Böhlen (Sachsen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Böhlen
Böhlen (Sachsen)
Deutschlandkarte, Position der Stadt Böhlen hervorgehoben
51.202512.385833333333126Koordinaten: 51° 12′ N, 12° 23′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Leipzig
Höhe: 126 m ü. NHN
Fläche: 24,55 km²
Einwohner: 6606 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 269 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04564
Vorwahlen: 034206
034299 (Großdeuben)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: L, BNA, GHA, GRM, MTL, WUR
Gemeindeschlüssel: 14 7 29 040
Stadtgliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Karl-Marx-Straße 5
04564 Böhlen
Webpräsenz: www.stadt-boehlen.de
Bürgermeisterin: Maria Gangloff (Die Linke)
Lage der Stadt Böhlen im Landkreis Leipzig
Sachsen-Anhalt Thüringen Landkreis Mittelsachsen Landkreis Nordsachsen Leipzig Bennewitz Böhlen (Sachsen) Borna Borsdorf Brandis Colditz Frohburg Grimma Groitzsch Großpösna Kitzscher Kohren-Sahlis Lossatal Machern Markkleeberg Markranstädt Neukieritzsch Neukieritzsch Thallwitz Trebsen/Mulde Bad Lausick Otterwisch Geithain Narsdorf Belgershain Naunhof Parthenstein Elstertrebnitz Pegau Pegau Regis-Breitingen Espenhain Wurzen Zwenkau RöthaKarte
Über dieses Bild

Böhlen ist eine Stadt südlich von Leipzig im Landkreis Leipzig, Sachsen.

Geografie[Bearbeiten]

Die Stadt Böhlen liegt in der Leipziger Tieflandsbucht ca. 15 km südlich von Leipzig und 13 km nordwestlich von Borna. Durch Böhlen fließt die Pleiße. Die Stadt liegt mitten im neu erschlossenen Leipziger Neuseenland.

Stadtgliederung

Geschichte[Bearbeiten]

Obwohl bereits im 7. Jahrhundert slawisch besiedelt, wurde Böhlen erst 1353 im Zusammenhang mit einem Rittersitz des Otto de Belen urkundlich erwähnt. Die Namensentwicklung verlief dann über Beln (1487), Belen (1517), Böhlen an der Hartha (1791, gemeint ist der Wald Harth) und Böhlen b. Zwenkau (1875) bis zum heutigen Böhlen (Sachsen).

1548 wurde erstmals über das Rittergut berichtet. Besitzer waren unter anderem die Familien Osterhausen, Brandenstein und Helldorff. Im 16. Jahrhundert entstand das Böhlener Herrenhaus, das sogenannte Schloss.

Von 1540 stammen die ersten Aufzeichnungen zur alten Dorfkirche, die aber romanische Bauteile enthält.[2] Der barocke Altar wurde 1680 geschaffen.

Böhlen hatte wie das gesamte Land bis in die Neuzeit unter Kriegsfolgen und Seuchen zu leiden. Bei einer Pestepidemie während des Dreißigjährigen Krieges sollen im ganzen Dorf nur zwei Familien überlebt haben.[3]

1842 bekam das Dorf einen Haltepunkt der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn, und 1879 wurde ein Schulbau mit 5 Klassenzimmern errichtet. Bis ins 20. Jahrhundert behielt Böhlen seinen dörflichen Charakter. 1902 entstand noch das neue Pächterhaus des Rittergutes, das aber seit 1928 bis heute als Rathaus genutzt wird.

Durch die in den 1920er Jahren aufkommende Braunkohlenindustrie wurde Böhlen zur Industriegemeinde. Arbeiterwohnungen wurden gebaut und die Infrastruktur erweitert. Die heutige Karl-Marx-Straße führte mitten durch den Hof des Rittergutes. 1924 ging mit dem Tagebau Böhlen der damals größte Tagebau der Welt in Betrieb.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde im Ort ein Außenlager des KZ Buchenwald errichtet, dessen 800 Häftlinge in der Braunkohle-Benzin AG („Brabag“) Zwangsarbeit verrichten mussten. Im Gebiet des heutigen Werksgeländes der Sächsischen Olefinwerke GmbH vegetierte ein Teil der fast 5.000 Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter, die in der kriegswichtigen Produktion von Treibstoffen eingesetzt wurden.

1944/1945 war Böhlen wegen der Nähe der kriegswichtigen Industrie schweren Luftangriffen ausgesetzt. Mit Kriegsende ging die Industrie des Ortes in sowjetischen Besitz über. 1952 entstand durch Zusammenlegung von Werken (Benzinwerk, Brennstoff-Kombinat und Kraftwerk) und Rückführung in deutschen Besitz der „VEB Otto Grotewohl“, jetzt „DOW Chemical“. Im gleichen Jahr eröffnete das Kulturhaus Böhlen.

Am 7. Oktober 1964 wurde Böhlen der Status einer Stadt verliehen.

Eingemeindungen
Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Debitzdeuben[4] vor 1880 Eingemeindung nach Großdeuben
Gaulis[4] 1. April 1935 Eingemeindung nach Trachenau
Großdeuben[5] 1. Juli 1997
Probstdeuben[4] 1. April 1934 Eingemeindung nach Großdeuben
Stöhna[6] 1. Januar 1960 seit 1955 durch Braunkohlentagebau beseitigt
Trachenau[6] 1. Juli 1964 1962 bis 1965 durch Braunkohlentagebau beseitigt (außer Gaulis)
Treppendorf[4] 1. April 1935 Eingemeindung nach Trachenau, 1962 bis 1965 durch Braunkohlentagebau beseitigt
Zehmen[6] 1964 Eingemeindung nach Großdeuben, seit 1957 durch Braunkohlentagebau beseitigt
Zeschwitz[4] 1. April 1942 seit 1953 durch Braunkohlentagebau beseitigt

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Gedenkstein vor dem Rathaus zur Erinnerung an die Opfer von Zwangsarbeit
  • Kriegsgräberstätte mit Gedenkanlage für umgekommene Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer mehrerer Nationen, die während des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland verschleppt und Opfer von Zwangsarbeit wurden
  • Gedenkanlage vor dem Werksgelände mit Gedenksteinen für niederländische KZ-Häftlinge, für 28 namentlich bekannte Zwangsarbeiter aus Italien und Polen und weitere Unbekannte, sowie für 152 namentlich bekannte und 84 unbekannte sowjetische Bürger als Opfer von Zwangsarbeit

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014[7]
Wahlbeteiligung: 40,7 % (2009: 40,1 %)
 %
40
30
20
10
0
33,5 %
31,9 %
31,2 %
3,4 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
 12
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
+11,4 %p
-5,5 %p
+4,1 %p
-6,3 %p

Stadtrat nach der Kommunalwahl 2014[Bearbeiten]

Der Stadtrat setzt sich seit der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 wie folgt zusammen:[8]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerschaften gibt es mit Aichwald in Baden-Württemberg und Vaulx-en-Velin in Frankreich.

Rathaus

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Versteinerte Zeder
  • Rathaus (erbaut 1902 als Pächterhaus des Rittergutes, seit 1. Januar 1928 wird es als Rathaus genutzt)
  • Kulturhaus (erbaut 1951–1952, zu seiner Zeit das größte Kulturhaus im Bezirk Leipzig, Großer Saal mit 765 Plätzen[9])
  • Kugelhaus („Vierundzwanzigfamilienhaus“, erbaut um 1928 nach Abriss der Rittergutstallungen und -scheunen)
  • evangelische Kirche (Erstnennung 1540 und somit ältestes Gebäude des Ortes, 1794 wurde die Donatiorgel eingebaut)
  • Stadtzentrum mit versteinerter Zeder
  • barocke Katharinenkirche in Großdeuben (mit einer Friederici-Orgel)
  • Herrenhaus und Torhaus mit Parkanlage in Großdeuben
  • Gründerzeit- und Jugendstilvillen in Großdeuben
  • Leipziger Neuseenland
  • Pleißeauenlandschaft

Verkehr[Bearbeiten]

Bahnhof

Die B 2 und die B 95 treffen im Böhlener Stadtteil Großdeuben aufeinander. Die A 9 ist ca. 35 km, die A 14 ist ca. 30 km und die A 38 nur ca. 5 km entfernt.

Die Stadt liegt im Gebiet des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV); Böhlen liegt mit seinem Stadtteil Großdeuben, den Ortsteilen und den Städten Rötha und Zwenkau in der Tarifzone 152. Ein Anschluss an das Schienennetz besteht seit 1842. Der Bahnhof Böhlen liegt an der Bahnstrecke Leipzig–Hof. Böhlen ist an das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland angeschlossen. Es halten folgende Linien:

Im Stadtgebiet Böhlen werden neben dem Bahnhof Böhlen noch der Haltepunkt Großdeuben sowie der Haltepunkt Böhlen Werke von der S4 und S5 bedient.

In Böhlen halten die Busse der Linien 101, 122 und 144, die Böhlen mit den Nachbargemeinden verbinden, welche zumeist nicht an die Eisenbahn angeschlossen sind.

Der Flugplatz Böhlen liegt nordwestlich der Stadt nahe der Grenze zur Stadt Zwenkau.

Schulen[Bearbeiten]

Berufliches Schulzentrum

In Böhlen gibt es eine Grund- und eine Oberschule sowie das Berufliche Schulzentrum Leipziger Land, im Ortsteil Großdeuben außerdem eine Freie Christliche Schule. Das nächstgelegene Gymnasium befindet sich in Zwenkau.

Kultur[Bearbeiten]

Kulturhaus
  • Böhlen ist die Trägergemeinde des Leipziger Symphonieorchesters (LSO).
  • Das Kulturhaus Böhlen ist Sitz des Leipziger Symphonieorchesters, Unterrichtsort der Musikschule Leipziger Land, Sitz des Kulturverein Böhlen e.V., des Kammerchor Böhlen und als Kulturzentrum ein Ort für Veranstaltungen und Feiern.

Sport[Bearbeiten]

Die BSG Chemie Böhlen spielte von 1977 bis 1979, 1980/81 und 1982/83 in der DDR-Fußball-Oberliga. Bekanntester Spieler ist Klaus Havenstein, der 1977/78 mit 15 Treffern Torschützenkönig wurde. In dieser Saison gelang mit einem 1:0 gegen den Vizemeister 1. FC Magdeburg auch der vielleicht größte Erfolg in einem einzelnen Spiel.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die wichtigsten Industriebetriebe in Böhlen sind das Kraftwerk Lippendorf (auf dem Gelände des alten Kraftwerkes Böhlen), welches zu Neukieritzsch gehört (Vattenfall) und das Chemiewerk der Dow Chemical.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Hönsch: Vom Dorf zur Stadt. Die Entwicklung Böhlens im Zusammenhang mit der Herausbildung des Industriekomplexes Böhlen-Espenhain. in: Sächsische Heimatblätter, Heft 4/1973, S. 169-173
  • Gregor Kaufmann / Thomas Nabert: Böhlen - vom Rittergutsdorf zur Industriestadt. Mit der Geschichte von Großdeuben und Gaulis. Verlag Pro Leipzig, Leipzig 2002, ISBN 3-936508-90-9
  • Gregor Kaufmann: Aus Dorf und Stadt. Reihe Böhlener Geschichten Bd. 1, Verlag Geschichtsverein Böhlen und Umgebung, Böhlen 2003
  • Ilona Zschoch: Böhlen. Bilder erzählen aus vergangenen Tagen. Geiger Verlag, Horb am Neckar 1995, ISBN 3-89570-078-9
  • Cornelius Gurlitt: Böhlen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Böhlen (Sachsen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2013 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Cornelius Gurlitt: Böhlen. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 16. Heft: Amtshauptmannschaft Leipzig (Leipzig Land). C. C. Meinhold, Dresden 1894, S. 4.
  3. Album der Rittergüter in Sachsen, Leipziger Kreis , Leipzig 1860, S. 236
  4. a b c d e Das Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943
  5. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen
  6. a b c Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  7. http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_s10_ver.prc_ver?p_bz_bzid=GR14&p_ebene=GE&p_ort=14729040
  8. Gegenwärtige Zusammensetzung des Stadtrats
  9. Website der Stadt