Emil Georg von Stauß

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Emil Georg von Stauß (1929)

Emil Georg von Stauß (* 6. Oktober 1877 in Friedrichstal, Württemberg; † 11. Dezember 1942 in Berlin) war ein deutscher Bankmanager, Generaldirektor der Deutschen Bank und Mitglied in über 30 Aufsichtsräten. Er war für seine engen Beziehungen zur NSDAP bekannt.

Karriere[Bearbeiten]

Nach seiner Banklehre bekam Stauß 1898 eine Anstellung bei der Deutschen Bank und wurde schon nach Kurzem Privatsekretär bei Georg von Siemens. Mit 28 Jahren war Stauß maßgeblich an der Gründung der Europäischen Petroleum-Union beteiligt; auf der konstituierenden Sitzung 1905 wählte man ihn zum ersten Direktor. Ab dem darauffolgenden Jahr erledigte er zusätzlich noch die Ölgeschäfte der Deutschen Bank. Mit 38 Jahren berief man Stauß 1915 in den Vorstand der Deutschen Bank. In dieser Funktion verwaltete er während des ersten Weltkriegs die Anatolische Eisenbahngesellschaft und betrieb den Weiter- bzw. Ausbau der Bagdad-Bahn. Wahrscheinlich als Dank dafür wurde Stauß 1918 in den Adelsstand erhoben.

Stauß war Motor des Zusammenschlusses der Daimler-Motoren-Gesellschaft und der Benz & Cie. Rheinische Gasmotorenfabrik im Jahr 1926 zur Daimler-Benz AG. In den 1920er Jahren trat er zudem der Gesellschaft der Freunde bei. 1932 wechselte Stauß vom Vorstand in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank. Er war u. a. Aufsichtsratsvorsitzender der Daimler-Benz AG, der Lufthansa und bei BMW, sowie Aufsichtsratsmitglied der Rhein-Main-Donau AG und der Ufa. Als Aufsichtsratsvorsitzender von Lufthansa und BMW initiierte er in den Nachkriegsjahren des ersten Weltkrieges den Neubeginn der deutschen Flugzeugindustrie.

Bis zu seinem Tod war von Stauß auch Mitglied im Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft.[1]

Annäherung und Distanz zur NSDAP[Bearbeiten]

Stauß pflegte schon früh Kontakte zur nationalsozialistischen Partei. Am 5. Oktober 1930 war Adolf Hitler bei ihm zu Gast. Im Dezember 1930 lernte sein Freund Hjalmar Schacht bei einem Essen in seinem Haus Hermann Göring kennen.[2] Am 5. Dezember 1931 stellte Stauß in seinem Hause Hitler dem amerikanischen Botschafter Sackett und dem Generalkonsul Kliefoth vor.[3] 1931 machte Stauß mit Hitler und Hermann Göring eine Bootstour auf seiner Jacht. Stauß bot nach der Bootsfahrt an, in die NSDAP einzutreten, wobei jedoch Göring meinte, in der DVP könne er mehr für die NSDAP tun. Einige Tage später stellte er Göring einen „größeren Betrag“ zur Verfügung.[4] Außerdem arbeitete Stauß in der Wirtschaftspolitischen Abteilung der NSDAP mit. Harry Graf Kessler berichtet in seinem Tagebuch über eine Veranstaltung im Hotel Kaiserhof am Abend des 30. Januar 1933:

„Ich saß an einem kleinen Tisch zwischen ihm und dem berühmten Herrn v. Stauß, früher von der Deutschen Bank, der sich sehr dicke tat mit seinen intimen Beziehungen zu Hitler. Dieser habe ihm versprochen, er werde ihm jeden Wunsch, den er ihm zur Kenntnis bringt, erfüllen.“[5]

Seine Beziehungen zur NSDAP waren schon damals so bekannt, dass jüdische Kunden der Deutschen Bank zu anderen Banken wechselten.

Seit 1930 strebte er eine enge Zusammenarbeit seiner Partei, der DVP, mit der NSDAP an. Sein Versuch, einen Parteifreund der DVP mit Hilfe der Nationalsozialisten zum Reichstagspräsidenten wählen zu lassen, scheiterte jedoch. In den Jahren 1930 bis 1932 vertrat Stauß die DVP im deutschen Reichstag. Nach der nationalsozialistischen Gleichschaltung der deutschen Politik kandidierte er bei der Reichstagswahl am 12. November 1933 für die NSDAP. 1934 wurde er zum Vizepräsidenten des nationalsozialistischen Reichstags gewählt. Als solcher ernannte Göring ihn noch im selben Jahr zum Preußischen Staatsrat. Stauß trat nie der NSDAP bei, war aber Mitglied der nationalsozialistischen Akademie für Deutsches Recht.[6]

Sein persönlicher Freund war der Ölindustrielle Henri Deterding, der ebenfalls enge Beziehungen zur NSDAP pflegte. Admiral Alexander von Müller war sein Schwiegervater.[7]

Ulrich von Hassell notierte am 29. September 1938 in seinem Tagebuch:

„Frühstück mit Heinrici, Popitz, Tischbein und Sybel (Landbund) im Continental. Sehr gedrückte Stimmung. Popitz sehr bitter, meinte, es ginge mit wachsender Wut gegen die obere ‚Schichte’ (wie Hitler das nennt). Jeden anständigen Menschen packt der physische Ekel, wie sich der aktive Finanzminister Popitz ausdrückte, wenn er Reden hört wie die letzte pöbelhafte Rede von Hitler im Sportpalast. Vor dem Frühstück sah ich Stauß, der einer der ersten Wirtschaftler war, die zu Hitler gingen, jetzt in höchster Sorge und Angewidertheit.“[8]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrike Kohl: Die Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, S. 225.
  2. Eberhard Czichon: Wer verhalf Hitler zur Macht? Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der Weimarer Republik. Pahl-Rugenstein Verlag, Köln 1971, S. 59.
  3. Gerhard Schulz: Aufstieg des Nationalsozialismus, Krise und Revolution in Deutschland. Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1975, S. 879.
  4. Henry Ashby Turner (Hrsg.): Hitler aus nächster Nähe, Aufzeichnungen eines Vertrauten 1929-1932. Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1978, S. 456 ff.
  5. Wolfgang Pfeiffer-Belli (Hrsg.): Harry Graf Kessler Tagebücher. Frankfurt am Main 1982, S. 746.
  6. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Zweite aktualisierte Auflage. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-596-16048-0, S. 598.
  7. KINO - DAS GROSSE TRAUMGESCHÄFT - Der Spiegel Nr. 37/1950
  8. Ulrich von Hassell: Vom anderen Deutschland, Aus den nachgelassenen Tagebüchern 1938–1944. Zürich 1946, S. 21.

Weblinks[Bearbeiten]