FFV Carl Gustaf

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Die FFV Carl Gustaf ist eine reaktive Panzerbüchse des staatlichen schwedischen Waffenherstellers Förenade Fabriksverken Ordnance Division (FFV) in Eskilstuna, welche in der Saab Bofors Dynamics aufgegangen ist.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten]

Panzerabwehrwaffe Carl Gustaf

Der schwedische Konstrukteur Abramson entwickelte 1941 eine tragbare Panzerabwehrwaffe. 1946 wurde die Waffe auf das Kaliber 84 mm vergrößert und mehrfach verbessert, bis sie in den 1950er Jahren vom schwedischen Militär als FFV Carl Gustaf M 2 eingeführt wurde. Ab 1972 war dann das Modell M 2-550 in Verwendung.

Die Waffe soll in rund 40 Länder, darunter auch die Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande, Großbritannien und Israel, exportiert worden sein. Eine Lizenzproduktion erfolgte seit 1976 in Indien.

Bezeichnung in anderen Ländern:

  • Deutschland – schwere Panzerfaust Carl Gustaf oder Leuchtbüchse 84 mm (dient nur noch zur Gefechtsfeldbeleuchtung)
  • Großbritannien – L 14 A1
  • Österreich – Panzerabwehrrohr PAR 66/79
  • USA – Ranger Antitank Weapons System (RAWS) (Modell M 3)

Technik[Bearbeiten]

Mündungsfeuer bei Nacht

Die Waffe wird durch zwei Personen (Richtschütze und Ladeschütze) transportiert. Dabei stehen als Munition Spreng-, Panzerspreng-, Leucht-, Nebel- und Übungsgranaten zur Verfügung. Für das Schießen im Liegen stehen ein T-förmiger Fuß oder ein Dreibein zur Verfügung, welches an der Schulterstütze angebracht werden.

Die Waffe besteht aus einem Rohr, an dessen hinteren Ende ein Verschluss mit einem sich konisch erweiterndem Abgasrohr (Venturidüse) angebracht ist. Der Verschluss ist um einen Bolzen schwenkbar angebracht und wird mittels einer Klaue verriegelt.

In den vorderen Teil des Rohres sind 24 Züge eingearbeitet, der hintere Teil ist als Patronenlager glatt ausgeführt.

Die Schulterstütze ist – bezogen auf die Gesamtlänge – mittig angebracht. Davor befinden sich zwei Pistolengriffe. Der Griff in der Nähe der Mündung dient zum Stabilisieren der Waffe, der andere ist mit der Abzugsgruppe kombiniert. Auf der Höhe dieses Pistolengriffs befindet sich auch die Visiereinrichtung auf der linken Waffenseite. Das Modell M 3 verfügt zudem noch über einen Tragegriff auf der Oberseite.

Parallel zur Rohrachse liegt seitlich des Rohres ein Führungsrohr mit Abfeuergestänge. Am hinteren Teil des Rohres ist senkrecht zur Rohrachse ein Schlagbolzen in eine Führungsbuchse mit Deckel eingesetzt. Der Schlagbolzen besteht aus einer Spitze und einem Schaft. Durch den Schaft des Schlagbolzens verläuft quer ein Durchbruch mit Steuerfläche. In diesem Durchbruch sitzt das hintere Ende des Abfeuergestänges. Auf dem vorderen Ende des Abfeuergestänges sitzt eine Druckfeder.

Zum Laden wird der Verschluss mit dem Abgasrohr nach links geschwenkt und die Patrone von hinten eingeführt. Anschließend wird der Verschluss geschlossen und verriegelt. Eine interne Sicherung verhindert eine Schussauslösung bei nicht verriegelter Waffe. Um den Abzug zu spannen muss der Hebel hinter der Abzugsgruppe nach vorn in Schussrichtung geschoben werden. Dabei wird das Abfeuergestänge gegen den Druck der Druckfeder nach vorn geschoben bis der Abzughebel an einem Sperrstück einrastet und das Abfeuergestänge festlegt. Zum Abfeuern kann die Waffe entsichert und der Abzug betätigt werden. Dieser dreht den Abzughebel, welcher das gespannte Abfeuergestänge freigibt. Das Abfeuergestänge schnellt nach hinten und drückt mit einer Rampe den Schlagbolzen in das Zündhütchen der Patrone. Daraufhin entflammt das Zündhütchen und zündet eine Pulvertreibladung, die das Geschoss nach vorn aus dem Rohr treibt. Gleichzeitig strömen aus der Düse am Verschluss Pulvergase, die eine Rückstoßkraft nach vorne bewirken. Dadurch wird der Rückstoß der Hohlladungsgranate nahezu aufgehoben. Nachdem die Granate das Rohr mit einem gewissen Drall verlassen hat, zündet in sicherer Entfernung zum Schützen ein Raketenmotor und beschleunigt die Granate auf eine höhere Geschwindigkeit.

Die Waffe kann gegen Ziele bis zu einer Entfernung von 700 m eingesetzt werden. Mit zweifach vergrößerndem Zielfernrohr soll die Maximalreichweite gegen Objekte bei 2000 m liegen. Die Version M 2-550 verfügt über ein dreifach vergrößerndes Zielfernrohr FFV 550. Beide Zielfernrohre wiegen je rund ein Kilogramm.

Bezeichnung Kaliber Länge Gewicht Granate v_0 Feuergeschwindigkeit
Carl Gustaf M 2 84 mm, progressiver Rechtsdrall, 24 Züge und Felder 1130 mm 14,2 kg, mit Zubehör und Packbrett ca. 30 kg 2,6 kg 310 m/s 6 Schuss/min
Carl Gustaf M 2-550 84 mm 1130 mm 15 kg 3 kg 260 m/s 4 Schuss/min

Die Granaten haben eine Durchschlagsleistung von 400 mm RHA. Dabei haben die in der Version M 2-550 verwendeten Granaten vom Typ FFV 551 zwar eine langsamere Mündungsgeschwindigkeit (v_0), beschleunigen während des Fluges jedoch weiter auf 350 m/s.

Die Modelle M 2 und M 2-550 bestehen aus Metall. Die neue Version M 3 soll aus Glasfaser- und Kohlenstofffaser-verstärkten Kunststoffen hergestellt werden und wiegt nur noch 8,5 kg. Es sollen auch Granaten vom Typ FFv 597 im Kaliber 135 mm zur Verfügung stehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ian V. Hogg: Jane's Infantry Weapons 1991–92. 17th edition. Jane's Information Group, Coulsdon u. a. 1991, ISBN 0-7106-0963-9.
  • John Norris: Anti-Tank Weapons. Brassey's, London 1996, ISBN 1-85753-177-9 (Brassey's modern military equipment).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Carl Gustav recoilless rifle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien