Event Horizon – Am Rande des Universums

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Filmdaten
Deutscher Titel Event Horizon – Am Rande des Universums
Originaltitel Event Horizon
Produktionsland USA
GB
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1997
Länge 92 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Paul W. S. Anderson
Drehbuch Philip Eisner
Produktion Lawrence Gordon
Musik Michael Kamen,
Orbital
Kamera Adrian Biddle
Schnitt Martin Hunter
Besetzung

Event Horizon – Am Rande des Universums aus dem Jahr 1997 ist ein Science-Fiction- und Horrorfilm von Regisseur Paul W. S. Anderson. Hauptdarsteller sind Laurence Fishburne und Sam Neill.

Handlung[Bearbeiten]

Im Jahr 2047 bricht das Bergungsraumschiff Lewis & Clark zu einer geheimen Rettungsmission in der Nähe des Planeten Neptun auf. Der mitgereiste Wissenschaftler Dr. Weir erläutert erst nach der Ankunft Captain Miller und dessen Mannschaft das Ziel des Unternehmens: Sie sollen die Event Horizon bergen, ein seit dem Jahr 2040 verschollenes Raumschiff, das die Grenzen des Sonnensystems erforschen sollte und über einen revolutionären Antrieb verfügt, der ein künstliches Schwarzes Loch erzeugt und dem Schiff somit ermöglicht, den Weltraum scheinbar mit Überlichtgeschwindigkeit zu durchqueren.

Die Mannschaft entdeckt tatsächlich die verschollene Event Horizon in der Umlaufbahn des Neptun treibend. Eine Bergungsmannschaft geht an Bord und findet das Schiff scheinbar verlassen vor. Bald stellt sich aber heraus, dass alle Besatzungsmitglieder tot sind; offensichtlich haben sie sich gegenseitig getötet. Das defekte Videologbuch des Schiffes wird wiederhergestellt, in einer kurzen beschädigten Videosequenz sieht man erst Startvorbereitungen, eine Stellungnahme des Kommandanten zur Forschungsmission und plötzlich sich gegenseitig zerfleischende Besatzungsmitglieder.

Nach und nach kommt die Besatzung der Lewis & Clark dem Geheimnis der Event Horizon auf die Spur und sieht sich mehr und mehr mit ihren eigenen Ängsten konfrontiert. Nachdem die ersten Besatzungsmitglieder von grauenhaften Visionen in den Tod getrieben werden und die Lewis & Clark durch einen Sabotageakt zerstört wird, erkennt Weir, dass die Event Horizon durch das Schwarze Loch in ein anderes Universum geflogen ist, aus dem sie, auf unerklärliche Weise transformiert, als eine Art intelligentes, bösartiges Wesen zurückkehrte, das die Fähigkeit hat, die schlimmsten Ängste aller Menschen an Bord real werden zu lassen. Anscheinend war das Schiff durch einen Dimensionssprung in eine Art „Hölle“ gelangt.

Captain Miller wird von zum Leben erwachten Erinnerungen an einen Kollegen gequält, den er vor Jahren in einem brennenden Schiff zurücklassen musste, um die restliche Besatzung zu retten. Dennoch versucht er, sich von den quälenden Visionen nicht verwirren zu lassen und die Event Horizon zu zerstören. Obwohl Weir, der von dem Raumschiff inzwischen völlig vereinnahmt wurde und nicht mehr Herr seiner selbst ist, ihn davon abhalten will, kann der hintere Teil des Rumpfes mit dem Gravitationsantrieb abgesprengt werden, welcher dann durch das von Weir kurz davor aktivierte Schwarze Loch fliegt. Der Erste Offizier, Lieutenant Starck, kann mit zwei Besatzungsmitgliedern im Vorderteil des Schiffes entkommen und wird nach der Rückreise von 72 Tagen durch eine Rettungsmannschaft befreit.

Ein Mitglied dieser Rettungsmannschaft öffnet sein Helmvisier und darunter sieht man das grauenhaft mit geometrischen Schnitten entstellte Narbengesicht von Dr. Weir, allerdings in der Form, wie ihn nur Captain Miller auf dem Maschinendeck wirklich gesehen hatte. Kurz danach verschwindet diese Vision wieder und die wirkliche Rettungsmannschaft ist zu sehen. „Sie sind in Sicherheit … in Sicherheit …“ – zu Coopers Worten, mit welchen er versucht Starck zu beruhigen, schließt sich die Luke zum rettenden Bergungsschiff und die Credits setzen ein.

Inspiration und Bezüge[Bearbeiten]

Das Grundthema ist mit dem von Stanisław Lems Roman Solaris von 1961, der auch 1972 in Russland und 2002 in den USA verfilmt wurde und sich in vielen späteren Sci-Fi-Produktionen wiederfindet, identisch. Die Ursache des Phänomens des Schuldgefühls und des Verlangens, Geschehenes ungeschehen zu machen, das sich wesenhaft materialisiert, wird hier lediglich in einem Experiment zur Überwindung von Lichtgeschwindigkeit anstelle in einem unbekannten Planeten (Solaris) gesehen. Der düstere, äußerst brutale und auf Schockeffekte setzende Stil à la Alien ist sozusagen die „ideologisch entgegengesetzte“ Art, die Geschichte zu erzählen.[1] Die Rolle des Psychologen Kelvin, der nach Solaris geschickt wurde, um das Phänomen zu ergründen und sich dann völlig dem Phänomen hingibt, wird hier vom Wissenschaftler Weir übernommen. Beide erleben den Selbstmord ihrer früheren Partnerin erneut.

Die Handlung von Event Horizon erinnert an den Film The Dark Side of the Moon aus dem Jahr 1990, in dem eine nichtsahnende Besatzung ebenfalls gezwungen ist, ein vom „Bösen“ heimgesuchtes Raumschiff zu betreten, sowie die Disney-Produktion Das Schwarze Loch aus dem Jahr 1979, in dem eine kleine Forscher-Crew ein altes, verschollenes Raumschiff am Rande eines Schwarzen Lochs entdeckt.

Der Film ist in seiner Handlung und Thematik an den Computerspielklassiker Doom von 1995 angelehnt, in dem Wissenschaftler per Teleportation ein Tor zur Hölle schaffen, das nicht mehr geschlossen werden kann. Viele Spezialeffekte im Film wurden von der Firma id Software umgesetzt, welche die Computerspiele Doom I–III entwickelte. Damals war es noch nicht üblich, dass Softwarefirmen Computerspiele verfilmten, ein Einfluss der Vorlage Doom auf das Drehbuch des Films ist jedoch spürbar. Auf den Filmplakaten, wie auch auf dem DVD-Cover, ist der Satz „Im Weltall hört niemand deine Schreie” als Slogan untergebracht. Der gleiche Satz wurde auch bei den Spielen Doom I–III verwendet. Schon 1979 stand der Satz in leicht abgewandelter Form („Im Weltall hört dich niemand schreien.”) auf den Filmpostern und dem Cover des Films Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt.

Eine andere Inspiration könnte die Kurzgeschichte Hinterwäldler von William Gibson gewesen sein. Darin werden Piloten durch ein zufällig entdecktes schwarzes Loch geschickt, aus dem sie später mit Artefakten einer fremden Zivilisation zurückkehren. Allerdings befinden sich die Rückkehrer in einer schwer gestörten psychischen Verfassung, in der sie von nichts berichten können. Auch technische Aufzeichnungsgeräte versagen. Einige Piloten haben schon auf der Reise Selbstmord begangen, was die Phantasie über die Art der Begegnung anregt.

Die architektonische Vorlage für die Event Horizon soll laut DVD-Kommentar die Pariser Kathedrale Notre Dame gewesen sein. Der Name des Raumschiffes Event Horizon (deutsch: Ereignishorizont) bezieht sich auf die Stelle der Umgebung eines schwarzen Loches, ab der seine Gravitationskraft so groß wird, dass selbst das Licht dieser Kraft nicht mehr entkommen kann und vom Schwarzen Loch vollständig verschlungen wird. Die Lewis & Clark ist nach Meriwether Lewis und William Clark, den Anführern der Lewis-und-Clark-Expedition, benannt. Die Raumkrümmung, die im Film mittels des gefalteten Blatt Papiers dargestellt wurde, beruht auf der sogenannten Einstein-Rosen-Brücke (siehe Wurmloch) und ist eine tatsächliche Theorie.

Innerhalb des Films finden sich neben Anspielungen auf andere Filmproduktionen – so erinnert das Narbengesicht von Dr. Weir an die Figur Pinhead und die Höllendimension des Films Hellraiser – Das Tor zur Hölle, in einer Funkantenne ist zudem ein komplettes Modell eines X-Wing-Raumjägers aus Star Wars verbaut – auch solche auf politische Themen: Der von Sam Neill gespielte Australier Dr. Weir trägt an seinem linken Oberarm eine Mischung aus der derzeitigen Flagge Australiens und der der Aborigines. Damit wird auf die Australische Flaggenfrage angespielt, als deren Lösung unter anderem auch die im Film gezeigte vorgeschlagen wurde.

Nachwirkungen[Bearbeiten]

Um eine NC-17 Freigabe (ab 18 Jahren), die große Einschränkungen in der Kinoauswertung mit sich gebracht hätte, zu verhindern, mussten in der Postproduktion viele Szenen geschnitten werden. Ein Großteil dieser geschnittenen Szenen sind vernichtet worden. Die übrigen finden sich als Bonusmaterial auf der Special Edition-DVD. Die deutsche FSK-16-Fassung entspricht der amerikanischen R-Rated-Kinofassung, die unter 17-Jährigen den Kinobesuch nur in Begleitung eines Erwachsenen gestattet.

Für den Hauptdarsteller Laurence Fishburne war der Film ein wichtiger Schritt in seiner Filmkarriere: Er half ihm unter anderem, die Rolle des „Morpheus“ in Matrix zu bekommen.

Einige spätere Produktionen zeigen Anspielungen auf den oder Ähnlichkeit zum Film Event Horizon: Im Computerspiel F.E.A.R. aus dem Jahr 2005 finden sich vereinzelt Zeitschriften mit der Meldung „Event Horizon found“. Das Computerspiel Mass Effect aus dem Jahre 2007 übernimmt viele Handlungselemente aus dem Film wie beispielsweise das mit Leben erfüllte Raumschiff (die Sovereign) und die Wurmlochtheorie zur Fortbewegung im All. Sogar der Hauptantrieb des durch den Spieler befehligten Raumschiffs (die Normandy) sieht dem Hauptantrieb der Event Horizon mehr als ähnlich. Das 2008 erschienene Computerspiel Dead Space hat darüber hinaus eine ähnliche Handlung wie Event Horizon. Auch hier wird ein vermisstes Raumschiff gesucht, auf dem sich anscheinend eine Katastrophe ereignet hat.

Einzelne kurze Sequenzen, wie eine Frontalaufnahme des brennenden Dr. Weir, wurden nur drei Monate nach Premiere des Films in einer Folge (4. Staffel, Folge 10: Gewalttätige Gedanken) der auch von Paramount Pictures produzierten Serie Star Trek Voyager verwendet.

Trivia[Bearbeiten]

In dem Film kommt eine lateinische Fehlübersetzung vor: Der Kapitän der Event Horizon ruft in der Funknachricht liberate tutemet ex inferis, was in den englischen Untertiteln mit „save yourself from hell“ übersetzt wird. Die lateinische Formulierung ist allerdings grammatikalisch inkorrekt, denn „liberate“ (rettet) ist Plural, „tutemet“ (eine seltene überbetonte Form für dich) jedoch Singular. Es müsste also heißen libera temet (rette dich) oder liberate vosmet (rettet euch).

Kritiken[Bearbeiten]

„Science-Fiction-Horror-Thriller, der seine guten Ideen nicht zu einem überzeugenden Ganzen zu bündeln versteht und zudem in seinen vielen Genrezitaten nicht auf spekulative Versatzstücke verzichtet.“

Lexikon des Internationalen Films

„Ein Hoch auf die geniale Tricktechnik, ein Bäh für den einfallslosen Skript-Autor, der diesen intergalaktischen Mist verzapft hat. […] Wer damit beschäftigt ist, erschrocken zusammenzuzucken, denkt nicht darüber nach, wie hanebüchen und zusammengeklaut die Geschichte ist. Denn ‚Event Horizon‘ ist nichts weiter als ein schaler Science-fiction-Cocktail aus ‚haunted-house‘-Geschichte und ‚Alien‘ ohne Alien: Nicht ein übermächtiges Monster dezimiert die Rettungsmannschaft, die auf dem titelgebenden Riesenraumschiff nach Überlebenden sucht, sondern das Schiff selbst. Und das ist schon der originellste Twist dieses Sci-fi-Horror-Abenteuers. Der Rest sind Klischee-Dialoge (‚Wir müssen hier raus!‘ – ‚Ja!‘), viel Krachbumm (‚Bumm!‘), die bereits erwähnten Schocks und eine stattliche Menge state-of-the-art-Effekte, mit der die britische Firma Cinesite Europe beweist, daß gute Tricks nicht zwangsläufig auf den Hochleistungs-Rechnern von ILM oder Digital Domain entstehen müssen.“

TV Spielfilm[2]

„‚Event Horizon‘ ist wahrlich kein großer Wurf, doch er behauptet zu keinem Zeitpunkt, mehr zu sein, als er tatsächlich ist – oberflächlicher, auf Schockeffekte ausgelegter B-Horror. Wer mit dem Genre der Angst etwas anfangen kann und dessen wesentlichen Werke gesehen hat, kann demnach großen Spaß mit diesem Film haben: ‚Von welchem Film ist noch mal diese Blutwelle inspiriert?‘ Einige dümmliche Dialoge sorgen zusätzlich für einen vergnüglichen Trash-Faktor. Diese Beschreibung lässt jedoch auch erahnen, dass Zuschauer, die eher in anderen filmischen Gefilden zu Hause sind, kaum Gefallen an Paul W.S. Andersons einziger einigermaßen respektierten Arbeit finden werden.“

Filmstarts.de[3]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.scifimoviepage.com/solaris.html
  2. http://www.tvspielfilm.de/filmlexikon/?type=filmdetail&film_id=137331
  3. Jonas Reinartz: Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion