Gallia Christiana

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Die Gallia Christiana ist eine lateinische Enzyklopädie in 16 Bänden zur Geschichte der Römisch-katholischen Kirche in Frankreich; sie wurde in mehreren Ausgaben zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert publiziert. Sie beinhaltet eine Geschichte fast aller französischen Diözesen und Abteien, ergänzt um biographische Listen der Bischöfe und Äbte.

Die Samarthani[Bearbeiten]

1621 veröffentlichte Jean Chenu, Advokat im Parlement von Paris, das inhaltlich unvollständige Buch Archiepiscoporum et episcoporum Galliæ chronologica historia. Claude Robert, ein Priester aus Langres, publizierte 1626 mit Approbation des Kardinals Cesare Baronio eine erste Gallia Christiana.

Die Brüder Scévole (1571-1650) und Louis de Sainte-Marthe (1571-1656) – auf Latein: Samarthanus – die 1620 zu königlichen Historiographen ernannt worden waren, hatten sowohl Chenu als auch Robert bei deren Arbeiten unterstützt. Auf der Assemblée du Clergé von 1626 wurden die Brüder nun von einigen Prälaten gebeten, das Werk auszubauen. Beide starben vor der Veröffentlichung, die 1656 durch Scévoles Söhne Pierre (1618-1690), selbst königlicher Historiograph, Abel (1620-1671), Theologe, und Nicolas-Charles (1623-1663) publiziert unter dem Titel Gallia Christiana, qua series omnia archiepiscoporum, episcoporum et abbatum Franciæ vicinarumque ditionum ab origine ecclesiarum ad nostra tempora per quattor tomos deducitur, et probator ex antiquæ fidei manuscriptis Vaticani, regnum, principum tabulariis omnium Galliæ cathedralium et abbatarium publiziert wurde: vier Bände, davon der erste für die Erzbistümer, der zweite und der dritte für die Bistümer sowie der vierte für die Klöster. Bereits bei diesem Werk wurde eine korrigierte und erweiterte Neuausgabe angekündigt, die aber nie erschien.

Die Mauriner[Bearbeiten]

1710 bot die Assemblée du Clergé dem Benediktinermönch Denis de Sainte-Marthe (1650-1725), einem Angehörigen der Congrégation de Saint-Maur (Mauriner) 1000 Livres, damit er eine revidierte Ausgabe der Gallia Christiana zum Abschluss bringe. Der erste Band erschien 1715, der zweite 1720 und der dritte 1725. Da sichergestellt war, dass die Arbeiten nach dem Tod Denis de Saint-Marthes weitergeführt wurden, konnten zwei weitere Bände erscheinen (1728 und 1731), bevor der Streit um die Päpstliche Bulle Unigenitus die Autoren erreichte: Dom Félix Hodin und Dom Etienne Brice wurden vertrieben und konnten erst 1739 weiterarbeiten. In den Folgejahren erschienen die Bände 6 bis 13, und nun war es die Revolution, die den Abschluss des Werks verhinderte. Zwischen 1856 und 1865 wurden Jean-Barthélemy Hauréau noch einmal drei Bände veröffentlicht, und lediglich der letzte Band für die Kirchenprovinz Utrecht wurde nicht fertiggestellt (diese Lücke konnte 1891-1896 durch Gisbert Broms Bullarium Trajectense wenigstens bis zum Jahr 1378 geschlossen werden).

Spätere Arbeiten[Bearbeiten]

1774 veröffentlichte Abbé Hugues du Temps, Generalvikar von Bordeaux, einen Auszug aus der Gallia Christiana unter dem Titel Le clergé de France, von dem aber nur vier Bände erschienen. Um 1867 veröffentlichte der Historiker Honoré Fisquets (1818-1883) mit La France pontificale (Gallia christiana)… eine französischsprachige Kirchengeschichte, in der er sich für die älteren Zeiten auf die Gallia Christiana stützte, die Beschreibung aber auch bis in moderne Zeiten fortführte; von diesem Werk erschienen 22 Bände.

Der Kanoniker Albanès schließlich plante eine vollständige Revision der Gallia Christiana. Er war einer der ersten Forscher, die die Vatikanische Apostolische Bibliothek aufsuchte, in der Hoffnung, vor allem für die Frühzeit Annahmen der bisherigen Autoren durch Dokumente zu ergänzen, starb aber bereits 1897 vor der Veröffentlichung des ersten Bandes. Die Auswertung seiner Notizen durch den Kanoniker Ulysse Chevalier führte dann zur Publikation von drei Bänden einer Gallia Christiana (novissima) zu Arles, Aix und Marseille.

Die einzelnen Bände[Bearbeiten]

Das Werk ist alphabetisch nach den Kirchenprovinzen sortiert :

  • Band 1, 1715 : Kirchenprovinzen Albi, Aix, Arles, Avignon und Auch.
  • Band 2, 1720 : Kirchenprovinzen Bourges und Bordeaux.
  • Band 3, 1725 : Kirchenprovinzen Cambrai, Köln und Embrun.
  • Band 4, 1728 : Kirchenprovinz Lyon.
  • Band 5, 1731 : Kirchenprovinzen Mecheln und Mainz.
  • Band 6, 1739 : Kirchenprovinz Narbonne.
  • Band 7, 1744 : Kirchenprovinz Paris und ihre Suffraganbistümer, 1. Teil.
  • Band 8, 1744 : Kirchenprovinz Paris und ihre Suffraganbistümer, 2. Teil.
  • Band 9, 1751 : Kirchenprovinz Reims, 1. Teil.
  • Band 10, 1751 : Kirchenprovinz Reims, 2.Teil.
  • Band 11, 1759 : Kirchenprovinz Rouen.
  • Band 12, 1771 : Kirchenprovinzen Sens und Tarentaise.
  • Band 13, 1785 : Kirchenprovinzen Toulouse und Trier.
  • Band 14, 1856 : Kirchenprovinz Tours.
  • Band 15, 1860 : Kirchenprovinz Besançon.
  • Band 16, 1865 : Kirchenprovinz Vienne.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jean-François Dreux du Radier, Bibliothèque historique et critique du Poitou, Paris, 1754
  • Gallia Christiana, Band IV, Vorwort
  • Gallia Christiana (novissima), Montbéliard, 1899
  • Longuemare, Une famille d’auteurs aux seizième, dix-septième et dix-huitième siècles ; les Sainte-Marthe, Paris, 1902
  • Victor Fouque, Du « Gallia christiana » et de ses auteurs : étude bibliographique, Paris, 1857 ; Bibliothèque nationale de France, Gallica : online

Weblinks[Bearbeiten]