Fredelsloh

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

51.7361111111119.7891666666667253Koordinaten: 51° 44′ 10″ N, 9° 47′ 21″ O

Fredelsloh
Stadt Moringen
Höhe: 253 m
Einwohner: 1067 (1. Okt. 2009)[1]
Eingemeindung: 1. März 1974
Postleitzahl: 37186
Vorwahl: 05555
Nordwestteil von Fredelsloh mit Klosterkirche

Fredelsloh ist ein Stadtteil von Moringen im südlichen Niedersachsen (Deutschland). Der Ort ist über die Grenzen des Bundeslands als Künstler- und Töpferdorf bekannt.

Etymologie[Bearbeiten]

Nach der Überlieferung erfuhr der Ortsname durch die Jahrhunderte mehrmals eine Änderung; so wurde das Dorf mitunter Fridaßle, Fridessele, und Fredelsheim genannt, wobei Interpretationen sagen, dass der Name den Frieden nach den langjährigen Fehden mit den Grafen von Dassel verdeutlicht. Die Endsilbe ~loh hat zwei Bedeutungen: Einerseits bezeichnet Loh ein junges Gehölz, einen im guten Wachstum stehenden Wald, während Loh anderseits von Loch hergeleitet sein könnte, da Fredelsloh sich von der Lage her in einem Tal befindet, umrandet von der Weper, den Waldwänden und den Sollingbergen.

Lage[Bearbeiten]

Das Dorf Fredelsloh befindet sich im Landkreis Northeim am Ostrand des Sollings, nördlich des Höhenzugs Weper bzw. südwestlich des Höhenzugs Ahlsburg. Es liegt nordwestlich der Kernstadt Moringen, nordöstlich der Stadt Uslar und nördlich der Stadt Hardegsen im Tal des Bachs Dieße, der ein süd-südwestlicher Ilme-Zufluss ist und in Fredelsloh vom Dellgraben gespeist wird.

Geschichte[Bearbeiten]

Besiedlung

Für die älteste Besiedlung Fredelslohs existieren nur wenige Bodenfunde; man vermutet jedoch, dass seit der Jungsteinzeit zumindest Teile des Moringer Beckens besiedelt waren, da ab dieser Zeit erste Funde auftreten. Weiterhin fand man in der Bronzezeit Überreste menschlicher Besiedlung. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt schließlich aus dem Jahre 1135, wobei man davon ausgeht, dass die Existenz Fredelslohs bereits vor der Stiftsgründung bestanden hat[2].

Stift Fredelsloh

Fredelsloh um 1654/1658, Stich von Matthäus Merian

Der Dorfkern von Fredelsloh wird in seinem Erscheinungsbild geprägt von der Klosterkirche St. Blasii und Mariae. Diese Basilika gehörte zum Stift Fredelsloh, das 1132 als Augustiner-Chorherrenstift vom Bistum Mainz gegründet wurde.

Da das Stift Fredelsloh im nördlichen Randgebiet des Bistums Mainz lag, übertrugen die Mainzer Bischöfe den Grafen von Dassel die Vogteirechte, die für das 13. Jahrhundert bis 1277 belegt sind. Danach begann die Umwandlung in ein Chorfrauenstift. Das Stift bestand bis wenige Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg. Schon vor dem Dreißigjährigen Krieg schwand die frühere politische Bedeutung des Klosters; so diente es nun in erster Linie der Versorgung der Töchter und Witwen des in der näheren und weiteren Umgebung ansässigen Landadels. Gerade aus diesem Anlass verstärkte man die wirtschaftliche Basis des Klosters im 12. Jahrhundert durch den Ankauf von Zehnten und Ländereien. Die Entwicklung verlief allerdings im folgenden 13. Jahrhundert rückläufig: Land und Berechtigungen wurden veräußert, später traten auch Rentenverkäufe hinzu. Ein Brand beschädigte zahlreiche Klosterbauten; jedoch fehlten die Mittel, sie wieder aufzubauen oder auch nur den allmählichen Verfall aufzuhalten.

Eine durch Herzogin Elisabeth von Braunschweig angeregte protestantische Kirchenvisitation ergab, dass 1542 nur noch wenige Stiftsfrauen in Fredelsloh lebten, die den neuen Glauben ohne Widerstand angenommen hatten und um wirtschaftliche Hilfe baten. 1564 verpfändete Herzog Erich II. von Calenberg-Göttingen das Kloster Fredeloh für 12 Jahre an Christoffer von Falkenberge und 1575 auf Wiederkauf an Dietrich Kanne für 5731 Taler und 4 Mariengroschen, obwohl ihm das Kloster, samt allem Zubehör, nicht gehörte[3]. Aus der Verpfändung 1564 wird zudem bekannt, dass zu diesem Zeitpunkt nur noch die Domina, eine Nonne, welche als Vorsteherin fungierte, sowie eine Magd und ein Pfarrer im Kloster lebten. Im Jahr 1584 veranlasste Herzog Julius von Braunschweig die Übersiedlung einiger Stiftsfrauen aus Dorstedt bei Wolfenbüttel. Zwar löste Julius das Kloster wieder ein, die wirtschaftlichen Verhältnisse blieben aber bis auf eine kurze Phase der Erholung gegen Ende des 16. Jahrhunderts verheerend.

Stiftskirche

Klosterkirche

Die romanische Stiftskirche diente nach Schließung des Stifts für einige Generationen als Getreidespeicher und blieb dadurch erhalten, während die anderen Stiftsgebäude bis auf Mauerreste und einen Brunnen verfielen. Inzwischen ist die dreischiffige Basilika renoviert worden, und sie wird als Kirche genutzt. Das Nordportal dient als Haupteingang. Dabei handelt es sich um ein Hirsauer Portal. Die Fredelsloher Form des Säulenportals mit dem Halbbogen aus dem 12. Jahrhundert zählt zu den frühesten ihrer Art in Deutschland.

Töpfergilde

Von großer Bedeutung für den Ort ist seit frühesten Zeiten das Töpfergewerbe, das eine Haupterwerbsquelle für viele Bewohner bildete. Im Mittelalter besaßen die Fredelsloher Töpfer eine technologische Spitzenstellung, die dazu führte, dass ihre Töpfe und Vorratsbehälter bis nach Tallinn und sogar bis nach Nowgorod in Russland verkauft wurden.

Unweit von Fredelsloh wurde von einem Pilger die erste Tongrube ausgehoben, die vortreffliches Material für die Töpferarbeit lieferte. Nach dieser Entdeckung ließen sich in den folgenden Jahren immer mehr Töpfermeister aus anderen Dörfern vor Ort nieder, brachten diese Industrie empor und verschafften auf diese Weise zudem Fredelsloh bedeutende Einnahmen. Im Mittelalter formierte sich eine Töpfergilde, deren Satzungen vom damaligen Landesherrn Otto von Braunschweig bestätigt wurde. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts verlieh Herzog Erich II. der Gilde das Recht, in der Fredeloher Feldmark nach Töpfererde zu graben und das abständige Topp- und Pollholz unentgeltlich aus dem herrschaftlichen Interessenforst zu nutzen.

Nach der Errichtung des Königreichs Westphalen wurde alle Gilden aufgehoben und ihrer Rechte und Privilegien beraubt. Zwar gab es Bestrebungen, vor allem seitens der einstigen Vorsteher der Gilde - Ehrich Paland, Justus Friedrich Baumann, Georg Behrens und Georg Paland - mit einer Petition vom 3. Mai 1809, dass, wenn auch ihre bisherige Gildeverfassung aufhören sollte, ihnen dennoch erlaubt sein möchte, eine geschlossene Sozietät ferner auszumachen, damit sich nicht fremde Subjekte in ihr Handwerk einschlichen, was ihnen allein kaum den Unterhalt verschaffe[4]. Auch später, als sich das Königreich Hannover 1814 konstituierte, trugen sie ihre Bitte vor, allerdings ohne Erfolg.

Steinhauergilde

Später als die Töpferzunft wurde in Fredelsloh die Steinhauergilde gegründet. Der erste Gildebrief, ausgestellt am 13. Juli 1769 von der Landesregierung in Hannover, bezeugt deren früheste Erwähnung. Ohne Schulden, jedoch auch ohne nachweisbaren Vermögens, besaßen sie das Recht, in der Gemeindehölzung die zu ihrer Arbeit notwendigen Steine zu brechen. Ein erhaltenes Einschreibebuch verzeichnet die Namen der Gildemitglieder, der Gesellen und der Lehrlinge. Unter der Herrschaft des Königreich Westphalens wurde die Gilde aufgelöst. Ende April 1809 erbaten Dietrich Wilhelm Fischer und Philipp Schormann die Wiederbegründung der Steinhauergilde, sie wurde ihnen jedoch abgeschlagen.

Zweiter Weltkrieg

Am 28. März 1945 wurden in Fredelsloh bei einem Fliegerangriff mehrere Häuser vollständig zerstört und die Kirche beschädigt.

Eingemeindung

Am 1. März 1974 wurde Fredelsloh in die Stadt Moringen eingegliedert.[5]

Politik[Bearbeiten]

Ortsbürgermeister in Fredelsloh ist Manfred Türk (SPD).

Vereinswesen[Bearbeiten]

Im Rahmen des 100-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr Fredelsloh wurde auch der 875. Geburtstag Fredelslohs gefeiert.

Das Keramikum[Bearbeiten]

Nach mehr als 6 Jahren Planung und 1½ Jahren Bauzeit wurde am 16. Juni 2011 das Ausstellungs- und Aktionshaus Keramikum (Eigenschreibweise KERAMIK.UM) in Fredelsloh eröffnet[6], das die Geschichte Fredelslohs und der Töpferei auf anschauliche Weise erlebbar macht.

Mit viel ehrenamtlichem Engagement und regionalem Handwerk entstand ein Ausstellung, die die fast 1000-jährige ununterbrochene Tradition des Fredelsloher Töpferhandwerks präsentiert. Auf anschauliche und unterhaltsame Art kann der Besucher in die Töpfereigeschichte eintauchen. Sonderausstellungen, Töpferseminare und Experimentelle Archäologie mit dem Mittelalterofenbrand ergänzen hier die Dauerausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins Fredelsloh.

Wüstung Bengerode[Bearbeiten]

Hauptartikel: Bengerode

Etwa 1,5 km östlich von Fredelsloh liegt die Wüstung Bengerode, in der Archäologen eine mittelalterliche Töpfersiedlung ausgegraben haben. Heutige Töpfereien in Fredelsloh stehen in der Tradition dieser Wüstung. Die Funde aus der Wüstung Bengerode werden im KERAMIK.UM und in der Töpferei Klett gezeigt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Both: 850 Jahre Fredelsloh. Chronik. Hrsg.: Ortsrat Fredelsloh, Moringen 1982
  • Fritz Both: Die Klosterkirche St. Blasii und Marien in Fredelsloh. (Kleine Kunstführer für Niedersachsen, Heft 22), Göttingen 1982
  • Horst Gramatzki: Das Stift Fredelsloh von der Gründung bis zum Erlöschen seines Konvents. 2001
  • Gerda Engelbracht: Das „Töpferdorf Fredelsloh“. Ein Dorf zwischen Töpfertradition und Tourismus. Magisterarbeit, Göttingen 1981
  • Petra Lönne unter Mitarbeit von Johannes Klett-Drechsel und Sonja M.-A. König: Die mittelalterliche Töpfereiwüstung Bengerode bei Fredelsloh, Ldkr. Northeim.. In: Mamoun Fansa, Frank Both, Henning Haßmann (Herausgeber): Archäologie|Land|Niedersachsen. 400 000 Jahre Geschichte. Landesmuseum für Natur und Mensch, Oldenburg 2004 = Lizenzausgabe für die Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Seite 264-266.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: St. Blasii und Marien (Fredelsloh) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadt Moringen: Die Stadt - Daten und Zahlen. Abgerufen am 22. März 2011.
  2.  Horst Gramatzki: Das Stift Fredelsloh von der Gründung bis zum Erlöschen seines Konvents. Selbstverlag Gramatzki, Dassel-Fredelsloh 2001, ISBN 3-8311-1974-0, S. 8.
  3.  Horst Gramatzki: Das Stift Fredelsloh von der Gründung bis zum Erlöschen seines Konvents. Selbstverlag Gramatzki, Dassel-Fredelsloh 2001, S. 90f.
  4.  Karl Scheibe-Moringen: Fredelsloh. Geschichte des Dorfes und Klosters. In: Geschichte Südhannoverscher Burgen und Klöster. 10, Bernhard Franke, Leipzig 1900, S. 41.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 214.
  6. Quelle: Scherben zur Eröffnung. Heimat- und Geschichtsverein Fredelsloh eröffnet Dauerausstellung im Keramikum. (PDF; 292 kB)