Dominique Jean Larrey

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Porträt des Dominique Jean Larrey von Anne-Louis Girodet-Trioson

Dominique Jean Larrey (* 8. Juli 1766 in Beaudéan (Hochpyrenäen); † 25. Juli 1842 in Lyon) war ein französischer Militärarzt und Chirurg.

Leben[Bearbeiten]

Larrey wird als Sohn eines Schuhmachers in bescheidenen Verhältnissen geboren. Nach dem Tod des Vaters wuchs er bei seinem Onkel auf, der Arzt war. Er studierte an den Universitäten Toulouse und Paris. Ab 1787 war er als Chirurg bei der Marine tätig. Er nahm als Schiffsarzt an den Expeditionen mit der Fregatte Vigilante nach Neufundland teil, wo die dortigen Fischerei-Niederlassungen geschützt werden sollten.[1] Er brachte es bis zum Oberfeldscher der Großen Armee von Napoleon I. und wurde auch dessen persönlicher Leibarzt.

Dominique Jean Larrey - Stich

Als Feldchirurg befasste er sich hauptsächlich mit militärischen Entwicklungen. So führte er beispielsweise 1793, gegen große Widerstände, seine Idee der « Ambulance volante » (deutsch: „fliegenden Lazarette“) ein und organisierte Feldlazarette in Indien und Ägypten. Er gilt als Schöpfer einer völlig neuen Kriegschirurgie. Vor Larrey bestand Militärchirurgie aus feldfernen Lazaretten, die viel zu spät an die Verwundeten kamen und oft nur noch die Leichen und Sterbenden einsammeln konnten. Larrey ging mit auf das Feld. Seine Hilfsbereitschaft und Hingabe sind legendär und brachten ihm von allen Seiten höchsten Respekt ein. Auch die Weiterentwicklung medizinischer Methoden, z. B. Resektionen und Amputationen, ist ihm zu verdanken. 1810 veröffentlichte er in Paris seine drei Bücher "Chirurgische Denkwürdigkeiten" Am 4.März 1794 heiratete er Charlotte-Elizabethe Leroux de la Laville, die jüngste Tochter des ehemaligen monarchistischen Finanzministers unter Ludwig, dem XVI. [2] Sein Sohn Hippolyte wurde am 8.September 1808 geboren.[3]

Veron-Bellecourt - Napoléon Ier visitant l'infirmerie des Invalides, 11 février 1808

Am 12. Februar 1812 wurde Larrey zum Chef-Chirurgen für den Russlandfeldzug 1812 ernannt. Er wurde nach Magdeburg beordert, wo er den Chefarzt der Armee, Baron Desgenettes, traf. Von dort reiste er nach Berlin, wo er einen Operationskursus vor preußischen Ärzten abhielt, an dem Christoph Wilhelm Hufeland, Leibarzt des preußischen Königs, Johann Goercke, zu dem Zeitpunkt Generalchirurg der preußischen Armee, der Chefarzt der preußischen Armee Wibel und weitere Ärzte teilnahmen. Nach eigenen Angaben amputierte er nach der Schlacht von Borodino 200 Arme und Beine.

Beim Rückzug über die Beresina rettete Larrey viele Verwundetete. In dem Durcheinander der Schlacht überquerte Larrey, der Chirurg der Garde, die Brücke sogar zweimal. Seine chirurgischen Werkzeuge waren noch auf einem Wagen an der Ostseite und er holte das Besteck, mit dem er noch viele Leben rettete, noch persönlich ab. Beim zweiten Mal- zuerst hatte er die Brücke mit der Garde Napoleons überquert - wäre er nicht mehr über die Brücke gekommen, wenn ihn nicht viele Soldaten erkannt und ihm geholfen hätten.[4]

Lawrence Alma-Tadema 12

Am 6. Juli 1809 wurde er von Napoleon zum Baron ernannt.[5] Im September 1813 widerlegte er Soults Anschuldigungen der Selbstverstümmelung von jungen Rekruten. Napoleon gewährte ihm daraufhin eine Staatspension. Bei Dresden versorgte er den Sohn Blüchers nach dessen Verwundung. In der Völkerschlacht bei Leipzig verlor er beim Rückzug den gesamten Tross der Ambulanz, worauf die Sterblichkeitsquote bei den französischen Soldaten anstieg. Nach der ersten Verbannung Napoleons blieb Larrey Chefchirurg der Garde. Er erlebte die Schlacht bei Waterloo als Chefchirurg, Wellington wies seine Artillerie an, das französische Feldlazarett direkt im Zentrum der Schlacht nicht zu beschießen. Nach der Schlacht und der Versorgung aller Verwundeten wurde er von Marschall Blücher zum Essen eingeladen. Er war der einzige Soldat Frankreichs aus den Revolutionskriegen, dem Napoleon, Blücher und Wellington Hochachtung erwiesen.[6] [7] [8] In der Zeit der Restauration verlor er von 1815 bis 1817 alle Ämter und Pensionen. Er wurde am 9. April 1818 durch den König selbst rehabilitiert und wieder Oberwundarzt der königlichen Garde und Chef des Hotel des Invalides. Napoleon vermachte ihm in seinem Testament 1821 100.000 Francs und bezeichnet ihn nochmals als tugendhaftesten Mann, den er kennengelernt hat. Bei der Umbettung Napoleons von St.Helena nach Paris am 5. Dezember 1840 war Dominik Larrey einer der wenigen Weggefährten, die noch dabei waren, davon nur die drei von 26 Marschällen des Kaisers, die noch lebten: Jean-de Dieu Soult, Herzog von Dalmatien, als Premierminister, Nicolas Charles Oudinot, Herzog von Reggio als Großkanzler der Ehrenlegion und Adrien Moncey und Herzog von Conegliano als Gouverneur der Invalidenstiftung.[9]

Napoléon et Larrey (Planche extraite de la revue l'Artiste) - Fonds Ancely - B315556101 A CARTES 1 004

Er starb 1842 nach einer Inspektionsreise nach Algerien, die er zusammen mit seinem Sohn Hipolyte unternommen hatte.

Dominique Jean Larrey

Marschall Soult, sein persönlicher Feind, verhinderte mit einer Intrige die Beisetzung im Invalidendom, eine späte Rache für die Niederlage bei dem Streit über die angebliche Selbstverstümmelung von jungen Rekruten 1813, die Soult fälschlicherweise dem Kaiser vorgetragen hatte. [10]

Larrey war einer der ersten Ärzte, der die lokalanästhetische Wirkung von Kälte beobachtete. Nach der bei grimmiger Kälte ausgefochtenen Schlacht von Preußisch Eylau am 7. und 8. Februar 1807 nahm er Amputationen vor, ohne dass einige der Verletzten Schmerzenslaute von sich gaben. Durch die Minustemperaturen waren die peripheren Nerven von Larreys Patienten weitgehend schmerzunempfindlich geworden.[11] Darüber hinaus beobachtete er, dass die Überlebenschancen Verwundeter, die auf dem Schlachtfeld liegen geblieben waren, größer waren als derer, die sofort ins Lazarett kamen. Der Grund waren Maden, die sich in den Wunden unbehandelter Soldaten festsetzten und viele Krankheitserreger abtöteten und so eine Blutvergiftung verhinderten.[12]

Larreys „fliegende Lazarette“ wurden später von vielen anderen Ländern kopiert. Zu seinen Zielen gehörte es auch, den verletzten feindlichen Soldaten umfassende Hilfe zukommen zu lassen.

Nach Larrey wurde die „Larrey-Hernie“ (Krankheit) benannt. Des Weiteren hat er die Bezeichnung Schock für die Symptome, die ein hoher Blutverlust mit sich führt, zum ersten Mal verwendet. Er hatte beobachtet, dass Soldaten, die einen Schlag (französisch choc) in den Bauch bekommen hatten, ganz ohne äußere Verletzungen blass und kaltschweißig wurden und schließlich starben. Er fand heraus, dass sie an inneren Blutungen gestorben waren, und stellte damit den Zusammenhang her, dass Soldaten mit großen äußeren Verletzungen nicht an den Verletzungen selbst, sondern am damit verbundenen Blutverlust starben. Er nannte das symptome de choque, Schocksymptomatik, wie man noch heute sagt.

„Larrey ist der redlichste Mann und der größte Freund der Soldaten, den ich je gekannt habe. Wachsam und unermüdlich in der Pflege der Verwundeten, sah man ihn auf dem Schlachtfeld nach einer Aktion, von einem Train junger Chirurgen begleitet, sorgfältig nachforschen, ob in den Körpern noch ein Lebenszeichen zu entdecken ist. In der rauesten Witterung, in der Nacht wie am Tage, wurde er so unter den Verwundeten gesehen. Selten erlaubte er seinen Gehilfen einen Augenblick auszuruhen. Er plagte die Generale und störte sie nachts auf ihren Betten auf, wenn irgendeine Anordnung oder Hilfe für die Verwundeten oder Kranken nötig war. Sie fürchteten ihn alle, denn sie wussten, dass er jeden Augenblick bereit war, zu mir zu gehen und mir die Klagen vorzulegen. Er war der unerbittliche Feind der Lieferanten.“

Napoleon Bonaparte[13]

Dominik Larreys Sohn Hypolite wurde der Leibarzt Napoleons III.[14]

Ehrungen[Bearbeiten]

Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 30. Spalte eingetragen. Eine Marmorstatue Larreys steht im Hof des Hospitals Val de Grace.

