Christa Ritter

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Christa Ritter, 2013

Christa Ritter (* 25. Dezember 1942 in Berlin[1]) ist eine deutsche Filmemacherin und Journalistin. Sie gehört seit 1978 der Selbsterfahrungsgruppe um Rainer Langhans an, die als „Der Harem“ geläufig ist.[2]

Leben[Bearbeiten]

Ritter besuchte das Luisen-Gymnasium Düsseldorf. Es folgte eine Verlagslehre beim Kindler und Schiermeyer Verlag in München. Nach ersten Erfahrungen bei der Münchener Werbeagentur Dorland[3] arbeitete sie als Art Buyer für die Werbeagenturen Team und Special Team in Düsseldorf. Beeinflusst vom 68er-Aufbruch begann sie, beeinflusst von der aufkommenden Frauenbewegung weiter ein selbstbestimmtes Leben zu suchen. Daher Drogenerfahrungen, Meditationsversuche bei Transzendentale Meditation, polyamore Beziehungen (Fehlgeburt, Verlust der „großen Liebe“ durch einen Autounfall), Agentin für befreundete Fotografen (Peter Lindbergh, Hans Feurer). Erster Schritt, um aus der Werbung herauszufinden: Mit ihrer Schwester Veronika führte sie ab 1970 in der Düsseldorfer Altstadt den „Hofladen“ für kurios Antikes. Nach Reisen der Suche durch Afrika und Asien, die Aufgabe des Ladens und nicht enden wollenden Beziehungsproblemen zog sie nach München, um das Filmen zu lernen. Als Regieassistentin beim Film lernte sie 1978 bei den Dreharbeiten zum Film Die Hamburger Krankheit Rainer Langhans kennen und trat als vierte Frau der experimentellen Lebensgemeinschaft bei, die Langhans seit 1976 mit der Fotografin Anna Werner, dem Fotomodell Brigitte Streubel und Jutta Winkelmann führte, und zu der 1991 Juttas Zwillingsschwester Gisela Getty hinzustieß. Auf dieser Suche nach weiblicher Autonomie, die ein weniger materialistisches, dafür geistigeres Leben als selbstbewusste Frau meinte, riefen die Frauen bald die jeweils persönlichen Widerstände auf den Plan. Wie weit sie die zu überwinden in der Lage sein werden, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Die daher nur mühsam spirituell ausgerichtete Lebensgemeinschaft von insgesamt fünf Frauen um Langhans in München-Schwabing gibt aber bis heute nicht auf.[4] Als freischaffende Autorin schrieb sie nebenbei für die Lifestyle-Magazine Tempo und Wiener, das FAZ-Magazin, die taz sowie für das Zeit- und das SZ-Magazin.[5]

Der „Harem“, 2000
(Ritter vordere Reihe Mitte)

1989 schrieb sie nach dem ersten Film Ein Neuss Begräbnis? (WDR) unter Mitwirkung von Langhans das Drehbuch zu Von wegen Liebe – das schönste Paar der APO und führte selbst Regie. Die Fernsehdokumentation über Langhans' Beziehung mit Uschi Obermaier zur Zeit der deutschen APO-Bewegung der 1960er Jahre wurde ebenso im WDR ausgestrahlt[6] und für den Grimme-Preis nominiert. Anschließend produzierte sie für den WDR die Dokumentation Die Perversität des Persers als ein Beziehungsdrama zwischen Lisa Fitz und ihrem Freund (Buch und Regie Ritter und Langhans). Ebenfalls im WDR erstausgestrahlt wurde Ritters und Langhans' Dokumentarfilm SchneeweißRosenrot über die Zwillingsschwestern und Mitlebensgefährtinnen Jutta Winkelmann und Gisela Getty, der als „besonders wertvoll“ eingestuft und 1994 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.[7] Es folgte die Dokumentation Aufstehen und ganz leise nein sagen über die Jugendlichen der Ex-DDR und ihre Sehnsüchte nach der Wende. Für Spiegel TV drehte sie gemeinsam mit Langhans und den Frauen des "Harems" mit kleinen Videokameras auf ungewöhnlichen Fahrrädern als Fahrradkarawane durch Brandenburg eine filmische Begegnung zwischen den beiden Ex-Kommunarden Fritz Teufel und Rainer Langhans. Eine weitere Grimme-Nominierung erhielt der 1995 im ZDF erstausgestrahlte Fernsehfilm Fisch mit Fahrrad von Ritter und Langhans, in dem ein Triathlonsportler namens Klaus Haetzel, im Hauptberuf Öffentlichkeitsarbeiter im Dienst des Landes Berlin, sein Leben dem Extremsport widmet in der Hoffnung, dadurch sein Bewusstsein erweitern zu können.[8] Für den SWR entstand wieder gemeinsam mit Langhans die Dokumentation Todespioniere über das Tabu-Thema des Sterbens in Deutschland. Im August 1998 veranstaltete sie mit Langhans und den Frauen einen dreitägigen Event „68-89-98“ als Generation-Mix „Ready to Ruck?“ in der Berliner Kongresshalle und im Tempodrom. 2003 ging sie mit den Frauen und Langhans bei tv. münchen drei Wochen lang täglich auf Sendung: Kommune hieß die Reality-Show eines inszenierten Miteinanders, rund um die Uhr betrachtet von neun Kameras. Die Frauen zeigten so offen wie möglich, auch anstößig, wie dramatisch weibliche Suche nach eigenem Geist aussehen kann. Die Reihe wurde häufig wiederholt, auch auf tv.berlin und in der Schweiz. 2008 veröffentlichte sie mit Rainer Langhans den Bildband K 1 – das Bilderbuch der Kommune im Blumenbar-Verlag[9]. Diese ungewöhnliche Foto-Sammlung berichtet von der Zeit der berüchtigten wie revolutionären Kommune I, die Langhans 1967 in Berlin mitbegründete. Seit ein paar Jahren entwickelt sie ein Kinofilm-Projekt über den einst genialen Lead-Gitarristen Peter Green der Band "Fleetwood Mac" und seinem Encounter mit jungen deutschen Kommunarden, das ihn aus seiner vertrauten Lebensbahn heraus schleuderte und anfangs in Heilanstalten verschwinden ließ.

Sonstiges[Bearbeiten]

Ende April 2012 trat Ritter auf dem Bundesparteitag in Neumünster in die Piratenpartei ein und kandidierte spontan für das Amt des stellvertretenden Bundesvorsitzenden.[10] Seitdem engagiert sie sich vor allem in der AG Trailerpiraten, die audiovisuelle Formate produziert (u.a. Piraten-Talk).

Filmographie[Bearbeiten]

  • Das zweite Erwachen der Christa Klages (1978, zweite Regieassistentin; Regie: Margarethe von Trotta)
  • Das andere Lächeln (1978, Scipt Supervisorin; Regie: Robert van Ackeren)
  • Die Hamburger Krankheit (1979; Regieassistentin und Script Supervisorin; Regie: Peter Fleischmann)
  • Deutschland, bleiche Mutter (1980; Regieassistentin; Regie: Helma Sanders-Brahms)
  • Kaltgestellt (1980; Script Supervisorin; Regie: Bernhard Sinkel)
  • Vringsveedeler Triptychon (1981; Regieassistentin; Regie: Helma Sanders-Brahms)
  • Die Berührte (1981; Regieassistentin; Regie: Helma Sanders-Brahms)
  • Mit kaltem Blick aufs Geld (1982; Regie-Assistentin, Regie: Helga Reidemeister)
  • Ein Neuss Begräbnis? (1989, Buch und Regie, WDR)
  • Von wegen Liebe – das schönste Paar der APO (1990; Drehbuch unter Mitwirkung von Rainer Langhans und Regie)
  • Die Perversität des Persers (1991, Buch und Regie mit Langhans, WDR)
  • Aufstehen und ganz leise nein sagen (1992, Buch und Regie mit Langhans, WDR)
  • Wollen Sie das 4. Reich? (Eigenproduktion 1992, Buch und Regie mit Langhans)
  • Camille Paglia: Eine Frau in Wut (1993, Buch und Regie mit Langhans, SAT 1)
  • Fatima Mernissi: Die Macht der Hüfte (1993, Eigenproduktion, Buch und Regie mit Langhans)
  • Langhans, Teufel und die Frauen (1993, Buch und Regie mit Langhans, Spiegel TV)
  • Ein Jahr Abschied von der Macht (1993, Eigenproduktion, Buch und Regie mit Langhans)
  • Fisch mit Fahrrad (1994, Buch und Regie mit Langhans, ZDF - nominiert Grimme-Preis)
  • Todespioniere (1996, Buch und Regie mit Langhans, SWR)
  • R-Evolution (2008, Mitarbeit, Regie Rainer Langhans, Spiegel TV)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Christa Ritter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christa Ritter, Netlog.com
  2. Wer ist wer in der „Kommune“?, Der Tagesspiegel, 23. Februar 2003.
  3. Persönliche Informationen, Facebook, abgerufen am 13. Mai 2012.
  4. Im Harem ist die Hölle los, tagesspiegel.de, 30. März 2003
  5. Christa Ritter in eigenen Worten, 9to5 Wir nennen es Arbeit-Festival Camp, August 2007, abgerufen am 13. Mai 2012.
  6. Von wegen Liebe – das schönste Paar der APO, Kickfilm.de, abgerufen am 13. Mai 2012.
  7. SchneeweißRosenrot, Kickfilm.de, abgerufen am 13. Mai 2012.
  8. Fisch mit Fahrrad, Der Spiegel, 14. August 1995.
  9. ISBN 978-3-936738-39-1
  10. Langhans-Gespielinnen heuern bei den Piraten an, Bild, April 2012.