Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr

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Die Gewerkschaft öffentliche Dienste, Transport und Verkehr (ÖTV) war eine Gewerkschaft des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) mit Sitz in Stuttgart.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam es seit 1945 in der amerikanischen, britischen und französischen Besatzungszone zu Gründungen zonaler Gewerkschaften. Auf einem Treffen von Vertretern der zonalen Gewerkschaften am 26. und 27. April 1947 in Oberursel wurde eine interzonale Arbeitsgemeinschaft beschlossen. Sie übernahm die Aufgabe, die Vereinigung der drei Gewerkschaftsorganisationen vorzubereiten. Im November 1947 folgte in Stuttgart eine weitere Sitzung, auf der grundsätzliche Organisationsfragen diskutiert wurden: Die Gewerkschafter aus der nördlich gelegenen britischen Zone wollten einen starken Zentralvorstand, hingegen strebten die süddeutschen Gewerkschafter eine föderalistische Struktur an. Auf einer Tagung der zonalen Hauptvorstände am 22. und 23. Oktober 1948 in Bad Salzuflen brachen die noch ungelösten Organisationsfragen zwischen den Koalitionen auf. Ein strategisches Bündnis isolierte den rheinischen Einfluss und brachte Adolph Kummernuss als künftigen Vorsitzenden der vereinigten Gewerkschaften ins Gespräch.[1]

Nach den Verbandstagen der regionalen Gewerkschaften fand vom 28. bis zum 30. Januar 1949 im Straßenbahner-Waldheim in Stuttgart-Degerloch der Vereinigungsverbandstag statt. Auf der Konferenz, an der 300 Delegierten aus den drei Westzonen teilnahmen, referierte u.a. Viktor Agartz über die Gleichberechtigung in der Wirtschaft. Nach dem offiziellen Zusammenschluss der Gewerkschaften aus der amerikanischen und britischen Zone − die Gewerkschaften der französischen Zone konnten sich erst am 7. Mai 1949 anschließen − wurde Stuttgart als Verwaltungssitz festgelegt. Das zentrale Führungsgremium war der geschäftsführende Hauptvorstand (gHV) mit den gleichberechtigten Vorsitzenden Adolph Kummernuss und Georg Huber.[2]

Im Juni und Juli 1949 konstituierten sich zunächst sieben Hauptfachabteilungen (HFA), deren Zahl im Jahr 1952 durch die Aufteilung der HFA II in zwei Gliederungen auf insgesamt acht HFA erweitert wurde:[3]

  1. HFA I: Bund- und Länderbetriebe und Verwaltungen
  2. HFA IIK: Kommunalbetriebe und Verwaltungen
  3. HFA IIE: Gas-, Wasser- und Energiewirtschaft
  4. HFA III: Polizei
  5. HFA IV: Gesundheitswesen
  6. HFA V: Straßenbahnen, Privat-, Klein- und Nebenbahnen
  7. HFA VI: Hafenbahnen, Hafenbetriebe, Schifffahrt
  8. HFA VII: Privater Transport, Kraftfahrer und Speditionen.

Zusätzlich hatten die Personengruppen der Frauen und der Jugendlichen jeweils eigene Bundesausschüsse und Bundessekretäre.

Zuletzt hatte sie ca. 1,5 Millionen Mitglieder und war damit nach der IG Metall die zweitgrößte Einzelgewerkschaft des DGB. 2001 fusionierte die ÖTV gemeinsam mit der Deutschen Angestelltengewerkschaft (DAG), der IG Medien, der Deutschen Postgewerkschaft (DPG) und der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) zur Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di). Vorsitzender der neuen Gewerkschaft ver.di ist seit ihrer Gründung im Jahr 2001 Frank Bsirske.

Die Mitgliederzeitschrift der ÖTV hieß in den fünfziger Jahren „ÖTV-Presse“, ab 1960 „ÖTV-Magazin“.

Vorsitzende[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Josef Furtwängler: ÖTV. Die Geschichte einer Gewerkschaft. Gewerkschaft Öffentliche Dienste, Transport und Verkehr, Stuttgart 1955.
  • Walter Nachtmann: 100 Jahre ÖTV. Die Geschichte einer Gewerkschaft und ihrer Vorläuferorganisationen. Union, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-922454-43-7
  • Rüdiger Zimmermann: 100 Jahre ÖTV. Biographien. Die Geschichte einer Gewerkschaft und ihrer Vorläuferorganisationen. Union, Frankfurt am Main 1996 ISBN 3-922454-44-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Nachtmann: 100 Jahre ÖTV. Die Geschichte einer Gewerkschaft und ihrer Vorläuferorganisationen. Union, Frankfurt am Main 1996, S. 295-296.
  2. Walter Nachtmann: 100 Jahre ÖTV. Die Geschichte einer Gewerkschaft und ihrer Vorläuferorganisationen. Union, Frankfurt am Main 1996, S. 300-303.
  3. Walter Nachtmann: 100 Jahre ÖTV. Die Geschichte einer Gewerkschaft und ihrer Vorläuferorganisationen. Union, Frankfurt am Main 1996, S. 309.