bis 2011

  • 2006: 13.344
  • 2007: 13.217
  • 2008: 13.080
  • 2009: 12.972
  • 2010: 12.882
  • 2011: 12.351

2012 bis 2017

  • 2012: 12.272
  • 2013: 12.214
Datenquelle ab 1994: Thüringer Landesamt für Statistik

1 29. Oktober
2 31. August

Politik[Bearbeiten]

Rathaus am Markt

Stadtrat[Bearbeiten]

Seit der Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 setzt sich der Stadtrat wie folgt zusammen:

  • FDP/FW: 9 Sitze (39,7 %)
  • CDU: 4 Sitze (17,8 %)
  • Die Linke: 4 Sitze (16,7 %)
  • SPD: 3 Sitze (12,2 %)
  • BIRSO: 3 Sitze (10,7 %)
  • SIP: 1 Sitz (3,0 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 46,9 %.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau ein rotgekrönter goldener Löwe mit roter Zunge und Bewehrung.“

Pößneck führt den schwarzburgischen Löwen in seinem Wappen, seitdem am 13. Juli 1324 Markgraf Friedrich II. der Ernsthafte von Meißen den Grafen Heinrich von Schwarzburg und dessen Sohn Günther mit Peznik, Stat und Hus belehnt hat.[9]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Markt mit Brunnen und Stadtkirche
Gottesackerkirche
Schillerbank
Bank zum Gedenken an Gustav Ortleb

Das Pößnecker Rathaus gehört zu den schönsten spätgotischen Rathäusern Thüringens mit seiner überdachten Freitreppe im Stil der Früh-Renaissance. Erbaut wurde es von 1478 bis 1499. Mit dem Bau der Freitreppe wurde es 1531 endgültig vollendet. Heute befindet sich im Rathausgebäude das Stadtmuseum.

Weitere sehenswerte Bauwerke und Denkmäler sind:

  • Marktplatz mit Marktbrunnen
  • gotische Stadtkirche St. Bartholomäus (Ende 14. Jh. bis 1454/1488)
  • Teile der ehemaligen Stadtbefestigung mit Weißem Turm (Aussichtsturm) und Glockenturm
  • Gottesackerkirche
  • das bereits 1906 im Gelände des Stadtfriedhofs erbaute Krematorium
  • zahlreiche Fabrikantenvillen, erbaut zwischen etwa 1850 und 1930[10]
  • restaurierte Industriebauten mit Shedhalle auf dem Gelände der Landesgartenschau
  • Bilke (Vorratskeller)
  • Gänsediebbrunnen.

Südlich von Pößneck und westlich der Altenburg befinden sich in einem kleinen Waldstück zwei vom Verschönerungsverein Pößneck errichtete Bänke: „Dem Andenken Schillers zum 9. Mai 1905“ und „Seinem langjährigen verdienten Vorsitzenden Herrn Rektor Gustav Ortleb in Dankbarkeit gewidmet vom Verschönerungsverein Pössneck 1919“

Sport[Bearbeiten]

Erfolgreichster Verein der Stadt ist der Fußballverein VfB Pößneck, der von der Saison 2002/03 an 8 Jahre in der Fußball-Oberliga Nordost (Staffel Süd) spielte, dann aber in die sechstklassige Thüringenliga, in der folgenden Saison 2010/11 in die siebtklassige Landesklasse abstieg und in der Saison 2011/12 den nächsten Abstieg in die Kreisoberliga hinnehmen musste. Weitere Sportvereine sind der TSV 1858 Pößneck und der SV Fortuna Pößneck, die mehrere Abteilungen mit verschiedenen Sportarten besitzen, sowie der Tauchclub „Submarin“.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Pößneck ist ein bedeutender Standort der Buchherstellung. Vor der Wende produzierte der Graphische Großbetrieb den Großteil der in der DDR hergestellten Bücher, heute ist die Firma GGP Media, eine Tochter des Bertelsmann-Konzerns, präsent und hat seit den 1990er Jahren immer wieder große Investitionen getätigt. Mit etwa 1100 Mitarbeitern gehörte das Unternehmen 2011 zu den 25 größten in Thüringen. [11] Daneben gibt es die Firma Berggold/Heinerle, die seit 1876 Pralinen und Süßwaren herstellt, und die mittelständische Rosenbrauerei Pößneck.

Vor der Wende war Pößneck mit dem VEB Rotasym ein bedeutender Standort für die Produktion von Wälzlagern. Nachdem das Unternehmen 1988 noch knapp vor der Wende mit neuesten Maschinen ausgerüstet worden war, wurde es 1991 von der FAG-Kugelfischer aus Schweinfurt zu einem Bruchteil des Wertes übernommen. Das Werk wurde schließlich geschlossen, die Maschinen nach Schweinfurt verlagert und 1000 Mitarbeiter entlassen.[12]

Verkehr[Bearbeiten]

Pößneck liegt an den Bahnstrecken Gera Hbf – Weida – Pößneck oberer Bahnhof – Saalfeld (Saale) und Jena – Orlamünde – Pößneck unterer Bahnhof.

