Futuro (Haus)

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Futuro 13, Berlin

Das Futuro ist ein im Jahr 1968 vom finnischen Architekten Matti Suuronen entwickeltes, weitgehend aus Kunststoff bestehendes ellipsoides, auf einem Metallgerüst stehendes, 36 m² großes Rundhaus.

Daten[Bearbeiten]

Das Haus besteht aus glasfaserverstärktem Polyester mit einer Polyurethan-Isolation und hat eine abgeflachte rotationsellipsoide Bauform. Es misst 8 Meter im Durchmesser, ist 4 Meter hoch und wiegt mit kompletter Einrichtung 4 Tonnen. Das Haus kann so mit Transporthubschraubern in schwieriges Gelände gebracht werden. Es wird elektrisch beheizt. Im Jahre 1968 kostete das Haus 12.000 US-Dollar.

Das Futuro wurde von der finnischen Firma Polykem in einer kleinen Serie gefertigt. Es gibt keine klaren Angaben über die tatsächliche Anzahl der produzierten und noch existierenden Häuser. Den Plänen für die Innenausstattung des Futuro zufolge hat Matti Suuronen mehrere Benutzungsmöglichkeiten für das Haus vorgesehen, z. B. als Klassenzimmer, Herberge oder Arztpraxis.

Der Prototyp des Futuro befindet sich in der Sammlung des Museum Boijmans van Beuningen in Rotterdam, Niederlande. Im Jahr 2010 wurde er restauriert.

Futuro in Deutschland[Bearbeiten]

Futuro im Kulturpark im Plänterwald der DDR in Treptow, 1974
Das Futuro-Haus in Witten

Die Futuro-Häuser wurden in Deutschland ab 1968 vom ehemaligen Langenhagener Zweigwerk der Steffens & Nölle AG hergestellt und vertrieben.[1] In Berlin an der Spree neben dem Gelände des Rundfunks der DDR in der Nalepastraße steht eines der Futuro-Häuser. Es hat die Seriennummer 13. Dieses Haus wurde 1969 auf dem Stand der Bayer AG auf der Hannover Messe ausgestellt, um die Qualität des Kunststoffs für die Isolation zu zeigen. Eine niederländische Firma, die den Auftrag erhalten hatte, den ersten Kulturpark der DDR in Treptow auszustatten, hatte es dort gesehen, kaufte es und richtete darin das Parkfunkstudio ein. Heute ist das Futuro-Haus in Privatbesitz.

Ein weiteres Futuro stand in den 1970er-Jahren bei dem Aktionskünstler Charles Wilp auf dem Dach seines Hauses im Düsseldorfer Stadtteil Wittlaer am Rhein. Zu den Besuchern dieses Futuros gehörten Andy Warhol, Arthur Paul, damals Chefdesigner des Playboy, sowie der Verpackungskünstler Christo.[2] Christo war es auch, der im Rahmen der Kunstaktion Wrapped Living Space dieses Futuro dort 1970 verpackte.[3] Im Jahr 1973 wurde Wilp untersagt, das Futuro auf dem Dach seines Hauses stehen zu lassen, da es das Stadtbild störe.[4] Das Futuro dient heute als Chill-Out-Raum für Forscher in der Arktis.[5]

Ein weiteres Futurohaus stand für knapp 40 Jahre in Vlotho; das Gebäude wurde als Sitzungssaal eines Unternehmens genutzt. Ende Mai 2010 wurde es nach Witten abtransportiert. Dort ist es Teil des Charles Paul Wilp Moduls bzw. Charles Wilp Space, eines Museums mit Werken des Werbeschaffenden in einem stillgelegten Pumphaus des örtlichen Wasserwerks.[6]

In Frankfurt am Main, ist im Gebäude des Jugendhauses im Stadtteil Nied ein halbiertes, gelbes Futuro integriert. [7]

In Taunusstein befindet sich auf einem Firmengelände ein weißes Futuro.[8]

Rezeption[Bearbeiten]

Der finnische Filmemacher Mika Taanila drehte 1998 den Dokumentarfilm Futuro – A New Stance for Tomorrow. Auch in einem Comic kommt das Futuro vor.[9] Buckminster Fuller realisierte ein auf vergleichbaren Überlegungen beruhendes, ebenfalls industriell vorproduziertes Dymaxion House.

Auf der DVD des Dokumentarfilms Plastic Planet von Werner Boote befindet sich unter den nicht verwendeten Szenen eine Sequenz über ein Futuro in Finnland.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matthias Heisig: Stahldreieck Tempelhof. Steffens & Nölle. In: Bezirksamt Berlin-Tempelhof (Hrsg.): Von Eisen bis Pralinen. Der Bezirk Tempelhof und seine Industrie. Begleitbuch zur Ausstellung. Berlin 2000, S. 91.
  2. Dokumentation in: Charles Wilp: Düsseldorf ‚Vorort der Welt‘. Dazzledorf. Verlag Melzer, Dreieich, 1977
  3. Beleg Verpackung Christo
  4. Beleg Störung Stadtbild
  5. Beleg Chill-Out-Raum
  6. Weißes Ufo aus Vlotho hebt ab in Richtung Rheinland. Vlothoer Anzeiger, 27. Mai 2010. Abgerufen am 30. Mai 2010.
  7. Futuro in Frankfurt
  8. Futuro in Taunusstein
  9. Comic mit dem Futuro

Literatur[Bearbeiten]

  • Marko Home, Mika Taanila: Futuro. Tomorrow's House from Yesterday. Desura Books, Finnland, 2002. Online
  • Michael Kasiske: Von Helsinki zum Plänterwald. Die Geschichte von Futuro Nr. 013. In: Bauwelt 46.03, 5. Dezember 2003, 94. Jahrgang, S. 28–31
  • Elke Genzel, Pamela, Voigt: Kunststoffbauten. Teil 1: Die Pioniere. Universitätsverlag Weimar, 2005 [1]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Futuro – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien