Dachrinne

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Dachrinne mit Einlauftrichter (Stutzen), Bögen und Fallrohr

Eine Dachrinne (umgangssprachlich Regenrinne oder Dachkalle, regional (Dach-)Kandel oder (Dach-)Kännel; auch Gehänge, (Dach-)Kähner (Alemannisch), in der Schweiz meistens Dachhengel genannt) ist eine Sammelrinne, die das von der Dacheindeckung ablaufende Regenwasser an der Dachtraufe sammelt und durch einen Trichter über ein Fallrohr ableitet. Als Teil der Dachentwässerung dient sie zur Vermeidung von Schäden am Haus sowie von Verletzung oder auch nur Belästigung von Hausbewohnern und Verkehrsteilnehmern. Wo Wasser fehlt, schwer zu beschaffen oder unerschwinglich ist, kommt die Funktion hinzu, das Regenwasser mit Regenwassersammlern in Zisternen oder Regentonnen zur Nutzung aufzufangen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hölzerne Dachrinne im Schwarzwald

Die frühsten Dachrinnen waren vermutlich aus Holz (das sich schlecht erhält). In Antike und Mittelalter wurden sie aus Stein gemeißelt oder aus Formziegeln gebaut; die Ableitung erfolgte meist über Wasserspeier.[1] Sie finden sich teils am merowingischen Herrenhaus, dann wieder im 12. und 13. Jahrhundert. An Sakralbauten bestanden sie weiterhin aus Stein, wobei die Stoßfugen mit Zement oder Fett abgedichtet wurden[2], was in nördlichem Klima allerdings nur unvollkommen gelingt. An Wohngebäuden bestanden sie aus Holz mit innerer Bleiblechverkleidung oder vollständig aus Blei, zuweilen Kupfer. Fallrohre aus Blei oder ausgehöhlten Steinsäulen treten erstmals im 12. Jahrhundert in England und Frankreich auf. Rinnen und Rohre aus Metall werden erst im 18. Jahrhundert üblich. Freitragende Dachrinnen aus Metall bieten u. a. den Vorteil, sich geringfügig ausdehnen oder zusammenziehen zu können, ohne Schaden anzurichten.

Bauformen[Bearbeiten]

Dachrinnen gibt es in unterschiedlichen Profilen (z. B. halbrund, kastenförmig) und für verschiedene Verwendungszwecke (z. B. vorgehängte Rinne, Aufdachrinne, innenliegende Rinne, Liegerinne etc.). Neben den Standardrinnen sind klempnertechnisch beliebige Profile machbar.

Werkstoffe[Bearbeiten]

Dachrinnen werden aus Titanzink, verzinktem Stahlblech, Kupfer, Edelstahl, Aluminium, PVC oder aus Holz hergestellt. Die wichtigsten Kriterien für die Auswahl des Werkstoffs sind die Anschaffungskosten, die Langlebigkeit, das Aussehen, das Design und der ästhetische Geschmack. Verzinktes Stahlblech und Titanzink sehen äußerlich ähnlich aus, lassen sich aber mit Hilfe eines Dauermagneten leicht unterscheiden. Beide sehen neu hell glänzend aus und verwittern bald zu grau. Kupfer ist im Neuzustand hellrot glänzend, die hellrote Farbe wird aber durch Witterungseinflüsse mit der Zeit immer dunkler - bis zu dunkelbraun oder fast schwarz. Erst im Lauf von vielen Jahren oder Jahrzehnten entsteht die typische grüne Patina, die man von historischen Gebäuden kennt. Holzdachrinnen werden noch im traditionell bäuerlichen Hausbau, in der Gartengestaltung, in zivilisationsfernen Gegenden und neuerdings wieder in der Holzarchitektur verwendet.

Dimensionierung[Bearbeiten]

Die Größe einer Dachrinne sowie Anzahl und Durchmesser der Fallrohre hängen von der zugehörigen Dachfläche sowie der Stärke eines ortsüblichen Gewitterregens ab.

Vorgehängte und innenliegende Dachentwässerungssysteme müssen seit Juli 2001 mit einer hydraulischen Berechnung auf ihre ausreichende Dimensionierung untersucht werden.

Aus wirtschaftlichen Gründen und zur Sicherstellung der Selbstreinigungsfähigkeit wird ein nur mittleres Regenereignis zugrunde gelegt. Gemäß DIN 1986-100 ist dieses die örtliche Fünf-Minuten-Regenspende – die statistisch einmal in fünf Jahren niedergeht.

Weitere Einflussfaktoren sind die angeschlossene Dachfläche (im Grundriss projizierte Niederschlagsfläche), der Abflussbeiwert von Dachflächen (abhängig vom Dachgefälle und der zeitlichen Verzögerung zwischen Regenwasserspende und tatsächlichem Abfluss) sowie Einflüsse aus Rinnenlänge, Rinnenwinkel, Laubfangkörben und Fallleitungsverziehungen, die zur Reduzierung des Abflussvermögens führen können (siehe DIN 1986-100).

Ausführung[Bearbeiten]

Zinkbleche wurden früher im sogenannten Paketwalzverfahren hergestellt. Die maximale Größe der Blechtafeln betrug 1 × 2 Meter. Abkantungen erfolgten infolge der schlechten Duktilität bevorzugt senkrecht zur Walzrichtung. Daher wurden die Blechtafeln in 1 Meter lange Teilstücke zerlegt. Man benannte die Rinnen deshalb nach dem Teiler der 2 Meter langen Blechtafel. Obwohl Rinnen heute aus Titanzink in beliebiger Länge und mit Kantungen in Walzrichtung hergestellt werden, wurde in Deutschland diese Benennung beibehalten und für andere Werkstoffe übernommen. Die Zuschnitte des Vormaterials richten sich nur nach dem Endprodukt. Die Abmessungen und weitere Details sind in Europa in der EN 612 geregelt. Für Heimwerker ist weniger die Größe des Ausgangsmaterials als die der fertigen Rinne von Interesse. In Baumärkten wird meist der Durchmesser einer halbrunden Rinne (bzw. die Breite einer kastenförmigen Rinne) als eine Richtgröße (RG), in Millimetern gerundet, angegeben:

Teile / Zuschnittbreite Neue Benennung Durchmesser/Richtgröße
10-teilig 200 mm 20er Rinne 80 mm RG 75
8-teilig 250 mm 25er Rinne 105 mm RG 100
7-teilig 285 mm 28er Rinne 127 mm RG 125
6-teilig 333 mm 33er Rinne 153 mm RG 150
5-teilig 400 mm 40er Rinne 192 mm
4-teilig 500 mm 50er Rinne 250 mm

Für kastenförmige Rinnen oder Fallrohre ergeben sich jeweils andere Maße.

Je nach Material, Einbausituation und Nenngröße sind Bewegungsausgleiche einzuplanen, um die temperaturbedingte Längenänderung (Wärmeausdehnung) zwängungsfrei zu gewährleisten. Z. B. ist bei halbrunden kastenförmigen außenliegenden Zinkrinnen (NW ≤ 500 mm) nach DIN EN 612 alle 15 Meter ein Dilatationsausgleich vorzusehen. Dieser kann als überlappte Bewegungsfuge oder mit entsprechenden Formteilen hergestellt werden.

Die Befestigung der Rinne erfolgt in der Regel mit vorgefertigten Rinnenhaltern (nach DIN EN 1462). Diese werden auf der Traufbohle, dem Sparren oder an der Wand befestigt. Die Halter müssen ausreichend dimensioniert werden, um den Anforderungen zu entsprechen. Die DIN EN 1462 / DIN 612 gliedert die Rinnenhalter in vier Beanspruchungsreihen und leitet daraus die maximal zulässigen Abstände ab.

Rinnen werden sowohl mit als auch ohne Gefälle zu den Abläufen verlegt. Stehendes Wasser in den Rinnen führt zu keinem erkennbaren Nachteil. Bei der Aufdachrinne wird allerdings ein Mindestgefälle von 5 Millimetern pro Meter für die Verlegung auf die Dachhaut empfohlen.

Ein Gefälle der Dachrinne quer zur Längsrichtung ist nicht erforderlich. Jedoch legt die DIN EN 612 exakte Maße für eine Überhöhung (8–20 mm) des hinteren Dachrinnenrandes fest, um bei Rückstau ein Eindringen des Wassers in die Dachkonstruktion zu vermeiden.

Normen[Bearbeiten]

  • DIN EN 12056-3 Schwerkraftentwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden, Teil 3 – Dachentwässerung, Planung und Bemessung
  • DIN 1986-100 Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke, Teil 100 – Zusätzliche Bestimmungen zu DIN EN 752 und DIN EN 12056
  • DIN EN 612 Hängedachrinnen und Regenfallrohre aus Metallblech; Begriffe, Einteilung und Anforderungen
  • DIN EN 1462 Rinnenhalter für Hängedachrinnen; Anforderungen und Prüfung
  • „Richtlinien für die Ausführung von Metall-Dächern – Außenwandbekleidungen und Bauklempner-Arbeiten – Fachregeln des Klempner-Handwerks“ vom Zentralverband Sanitär Heizung Klima.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handbuch der Architektur, Teil II, Bd. 1 Baukunst der Griechen (Josef Durm), S. 96 u. 106, Bd. II Baukunst der Römer (Josef Durm), S. 203 ff.
  2. Eugène Viollet-le-Duc: Dictionnaire raisonné de l'architecture de France, 1854–1868, Bd.3, S. 217–226

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Dachrinne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Regenrinne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Dachrinnen und Regenrinnen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien