Corps Thuringia Leipzig

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Wappen der Thuringia Leipzig

Das Corps Thuringia Leipzig ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Senioren-Convent zu Leipzig. Das Corps gehört zum schwarzen Kreis im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV), dem ältesten Korporationsverband deutscher Studentenverbindungen. Es vereint Studenten und Alumni der Universität Leipzig und ehemalige Studenten der Universität des Saarlandes. Die Corpsmitglieder werden Leipziger Thüringer genannt.

Couleur und Wahlspruch[Bearbeiten]

Der SC zu Leipzig (1920)

Die heutige Thuringia Leipzig hat die Farben karmesinrot-weiß-schwarz mit silberner Perkussion. Mit 24 mm ist das Band etwas schmaler als gewöhnlich. Dazu wird eine karmesinrote Mütze als Hinterhauptcouleur getragen. Die Renoncen tragen ein Fuchsband in den Farben karmesinrot-weiß-karmesinrot.

Der Wahlspruch lautet Durch Kampf zum Sieg! Der Wappenspruch ist Amico pectus, hosti frontem! (dt. Dem Freund die Brust, dem Feind die Stirn!“)

Geschichte[Bearbeiten]

Vor der Gründung des heutigen Corps Thuringia gab es drei namensgleiche Verbindungen in Leipzig. Diese werden entsprechend des Zeitraums ihres Bestehens als Thuringia I, II und III bezeichnet, das heutige Corps dementsprechend auch als Thuringia IV.

Thuringia I–III[Bearbeiten]

In der Restauration nach den Befreiungskriegen unterdrückt, lebten die Studentenverbindungen zeitweilig im Verborgenen.

Thuringia I wurde am 30. November 1807 gegründet und bestand bis 1812. Sie hatte die Farben Schwarz-rot-weiß ohne Perkussion. Der Wahlspruch war Contemnit tela virtus! Aus ihr ging Franconia Leipzig hervor. Drei Thüringer gründeten 1812 das Corps Saxonia Leipzig. Bekannte Mitglieder der Thuringia I waren Theodor Körner und Anton Friedrich Hohl.

Thuringia II wurde am 3. Juli 1817 gegründet und am 6. Juni 1818 suspendiert. Ihre Farben waren Schwarz-rot-weiß ohne Perkussion. Der Wahlspruch war Amico pectus, hosti frontem! Sie ging zur Burschenschaft über.

Thuringia III wurde am 26. Juni 1847 von Studenten an der Universität Leipzig gestiftet. Ihre Farben waren Schwarz-weiß-rot mit silberner Perkussion. Der Wahlspruch war Amico pectus, hosti frontem!

Die elf Gründer der Thuringia III waren Mitglieder der „tiefgrünen“ Misnia III:

Thuringia III gehörte zu den Gründungscorps des Kösener Senioren-Convents-Verbands (KSCV) und stand im Kartell mit Franconia Jena. In den Wirren des Progress musste sie im Juni 1853 suspendieren.

Thuringia IV[Bearbeiten]

Die heutige Thuringia IV ging am 18. Januar 1868 aus einer 1854 gestifteten Landsmannschaft hervor, die durch Rezeption in den SC zu Leipzig zum Corps wurde; sie berief sich aber weiterhin auf Überlieferung, Farben, Wappen und Gründungsdatum der Thuringia III (1847). Erst nach der Jahrhundertwende wurde die Thuringia zum schwarzen Kreis gezählt. Sie spielte in der Kreispolitik von Saxonia Leipzig eine große Rolle.

In der Zeit des Nationalsozialismus musste auch Thuringia 1935 suspendieren, weil Korporationen und Nationalsozialismus nicht vereinbar waren (u. a. Erlass von Rudolf Heß).

In der Nachkriegszeit in Deutschland war eine Rückkehr in die Sowjetische Besatzungszone und die Deutsche Demokratische Republik unmöglich. Deshalb schlossen sich Thuringias Alte Herren 1953 dem Altherrenverband des befreundeten Corps Rhenania Bonn an. Am 18. Januar 1971 machten Christian Helfer, ein Hannoveraner und ein Marburger Teutone Thuringia als eigenständiges Corps in Saarbrücken wieder auf. Nach der sog. Wiedervereinigung kehrte Thuringia IV nach Leipzig zurück.

Verhältniscorps[Bearbeiten]

Verhältnisse und Corpshaus (1912)
Kartell
Borussia Greifswald
Rhenania Bonn
Befreundete
Normannia Berlin
Baruthia
Saxonia Kiel

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Träger der Klinggräff-Medaille[Bearbeiten]

Mit der Klinggräff-Medaille des Stiftervereins Alter Corpsstudenten wurde ausgezeichnet:

  • Steffen Päßler (2009)

Literatur[Bearbeiten]

  • Kösener Korps-Listen 1910, Nr. 155
  • Heinrich Weber: Theodor Körner als Freiberger Montane, Leipziger Thüringer und Berliner Westfale. Einst und Jetzt 4 (1959), S. 5-41.
  • Harald Lönnecker: Schrieb ein Corpsstudent [Rudolf Baumbach, Lipsiae, Thuringiae Leipzig] das Burschenschafterlied? Einst und Jetzt 51 (2006), S. 129-146
  • Hermann Weber: Corpsstudententum im Leipzig im Spiegel der Literatur, in: Michael Kilian (Hg.): Jenseits von Bologna, Jurisprudentia literarisch: von Woyceck bis Weimar, von Hoffmann bis Luhmann, BWV Verlag, 2006, S. 385 ff.. ISBN 978-3830512707. (GoogleBooks)

Weblinks[Bearbeiten]

51.36106666666712.373094444444Koordinaten: 51° 21′ 40″ N, 12° 22′ 23″ O