Döblinger Friedhof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Friedhofskreuz aus dem späten 19. Jahrhundert
Das Eingangsgebäude an der Hartäckerstraße

Der Döblinger Friedhof ist ein Friedhof im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling.

Lage[Bearbeiten]

Der Döblinger Friedhof liegt im Süden von Döbling an der Grenze zum Bezirk Währing in der Katastralgemeinde Oberdöbling, Hartäckerstraße 65. Der Friedhof wird im Westen von der Felix-Dahn-Straße, im Süden von der Peter-Jordan-Straße, im Osten von der Borkowskigasse und im Norden von der Hartäckergasse begrenzt. Der Friedhof umfasst eine Fläche von 49.981 Quadratmetern und beherbergt 6.853 Grabstellen.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Ältere Döblinger Friedhöfe[Bearbeiten]

Während die Verstorbenen Unterdöblings auf dem „Freythof von Heiligenstadt“ bestattet wurden, beerdigte man die Toten aus Oberdöbling ursprünglich um die Döblinger Kirche. Der Döblinger Friedhof wurde 1781 erweitert und bis 1783 belegt. Im Zuge des Abbruchs und Neubaus der Kirche wurde der Friedhof um die Pfarrkirche vermutlich 1826 aufgelassen.

An Stelle des Friedhofes um die Döblinger Kirche wurde im Zuge der Erhebung zur selbständigen Pfarre ein neuer Friedhof gegründet. Der Friedhof war neben den verstorbenen Einwohnern von Oberdöbling nun auch für die Verstorbenen aus Unterdöbling bestimmt, das der Döblinger Pfarre zugeschlagen worden war. Angelegt wurde der Friedhof am Rand von Unterdöbling an der Straße nach Grinzing, der heutigen Billrothstraße. Auf Grund der steigenden Belegung musste der Friedhof 1885 geschlossen werden. Er wurde 1928 in den Strauss-Lanner-Park umgewandelt.

Der neue Döblinger Friedhof[Bearbeiten]

Israelitische Abteilung
Abteilung der Döblinger Klosterschwestern

Die Erlaubnis zur Gründung eines neuen Friedhofs wurde den Gemeinden Ober- und Unterdöbling am 28. April 1880 durch die k. k. Bezirkshauptmannschaft Hernals erteilt. Als Ort für die neue Friedhofsanlage war ein Grundstück auf der Türkenschanze gewählt worden. Das Grundstück hatte die Form eines Rhomboids und umfasste 7,5 Joch. Die Anlage wurde von den Architekten Avanzo und Lange geplant und sollte nach der Planung Raum für die Bestattung von 30.000 Verstorbenen bieten. Die Eröffnung des Friedhofs erfolgte am 10. Juni 1885 durch den Döblinger Pfarrer Dr. Hulesch.

Der Döblinger Friedhof stand allen Konfessionen offen. Nach Eröffnung der Israelitischen Abteilung 1888 wurde am 13. Februar 1894 vom Stadtrat auch eine Begräbnisstätte für moslemische Soldaten des k. k. Militär-Territorial-Commandos genehmigt. Die moslemische Abteilung hatte eine Fläche von 404,4 Quadratmetern für 40 Einzelgräber. Die Fläche wurde zunächst für 20 Jahre genehmigt und 1900 um 157 Quadratmeter erweitert. Neben konfessionellen Minderheiten und den Toten der beiden Gemeinden Ober- und Unterdöbling wurden auf dem Döblinger Friedhof auch Verstorbene der Stadt Wien bestattet, da viele Wiener nicht auf dem Zentralfriedhof bestattet werden wollten und die Vorortgemeinden dadurch große Gewinne erzielen konnten.

Friedhofserweiterungen[Bearbeiten]

Der Friedhof wurde zwischen 1899 und 1901 um 15.584 Quadratmeter erweitert. Die Grundstücke hierfür wurde teilweise gekauft oder enteignet. 1906 erfolgte eine erneute Erweiterung des Friedhofgeländes um 9.334 Quadratmeter auf 57.271 Quadratmeter. Zudem wurde die Israelitische Abteilung durch einen bisher ungenutzten Friedhofsteil vergrößert. Die bereits bestehende Leichenhalle wurde zwischen 1907 und 1908 renoviert und eine Einsegnungskapelle errichtet. Da der Döblinger Friedhof nicht mehr erweitert werden konnte, bestimmte man 1911 den Grinzinger Friedhof zum Ersatzfriedhof. Aus Platzmangel mussten ab April 1917 die Toten des zugehörigen Sprengels auf dem Ersatzfriedhof bestattet werden. Erst als 1920 das Staatsamt für Heereswesen auf die weitere Beerdigung moslemischer Soldaten verzichtete, konnten auf dem freigewordenen Friedhofsteil neue Grabanlagen errichtet werden. Eine neuerliche Anlage von eigenen Gräbern erfolgte erst wieder zwischen 1929 und 1931. Durch die 1961 durchgeführten Sanierungsarbeiten konnten heimgefallene und verwahrloste Grabstellen zurückgewonnen und neu vergeben werden.

Gebäude[Bearbeiten]

1925 wurde die Leichenhalle umgestaltet und ein zweiter Aufbahrungsraum geschaffen. Eine weitere Umgestaltung erfolgte 1931. 1969 wurde in die Beisetzkammer eine Kühlanlage eingebaut. Der Umbau der Aufbahrungshalle erfolgte zwischen 1971 und 1972 nach Plänen des Architekten Erich Boltenstern, die Rückwand der Apsis wurde durch den akademischen Maler Hermann Bauch gestaltet. Der Aufbahrungsraum, in dem auch Kremationsfeiern abgehalten werden können, hat ein Fassungsvermögen von maximal 160 Personen.

Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenhalber gewidmete Gräber[Bearbeiten]

Karl Fellinger
John Haswell
Theodor Herzl (1949 nach Jerusalem überführt)
Maximilian Leidesdorf
Erich und Gustav Tschermak

Der Döblinger Friedhof weist 67 ehrenhalber gewidmete Gräber auf.[2]

Name Lebensdaten Tätigkeit
Rudolf Auspitz 1837–1906 Politiker und Nationalökonom
Josef Bergauer 1880–1947 Schriftsteller
Helene Bettelheim-Gabillon 1857–1946 Schriftstellerin
Lorenz Böhler 1885–1973 Chirurg, Begründer der modernen Unfallchirurgie
Carl von Borkowski 1829–1905 Architekt
Alfred Burgau 1897–1964 Schauspieler
Hugo Charlemont 1850–1939 Maler
Egmont Colerus 1888–1939 Schriftsteller
Josef Danilowatz 1877–1945 Maler
Babette Devrient-Reinhold 1863–1940 Theater- und Filmschauspielerin
Richard Eybner 1896–1986 Schauspieler
Karl Fellinger 1904–2000 Mediziner
Theodor Gomperz 1832–1912 Philosoph und Schriftsteller
Caroline von Gomperz-Bettelheim 1845–1925 Opernsängerin
Ernst Haeusserman 1916–1984 Theaterdirektor und Regisseur
Ludo Hartmann 1865–1924 Politiker und Volksbildner
John Haswell 1812–1897 Ingenieur und Eisenbahn-Konstrukteur
Kurt Heintel 1924–2002 Schauspieler
Theodor Herzl (1949 nach Jerusalem überführt) 1860–1904 Schriftsteller und Begründer des modernen Zionismus
Anton Hlavaček 1842–1926 Maler
Josef Kainz 1858–1910 Schauspieler
Franz Kopallik 1860–1931 Maler
Florian Kratschmer von Forstburg 1843–1922 Militärarzt und Hygieniker
Ernst Lecher 1856–1926 Physiker
Maximilian Leidesdorf 1816–1889 Psychiater
Adolf von Lieben 1836–1914 Chemiker, Onkel von Robert von Lieben
Konrad Loewe 1856–1912 Burg- und Hofschauspieler
Julius Mannaberg 1860–1941 Mediziner
Heinz Moog 1908–1989 Schauspieler
Engelbert Mühlbacher 1843–1903 Historiker und Diplomatiker
Maria Németh (verehel. Grünauer) 1897–1967 Opernsängerin
Heinrich Obersteiner 1847–1922 Neurologe und Psychiater
Georg Oeggl 1900–1954 Opernsänger
Alfred Orel 1889–1967 Musikwissenschaftler
Hans Robert Pippal 1915–1998 Maler
Josef Redlich 1869–1936 Jurist und Politiker
Oswald Redlich 1858–1944 Historiker
Rudolf Ribarz 1848–1904 Maler
Ferdinand von Saar 1833–1906 Schriftsteller
Ferdinand Schmutzer 1870–1928 Grafiker, Fotograf und Porträtmaler
Egon Schweidler 1873–1948 Physiker
Kurt Sowinetz 1928–1991 Schauspieler
Otto Tressler 1871–1965 Schauspieler
Erich Tschermak 1871–1962 Genetiker und Botaniker
Gustav Tschermak 1836–1927 Mineraloge
Eduard Veith 1858–1925 Maler
Eduard Volters 1904–1972 Schauspieler
Rudolf Weyr 1847–1914 Bildhauer
Emil Zuckerkandl 1849–1910 Anatom und Anthropologe

Gräber weiterer Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Emil und Jella Hertzka
Familie Lieben
Heinrich Reinhardt
Carl Skoda

Weitere Persönlichkeiten, die am Döblinger Friedhof begraben sind:

Name Lebensdaten Tätigkeit
Felix Benedict 1860–1917 Opernsänger
Eduard von Beschi 1848–1916 Offizier
Jörg Böhler 1917–2005 Chirurg (Sohn von Lorenz Böhler)
Maria Cebotari 1910–1949 Opernsängerin
Rudolf Chrobak 1843–1910 Gynäkologe
Alfred Crepaz 1904–1999 Bildhauer
Gustav Diessl 1899–1948 Schauspieler
Friedrich Engel-Jánosi 1893–1978 Historiker
Erik Frey 1908–1988 Schauspieler
Jo Gartner 1954–1986 Automobilrennfahrer
Gerdago 1906–2004 Kostümbildnerin
Friedrich Goldscheider 1845–1897 Unternehmer im Bereich der Keramik
Gertrude Grob-Prandl 1917–1995 Opernsängerin
Reinhold Häussermann 1884–1947 Burgschauspieler, Vater von Ernst Haeusserman
Ernst Hartmann 1844–1911 Burgschauspieler
Emil Hertzka 1869–1932 Direktor der Universal Edition
Peter Herz 1895–1987 Schriftsteller, Librettist, Kabarettist und Lyriker
Walter Hirschberg 1904–1996 Ethnologe, Volkskundler und Afrikanist
Maria Hornung 1920–2010 Sprachwissenschaftlerin
Wolfgang Hutter 1928–2014 Maler und Grafiker
Wilhelm Jerusalem 1854–1923 Pädagoge und Philosoph
Rudolf Jonas 1909–1962 Arzt, Autor, Bergsteiger
Reinhard Kamitz 1907–1993 Finanzminister und Nationalbankspräsident
Max Kassowitz 1842–1913 Kinderarzt
Hans Kern 1900–1949 Schauspieler
Erich von Kielmansegg 1847–1923 Politiker der österreichisch-ungarischen Monarchie
Alexander Krischan 1921–2009 Historiker und Bibliograph
Paul Kruntorad 1935–2006 Schriftsteller, Dramaturg und Kulturkritiker
Wolfgang Kudrnofsky 1927–2010 Schriftsteller und Fotograf
Ignaz von Kuffner 1892–1938 Unternehmer, Sohn von Moriz von Kuffner
Ignatz Lieben 1805–1862 Kaufmann und Bankier
Robert von Lieben 1878–1913 Physiker und Erfinder
Heinz Löffler 1927–2006 Limnologe
Walter Magrutsch 1929–2014 Diplomat
Peter Mahringer 1943–2003 Sektionschef
Franz von Matsch 1861–1942 Maler und Bildhauer
Hannes Mayer 1922–2001 Forstwissenschaftler
Sigmund Mayer 1831–1920 Kaufmann und Kommunalpolitiker
Maximilian Melcher 1922–2002 bildender Künstler
Maria Metzker 1916–2010 Politikerin
Josef Mikl 1929–2008 Maler und Grafiker
Wilhelm Miklas 1872–1956 Bundespräsident (1928–1938)
Robert Mühlher 1910–2003 Germanist und Literaturwissenschaftler
Susi Nicoletti 1918–2005 Schauspielerin
Hans Nüchtern 1896–1962 Schriftsteller und Regisseur
Walter Obholzer 1953–2008 Maler
Johann Radon 1887–1956 Mathematiker
Robert H. Reichardt 1927–1994 Soziologe
Heinrich Reinhardt 1865–1922 Operettenkomponist
Stephan Rudas 1944–2010 Psychiater
Helene Schneeberger 1843–1898 Burgschauspielerin
Franz von Schönthan 1849–1913 Journalist und Schriftsteller
Emmerich Schrenk 1915–1988 Schauspieler
Kurt Schubert 1923–2007 Judaist
Carl Skoda 1884–1918 Hofburgschauspieler
Otto Skorzeny 1908–1975 SS-Obersturmbannführer
Rudolf Sommer 1852–1913 Schauspieler
Adolf von Sonnenthal 1834–1909 Schauspieler
Hans Thalberg 1916–2003 Diplomat und Widerstandskämpfer
Eduard von Todesco 1814–1887 Unternehmer, Bankier und Philanthrop
Moritz von Todesco 1816–1873 Unternehmer, Bankier und Kunstmäzen
Heinz Traimer 1921–2002 Grafiker und Werbetexter
Willy Verkauf 1917–1994 Lebenskünstler
Donald Wedekind 1871–1908 Schriftsteller
Othmar Wessely 1922–1998 Musikwissenschaftler
Rudolf Weys 1898–1978 Kabarettautor und Schriftsteller
Alexander Witeschnik 1909–1993 Musikschriftsteller
Ernst Wimmer 1924–1991 marxistischer Theoretiker
Friedrich Wolf 1935–2008 Chorleiter
Johann Zacherl 1814–1888 Fabrikant
Franz Zadrazil 1942–2005 Maler
Karl Ziegler 1886–1944 Kammersänger

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Döblinger Friedhof auf den Seiten der Friedhöfe Wien GmbH, abgerufen am 4. Dezember 2008
  2. www.friedhoefewien.at – Ehrengräber des Friedhofs Döbling, Jänner 2008 (PDF, abgerufen am 5. Dezember 2008; 74 kB)

Literatur[Bearbeiten]

  • Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien, Band 2. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1993, ISBN 3-218-00547-7, S. 46f.
  • Werner T. Bauer: Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens. Falter Verlag, Wien 2004, ISBN 3-85439-335-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Döblinger Friedhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.23866666666716.328138888889Koordinaten: 48° 14′ 19″ N, 16° 19′ 41″ O