Charlotte Perriand

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Siège pivotant (1927), Musée des Arts Décoratifs, Paris

Charlotte Perriand (* 24. Oktober 1903 in Paris; † 27. Oktober 1999) war eine französische Architektin und Designerin.

Anfänge[Bearbeiten]

Perriand studierte von 1921 bis 1925 Innenarchitektur an der von Henri Rapin geleiteten Kunstgewerbeschule Union Centrale des Arts Décoratifs in Paris. Nach Ende des Studiums bricht sie mit dem traditionellen Kunstgewerbe und beginnt Möbel zu entwerfen. Aufsehen erregt ihre vollständig aus vernickeltem Kupfer und eloxiertem Aluminium konstruierte "Bar sous le toit" ("Bar unterm Dach"), die sie für ihr eigenes Studio entwarf und die auf der Ausstellung Salon d´Automne im Jahr 1927 ausgestellt wurde. Im gleichen Jahr, im Alter von 24 Jahren, begann ihre zehn Jahre währende Mitarbeit an sämtlichen Möbel- und Interiordesign-Projekten im Atelier von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in der Pariser Rue de Sèvres 35. Zur gleichen Zeit begann Charlotte Perriand sich auch der Fotografie zu widmen.[1] Im März 1937 verließ sie das Studio Le Corbusier-Jeanneret, arbeitete jedoch auch danach intensiv an einzelnen Projekten der beiden mit, so z.B. an der Innenausstattung der Unité d'Habitation in Marseille (1947–1950).

Politisches Engagement[Bearbeiten]

1931 beginnt Charlotte Perriand sich politisch zu engagieren und tritt der KP-nahen Association des Écrivains et Artistes Révolutionnaires (AEAR) bei. Mitglieder sind u.a. André Gide und André Malraux. Reisen führen sie nach Deutschland, in die Sowjetunion und nach Griechenland, wo sie 1933 am Kongress des Architektenverbandes CIAM teilnimmt. Sie gehörte 1937 zur Vorbereitungsgruppe des CIAM-Kongresses in Paris. Im selben Jahr gestaltet sie mit Fernand Leger die grafische Präsentation des Agrarprogramms der französischen Volksfront-Regierung.[2] Als Reaktion auf den Hitler-Stalin-Pakt verlässt sie 1939 die Kommunistische Partei Frankreichs.

Asienaufenthalt[Bearbeiten]

1940 reiste Charlotte Perriand auf Einladung des japanischen Ministeriums für Handel und Industrie nach Japan. Ihr Aufenthalt hat einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklung des japanischen Designs. Ihr Assistent in Japan war der Designer Sori Yanagi. Aber auch Perriands Entwürfe veränderten sich nun und nahmen Einflüsse des japanischen Handwerks auf. Zudem verwendete sie beispielsweise Bambus für ihre Möbel. Sie organisierte Ausstellungen und bekam Aufträge in Indochina, wo sie 1943 bis 1946 verschiedene Aktivitäten zur Ausbildung von Kunsthandwerkern koordiniert und als Architektin tätig war.

1946 kehrte sie zurück nach Paris und arbeitete erneut mit Le Corbusier, Pierre Jeanneret und mit Jean Prouvé zusammen, in dessen Werkstatt in Nancy ihre Möbelentwürfe realisiert wurden. Neben privaten Auftraggebern, dem Vertrieb von Möbeln über die Pariser Galerie Steph Simon (ab 1956) waren es vor allem Projekte für staatliche Institutionen und Unternehmen wie Air France, die bei ihr Möbel und Einrichtungen in Auftrag gaben. Viele Projekte wie etwa die Einrichtung von 2000 Studentenappartements in Antony (Hauts-de-Seine) bei Paris (mit Jean Prouvé) lassen zudem ihr soziales Engagement erkennen. Ende der 1960er Jahre beteiligt sie sich am Entwurf von Hotels und Wohnungen in den französischen Alpen, bekannt unter dem Namen, Les Arcs[3],[4]

Wirkung[Bearbeiten]

Heute werden ihre Möbel vor allem als hochwertige Sammlungsgegenstände begriffen. Da es sich nicht um Produkte im herkömmlichen Sinn handelt, die von Möbelherstellern in großen Stückzahlen gefertigt wurden, sondern um Kleinserien-Objekte, die oft für bestimmte architektonische Projekte gedacht waren, hat sich ein Markt für Perriand-Möbel entwickelt. Ein Bücherregal des "Typ Plots" aus der Sammlung Serge und Gin Mouille erzielte beim Auktionshaus Artcurial am 15. Mai 2012 einen Verkaufswert von rund 286.000 Euro. Tische und kleinere Regale von Charlotte Perriand erzielen üblicherweise bei Auktionen mindestens fünfstellig Summen. In einer der wenigen deutschsprachigen Veröffentlichungen (über ihre Notizbücher aus der Zeit bei Le Corbusier und Pierre Jeanneret) findet sich ein Aufsatz "Zwischen Luxus und Akese", der die Bandbreite des Schaffens von Perriand umreißt: Einerseits steht sich mit den von ihr mitgeschaffenen LC-Möbeln für einen teueren zeitgenössischen Einrichtungsstil, doch ihre Absichten zielten auf eine Verbesserung der Wohnverhältnisse breiter Schichten.

In den letzten Jahren widmeten sich etliche Ausstellungen dem Leben und Werk von Charlotte Perriand, viele Buchpublikationen dokumentieren die Arbeit einer der wichtigsten Persönlichkeiten der gestalterischen Moderne.

Neben Möbeln, die Charlotte Perriand mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret entwarf, hat der italienische Hersteller Cassina in den letzten Jahren etliche ihrer Möbelentwürfe wieder aufgelegt.[5] Auch ihr (zu Lebzeiten unrealisiertes) Projekt einer Berghütte aus Aluminium und Holz hat Cassina realisiert.

Werk (in Auswahl)[Bearbeiten]

Architektur

  • eigenes Chalet in Méribel, Frankreich, 1960
  • Les Arcs, Bourg-Saint-Maurice, Frankreich, 1968–1978

Innenarchitektur

  • Neugestaltung Versammlungsräume Vereinte Nationen, Genf 1957-1970
  • Air France-Büro, London, 1957
  • Air France-Büro, Tokio und Paris, Rue Scribe, 1959

Möbel

  • "Ospite", stufenlos verlängerbarer Tisch mit beweglichen Lamellen, 1927 (2009 neu aufgelegt)
  • "Riflesso", Regalsystem mit reflektierenden Metallschiebetüren, 1939 (1999 neu aufgelegt)
  • "Tokyo", Liege aus Bambus, 1940 als neue Interpretation der von Le Corbusier, Pierre Jeanneret und ihr 1928 gestalteten Stahlrohrliege (2011 neu aufgelegt)
  • "Ombra", Sessel, 1953 (1999 neu aufgelegt)
  • "Ombra", Stuhl stapelbar 1954 (2009 neu aufgelegt)
  • "Nuage", Bibliothèque, Regal 1957 (2012 neu aufgelegt)
  • "Ventaglio", Tisch aus Holz mit parallel und radial angeordneten Dreiecksformen, 1972 (2004 neu aufgelegt)
  • "Refuge Tonnau" (Fluchthütte für Bergwanderer, mit Pierre Jeanneret) 1938, 2012 erstmals realisiert.

Literatur[Bearbeiten]

 Commons: Charlotte Perriand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Charlotte Perriand: Une Vie de Création. Paris 1998, ISBN 2-7381-0602-1. (französisch, Autobiographie)
  • Arthur Rüegg (Hrsg.): Charlotte Perriand - Livre de Bord 1928–1933. Basel 2004, ISBN 3-7643-7039-4. (deutsch)
  • Jacques Barsac: Charlotte Perriand, Un art d'habiter 1903–1959. Paris 2005, ISBN 2-909283-87-9.
  • Jacques Barsac, Sôri Yanagi: Charlotte Perriand et le Japon. Paris 2008, ISBN 978-2-915542-16-5.
  • Jacques Barsac: Charlotte Perriand and photography – A Wide-Angle Eye. 5 Continents, Milan 2011, ISBN 978-88-7439-548-4.
  • Irène Vogel Chevroulet: La création d'une japonité moderne (1870-1940): Le regard des architectes européens sur le Japon: Josiah Conder, Robert Mallet-Stevens, Bruno Taut et Charlotte Perriand. Paris 2010, ISBN 978-613152722-7.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Lebensdaten nach der engl. Ausgabe der Autobiographie Charlotte Perriand: A Life of Creation. sowie nach der ausführlichen Biografie in: Charlotte Perriand and photography. S. 348–354.
  2. s. Charlotte Perriand and photography. 2011, S. 294–323.
  3. http://www.culture.fr/collections/?lang=fr&filter_image=1&action_type=search&search=charlotte%20perriand
  4. http://maisonsprivees.fr/editorial/les-arcs-meribel-avec-charlotte-perriand/
  5. http://www.cassina.com/portal/page/portal/new/webpages/cassina/designer/detail?p=id:75598&lang=en

Weblinks[Bearbeiten]