Statue de Larrey

In Berlin gibt es die Dominique Larrey-Straße Berlin-Tegel.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Relation historique et chirurgicale de l’expédition de l’armée d’orient, en Egypte et en Syrie. Demonville, Paris 1803.
  • Mémoires de chirurgie militaire, et campagnes. J. Smith, Paris 1812, 4 Bände. (digitalisierte Bücher: Band 1, Band 2, Band 3)
    • Richard H. Willmott: Memoirs of military surgery. Cushing, Baltimore 1814. (englische Übersetzung der Bände 1–3, digitalisiertes Buch)
    • John C. Mercer: Surgical memoirs of the campaigns of Russia, Germany, and France. Carey & Lea, Philadelphia 1832. (englische Übersetzung des 4. Bandes, digitalisiertes Buch)

Literatur[Bearbeiten]

  • James Henry Dible: Napoleon’s surgeon. Heinemann Educational Books, 1970, ISBN 0-433-07395-0.
  • David R. Welling, David G. Burris, Norman M. Rich: The influence of Dominique Jean Larrey on the art and science of amputations. In: Journal of Vascular Surgery. Band 52, Nummer 3, September 2010, S. 790–793, ISSN 1097-6809. doi:10.1016/j.jvs.2010.02.286. PMID 20573472.
  • Panagiotis N. Skandalakis, Panagiotis Lainas, Odyseas Zoras, John E. Skandalakis, Petros Mirilas: “To Afford the Wounded Speedy Assistance: Dominique Jean Larrey and Napoleon.” In: World Journal of Surgery. 30, 2006, S. 1392–1399, doi:10.1007/s00268-005-0436-8, PMID 16850154.
  • Peter Bergell: Larrey, der Chefchirurg Napoleons I. Berlin 1913.
  • Jean Marchioni: Place à Monsieur Larrey Chirurgien de la garde impériale. Biographie. Editions Actes Sud, Arles 2003, ISBN 2-7427-4310-3. (Prix d’Histoire de la Médecine aux Armées (Val-de-Grâce 2004))
Belletristik

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dominique Larrey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. * Peter Bergell: Larrey, der Chefchirurg Napoleons I. Berlin 1913. S.18ff
  2. Pierre Vayre, Les Larrey. Dominique, Hippolyte...et les autres. Préface de Jean Tulard, Éditions Glyphe, p.31
  3. Pierre Vayre, Les Larrey. Dominique, Hippolyte...et les autres. Préface de Jean Tulard, Éditions Glyphe, p.34
  4. Peter Bergell: Larrey, der Chefchirurg Napoleons I. Berlin 1913, S. 102ff.
  5. Peter Bergell: Larrey, der Chefchirurg Napoleons I. Berlin 1913, S. 78
  6. arcdetriomphe.info Paris 2013,
  7. Reinhart T. Grundmann: Dominique-Jean Larrey. „revolutionärer“ Chirurg in Napoleons Diensten. In: medizingeschichte. 3/2011.
  8. W. U. Eckart: Ärzte Lexikon. Springer, Heidelberg 2006.
  9. Pierre Vayre, Les Larrey. Dominique, Hippolyte...et les autres. Préface de Jean Tulard, Éditions Glyphe, p.211
  10. Pierre Vayre, Les Larrey. Dominique, Hippolyte...et les autres. Préface de Jean Tulard, Éditions Glyphe, p.272
  11. M. A. Rauschmann: Der Schmerz und seine Therapie im Spiegel der Zeit. In: Der Orthopäde. Nr. 37, Okt. 2008, S. 1007–1015.
  12. Medikamente aus Maden. In: Der Tagesspiegel. 14. Dezember 2009.
  13. Wilhelm Ebstein: Die Krankheiten im Feldzug gegen Russland (1812). Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart 1902.
  14. http://aamssa.viabloga.com/images/H_Larrey_Napoleon_3_t.800.jpg