Helma Sanders-Brahms

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Helma Sanders-Brahms (2011)

Helma Sanders-Brahms (* 20. November 1940 in Emden, Ostfriesland; † 27. Mai 2014 in Berlin[1]) war eine deutsche Filmregisseurin.

Leben[Bearbeiten]

Nach der Schulzeit studierte sie Germanistik und Anglistik in Köln, hospitierte beim Rundfunk, wurde Fernsehansagerin und arbeitete als Fotomodell. Während eines Italienaufenthalts lernte sie 1967 Pier Paolo Pasolini und Sergio Corbucci kennen und arbeitete mit ihnen zusammen.[2] Seit 1969 machte sie eigene, häufig stark autobiografisch geprägte Filme, schrieb fast alle Drehbücher und produzierte sehr viele ihrer Filme selbst.

Ihre ersten Filme beschäftigten sich kritisch mit der Arbeitswelt und der Situation der Frauen in Westdeutschland. Unter dem Pflaster ist der Strand wurde zu einem zentralen Film der deutschen Frauenbewegung und der 68er-Bewegung. Vor allem mit Deutschland, bleiche Mutter wurde sie zu einer der wichtigsten, weltweit gefeierten Regisseurinnen Deutschlands. Neben Spielfilmen drehte sie einige Dokumentarfilme und schrieb Hörspiele.

Ihre Filme wurden mit vielen Film- und Festivalpreisen ausgezeichnet, sie wurde Officier des französischen Ordre des Arts et des Lettres und Mitglied der Akademie der Künste in Berlin.

Helma Sanders-Brahms verstarb am 27. Mai 2014 nach langer Krankheit in Berlin.

Sie war eine Urururgroßnichte des Komponisten Johannes Brahms (1833–1897).

Filmografie[Bearbeiten]

Spiel- und Fernsehfilme[Bearbeiten]

  • 1970: Gewalt (Fernsehfilm)
  • 1973: Die letzten Tage von Gomorrha (Fernsehfilm)
  • 1974: Unter dem Pflaster ist der Strand
  • 1975: Erdbeben in Chili (Fernsehfilm)
  • 1976: Shirins Hochzeit
  • 1977: Heinrich
  • 1980: Deutschland, bleiche Mutter
  • 1981: Die Berührte
  • 1984: Flügel und Fesseln (L’Avenir d’Emilie)
  • 1986: Laputa
  • 1987: Felix – Episode 1: Er am Ende
  • 1989: Manöver
  • 1992: Apfelbäume
  • 1997: Mein Herz – Niemandem!
  • 2003: Die Farbe der Seele
  • 2008: Geliebte Clara

Dokumentarfilme[Bearbeiten]

  • 1969: Angelika Urban, Verkäuferin, verlobt (über eine Verkäuferin im Kaufhof)
  • 1971: Die industrielle Reserve-Armee (über die Lage der Arbeitsmigranten)
  • 1973: Die Maschine (über die Arbeit an einer Rotationsmaschine)
  • 1980: Vringsveedeler Triptychon, 1. Linker Flügel: Im Reich des Schokoladenkönigs, 2. Mittelteil: Rievkooche-Madonna, 3. Rechter Flügel: Josef und die Gerechtigkeit. (über den Karneval der armen Leute in Köln)
  • 1985: Alte Liebe (über den alten Berliner Kinobesitzer Bruno Dunst und seine Frau)
  • 1987: Hermann mein Vater (über eine Reise, die Sanders-Brahms gemeinsam mit ihrem Vater nach Frankreich unternimmt, zu den Stätten, wo er 1940 als deutscher Besatzer war)
  • 1995: Jetzt leben – Juden in Berlin (über eine russisch-jüdische Familie, die aus Odessa nach Berlin übersiedelt)

Hörspiele[Bearbeiten]

  • 1995: Anna Angsthase. Kinderhörspiel; Musik: Lars Kurz; Regie: Eva Demmelhuber; Produktion: BR, 1995. (Patmos Hörkassette, 1996, ISBN 3-491-22906-5)
  • 1993–2001: Tausendundeine Nacht. 1. bis 14. Nacht, mit Eva Mattes, Dieter Mann, Ulrich Matthes u.a. Musik: Günter „Baby“ Sommer. Regie: Robert Matejka (1–12) und Helma Sanders-Brahms (13–14). Produktion: RIAS, später: DLR Berlin. (Der Hörverlag, 2005, ISBN 3-89940-647-8; ausgezeichnet mit dem Corine-Hörbuchpreis 2005.)
  • 2002: Tausendundeine Nacht. 15. bis 17. Nacht. Mit: Eva Mattes, Dieter Mann, Ulrich Matthes u.a. Musik: Günter Baby Sommer. Regie: Helma Sanders-Brahms. Produktion: DLR Berlin.

Bücher[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Brigitte Tast: Helma Sanders-Brahms (Kulleraugen-Materialsammlung; 8). Edition Tast, Düsseldorf 1980, ISBN 3-88842-108-X.
  • Norbert Grob (Hrsg.): Das Dunkle zwischen den Bildern. Essays, Porträts, Kritiken. Verlag der Autoren, Frankfurt/M. 1992, ISBN 3-88661-132-9.
  • Steven Taubeneck: Helma Sanders-Brahms: An Introduction, in: Jacqueline Levitin et al. (Hrsg.): Women Filmmakers: Refocusing, Routledge 2003, ISBN 978-0-415-96782-2, S. 65-77
  • Helma Sanders-Brahms, in: Internationales Biographisches Archiv 43/2010 vom 26. Oktober 2010, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. stern.de – Filmemacherin Helma Sanders-Brahms gestorben
  2. Hartmut Palmer: Helma Sanders-Brahms: Filmen, um zu überleben in: Cicero vom 28. Oktober 2010. Aufgerufen am 23. Januar 2014