Ciguatera
| Klassifikation nach ICD-10 | ||
|---|---|---|
| T61 | Toxische Wirkung schädlicher Substanzen, die mit essbaren Meerestieren aufgenommen wurden | |
| T61.0 | Ciguatera-Fischvergiftung | |
| ICD-10 online (WHO-Version 2013) | ||
Ciguatera ist die häufigste Art von Fischvergiftung, die saisonal und unerwartet in tropischen Meeresgebieten zwischen 35° nördlicher und 35° südlicher Breite auftritt und durch den Genuss sonst ungiftiger Speisefische hervorgerufen wird. Weite Teile der Karibik müssen sich deshalb heutzutage mit tiefgefrorenem Fisch aus Australien und Neuseeland versorgen.
Der Name leitet sich von dem spanischen Namen cigua für die Schnecke ab, die man zunächst irrtümlich dafür verantwortlich hielt.
Verantwortlich sind das Cigua- und Maitotoxin, die zu den stärksten bekannten Giftstoffen zählen. Sie entstammen Dinoflagellaten – bestimmten Geißeltierchen wie Gambierdiscus toxicus – die auf Algen und Tang des Korallenriffs epiphytisch leben. Ciguatoxin wirkt auf die spannungsabhängigen Natriumkanäle der Nervenzellen, Maitotoxin auf die Calciumkanäle; sie verhindern die Weiterleitung der elektrischen Signale im Nervensystem. Da sie in der Nahrungskette angereichert werden, sind besonders Raubfische wie Barrakudas, Zackenbarsche und Muränen belastet, seltener korallenpolypenfressende Papageifische und Pflanzenfresser.
Die hitzebeständigen Gifte schaden den Fischen nicht, die Letalität bei Menschen, die an Ciguatera erkranken, liegt bei etwa sieben Prozent.
Inhaltsverzeichnis |
Symptome [Bearbeiten]
Nach 1 bis 24 Stunden (meist fünf bis sechs Stunden) entwickeln sich Hautausschläge, Taubheitsgefühl in Lippen- und Mundschleimhaut, Diarrhöe, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.
Die Beschwerden, teilweise mit charakteristischen neurologischen Symptomen, wie eine schmerzhafte Kälteüberempfindlichkeit (Kaltallodynie), die beim Kontakt mit normalerweise angenehm kühler Luft oder beim Verschlucken von kalter Nahrung oder Getränken auftreten kann,[1] können oft über Wochen anhalten.
Therapie [Bearbeiten]
Nach der Rehydratisierung des Patienten wird eine Mannitol-Infusion verabreicht.
Literatur [Bearbeiten]
- Dietrich Mebs, S. 80–82: Gifte im Riff, ISBN 3-8047-1053-0
- Schaper et al: Fischvergiftung Dtsch Arztebl 2002; 99(17): A-1151 / B-958 / C-901
- Friedman MA, Fleming LE, Fernandez M et al: Ciguatera fish poisoning: treatment, prevention and management. Mar Drugs. 2008;6(3):456-79. Review. PMID 19005579
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ IDW-Online 14. September 2012: Kälteschmerz nach Fischgenuss: Mechanismus der Überempfindlichkeit bei Ciguatoxin-Vergiftung
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