Carlo Giuliani

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Carlo Giuliani (* 14. März 1978 in Rom; † 20. Juli 2001 in Genua) war ein italienischer Demonstrant und Sohn der Politikerin Haidi Giuliani. Während einer Straßenschlacht im Rahmen der Proteste gegen den G8-Gipfel in Genua 2001, wurde er bei einem Angriff auf einen Carabinieri-Geländewagen von einem darin befindlichen Carabiniere erschossen.

Todesumstände[Bearbeiten]

Im Verlauf von Ausschreitungen, die sich an eine Demonstration von Globalisierungskritikern gegen den G8-Gipfel in Genua anschlossen, wurde auf der Piazza Gaetano Alimonda ein Polizeiwagen von Demonstranten mit Holzbalken, Feuerlöschern und anderen Gegenständen attackiert. Als einer der Polizisten mit seiner Pistole aus dem von Demonstranten eingeschlagenen Rückfenster zielte, flüchteten mehrere der Angreifer. Carlo Giuliani, der ebenfalls zu einer Gruppe von gewaltbereiten Demonstranten gehörte und mit einer Sturmhaube vermummt war, bewegte sich in diesem Augenblick mit einem Feuerlöscher, welchen er mit beiden Händen über seinen Kopf hielt, auf das Polizeifahrzeug zu.[1][2][3] Von zwei abgegebenen Schüssen traf eine Kugel Giuliani in den Kopf.[4] Giuliani stürzte knapp hinter dem Fahrzeug zu Boden, welches ihn dann sowohl beim Zurücksetzen als auch beim Wegfahren überrollte.[5]

Die Geschehnisse wurden in der Presse vor allem durch die Verwendung von Fotos transportiert, die ein Fotograf mit einem Teleobjektiv aufgenommen hatte. Diese Fotos erwecken den Eindruck, Giuliani stünde unbewegt weniger als einen halben Meter von dem Polizeigeländewagen entfernt und halte den Feuerlöscher auf Brusthöhe. Ein anderes Bild, das zeitgleich von einer anderen Position aufgenommen wurde, lässt hingegen den Schluss zu, dass der Geländewagen zwischen Giuliani und einer Mülltonne eingekeilt war und sich Guiliani etwa vier Meter von dem Fahrzeug entfernt mit dem hoch gehaltenen Feuerlöscher auf das Fahrzeug zubewegte.[6]

Der Polizist berief sich auf Notwehr, da er sich vor dem mit dem Feuerlöscher angreifenden Giuliani habe schützen müssen. Das Strafverfahren gegen den Carabinieri wurde im Mai 2003 eingestellt. Die Richterin berief sich auf ein ballistisches Gutachten, demzufolge der Schuss, der Giuliani getötet hat, in die Luft abgegeben wurde, von einem Stein abprallte und erst deshalb Giuliani tödlich getroffen habe. Teile der globalisierungskritischen Bewegung und Giulianis Eltern bezweifeln diese Darstellung und verweisen auf Videoaufzeichnungen, die nahelegen, dass der Schütze unmittelbar vor den Schüssen waagrecht direkt auf die Angreifer zielte.[7] Ein unabhängiges Gutachten lieferte zudem das Resultat, dass die zwei abgegebenen Schüsse aus zwei verschiedenen Waffen stammten.

Der Vater von Carlo Giuliani sagte über die Ermittlungen: „Mein Sohn ist ermordet worden und das war nicht eine Einzelperson, sondern der Staat. Aber wahrscheinlich werden die Ermittlungen zu dem Ergebnis kommen, dass Carlo Selbstmord verübt hat, während die Polizei gleichzeitig ein Tontaubenschießen auf dem Platz veranstaltete.[8] Die Klage der Eltern und einer Schwester Giulianis vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde am 25. August 2009 abgewiesen.[9]

Der Film „Was passierte auf der Piazza Alimonda?“[10] stellt anhand einer Neuauswertung des Bild- und Videomaterials, die Minuten beziehungsweise Sekunden der Geschehnisse aus der Sicht des Vaters des Erschossenen dar.

