Rotunde

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Rotunde als architektonischem Begriff; für das gleichnamige Bauwerk auf der Weltausstellung in Wien 1873 siehe Rotunde (Wien)
Körnerpark Berlin, Wassertreppe und Orangerie

Eine Rotunde (lateinisch rotundus, italienisch rotonda) ist ein Baukörper auf kreisförmigem Grundriss. Sie kann einfach sein oder monumentale Ausmaße annehmen, sakralen oder profanen Funktionen dienen und findet sich in der Architektur in allen Epochen. Sie ist im Inneren häufig, aber nicht notwendig, durch Konchen oder Nischen gegliedert und von einer Kuppel überwölbt.

Antike[Bearbeiten]

Als einfache Rotunde sind der Monopteros und die Tholos seit der griechischen und römischen Antike bekannt. Schon das Schatzhaus des Atreus in Mykene mit seinem Kraggewölbe lässt sich als frühes Beispiel hierfür nennen. Das bekannteste Beispiel für einen monumentalen Zentralbau in Form einer Rotunde ist das unter Kaiser Hadrian erneuerte Pantheon. Als kunsthistorisch richtungsweisend erwies sich die Grabeskirche von Jerusalem (326 begonnen); hier ist die Grabrotunde mit zweigeschossigem Umgang und dreigeschossigem, überkuppelten Mittelbau Teil eines Gesamtkomplexes, zu dem auch ein Hof mit Säulengalerie und eine fünfschiffige Basilika gehörten.

Grabeskirche, heutiger Grundriss

Frühes Christentum[Bearbeiten]

Santo Stefano Rotondo in Rom, 470 geweiht, ist ein bekanntes frühchristliches Beispiel nach dem Vorbild der Grabeskirche von Jerusalem. Hierbei handelt es sich um den letzten Monumentalbau des Weströmischen Reiches.

In Syrien sind einfache Rotunden innerhalb frühchristlicher Ausgrabungsstätten auszumachen (Kathedrale von Bosra, 512/513).

Mittelalter[Bearbeiten]

Die Rundkirchen insbesondere auf Bornholm und in Ungarn/Siebenbürgen enthalten als zentrales architektonisches Element eine einfache Rotunde. Sie dienten vornehmlich als Wehrkirchen. Das Gewölbe ruht manchmal auf einem Mittelpfeiler.

Als Einzelelement innerhalb eines Gesamtkonzepts ist die Chorscheitelrotunde beachtlich; diese Tradition kommt aus Burgund (St. Bénigne in Dijon, 11. Jahrhundert) und verbreitete sich von hier aus auch in Deutschland und in den Mittelmeerländern.

Die zentralen Rotunden englischer Templerkirchen (Temple Church, London) sind größere Konstruktionen mit inneren Stützenkränzen, die wiederum an die Grabeskirche von Jerusalem anknüpfen.

Mittelalterliche Türme von Burganlagen haben auch einen Kreis als Grundriss. Diese Baukörper in Funktion eines Wehrturms (Bergfried oder Donjon) oder Wohnturms fallen im Allgemeinen nicht mehr unter die Definition Rotunde, wohl aber die Burgkapellen (gut erhaltene Beispiele zum Beispiel in Böhmen und Mähren).

Rotunden finden sich z. B.

Inwieweit die Trulli von Alberobello auf kreisförmigem Grundriss noch als Rotunde durchgehen, ist nicht beschrieben (aber auch nicht definitiv ausgeschlossen) worden.

Renaissance[Bearbeiten]

In dieser Epoche wird an die Monumentalbauten der Antike wieder angeknüpft. Ausgangspunkt ist die italienische Architektur (Venedig, Florenz, Rom). Der zentrale Rundbau wird als Vollendung einer in sich geschlossenen architektonischen Harmonie verstanden, in der die horizontalen und vertikalen Kräfte äquivalent sind. Bekannte überkuppelte Rotunden finden sich in vielen Zentralbauten von Andrea Palladio (zum Beispiel in der Villa La Rotonda), Filippo Brunelleschi und Donato Bramante. Sowohl Leon Battista Alberti als auch Leonardo da Vinci beschäftigten sich mit Architekturtheorie und fertigten darüber hinaus zahlreiche Entwürfe, die nicht ausgeführt wurden.

Für die wichtigste und bekannteste Rotunde mit der weltweit größten frei tragenden Kuppel, den Petersdom in Rom, hatten einige erstrangige Künstler (unter anderem Bramante und Michelangelo) wegweisende Entwürfe geliefert; ausgeführt wurde am Ende ein Modell von Giacomo della Porta.

Barock[Bearbeiten]

Die Kunst der Monumentalbauten mit zentraler Rotunde findet in Italien elaborierte Formen, doch auch nördlich der Alpen weite Verbreitung.

Bekannte Beispiele sind Santa Maria della Salute in Venedig, die Frauenkirche in Dresden, die Karlskirche in Wien, der Invalidendom in Paris. In Deutschland und Österreich findet dieser Typus des Zentralbaus mit Rotunde häufig als Wallfahrtskirche Verbreitung (Beispiel: Kloster Maria Birnbaum in Oberbayern).

In der in dieser Epoche aufstrebenden Gartenkunst wird der antike Typus der Monopteros-Rotunde in Form eines kleinen Pavillons (Gloriette) revitalisiert. Auch Brunnen und Wasserspiele in barocken Schlossanlagen sind häufig kreisrund; im allgemeinen und touristischen Sprachgebrauch hat sich der Begriff Brunnenrotunde hierfür manifestiert, was aber unspezifisch und in Architekturlexika nicht definiert ist.

Auch barocke Friedhofskapellen konstituieren oder enthalten häufig eine Rotunde.

Neuere und neueste Architektur[Bearbeiten]

Die neoklassizistische Rotunda der University of Virginia
Das Ausstellungsgebäude des Panoramas von Racławice in Breslau, erbaut 1985
Die unter Denkmalschutz stehende Sparkassenrotunde in Warschau, gebaut 1960

Im Klassizismus knüpfen monumentale Rotunden an die Tradition des Pantheons an (San Francesco di Paola in Neapel; Gran Madre di Dio in Turin). Kuppelbauten mit zentraler Rotunde gibt es häufig in Frankreich (Panthéon von Paris), Deutschland (Paulskirche in Frankfurt) und Dänemark (Frederiks Kirke, Kopenhagen). In den USA nutzte die Rotunda (engl. für Rotunde) der University of Virginia die runde Bauform für einen repräsentativen Bibliotheksbau und inspirierte mehrere Nachfolgebauten, zum Beispiel am Massachusetts Institute of Technology (MIT). Der Monopteros ist im Klassizismus ein sehr beliebtes Objekt in der Park- und Gartengestaltung.

Das größte Gebäude, das jemals „Rotunde“ genannt wurde, war die 1873 errichtete Wiener Rotunde, zentrales Ausstellungsgebäude der Weltausstellung 1873; sie war bis zu ihrer Zerstörung durch einen Brand im Jahr 1937 die größte Kuppel der Welt.

Sacré-Cœur, das Schulbeispiel des Pariser Historismus, weist neben der zentralen noch mehrere Seiten-Rotunden auf.

Rotunde (Bochum)

Zu den Gebäuden, die markant Rotunde heißen, aber nicht unbedingt architektonisch auffallen, gehört im Zentrum Bochums der ehemalige Katholikentagsbahnhof. Seit 2010 wird dieser Rundbau kulturell und baulich entwickelt unter dem Arbeitstitel 'Rotunde'. Heute finden dort bereits einschlägige Kulturveranstaltungen statt. Das umliegende Gelände ist noch nicht erschlossen. Es handelt sich nicht um eine feste Bühne, sondern um Mieträume nebst eines mobilen Getränke-Ausschanks außen für verschiedenartige Events unter der Verantwortung von Leonardo Bauer.

Weitere Gebäude

Beispiele für Gebäude jüngerer Zeit sind der Hauptraum der Pinakothek der Moderne in München oder das Panorama-Museum (Aufbewahrungsstätte des Bauernkriegspanoramas) in Bad Frankenhausen sowie ein nach Norden hin geöffneter Rundbau, die Rotunde in Falkensee bei Berlin. Denkmäler sind gelegentlich als Rotunde ausgeführt (das Hermannsdenkmal oder Sowjetisches Ehrenmal im Treptower Park in Berlin).

Es gibt zeitgenössische Beispiele von Rundkirchen, die das Element der Rotunde architektonisch sehr freizügig und in innovativen Konstruktionen verwenden.

Daneben nehmen einige Hochhaustürme die runde Form auf, sie werden aber normalerweise nicht als Rotunden bezeichnet. Auf die Formenverwandtschaft deutet allerdings beispielsweise der Name der Rotunda in Birmingham hin, eines funktionalen, runden Bürobaus.

Manche selbststrahlenden Sendemasten stehen auf einer Rotunde, welche die Funktion des Abstimmhauses übernimmt. Beispiele hierfür dind der große Sendemast der Sendeanlage Mühlacker, der große Sendemast des Senders Wilsdruff und die beiden Rohrmaste des Senders in Wachenbrunn.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rotunde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Rotunde – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen