Corps Hansea Königsberg

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Hanseas erstes Corpshaus (1903)
Zweites Corpshaus (1927)
Hanseatencouleur

Das Corps Hansea Königsberg war ein Corps an der Albertus-Universität in Königsberg i. Pr.

Geschichte[Bearbeiten]

Die 1860 gegründete Burschenschaft Arminia III im Eisenacher Deputierten-Convent hatte besondere Beziehungen zum SC. Als Masovia aus dem SC austrat, schloss sie deshalb sofort mit jener ein Paukverhältnis ab. Arminia wurde aber bald nach Beginn des Wintersemesters durch den Senat der Albertus-Universität in ein Verfahren mit dem Ziel der Auflösung verwickelt. Ihre Mitglieder hatten sich an mehreren Pistolenmensuren beteiligt.

Nachdem eine für Arminia ungünstige Entscheidung verkündet worden war, wurde beim Preußischen Ministerium der geistlichen-, Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten ohne Erfolg ein Rechtsmittel eingelegt; die Mitglieder der Arminia wollten aber nicht nachgeben. Bei den Beratungen, wie der Bund wieder aufgezogen werden könne, bildete sich zwar die Überzeugung, dass eine neue Burschenschaft auch unter anderem Namen beim Senat Schwierigkeiten haben werde; es drang aber gerade deshalb die Meinung durch, ein Corps aufzumachen. Hinzu kam, dass fünf Masuren mit dem Verhalten ihres CC nicht einverstanden waren und den Burschenschaftern versprachen, sie bei ihrem Vorhaben zu unterstützen.

Reichsdeutsches Corps in Ostpreußen[Bearbeiten]

Am 16. Dezember 1876 wurde deshalb das Corps Hansea bei der Universität angemeldet. Sie erhob gegen die Stiftung keine Bedenken. Die Corpstafel der Hansea weist für die Jahre 1876/77 insgesamt 67 Namen auf. Abzüglich der Mitglieder des aktiven CC dieser Jahre dürften somit etwa 50 Mitglieder der früheren Burschenschaft Arminia zum Corps Hansea übergetreten sein.

Hansea nahm die Farben rot-weiß-gold an. Der Wahlspruch war: Einig und frei! Die Mützenfarbe war fuchsrot. Ein Fuchsband wurde sofort eingeführt. Diese Farben wechselten im Laufe der Zeit von rot-weiß-rot zu weiß-rot-weiß.

Am 18. Januar 1877 wurde das neue Corps in den Königsberger SC und damit in den KSCV aufgenommen.

Der Name Hansea stellte keine Verbindung zu einer ostpreußischen Landschaft her. Er erinnerte nur an den Hansebund, dem Königsberg angehört hatte. Hansea wollte kein ostpreußisches, sondern „ein reichsdeutsches Corps in Ostpreußen“ sein.[1] Das burschenschaftliche Erbe trat dabei hervor, nämlich die nationalliberale und gleichzeitig deutschnationale Richtung.[2]

Die Hanseaten „führten ein einfaches Leben“ und hatten ihre Stammkneipe bei Novopolski am Königsberger Schlossteich, seit 1888 bei Domscheit und seit 1894 im Schützenhaus.[1] 1903 kaufte Hansea ein Haus in der Münzstraße 2. In den unteren Räumen von Hanseas Corpshaus hatte der Kgl. Hofphotograph J. S. Schroeder seinen Laden. Zum Garten hin war ein großer Glaskasten angebaut, in dem Aufnahmen bei Tageslicht gemacht werden konnten. Blitzlicht und Scheinwerfer gab es noch nicht.[1] Seit 1927 hatte Hansea das zweite Corpshaus in der Händelstraße 12 am Hufenfreigraben.

Wegen Nachwuchsmangels drohte im WS 1892/93 die Suspension. Verhindert wurde sie von zwei Hessen-Nassauern und einem Greifswalder Preußen. So konnte Hansea 1893 auch die Vorortaufgaben wahrnehmen und mit Gustav Bachus den Vorsitzenden des oKC stellen.[3]

Ende[Bearbeiten]

Nach Baltia, Masovia und Littuania suspendierte Hansea am 7. Juli 1936 als letztes Königsberger Corps. Im Zweiten Weltkrieg fielen 15 Hanseaten.

Fünf Hanseaten, neun Balten und acht Littauer gründeten am 12. März 1950 das Corps Albertina Hamburg im SC zu Hamburg. Von 101 Alten Hanseaten traten bis 1960 insgesamt 65 dem AHV der Albertina bei.

Königsberger Hanseaten[Bearbeiten]

Friedrich Ossig

Verhältniscorps[Bearbeiten]

Hauptartikel: Schwarzer Kreis

Die ersten befreundeten Corps waren Rhenania Berlin (später Borussia) (WS 1877/78) und Marcomannia Breslau (WS 1878/79). Marcomannia löste das Verhältnis bald auf. Im WS 1883/84 beschloss Hansea, sich dem schwarzen Kreis anzuschließen. Dafür brach sie das befreundete Verhältnis mit Borussia Berlin und die Vorstellungsverhältnisse mit Hasso-Borussia, Starkenburgia, Borussia Halle, Lusatia Leipzig und Borussia Tübingen. Um die Jahrhundertwende war Hansea im schwarzen Kreis fest verankert und hoch angesehen. Zuletzt stand sie in folgenden Beziehungen:

Kartelle
Borussia Greifswald (1898)
Thuringia Jena (1901)
Hasso-Nassovia (1920)
Thuringia Leipzig (1922)
Rhenania Bonn (1934)
Befreundete
Brunsviga Göttingen (1897)
Normannia Berlin (1920)
Silesia (1920)
Suevia München (1920)
Saxonia Kiel (1928)
Vorstellungen
Hassia (1899)
Franconia Tübingen (1927)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ossig
  2. Schindelmeiser, Bd. 1, S. 259
  3. Bachus wurde später auch Mitglied des Corps Thuringia Jena

Literatur[Bearbeiten]

  • F. G. Ossig: Beiträge zur Corpsgeschichte der Hansea. Offenbach 1967
  • Siegfried Schindelmeiser: Die Albertina und ihre Studenten 1544 bis WS 1850/51 und Die Geschichte des Corps Baltia II zu Königsberg i. Pr.. Erstmals vollständige, bebilderte und kommentierte Neuausgabe in zwei Bänden mit einem Anhang, zwei Registern und einem Vorwort von Franz-Friedrich Prinz von Preussen, herausgegeben von Rüdiger Döhler und Georg von Klitzing, München 2010, ISBN 978-3-00-028704-6
  • Historia Academica, Bd. 34, S. 141
  • Handbuch des KSCV 1985, Bd. 2, 1/35, 1/47
  • Das Akademische Deutschland, Bd. 2, S. 909

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corps Hansea Königsberg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien