Corporate Citizenship

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Corporate Citizenship (CC) bzw. Unternehmensbürgerschaft bezeichnet das bürgerschaftliche Engagement in und von Unternehmen, die eine mittel- und langfristige unternehmerische Strategie auf der Basis verantwortungsvollen Handelns verfolgen und sich über die eigentliche Geschäftstätigkeit hinaus als „guter Bürger“ aktiv für die lokale Zivilgesellschaft oder z. B. für ökologische oder kulturelle Belange engagieren.[1] Die englische Begrifflichkeit verweist darauf, dass es sich ursprünglich um die Übernahme einer Management-Idee als Teil einer Public-Affairs-Strategie aus den USA handelt.

Heute wird im deutschen Sprachraum durchaus ein eigenständiges und erweitertes Verständnis der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen diskutiert und bereits ansatzweise praktiziert: im Sinne von "sozialen Kooperationen" (Bernhard von Mutius), die zum wechselseitigen Nutzen aller beteiligten Partner eingegangen werden und mithelfen, gesellschaftliche Innovationen auf den Weg zu bringen. Der Begriff „Corporate Citizenship“ wird in wissenschaftlichen und politischen Diskursen sowie von Unternehmen selbst allerdings nicht eindeutig verwandt und steht in teils unklarer Abgrenzung zu verwandten Termini wie „Corporate Responsibility“ oder „Corporate Social Responsibility“, der gesellschaftlichen Verantwortung von Unternehmen. Hinter diesen Ansätzen steht nicht zuletzt die Frage, welche Rolle Unternehmen in der Gesellschaft spielen.

Die Diskussion um gesellschaftlich verantwortliche Unternehmensführung und gesellschaftsbezogenes Engagement ist auch in Deutschland nicht neu. Bereits im Mittelalter war die gesellschaftliche Verantwortung in den Leitlinien der Hanse und Fugger verankert. Eine Institutionalisierung erfuhr das gesellschaftliche Engagement von Großunternehmen vor allem durch die Arbeiterwohlfahrt im ausgehenden 19. Jahrhundert.

Corporate Citizenship-Mix[Bearbeiten]

Der Corporate Citizenship-Mix beschreibt neun Instrumente, die Unternehmen aller Größen in der Praxis bereits einsetzen.[2] Er ist - ähnlich wie der Marketing-Mix - eine Art Baukasten, aus dem sich ein Unternehmen im Rahmen seiner Corporate Citizenship-Strategie passende Instrumente aussuchen und diese umsetzen kann. Die Unternehmensgröße und der damit unter Umständen verbundene Umfang der eingesetzten Ressourcen spielt dabei keine Rolle. Mittelständische Unternehmen können grundsätzlich alle neun Instrumente einsetzen.

  • "Unternehmensspenden" (Corporate Giving) ist der Oberbegriff für ethisch motiviertes selbstloses Überlassen, Spenden oder Zustiften von Geld oder Sachmitteln, sowie für das kostenlose Überlassen oder Spenden von Unternehmensleistungen, -produkten und -logistik.
  • "Sozialsponsoring" (Social Sponsoring) ist die Übertragung der gängigen Marketingmaßnahme Sponsoring - als ein Geschäft auf Gegenseitigkeit - auf den sozialen Bereich, womit dem Unternehmen neue Kommunikationskanäle und der gemeinnützigen Organisation neue Finanzierungswege eröffnet werden.
  • "Zweckgebundenes Marketing" (Cause-Related Marketing) ist ein Marketinginstrument, bei dem der Kauf eines Produkts/einer Dienstleistung damit beworben wird, dass das Unternehmen einen Teil der Erlöse einem sozialen Zweck oder einer Organisation als "Spende" zukommen lässt.
  • "Unternehmensstiftungen" (Corporate Foundations) bezeichnet das Gründen von Stiftungen durch Unternehmen - eine Art des Engagements, die auch von mittelständischen Unternehmen immer häufiger benutzt wird.
  • "Gemeinnütziges Arbeitnehmerengagement" (Corporate Volunteering) bezeichnet das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen durch die Investition der Zeit, des Know-hows und Wissens ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Unterstützung des ehrenamtlichen Engagements von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in und außerhalb der Arbeitszeit.
  • "Auftragsvergabe an soziale Organisationen" (Social Commissioning) bezeichnet die gezielte geschäftliche Partnerschaft mit gemeinnützigen Organisationen, die z. B. behinderte und sozial benachteiligte Menschen beschäftigen, als (gleichfalls kompetente und konkurrenzfähige) Dienstleister und Zuliefererbetriebe, mit der Absicht, die Organisationen durch die Auftragsvergabe zu unterstützen.
  • "Gemeinwesen Joint-Venture" (Community Joint-Venture bzw. Public Private Partnership) bezeichnet eine gemeinsame Unternehmung von einer gemeinnützigen Organisation und einem Unternehmen, in die beide Partner Ressourcen und Know-how einbringen und die keiner allein durchführen könnte.
  • "Lobbying für soziale Anliegen" (Social Lobbying) bezeichnet den Einsatz von Kontakten und Einfluss des Unternehmens für die Ziele gemeinnütziger Organisationen oder für Anliegen spezieller Gruppen im Gemeinwesen.
  • "Soziales Risiko-Kapital" (Venture Philanthropie) bezeichnet unternehmerisch agierende Risiko-Kapitalgeber, die für eine begrenzte Zeit und ein bestimmtes Vorhaben sowohl Geld als auch Know-how in gemeinnützige Organisationen investieren."
  • Mitwirkung in der Gesellschaft ist ein weiteres wichtiges Element von Corporate Citizenship.

