Cavergno

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Cavergno
Wappen von Cavergno
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Vallemaggiaw
Kreis: Kreis Rovana
Gemeinde: Cevioi2
Postleitzahl: 6690
Koordinaten: 689423 / 13198746.3333288.599995459Koordinaten: 46° 20′ 0″ N, 8° 36′ 0″ O; CH1903: 689423 / 131987
Höhe: 459 m ü. M.
Fläche: 54.79 km²
Einwohner: 492 (31. Dezember 2005)
Einwohnerdichte: 9 Einw. pro km²
Karte
Cavergno (Schweiz)
Cavergno
www
Gemeindestand vor der Fusion am 22. Oktober 2006
Foroglio

Cavergno war bis zum 22. Oktober 2006 eine politische Gemeinde im Kreis Rovana, im Bezirk Vallemaggia des Kantons Tessin in der Schweiz.

Geographie[Bearbeiten]

Cavergno liegt 29 km nordwestlich von Locarno im Maggiatal. Der Ort liegt am Zusammenschluss des Val Bavona und des Val Lavizzara. Vom ehemaligen Gemeindegebiet von beinahe 55 km² besteht der Grossteil aus Gebirge und Gewässern (60,5 %). Weitere 31,3 % des Areals bedecken Wald und Gehölz. Bloss 7,5 % (im Talgrund des Val Bavona) können landwirtschaftlich genutzt werden. Ein Bruchteil von 0,7 % sind Siedlungsfläche.

Zur ehemaligen Gemeinde gehörten elf der zwölf Weiler (Terre) des Bavonatal (von Süden nach Norden): «Mondada», «Fontana», «Alnedo», «Sabbione», «Ritort» (Ritorto), «Foroglio»,[1] «Rosed» (Roseto), «Fontanelada» (Fontanellata), «Faed» (Faedo), «Bolla», «Sonlèrt» (Sonlerto).

Geschichte[Bearbeiten]

Am 22. Oktober 2006 hat Cavergno mit Bignasco und Cevio zur Gemeinde Cevio fusioniert. Die schon per 23. Januar 2005 geplante Fusion musste zurückgestellt werden, da noch eine Klage vor Bundesgericht hängig war.[2] Im April 2006 wurde die Beschwerde der Gemeinde Bignasco gegen die Zwangsfusion durch das Bundesgericht abgewiesen.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Wegen der eingeschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten setzte bereits im 17. Jahrhundert eine erste Auswanderungswelle, nach Italien, ein. Die grosse Abwanderung folgte im 18. und vor allem im 19. Jahrhundert. Vorerst nach Europa (Holland und Ungarn), später nach Australien. Von 1801 bis 1850 stieg die Einwohnerzahl noch an (1801-1850: +8,9 %). Bis 1920 sank sie dann durch Abwanderung nach Übersee und in die Industriegebiete des Kantons Tessin stark (1850-1920: -21,1 %). Doch war die Zahl der Emigranten im Vergleich zu anderen Gemeinden des Maggiatals vergleichsweise gering. Hauptgrund war der frühzeitige Aufbau von Arbeitsmöglichkeiten in Steinbrüchen. Bis 1970 wuchs die Bevölkerung auf einen neuen Höchststand an (1920-1970: +42,3 %), bedingt durch den Bau von Wasserkraftwerken. Seither ist ein leichter Bevölkerungsrückgang eingetreten (1970-2004: -4,9 %), der bereits wieder aufgehört hat.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner
1801 418
1850 455
1900 388
1920 359
1970 511
2000 468
2004 486

Sprachen[Bearbeiten]

Die Einheimischen sprechen eine sehr eigene italienische Mundart. Die grosse Mehrheit der Bewohner spricht Italienisch als Hauptsprache. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2000 waren es 92,74 % der Einwohner. Daneben gaben 2,99 % Deutsch und 1,92 % Serbokroatisch als Hauptsprache an.

Religionen – Konfessionen[Bearbeiten]

In früheren Zeiten gehörte die gesamte Einwohnerschaft der Römisch-Katholischen Kirche an. Durch Zuwanderung aus anderen Regionen der Schweiz und dem Ausland sowie Kirchenaustritten hat sich dies geändert. Heute (Stand 2000) sind 86,75 % römisch-katholische und 2,35 % evangelisch-reformierte Christen. Daneben findet man 5,34 % Konfessionslose und 2,14 % Muslime. Die Muslime sind fast alle Zuwanderer aus Bosnien-Herzegowina. 3,42 % der Einwohner verweigerten die Angabe ihres Glaubensbekenntnisses.

Herkunft – Nationalität[Bearbeiten]

Von den Ende 2004 486 Bewohnern waren 460 (=94,65 %) Schweizer Staatsbürger. Bei der letzten Volkszählung waren 93,16 % Schweizer Bürger (unter ihnen sieben Doppelbürger). Die grössten Einwanderergruppen kommen aus Italien, Bosnien-Herzegowina und aus Serbien-Montenegro.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat besteht aus fünf Personen. Diese sind:

  • Alfredo Martini (Gemeindepräsident)
  • Renato Lampert (Vizepräsident)
  • Remy Dalessi
  • Romano Dalessi
  • Marcello Tonini

Ortsbürgergemeinde[Bearbeiten]

  • Präsident: Andrea Dalessi

Wirtschaft[Bearbeiten]

Früher lebten die Bauern von der Viehzucht (vor allem Ziegen und Schafe) und vom Ackerbau. Durch die begrenzte Ackerfläche wanderten bereits in früheren Jahrhunderten junge Leute als Saisonarbeiter nach Holland aus. Im 19. Jahrhundert folgte eine Massenauswanderung nach Kalifornien. Noch 1970 arbeitete eine knappe Mehrheit der Erwerbstätigen in der eigenen Gemeinde. Heute (Stand 2000) arbeiten von den 179 Erwerbstätigen nur noch 58 (=32,4 %) in der eigenen Gemeinde. Von den 121 Wegpendlern arbeitet beinahe die Hälfte (52 Personen) ausserhalb des Maggiatals in Locarno, Losone und Ascona. Cavergno bietet 85 Arbeitsplätze, von denen 58 durch Einheimische besetzt sind. Die Landwirtschaft ist nicht mehr von Bedeutung. Über 90 % der Erwerbstätigen sind mittlerweile in Industrie, Gewerbe und Dienstleistungsberufen tätig.

Verkehr[Bearbeiten]

Cavergno ist mittels der Postautolinien Bignasco-San Carlo und Bignasco-Peccia-Fusio - vor allem aber der Linie 10 der FART Locarno-Bignasco-Cavergno - ans Netz des Öffentlichen Verkehrs angeschlossen.

Der Grossteil der Bevölkerung benutzt aber private Verkehrsmittel, da die Strasse nach Locarno wintersicher ist.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Familie Balli[3][4]
  • Valentino Alessandro Balli (* 9. Oktober 1796 in Cavergno (heute Gemeinde Cevio); † 8. September 1863 in Locarno), Politiker, Grossrat, Nationalrat[5]
  • Giuseppe Zan Zanini (1794-1869), Bergbauer, Maurer, Straßenbauer[6]
  • Francesco Balli (* 20. September 1852 in Locarno; † 21. Dezember 1924 ebenda), Politiker, Grossrat, Nationalrat, Ständerat[7]
  • Federico Balli (* 18. März 1854 in Locarno; † 21. August 1889 in Cavergno), Schriftsteller, Politiker, Grossrat[8]
  • Emilio Balli (* 27. April 1855 in Locarno; † 29. November 1934 ebenda), Gründer und Direktor des Museum di archeologia e storia naturale in Locarno, Grossrat[9]
  • Emilio Zanini (* 10. Dezember 1866 in Cavergno; † 28. Mai 1922 in Locarno), Erzähler, seine Eigenschöpfung ist "La mort dlu marì" (1897, Der Tod des Gatten). Carlo Salvioni publizierte im "Archivio glottologico italiano" eine Studie zu dessen Texten[10].
  • Giuseppe Martini (1922–2007), Lehrer, Maler[11]
  • Plinio Martini (* 4. August 1923 in Cavergno; † 6. August 1979 ebenda), Schriftsteller[12]
  • Alessandro Martini (* 1947), Romanist, Professor an der Universität Freiburg (Schweiz)[13]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Pfarrkirche Sant'Antonio da Padova[14][15]
  • Beinhaus[16]
  • Oratorium San Luigi Gonzaga, erbaut (1883/1884)[14][17]
  • Oratorium Beata Vergine Maria im Ortsteil «Foroglio»[18]
  • Oratorium Santa Maria delle Grazie im Ortsteil «Gannariente»[19]
  • Betkapelle Madonna di Fatima[20]
  • Betkapelle di Scala[21]
  • Betkapelle Madonna Pellegrina[22]
  • Betkapelle San Francesco[23]
  • Alte Häuser im Ortsteil «Presa», (1280) und 16. Jahrhundert, aber schon verlassen im 18. Jahrhundert[14]
  • Maggia-Kraftwerke[24]
  • Getreidespeicher[25]
  • Steinbrunnen und Waschanlage[26]
  • Doppel Steinbrunnen genannt Bron d’la Müfa[27]
  • Steinbrunnen[28]
  • Steinbrücke über Calneggia[29]

Der regionale Weitwanderweg Sentiero Cristallina (als Wanderroute Nr. 59 ausgeschildert) führt über 41 km in drei Etappen von Airolo (Bedrettotal) nach Bignasco oder umgekehrt. Der Weg verläuft auf der Teilstrecke von Foroglio nach Mondada auf dem gut beschilderten Transhumanz-Themenweg (Percorso della Transumanza).

Wiese über Block
Häuser von Foroglio

Literatur[Bearbeiten]

  • Giovanni Bianconi: Vallemaggia. Edizioni L.E.M.A., Agno 1969.
  • Martino Signorelli: Storia della Valmaggia. Tipografia Stazione SA, Locarno 1972.
  • Bernhard Anderes: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. Edizioni Trelingue, Porza-Lugano 1980, S. 179-182, 188, 194.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.
  • Luciano Vaccaro, Giuseppe Chiesi, Fabrizio Panzera: Terre del Ticino. Diocesi di Lugano. Editrice La Scuola, Brescia 2003, S. 272, 407.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, S. 237, 238, 247-252, 254, 255, 258, 262, 398.
  • Luigi Martini: Transhumanz und Alpwirtschaft im Val Bavona. Edition Stiftung Val Bavona.
  • Giuseppe Brenna: Giuseppe Zan Zanini und das Val di Foiòi (Val Bavona). Salvioni Edizioni, Bellinzona 2010.
  • Giuseppe Brenna und Luigi Martini: Alpi di Val Bavona, Informazioni storiche e itinerari. Salvioni Edizioni, Bellinzona e Armando Dadò, Locarno 2011, ISBN 978-88-7967-289-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cavergno – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Foroglio
  2. Bundesamt für Statistik: Angekündigte Änderungen seit der Mutationsmeldung Nr. 81 zum Amtlichen Gemeindeverzeichnis der Schweiz, Ausgabe 20. Januar 2006
  3. Daniela Pauli Falconi: Familie Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  4. Familie Balli
  5. Pablo Crivelli: Valentino Alessandro Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  6. Giuseppe Zan Zanini
  7. Fabrizio Panzera: Francesco Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  8. Chiara Orelli: Federico Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  9. Carlo Agliati: Emilio Balli im Historischen Lexikon der Schweiz
  10. Stefano Barelli: Emilio Zanini im Historischen Lexikon der Schweiz
  11. Giuseppe Martini
  12. Plinio Martini auf rsi.ch/scrittori
  13. Alessandro Martini
  14. a b c Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 247–252.
  15. Pfarrkirche Sant'Antonio da Padova (Foto)
  16. Beinhaus (Foto)
  17. Oratorium San Luigi Gonzaga (Foto)
  18. Oratorium Beata Vergine Maria (Foto)
  19. Oratorium Santa Maria delle Grazie (Foto)
  20. Betkapelle Madonna di Fatima (Foto)
  21. Betkapelle di Scala (Foto)
  22. Betkapelle Madonna Pellegrina (Foto)
  23. Betkapelle San Francesco (Foto)
  24. Maggia-Kraftwerke
  25. Getreidespeicher (Foto)
  26. Steinbrunnen und Waschanlage (Foto)
  27. Doppel Steinbrunnen genannt Bron d’la Müfa (Foto)
  28. Steinbrunnen (Foto)
  29. Steinbrücke über Calneggia (Foto)