Der Ort liegt an der B 281 (Saalfeld – Gera) sowie den Landesstraßen nach Jena, Bad Lobenstein und Ranis. In der Nähe führen die A 4 (bei Jena) und die A 9 (bei Triptis) vorbei.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Bartholomäus Rosinus (* um 1520; † 17. Dezember 1586 in Regensburg), Theologe (evangelisch-lutherisch)
  • Friedrich Widebrand, (* 4. Juli 1532, † 2. Mai 1585 in Heidelberg), evangelischer Theologe
  • Nikolaus Bergner, (16. Jahrhundert), Bildhauer und Baumeister, Schöpfer des Epitaphs für Herzog Johann Friedrich und seine Frau in der Coburger Morizkirche
  • Johann Christian Ezdorf (* 1801, † 1851 in München), Maler und Graphiker, Mitglied der Stockholmer Akademie
  • Robert Diez (* 20. April 1844; † 7. Oktober 1922 in Dresden), Bildhauer, schuf unter anderem die Brunnenanlagen auf dem Albertplatz in Dresden
  • Rudolf Koch (* 19. Oktober 1856; † 27. Oktober 1921 in Frankfurt am Main), Pressezeichner
  • Clara Walther (* 17. Februar 1860; † 9. Juli 1943 in Pullach bei München), Malerin
  • Gustav Richard Fischer (* 28. August 1862; † 13. Mai 1921 in Ilmenau), Unternehmer, Glashüttenbesitzer in Ilmenau
  • Alfred Maul (* 27. November 1870; † 27. August 1942 in Dresden), Ingenieur, Pionier der Luftaufklärung
  • Paul Rieth (* 16. Juni 1871; † 15. Mai 1925 in München), Kunstmaler und Zeichner
  • Franz Huth (* 19. November 1876; † 7. Juni 1970 in Weimar), Maler, bekannt für seine warmen, von Pastelltönen bestimmten Bilder
  • Erich Roßmann (* 10. Januar 1884; † 29. September 1953 in Meran), Politiker (SPD)
  • Kurt Desch (1903-1984 in München), deutscher Verleger
  • Gisela Schertling (* 9. Februar 1922, † 8. November 1994), Mitglied der Weißen Rose, später Kantor-Katechetin
  • Willibald Kimmel (* 18. Juli 1929; † 8. Januar 2011), Politiker (CDU), Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg
  • Konrad Enke (* 23. Juli 1934), Schwimmer
  • Günter Vogel (* 11. Dezember 1934; † 4. Januar 2011 in Erfurt), Arzt und Professor an der Medizinischen Akademie Erfurt (Innere Medizin; Hämostaseologie)
  • Roland Matthes (* 17. November 1950), Schwimmer, erfolgreichster Rückenschwimmer aller Zeiten
  • Volker Emde (* 15. Februar 1964), Politiker (CDU), Landtagsabgeordneter in Thüringen seit 1990
  • Jürgen Querengässer (30. September 1964), Handballspieler
  • Nico Herzig (* 10. Dezember 1983), Fußballspieler
  • Denny Herzig (* 13. November 1984), Fußballspieler
  • Stephanie Milde (* 9. Mai 1988), Fußballspielerin

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Franz Ronneberger (* 15. März 1913 in Auma; † 30. März 1999 in Nürnberg), deutscher Sozialwissenschaftler, ging in Pößneck zur Schule und legte dort sein Abitur ab.
  • Horst Herold (* 21. Oktober 1923 in Sonneberg), Jurist, Präsident des Bundeskriminalamts, wuchs in Pößneck auf.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerd Henniger: Porzellan, Flanell und Leder. Zur Geschichte und Entwicklung der gewerblichen und industriellen Entwicklung der thüringischen Stadt Pößneck 1800 bis 1862. Hrsg. Thüringen, Landesamt für Denkmalpflege. Verlag Rockstuhl, Langensalza 2001, ISBN 3-910166-76-8.
  • Eduard Langguth: Spaziergänge durch die Stadt Pößneck und deren nächste Umgebung. Pößneck 1873. (u. a. mit 4 Falttafeln und Stadtplan)
  • Eva Aymans: Industriekultur in Pößneck. Lebenswelten im 19. und 20. Jahrhundert. Pößneck 2011.
  • Gerd Henniger: Porzellan, Flanell & Leder. Zur Geschichte der gewerblichen und industriellen Entwicklung der thüringischen Stadt Pößneck 1800 - 1862. Erfurt 2001.
  • Friedrich Hermann Hausotter: Geschichte der Stadt Pößneck. Pößneck 1902.
  • Ernst Koch: Beiträge zur urkundlichen Geschichte der Stadt Pößneck. Pößneck 1896.
  • Pößnecker Heimatblätter (ab 1995)[13]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pößneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Pößneck – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 135, 151, 250, 213, 259.
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 244.
  4. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945. Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 226f. (Heimatgeschichtliche Wegweiser, Band 8, Thüringen)
  5. Günter Sagan: Ostthüringen im Bombenkrieg 1939-1945. Michael-Imhof-Verlag, Petersberg 2013. S. 187. ISBN 978-3-86568-636-7
  6. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 231.
  7.  Hans-Walter Enkelmann: Die Haarschneideaktion von 1969 (in Pößneck). In: Landeszentrale für politische Bildung Thüringen (Hrsg.): Blätter zur Landeskunde. Druckerei Sömmerda, Erfurt 2000, S. 8.
  8. Marius Koity: Stadtrat von Pößneck billigt Schützenhaus-Rückkauf einstimmig. In: Ostthüringer Zeitung, 17. Juni 2011.
  9. Arbeitsgemeinschaft Thüringen e.V. (Hrsg.): Neues Thüringer Wappenbuch. Band 2. 1998, ISBN 3-9804487-2-X, S. 42.
  10. die Villen ausführlich behandelt in: Eva Aymans: Industriekultur in Pößneck. Lebenswelten im 19. und 20. Jahrhundert. Pößneck 2011.
  11. https://www.helaba.de/de/DieHelaba/MaerkteUndAnalysen/ResearchUndVolkswirtschaft/Hessen-Thueringen/Downloads/20110913-groesstenThueringen.pdf
  12. http://rotasym.prof-franz-huth-schule.de/index.php?option=com_content&view=article&id=52:rotasym&catid=35:rotasym&Itemid=61
  13. Inhaltsübersicht PDF