Situation in Deutschland[Bearbeiten]

Im Jahre 2012 engagierten sich ca. 64 Prozent aller Unternehmen in Deutschland gesellschaftlich. Dabei investierten die Unternehmen ca. 11 Milliarden Euro in entsprechende CC-Maßnahmen (davon 10,9 Mrd. Euro Geld-, Sach- und Infrastruktur-Spenden).[3] [4]

Anteil der sich gesellschaftlich engagierenden Unternehmen in Deutschland in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße, 2012

Kritik[Bearbeiten]

Kritiker bemängeln, dass es sich häufig um punktuelle Einsätze ohne nachhaltige Wirkung ("Tropfen auf dem heißen Stein") oder um Ablenkungsmanöver handele, die von schlechtem Image entlasten sollen ("Augenwischerei", "PR-Effekte", "Greenwashing") oder dass die gewählten Tätigkeitsfelder besser in staatlicher oder kirchlicher Verantwortung aufgehoben seien ("Langfristigkeit", "Verlässlichkeit").

Zudem wird der Begriff nicht einheitlich verwendet. Einige verwenden den Begriff im Zusammenhang der Spendenethik, andere nehmen den Begriff wörtlich und fordern Unternehmen auf, als "guter (Unternehmens-) Bürger" zu fungieren (z. B. Peter Ulrich).

Dies beinhaltet auch die aktive Mitwirkung in der Politik, in der Branche, etc. Der Ansatz des Corporate Citizenship wurde im deutschsprachigen Raum maßgeblich vom bereits im Jahr 1999 gegründeten Center for Corporate Citizenship geprägt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Backhaus-Maul, Holger / Biedermann, Christiane / Nährlich, Stefan / Polterauer, Judith (Hrsg.): Corporate Citizenship in Deutschland. Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen. Bilanz und Perspektiven; Wiesbaden 2010². ISBN 978-3-531-17136-4
  • Backhaus-Maul, Holger; Biedermann, Christiane; Nährlich, Stefan; Polterauer, Judith (2008): Corporate Citizenship in Deutschland. Bilanz und Perspektiven. VS-Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden. ISBN 3-531-15959-3
  • Beckmann, Markus (2007): Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship, Eine empirische Bestandsaufnahme der aktuellen Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Halle. ISBN 978-3-86010-912-0 [1]
  • Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBeschorner, Thomas: Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Corporate Governance. Schillernde Begriffe und ihre Deutung. In: Ökologisches Wirtschaften. 2005(3), S. 40-42, abgerufen am 8. März 2011.
  • Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCorporate Social Responsibility und Corporate Citizenship. Beschorner, Thomas; Schmidt, Matthias, ²2008, abgerufen am 8. März 2011.
  •  Andrew Crane, Dirk Matten: Business ethics - Managing corporate citizenship and sustainability in the age of globalization. 2 Auflage. Oxford University Press, New York 2007, ISBN 978-0-19-928499-3.
  • Crane, Andrew; Matten, Dirk, Moon; Jeremy (2008): Corporations and citizenship: Business, responsibility and society. Cambridge University Press, New York et al. ISBN 978-0-521-61283-8
  • Daub, Claus-Heinrich (2005): Globale Wirtschaft - globale Verantwortung: Die Integration multinationaler Unternehmen in den Prozess der nachhaltigen Entwicklung. Basel, ISBN 3-906129-23-3
  • Dresewski, Felix (2004): Corporate Citizenship. Ein Leitfaden für das soziale Engagement mittelständischer Unternehmen. UPJ, Berlin. ISBN 3-937765-00-X
  • Habisch, André; Schmidpeter, René; Neureiter, Martin (2007): Handbuch Corporate Citizenship. CSR für Manager. Heidelberg et al. ISBN 978-3-540-36357-6
  • Habisch, André (2003): Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement von Unternehmen. Springer, Berlin/Heidelberg/New York. ISBN 3-540-44335-5
  • Maaß, Frank (2009): Kooperative Ansätze im Corporate Citizenship. Erfolgsfaktoren gemeinschaftlichen Bürgerengagements von Unternehmen im deutschen Mittelstand. Rainer Hampp, München/Mering. ISBN 978-3-86618-367-4
  • Schrader, Ulf (2003): Corporate Citizenship. Die Unternehmung als guter Bürger?. Logos, Berlin. ISBN 3-8325-0463-X
  • Ulrich, Peter (2002): Republikanischer Liberalismus und Corporate Citizenship. Von der ökonomistischen Gemeinwohlfiktion zur republikanisch-ethischen Selbstbindung wirtschaftlicher Akteure, in: Münkler, H./Bluhm, H. (Hrsg.), Gemeinwohl und Gemeinsinn, Bd. IV: Zwischen Normativität und Faktizität, Berlin, S. 273-291.
  • Josef Wieland, Walter Conradi (Hrsg.): Corporate Citizenship. Gesellschaftliches Engagement - unternehmerischer Nutzen. Metropolis, Marburg 2002. ISBN 3-89518-397-0

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dubielzig, F.; Schaltegger, S.: Corporate Citizenship, in: Althaus, M.; Geffken, M. & Rawe, S. (Hrsg.): Handlexikon Public Affairs, Münster: Lit Verlag, 2005, S.235 CSM Lüneburg (120 kB)
  2. Felix Dresewski, Corporate Citizenship. Ein Leitfaden für das soziale Engagement mittelständischer Unternehmen. Berlin 2004, S. 21f.
  3. Engagementbericht der Bundesregierung 2012, abgerufen am 28. November 2013
  4. PricewaterhouseCoopers: Corporate Citizenship – Was tun deutsche Großunternehmen?, abgerufen am 9. Januar 2014