Dominique Jean Larrey
Dominique Jean Larrey (* 8. Juli 1766 in Beaudéan (Hochpyrenäen); † 25. Juli 1842 in Lyon) war ein französischer Militärarzt und Chirurg.
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Leben [Bearbeiten]
Larrey, der einer Familie von Militärärzten entstammte, studierte an den Universitäten Toulouse und Paris. Ab 1787 war er als Chirurg bei der Marine tätig und brachte es bis zum Oberfeldscher der Großen Armee von Napoleon I. und wurde auch dessen persönlicher Leibarzt.
Als Feldchirurg befasste er sich hauptsächlich mit militärischen Entwicklungen. So führte er beispielsweise 1793, gegen große Widerstände, seine Idee der „fliegenden Lazarette“ („Ambulance volante“) ein, organisierte Feldlazarette in Indien und Ägypten. Er gilt als Schöpfer einer völlig neuen Kriegschirurgie. Vor Larrey bestand Militärchirurgie aus feldfernen Lazaretten, die viel zu spät an die Verwundeten kamen und oft nur noch die Leichen und Sterbenden einsammeln konnten. Larrey ging mit auf das Feld. Seine Hilfsbereitschaft und Hingabe sind legendär und brachten ihm von allen Seiten höchsten Respekt ein. Auch die Weiterentwicklung medizinischer Methoden z. B. Resektionen und Amputationen ist ihm zu verdanken.
Am 12. Februar 1812 wurde Larrey zum Chef-Chirurgen für den Russlandfeldzug 1812 ernannt. Er wurde nach Magdeburg beordert, wo er den Chefarzt der Armee, Baron Desgenettes traf. Von dort reiste er nach Berlin, wo er einen Operationskursus vor preußischen Ärzten abhielt, an dem Christoph Wilhelm Hufeland, Leibarzt des preußischen Königs, Johann Goercke, zu dem Zeitpunkt Generalchirurg der preußischen Armee, der Chefarzt der preußischen Armee Wibel und weitere Ärzte teilnahmen. Nach eigenen Angaben amputierte er nach der Schlacht von Borodino 200 Arme und Beine.
Larrey war einer der ersten Ärzte, der die lokalanästhetische Wirkung von Kälte beobachtete. Nach der bei grimmiger Kälte ausgefochtenen Schlacht von Preußisch Eylau am 7. und 8. Februar 1807 nahm er Amputationen vor, ohne dass einige der Verletzten Schmerzenlaute von sich gaben. Durch die Minustemperaturen waren die peripheren Nerven von Larreys Patienten „taub“, also weitgehend schmerzunempfindlich geworden.[1]
Daneben beobachtete er auch, dass die Überlebenschancen Verwundeter, die auf dem Schlachtfeld liegen geblieben sind, größer waren als derer, die sofort ins Lazarett kamen. Der Grund waren Maden, die sich in den Wunden unbehandelter Soldaten festsetzten und viele Krankheitserreger abtöteten und so eine Blutvergiftung verhinderten.[2]
Larreys „fliegende Lazarette“ wurden später von vielen anderen Ländern kopiert. Das amerikanische Mobile Army Surgical Hospital (M.A.S.H.) basiert auf Larreys Ideen. Zu seinen Zielen gehörte es auch, den verletzten feindlichen Soldaten umfassende Hilfe zukommen zu lassen.
Nach Larrey wurde die „Larrey-Hernie“ (Krankheit) benannt. Des Weiteren hat er die Bezeichnung Schock für die Symptome, die ein hoher Blutverlust mit sich führt, zum ersten Mal verwendet. Er hatte beobachtet, dass Soldaten, die einen Schlag (französisch choc) in den Bauch bekommen hatten, ganz ohne äußere Verletzungen blass und kaltschweißig wurden und schließlich starben. Er fand heraus, dass sie an inneren Blutungen gestorben waren und stellte damit den Zusammenhang her, dass Soldaten mit großen äußeren Verletzungen nicht an den Verletzungen selbst, sondern am damit verbundenen Blutverlust starben. Er nannte das symptome de choque, Schocksymptomatik, wie man noch heute sagt.
Der britische Arzt Barry Edward O’Meara begleitete Napoleon nach St. Helena. Er notierte was Napoleon ihm über Larrey sagte: „ Larrey ist der redlichste Mann und der größte Freund der Soldaten, den ich je gekannt habe. Wachsam und unermüdlich in der Pflege der Verwundeten, sah man ihn auf dem Schlachtfeld nach einer Aktion, von einem Train junger Chirurgen begleitet, sorgfältig nachforschen, ob in den Körpern noch ein Lebenszeichen zu entdecken ist. In der rauesten Witterung, in der Nacht wie am Tage, wurde er so unter den Verwundeten gesehen. Selten erlaubte er seinen Gehilfen einen Augenblick auszuruhen. Er plagte die Generale und störte sie nachts auf ihren Betten auf, wenn irgendeine Anordnung oder Hilfe für die Verwundeten oder Kranken nötig war. Sie fürchteten ihn alle, denn sie wussten, dass er jeden Augenblick bereit war, zu mir zu gehen und mir die Klagen vorzulegen. Er war der unerbittliche Feind der Lieferanten.“[3]
Ehrungen [Bearbeiten]
Sein Name ist am Triumphbogen in Paris in der 30. Spalte eingetragen.
Werke (Auswahl) [Bearbeiten]
- Relation historique et chirurgicale de l’expédition de l’armée d’orient, en Egypte et en Syrie. Demonville, Paris 1803.
- Mémoires de chirurgie militaire, et campagnes. J. Smith, Paris 1812, 4 Bände. (digitalisierte Bücher: Band 1, Band 2, Band 3).
- Richard H. Willmott: Memoirs of military surgery. Cushing, Baltimore 1814. (englische Übersetzung der Bände 1–3, digitalisiertes Buch)
- John C. Mercer: Surgical memoirs of the campaigns of Russia, Germany, and France. Carey & Lea, Philadelphia 1832. (englische Übersetzung des 4. Bandes, digitalisiertes Buch).
Literatur [Bearbeiten]
- James Henry Dible: Napoleon’s surgeon. Heinemann Educational Books, 1970, ISBN 0-43307-395-0.
- David R. Welling, David G. Burris, Norman M. Rich: The influence of Dominique Jean Larrey on the art and science of amputations. In: Journal of vascular surgery. Band 52, Nummer 3, September 2010, S. 790–793, ISSN 1097-6809. doi:10.1016/j.jvs.2010.02.286. PMID 20573472.
- Panagiotis N. Skandalakis, Panagiotis Lainas, Odyseas Zoras, John E. Skandalakis, Petros Mirilas: “To Afford the Wounded Speedy Assistance“: Dominique Jean Larrey and Napoleon.” In: World Journal of Surgery. 30, 2006, S. 1392–1399, doi:10.1007/s00268-005-0436-8, PMID 16850154.
- Belletristik
- Johannes K. Soyener: Der Schatten des Kaisers. Roman. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2175-7.
- Johannes K. Soyener: Der Chirurg Napoleons. Historischer Roman. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-404-15557-2.
Weblinks [Bearbeiten]
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ M. A. Rauschmann: Der Schmerz und seine Therapie im Spiegel der Zeit. In: Der Orthopäde. Nr. 37, Okt. 2008, S. 1007–1015.
- ↑ Tagesspiegel vom 14. Dezember 2009: Medikamente aus Maden
- ↑ Wilhelm Ebstein: Die Krankheiten im Feldzug gegen Russland (1812). Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart, 1902.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Larrey, Dominique Jean |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Militärarzt und Chirurg |
| GEBURTSDATUM | 8. Juli 1766 |
| GEBURTSORT | Beaudéan |
| STERBEDATUM | 25. Juli 1842 |
| STERBEORT | Lyon |