Gänsefüße

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Dieser Artikel befasst sich mit der Pflanze Gänsefuß. Zur anatomischen Struktur siehe Pes anserinus, zu den typografischen Zeichen siehe Gänsefüßchen.
Gänsefüße
Weißer Gänsefuß (Chenopodium album)

Weißer Gänsefuß (Chenopodium album)

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae)
Unterfamilie: Chenopodioideae
Tribus: Atripliceae
Gattung: Gänsefüße
Wissenschaftlicher Name
Chenopodium
L.

Die Gänsefüße (Chenopodium) sind eine artenreiche Pflanzengattung aus der Unterfamilie Chenopodioideae in der Familie der Fuchsschwanzgewächse (Amaranthaceae) mit weltweiter Verbreitung.

Beschreibung[Bearbeiten]

Blütenstand des Weißen Gänsefuß (Chenopodium album)

Die Chenopodium-Arten (in der jetzt enger gefassten Gattung) sind meist einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, seltener Halbsträucher oder Sträucher. Sie besitzen keinen aromatischen Geruch, sind manchmal aber übelriechend. Die jungen Stängel und Blätter sind oft dicht bemehlt mit kugeligen Blasenhaaren, die später becherförmig zusammenfallen und überdauern. Die verzweigten Stängel wachsen aufrecht, aufsteigend, ausgebreitet oder kriechend, ihre Seitenzweige stehen wechselständig, die untersten manchmal fast gegenständig. Die wechsel- oder fast gegenständigen Laubblätter besitzen einen Blattstiel. Ihre dünne oder dickliche, manchmal etwas fleischige Blattspreite ist linealisch, rhombisch oder dreieckig-spießförmig, der Blattrand kann glatt, gezähnt oder gelappt sein.

Die Pflanzen sind monözisch oder seltener diözisch. Die Blüten sitzen in knäueligen Teilblütenständen, die in der Regel zu vielen in gedrängten rispigen bis scheinährigen Blütenständen angeordnet sind, selten auch einzeln stehen. Der Aufbau der Blütenstände ist sehr variabel. Vorblätter fehlen. Bei monözischen Pflanzen gibt es zwei Typen von Blüten, zwittrige und rein weibliche. Die Blütenhülle besteht aus (vier bis) fünf oft grünen, meist hautrandigen Blütenhüllblättern, die an der Basis oder bis zur Mitte miteinander verwachsen sind und auf dem Rücken abgerundet oder gekielt sein können. In zwittrigen Blüten ist ein Kreis mit meist fünf Staubblättern vorhanden. Die Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten mit zwei Narben verwachsen.

Zur Fruchtzeit wird die Blütenhülle manchmal farbig, meist bleibt sie jedoch unverändert. Die Frucht wird von der Blütenhülle häufig umschlossen. Die häutige oder manchmal fleischige Fruchtwand haftet entweder an der Samenschale oder liegt dem Samen nur locker an. Der horizontal orientierte Samen ist flach-kugelig oder linsenförmig, mit abgerundetem oder leicht kantigem Rand. Die schwarze Samenschale besitzt eine fast glatte, fein gestreifte, etwas runzelige oder unterschiedlich grubige Oberfläche. Der ring- oder hufeisenförmige Embryo umgibt das reichlich vorhandene Nährgewebe.

Chromosomenzahl[Bearbeiten]

Die Chromosomenzahlen reichen von diploid 2n=18 über tetraploid 2n=36 bis hexaploid 2n=54, als Chromosomengrundzahl wird x=9 angenommen.

Photosyntheseweg[Bearbeiten]

Alle Chenopodium-Arten sind C3-Pflanzen.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Gänsefüße sind Nahrungspflanzen für die Raupen zahlreicher Schmetterlinge (Lepidoptera). In der HOSTS-Datenbank sind 186 Einträge von Schmetterlingsarten an Chenopodium verzeichnet.[1] (Diese beziehen sich jedoch auf die Gattung in ihrem früheren größeren Umfang).

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Gattung Chenopodium ist weltweit verbreitet.[2][3] Viele Arten gedeihen in trockenen Regionen oder auf salzreichen Böden, obwohl ihnen spezielle Anpassungen wie etwa Sukkulenz oder C4-Photosynthese fehlen.[4]

Von den Gänsefüßen im weiteren Sinne kommen in Deutschland 16 Arten beständig vor,[5] weitere Arten treten als unbeständige Einschleppungen in Erscheinung.[6] Nach Uotila (2011) handelt es sich um folgende Arten:[7]

Einige Arten wurden von Fuentes-Bazan et al. (2012) anderen Gattungen zugeordnet:

  • Guter Heinrich (Blitum bonus-henricus (L.) Rchb., Syn. Chenopodium bonus-henricus L.)
  • Ähriger Erdbeerspinat (Blitum capitatum L., Syn. Chenopodium capitatum (L.) Ambrosi)
  • Echter Erdbeerspinat (Blitum virgatum L., Syn. Chenopodium foliosum Asch.)
  • Bastard-Gänsefuß oder Stechapfelblättriger Gänsefuß (Chenopodiastrum hybridum (L.) S.Fuentes, Uotila & Borsch, Syn. Chenopodium hybridum L.)
  • Mauer-Gänsefuß (Chenopodiastrum murale (L.) S.Fuentes, Uotila & Borsch, Syn. Chenopodium murale L.)
  • Vielsamiger Gänsefuß (Lipandra polysperma (L.) S.Fuentes, Uotila & Borsch, Syn. Chenopodium polyspermum L.)
  • Dickblättriger Gänsefuß (Oxybasis chenopodioides (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch, Syn. Chenopodium chenopodioides (L.) Aellen)
  • Graugrüner Gänsefuß (Oxybasis glauca (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch, Syn. Chenopodium glaucum L.)
  • Roter Gänsefuß (Oxybasis rubra (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch, Syn.Chenopodium rubrum L.)
  • Straßen-Gänsefuß (Oxybasis urbica (L.) S. Fuentes, Uotila & Borsch, Syn. Chenopodium urbicum L.)

Systematik[Bearbeiten]

Berlandiers Gänsefuß (Chenopodium berlandieri)
Feigenblättriger Gänsefuß (Chenodpodium ficifolium)
Baumspinat (Chenopodium giganteum)

Die Gattung Chenopodium wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Band 1, S. 218–222[8] aufgestellt. Die Typusart ist Chenopodium album L.[9]

Traditionell umfasste die Gattung Chenopodium im weiteren Sinne etwa 170 Arten.[3] Aufgrund morphologischer und anatomischer Merkmale wurde sie in drei Untergattungen (Subgenus Ambrosida, Subgenus Blitum und Subgenus Chenopodium) mit jeweils mehreren Sektionen untergliedert.

Durch phylogenetische Untersuchungen wurde deutlich, dass die Gattung in ihrem alten Umfang polyphyletisch war und somit keine natürliche Verwandtschaftsgruppe darstellte. Daher wurde eine neue Einteilung nötig, bei der zahlreiche Arten anderen Gattungen, teilweise sogar in anderen Tribus zugeordnet wurden. Mosyakin & Clemants (2002, 2008) trennten die Drüsengänsefüße (Dysphania) und Teloxys aristata in der Tribus Dysphanieae ab. Fuentes-Bazan et al. (2012) stellten weitere Arten in die Gattungen Blitum (in der Tribus Anserineae), Chenopodiastrum und Oxybasis und gliederten den Vielsamigen Gänsefuß als Lipandra polysperma ab.

Synonyme der verkleinerten Gattung Chenopodium L. (s.str.=im engeren Sinne) sind nach Fuentes-Bazan et al. (2012) Chenopodium sect. Leprophyllum Dumort., Chenopodium sect. Chenopodiastrum Moq., Einadia Raf., Rhagodia R.Br. sowie Vulvaria Bubani (nom. illeg.).

Chenopodium s.str. wurde von Fuentes et al. (2012) in die Tribus Atripliceae eingruppiert und gehört zur Unterfamilie Chenopodioideae innerhalb der Familie der Amaranthaceae.

Zu Chenopodium s.str. gehören nur noch etwa 90 Arten, darunter:


Noch nicht auf ihre Zugehörigkeit molekulargenetisch überprüft wurden beispielsweise:

Quinoa (Chenopodium quinoa)

Nutzung und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Wirtschaftliche Bedeutung als Pseudogetreide besitzen beispielsweise Quinoa und Huauzontle (Chenopodium quinoa) oder Kañiwa (Chenopodium pallidicaule). Viele weitere Arten sind essbar, ihre Samen dienten in Notzeiten als Mehlzusatz und ihre Blätter als spinatartiges Gemüse.[10]

Zahlreiche Arten eignen sich als Färberpflanzen.[10]

In der Landwirtschaft verursachen mehrere Arten Probleme als "Unkraut", beispielsweise Weißer Gänsefuß (Chenopodium album).[4]

Quellen[Bearbeiten]

  • Susy Fuentes-Bazan, Pertti Uotila, Thomas Borsch: A novel phylogeny-based generic classification for Chenopodium sensu lato, and a tribal rearrangement of Chenopodioideae (Chenopodiaceae). In: Willdenowia. Band 42, Nr. 1, 2012, S. 5-24, online (Abschnitte Beschreibung, Systematik)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gaden S. Robinson, Phillip R. Ackery, Ian J. Kitching, George W. Beccaloni & Luis M. Hernández: Eintrag bei HOSTS - A Database of the World's Lepidopteran Hostplants, abgerufen 2. Februar 2012
  2. Steven E. Clemants & Sergei L. Mosyakin: Chenopodium - textgleich online wie gedrucktes Werk, In:  Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 4: Magnoliophyta: Caryophyllidae, part 1, Oxford University Press, New York/Oxford u. a. 2003, ISBN 0-19-517389-9, S. 261-.
  3. a b Gelin Zhu, Sergei L. Mosyakin & Steven E. Clemants: Chenopodium - textgleich online wie gedrucktes Werk, In:  Wu Zhengyi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 5: Ulmaceae through Basellaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 2003, ISBN 1-930723-27-X, S. 378-.
  4. a b Susy Fuentes-Bazan, Guilhem Mansion, Thomas Borsch: Towards a species level tree of the globally diverse genus Chenopodium (Chenopodiaceae). In: Molecular Phylogenetics and Evolution, online 22 October 2011, ISSN 1055-7903, [1].
  5. Karl Peter Buttler & Ralf Hand: Liste der Gefäßpflanzen Deutschlands. In: Kochia, Beiheft 1, 107 S.
  6.  Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 10., bearbeitete Auflage. Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band, Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München/Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.
  7. Pertti Uotila, 2011: Chenopodiaceae (pro parte majore): Chenopodium – In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity., abgerufen 2. Februar 2012
  8. Erstveröffentlichung eingescannt bei Biodiversity Heritage Library
  9. Eintrag bei Tropicos, abgerufen 3. Februar 2012
  10. a b Eintrag bei Plants For A Future.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gänsefüße (Chenopodium) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Gänsefüße – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen