Erdölleitung Freundschaft

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Dieser Artikel beschreibt die Erdölleitung Druschba, für den gleichnamigen Abschnitt der Erdgaspipeline Sojus siehe Druschba-Trasse.
Die Erdölleitung der Freundschaft auf einer DDR-Briefmarke von 1966
Das Kombinat „Otto Grotewohl“ in Böhlen nahm 1967 die Erdölverarbeitung auf.

Die Erdölleitung Freundschaft oder Druschba-Pipeline (nach dem russischen Wort Дружба, transliteriert Družba) ist eine Pipeline, die von Almetjewsk in Tatarstan beginnend über Weißrussland und Polen bis nach Schwedt/Oder (Nordstrang) reicht, der auch die Total Raffinerie in Spergau, ein Ortsteil von Leuna, und in Böhlen südlich von Leipzig das Chemiewerk der Dow Chemical mit Erdöl versorgt.

Der Südstrang der Leitung zweigt bei Masyr in Weißrussland ab und führt nach Tschechien und weiter in die Slowakei bis nach Ungarn.

Die Pipeline wurde von 1959–1964 von den damaligen RGW-Staaten errichtet. Sie verbindet die russischen Ölfelder mit den europäischen Raffinerien und hat eine Transportkapazität von 2,5 Mio. Barrel pro Tag.[1] Später wurde die Leitung weiter nach Osten bis zu den westsibirischen Erdölquellen in der Oblast Tjumen verlängert. Damit erreichte ihre Länge bis zum deutschen Grenzort Schwedt 5327 Kilometer. Sie wird vom Unternehmen Transneft bzw. in Weißrussland durch Gomel Transneft betrieben.

Geschichte[Bearbeiten]

Erdölförderung in der Sowjetunion 1962

Auf der X. Tagung des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) im Dezember 1958 in Prag wurde der Bau einer Erdölleitung beschlossen. Am 17. Juli 1963 erreichte die Erdölleitung das EVW (Erdölverarbeitungswerk, die heutige PCK Raffinerie) in Schwedt/Oder. Am 18. Dezember 1963 eröffnete Walter Ulbricht die Leitung offiziell. 1973 wurde eine zweite Leitung in Betrieb genommen. Heutige deutsche Abnehmer sind Unternehmen in Schwedt, Böhlen und Leuna. Das Erdöl aus der Sowjetunion wurde über Bartergeschäfte bezahlt, während die DDR auf dem Weltmarkt gegen Devisen daraus hergestellte Erdölprodukte verkaufte. In der zweiten Hälfte der siebziger Jahre erhöhte die Sowjetunion infolge der Ölkrise den Ölpreis für ihre osteuropäischen Abnehmer und Anfang der achtziger Jahre senkte sie sogar die Rohölmenge von 19 auf 17 Millionen Tonnen.

Im sogenannten Energiestreit Anfang 2007 zwischen Russland und Weißrussland sperrte der Betreiber Transneft am 8. Januar 2007 vorübergehend den Beginn der Pipeline, um die Weißrussen zur Aufgabe der geplanten Transitsteuer in den Westen zu zwingen. Unter den Erdöl-Abnehmern waren davon vor allem Polen, Tschechien, Ungarn und Deutschland betroffen. Für die Bundesregierung war dies ein neuerlicher Anlass, die Abhängigkeit von Russland (20 % des Bedarfs) zu verringern, das die Energiecharta von 1994 noch nicht ratifiziert hat. Nach zwei Tagen nahm Weißrussland die Transitsteuer für russisches Öl wieder zurück.[2] Am Vormittag des 11. Januar 2007 erreichte Deutschland wieder Öl durch die Pipeline.[3]

Wegen des Kalistreits zwischen Uralkali (Russland) und Belaruskali (Belorussland) um die plötzliche Auflösung eines Kartells hat Russland die Lieferungen in die Pipeline um 1/4 (400.000 t) gekürzt, was mit Wartungsarbeiten begründet wurde[4][5]. Diese Drosselung soll auch im 4. Quartal 2013 fortgesetzt werden.

Verlauf[Bearbeiten]

Existierende und geplante Erdölleitungen in Europa

Die Erdölleitung transportiert das Erdöl aus Russland über drei Stränge nach Westeuropa. In Masyr in Weißrussland teilt sich die Leitung in einen nördlichen und einen südlichen Abschnitt. Der nördliche Teil verläuft durch Polen bis in die Nähe von Schwedt in Deutschland und besteht aus zwei parallel verlaufenden Trassen. Der südliche Abschnitt teilt sich in der Ukraine, wobei der eine Abschnitt durch die Slowakei nach Tschechien führt und der andere Abschnitt über Ungarn Verbindung zur Adria-Pipeline hat. Der nördliche Abschnitt verfügt über eine Kapazität von einer Million Barrel pro Tag und der südliche Abschnitt von 1,2 Millionen Barrel pro Tag.

Nutzung[Bearbeiten]

Die deutschen Hauptnutzer der Pipeline sind die PCK Raffinerie in Schwedt und die Total-Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna, die über eine Pipeline der Mineralölverbundleitung Schwedt an die Erdölleitung Freundschaft angeschlossen ist. Transportiert werden bis nach Schwedt pro Jahr insgesamt ca. 22 Millionen Tonnen westsibirisches Erdöl. Inzwischen ist die Trasse in Teilen sanierungsbedürftig und so kommt es immer wieder zu erheblichen Umweltverschmutzungen.

Zitate[Bearbeiten]

  • Über die Sperrung der Erdölpipeline im Januar 2007: „Wir müssen uns keine Sorgen machen! Dieser Konflikt um Weltmarktpreise zwischen Russland und Weißrussland hat keine spürbaren Auswirkungen auf Deutschland. Anders als beim Gas haben wir beim Öl viele alternative Bezugsquellen und vielfältige Lager- und Transportmöglichkeiten.“ (Utz Claassen, Vorstandschef von EnBW) [6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Roland Götz: Energietransit von Russland durch die Ukraine und Belarus. In: SWP-Studie. Dezember, 2006, ISSN 1611-6372 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Erdölleitung Freundschaft – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Die wichtigsten Ölpipelines in Europa. In: mare. Nr. 67, April 2008, S. 30.
  2. Pipeline-Streit: Verwirrung um Öllieferungen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 10. Januar 2007
  3. Pipeline-Streit: Russisches Erdöl erreicht Deutschland. In: Spiegel Online. 11. Januar 2007
  4. [1]
  5. Kali-Streit zwischen Russland und Weißrussland eskaliert zuletzt gesehen am 05-09-2013
  6. Oliver Santen: BILD-Interview: Was machen wir ohne Russen-Öl, Herr Claassen?. In: Zeitung. 9. Januar 2007