Musik[Bearbeiten]

Der Tod Giulianis wurde in verschiedenster Form musikalisch verarbeitet:

  • Die spanische Ska-Band Ska-P verarbeitet in ihrem Anti-Globalisierungslied „Solamente Por Pensar“ den Tod Carlo Giulianis und fordert auch regelmäßig auf ihren Konzerten beim Spielen dieses Liedes (bei Konzerten in Italien wird die italienische Version „Solamente per pensare“ gesungen) „Justicia para Carlo Giuliani!“ („Gerechtigkeit für Carlo Giuliani!“)
  • Ebenfalls ist das Lied „Rabbia dentro il cuore“ der Los Fastidios Carlo Giuliani gewidmet
  • Die Heidelberger Band Irie Révoltés widmet Carlo Giuliani eine Strophe ihres Liedes „Resistencia“
  • Auch die englische Pop-Band Chumbawamba hat ihm ein Lied in der Version des volkstümlichen Liedes Bella Ciao geschrieben
  • Die Band Petrograd schrieb das Lied „July 20th“ und produzierte dazu ein Musikvideo.[11]
  • Die englische Punkband Conflict produzierte zu ihrem Song „Carlo Giuliani“ ein Video[12]
  • Ebenfalls schrieb die italienische Punkband Klasse Kriminale einen Song für ihn
  • Die deutsche Gruppe Rotes Haus widmete ihm den Song „Limo“
  • Im Mai 2007 nahm die Gruppe Projekt Gegengift den Song „Genua“ auf, der die Ereignisse von 2001 verarbeitet und gleichzeitig Kritik an G8 und Kapitalismus übt
  • Die italienische Band Modena City Ramblers befasst sich im Lied „La legge giusta“ über die Ereignisse, die zum Tode von Carlo Giuliani geführt haben
  • Auch die amerikanische Hardcore-Punk-Band Behind Enemy Lines widmete Giuliani mit „Murder at the G8 Summit“ ein Lied
  • In dem Lied „Relationen“ von dem deutschen Rapper Albino geht es um Carlo Giuliani
  • Die griechische Hip Hop Crew Javaspa hat ebenso ein Lied für Carlo Giuliani kreiert
  • Casa del Vento eine italienische Folk-Gruppe veröffentlichte auf ihrem Album "Genova chiama" die Nummer "La canzone di Carlo"
  • Die Band Die Bandbreite spricht in ihrem Lied "Die Welt ist schön" den Tod Guilianis an
  • Die türkische Band Bandista thematisiert in der ersten Strophe ihres Stücks "Hiçbir Şeyin Şarkısı" (Das Lied vom Nichts) den Tod von Carlo mit den Textzeilen: "In einer Gosse da liegt er, seine Genossen nehmen die Stadt auseinander. Carlo wird auferstehen und euch zur Rechenschaft ziehen. Die Sonne, die Sonne wird wieder aufgehn."
  • Die Band Früchte des Zorns spielt auf dem Album "zwischen leben und überleben" in ihrem Lied "Die Welt dreht in ihren Fugen" in einer Textzeile auf den Tod Carlo Giulianis an: "und einer der liegt jetzt am Boden tot, und die Wände voller Blut", am Anfang des Lieds werden Originaltondokumente von Augenzeugen und Opfern der Polizeigewalt eingespielt
  • Der Rapper Marcello erwähnte den Namen in einer Zeile des Tracks "System"
  • In dem Track "Befehlsempfänger", von Mc_Geiver ft. Straight Jonez, wird der Tod von Carlo Giuliani angesprochen. Außerdem werden noch weitere Opfer von Polizeigewalt genannt.

Reaktionen[Bearbeiten]

Nebst verschiedener, in der Autonomen Szene als "Direkte Aktionen" betitelte Angriffe gegen verschiedene Institutionen und Firmen in Europa, fanden auch, vermehrt am Jahrestag der Tötung, in Deutschland immer wieder unangemeldete Demonstrationen im Zusammenhang mit Carlo Giuliani statt.[13] 10 Jahre nach dem Tod Giulianis wurde von Aktivisten symbolisch der "Carlo Giuliani Park" in Berlin-Kreuzberg eröffnet.[14]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Taz: „Es war Rache“
  2. Kurier: „Ein Tag wie im Krieg“
  3. Die Welt: Tödliche Begegnung zweier Idealisten
  4. NTV: Todesschüsse bei G8 in Genua
  5. Vgl. Zehn Jahre vor Gericht jungle-world.com vom 14. Juli 2011
  6. Besagtes Bild II
  7. Die Tageszeitung: Carlos Familie klagt an (6. Dezember 2006)
  8. Dario Azzellini: Wer erschoss Carlo Giuliani? Telepolis, 20. Juli 2002
  9. Indymedia: Carlo Giuliani: EGMR spricht Italien frei (24. März 2011)
  10. Film „Was passierte auf der Piazza Alimonda?“
  11. Musikvideo „July 20th“
  12. Video „Carlo Giuliani“
  13. Blog für Carlo Giuliani
  14. genovalibera: Symbolische Parkeröffnung abgerufen am 29. Dezember 2012