Eisheilige

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Zu den Eisheiligen, auch gestrenge Herren genannt, zählen mehrere (drei, regional unterschiedlich auch vier oder fünf) Gedenktage von Heiligen im Mai. Wegen der Verschiebung durch die gregorianische Kalenderreform ist die gleichnamige alte Bauernregel mittlerweile allerdings erst jeweils mehr als eine Woche später anzuwenden als der Gedenktag des jeweiligen Heiligen liegt. Die sogenannten Eisheiligen zählen zu den Wetterheiligen; sie waren Bischöfe und Märtyrer im 4.  oder 5. Jahrhundert.

Die Eisheiligen und ihre Gedenktage[Bearbeiten]

  1. Mamertus, Bischof von Vienne – 11. Mai
  2. Pankratius, frühchristlicher Märtyrer – 12. Mai
  3. Servatius, Bischof von Tongeren – 13. Mai
  4. Bonifatius, frühchristlicher Märtyrer – 14. Mai
  5. Sophia, frühchristliche Märtyrin und Mutter dreier geweihter Jungfrauen – 15. Mai

Klimatologische Grundlagen der Bauernregel[Bearbeiten]

Die Eisheiligen sind in Mitteleuropa meteorologische Singularitäten (Witterungsregelfälle). Laut Bauernregel wird das milde Frühlingswetter erst mit Ablauf der „kalten Sophie“ stabil. In Norddeutschland gilt Mamertus als erster Eisheiliger, in Süddeutschland Pankratius, was damit erklärt werden kann, dass die von Norden her kommende Kaltluft in Süddeutschland etwa einen Tag später eintrifft.[1]

Die Bauernregel wurde etwa zwei bis drei Jahrhunderte vor der gregorianischen Kalenderreform aufgestellt.[2] Die Eisheiligen sind (wie alle anderen Heiligen auch) im Kalender ohne Datumsanpassung stehengeblieben; nach neuem Kalender finden sie elf bis zwölf Tage später statt, also vom 23. Mai bis 27. Mai. Wetterstatistisch sind die Tage mit häufiger Nord-/Nordost-Wetterlage vom 21. Mai bis 23. Mai. Während dieser Wetterlage strömt Kaltluft von Nord oder Nordost.

Bei den Datumsangaben muss berücksichtigt werden, dass Papst Gregor XIII. den gregorianischen Kalender zwar schon 1582 einführte, in den nichtkatholischen Gebieten Nord- und Mitteleuropas aber erst zwischen 1700 und 1752 flächendeckend auf die neue Zeitrechnung umgestellt wurde. Bei dieser Umstellung wurde z. B. in England der September 1752 um elf Tage verkürzt (auf den 2. September folgte unmittelbar der 14.).

Sonstiges[Bearbeiten]

In der Klimageschichte gab es Warmzeiten und Kaltzeiten. Von 950/1000 bis 1200/1300 gab es die Mittelalterliche Warmzeit. Sie begünstigte die Besiedlung kälterer Teile Europas sowie Ackerbau und Viehzucht. Dieser Periode folgte die sogenannte Kleine Eiszeit (Anfang des 15. bis in das 19. Jahrhundert hinein). Auch in der Kleinen Eiszeit gab es erhebliche Klimaschwankungen; zum Beispiel waren die Zeiträume von 1570 bis 1630 und von 1675 bis 1715 besonders kalte Zeitabschnitte.

In der Kleinen Eiszeit traten häufig sehr kalte, lang andauernde Winter und niederschlagsreiche, kühle Sommer auf. Mitte des 17. Jahrhunderts und auch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts drangen in den Alpen zweimal die Gletscher vor und zerstörten Gehöfte und Dörfer. In vielen Landstrichen kam es nicht selten zu Hungersnöten. Die durchschnittliche Vegetationsperiode war kürzer als heute; dies stellte die Bauern (gerade in relativ kühlen Landesteilen, z. B. im Osten Deutschlands und in den Mittelgebirgen) jedes Jahr vor ein Dilemma: Wenn sie spät aussäten, war die Ernte relativ gering; wenn sie relativ früh aussäten, waren die jungen Pflanzen von Frühlingsfrost bedroht.

Seit dem Ende der Kleinen Eiszeit und erst recht, seit die globale Erwärmung zu beobachten ist, sind die Vegetationsperioden länger und Frosteinbrüche im Frühjahr seltener und kürzer bzw. weniger streng als früher. So wurden beispielsweise in Trier im Zeitraum von 1951 bis 1961 durchschnittlich 0,4 Frosttage im Mai gemessen (das sind vier Tage innerhalb von zehn Jahren), von 1991 bis 2006 dagegen keine. Der Frühling beginnt offenbar einige Tage früher als vor Jahren.[3] Ein weiterer Kälteeinbruch im Juni ist unter dem Namen Schafskälte bekannt.

Das Klima in Deutschland ist regional sehr unterschiedlich; großräumige Wetterphänomene werden von lokalen Wettereignissen überlagert (etwa abgeschwächt oder verstärkt).

Bauernregeln und Sprichwörter[Bearbeiten]

Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Bauernregeln und Sprichwörter entwickelt, die auf die Eisheiligen Bezug nehmen:

  • Pankraz, Servaz, Bonifaz
    machen erst dem Sommer Platz.
  • Vor Bonifaz kein Sommer,
    nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nie sicher bist,
    bis Sophie vorüber ist.
  • Servaz muss vorüber sein,
    will man vor Nachtfrost sicher sein.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi.
    Und zum Schluss fehlt nie die Kalte Sophie.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder,
    was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
  • Pflanze nie vor der Kalten Sophie.
  • Mamerz hat ein kaltes Herz.
  • Die kalte Sophie macht alles hie. (bairisch: hie = hin, kaputt)
  • Mamertius, Pankratius, Servatius bringen oft Kälte und Verdruss.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Meyers Großes Universal-Lexikon in 15 Bänden, Bd. 4 Do–Fd, Mannheim 1981, ISBN 3-411-01844-5, S. 246
  2. Werner, Siegfried: Wettergeheimnisse selbst entschlüsseln. München 1993, ISBN 3-453-06640-5, Seite 51
  3. Die Rückkehr der Zugvögel